Der Rote Knebel – Journalismus in China

Der Rote Knebel – Journalismus in China

 

„Heimat ist da, wo man sich nicht erklären muss.“

Johann Gottfried Herder

China: Wer denkt bei diesem Land nicht sofort an uralte Hochkulturen sowie Religionen,  Erfinderreichtum und freundliche Menschen. Doch das sogenannte Reich der Mitte befindet sich heute in vielen Belangen in einem katastrophalen Zustand.

China im Jahr 2016 ist seit der Niederschlagung seiner studentischen Demokratiebewegung im Jahr 1989 weiterhin unter einem autoritären, sozialistischen Einparteiensystem, welche von der kommunistischen Partei (KPCh) unter dem Staatschef Xi Jinping seit 2013 geleitet wird. Diese zensiert die Medien sowie das Internet, kontrolliert die Rechtsanwendung und die Justiz. Bei der Auswahl seiner politischen Führer verfügt das Volk über keinerlei Rechte. Auch sind die Freiheitsrechte in Sachen Meinungsfreiheit, Religions- und Reisefreiheit stark eingeschränkt. Die Medien und Presselandschaft muss unter den Missständen schwer leiden.

Pressefreiheit im Reich der Mitte – Was darf ein Journalist?

„Alles, solange er sich an Chinas Gesetze hält.“ So drückte sich ein Beamter des Pekinger Außenministeriums aus, welcher einen Journalisten der Welt auf einen Kaffee einlud, um über die Pressefreiheit Chinas zu sprechen. Doch die Liste der politischen Grauzonen, über welche Journalisten nicht berichten dürfen, ist lang. Hierzu gehört die Lage verfolgter Mönche in Tibet, das Verbot der Kontaktaufnahme zu Anhängern des Dalai Lama sowie zu Familienangehörigen von Dissidenten. China befindet sich laut „Reporter ohne Grenzen“ in der Pressefreiheit auf Platz 176 von 180 Ländern. (Stand September 2016). Weltweit zählt es die meisten inhaftierten Journalisten sowie Internet-Blogger.  23 Journalisten und 84 Online-Aktivisten und Bürgerjournalisten sitzen derzeit hinter Gittern. Der Staatsapparat kontrolliert den gesamten Journalismus. Keine Information oder Recherche darf unkontrolliert an ausländische Medien weitergeleitet werden. Jedes Interview bedarf eines Antrags auf Berechtigung, welche in den meisten Fällen abgelehnt werden. Die chinesische Firewall blockiert viele Webseiten. Facebook, Youtube oder Twitter stehen dem Volk nicht zur Verfügung. Völlige Abschottung des Volkes lautet das Kredo der chinesischen Regierung.

Zahlreiche Künstler, Journalisten sowie Autoren leben im Exil. Darunter der seit 2011 in Berlin lebende Buchautor, Dichter und Untergrundmusiker Liao Yiwu. Die Geschichte des Schriftstellers macht die politische Lage Chinas sowie das Verbot des investigativem Journalismus deutlich.

liao yiwu
Liao Yiwu, © https://commons.wikimedia

 

Verfehmt, verjagt, unterdrückt

Liao Yiwu zählte bereits in den 80er Jahren zu Chinas bekanntesten Dichtern und Autoren und schrieb regelmäßig für die Untergrund-Literaturszene. Da seine Werke stets im Stil westlicher Lyrik verfasst waren, stand sein Name schon 1987 auf der Liste der kommunistischen Regierung. In diesem Jahr widmete Liao sein Gedicht „Massaker“ den Ereignissen des vierten Juni 1989 am Tian’anmen-Platz, bei welchem die studentische Protestbewegung für Demokratie zerschlagen wurde. Im folgenden Jahr wurde, nach seinem Versuch einen Film über den Vierten Juni zu drehen, seine Filmcrew sowie seine schwangere Frau verhaftet. Liao wurde wegen „Verbreitung konterrevolutionärer Propaganda“ zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt. Seine Erlebnisse verarbeitete er in dem Buch „Interviews with People from the Bottom Rung“ (dt: „Gespräche mit Menschen vom Bodensatz der Gesellschaft“),  welches auf Gesprächen mit sozial Ausgestoßenen basiert. Nach einem großen Erfolg des Buches sowie der positiven Kritik, „das Buche gebe denjenigen eine Stimme, welche sonst nicht gehört, sondern unterdrückt würden“, wurde das Buch von chinesischen Behörden verboten, der herausgebende Verlag bestraft sowie Mitarbeiter entlassen. Liaos Name darf seitdem in den chinesischen Medien nicht mehr genannt werden. Nachdem ihm die Einreise nach Deutschland und damit die Teilnahme an Buchmessen mehrmals verweigert wurde, wandte sich Liao 2010 in einem offenen Brief an die deutsche Kanzlerin Angela Merkel mit der Bitte, Ihre außenpolitischen Einflüsse für eine Einreise zum Literaturfestival lit Cologne in Köln zu ermöglichen. Im Jahr 2011 haben die chinesischen Behörden Liao verboten, seine Werke im ausländischen Raum zu vorzutragen.

Seit 2011 lebt Liao nach seiner Flucht über Vietnam im Exil in Berlin und erhielt 2012 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Seine Geschichte ist ein trauriges Beispiel für die Situation und die menschenrechtliche Entwicklung Chinas. Es bleibt abzuwarten und zu hoffen, dass dieses Land seinen Weg zur politischen Mitte wieder findet.

Autor: David Barthelmann

Do it yourself – MiniBuchKette

Do it yourself – MiniBuchKette

Ihr habt Langeweile in den Semesterferien, eure beste Freundin hat bald Geburtstag und ist zufällig Bücherfreak oder ihr habt einfach mal wieder Lust auf ein kleines Bastelprojekt? Dann hab ich hier die perfekte Idee für euch, bei der das Basteln nicht mal eine halbe Stunde dauert – eine MiniBuchKette!

 

buchkette 2

 

Dafür braucht ihr:

  • Ein Stück Leder
  • Eine gute Schere
  • Eine spitze Schere oder noch besser eine Lochzange
  • Einen kleinen Ring/ Öse
  • Guten Kleber
  • Papier
  • Eventuell Stoffreste oder Anhänger zum Verzieren
  • Eine Kette
  • Freude am Basteln

buchkette3

Zu erst schneidet ihr ein kleines Stück Leder in der Form eines Buchcovers aus. Meins war 3,5x5cm groß. Dann macht ihr ein kleines Loch oben in die Mitte einer langen Kante. Dort kommt später die Öse durch.

buchkette4buchkette5

 

 

 

 

 

 

 

Als nächstes schneidet ihr aus eurem Blatt Papier viele kleine Rechtecke aus, die alle etwas kleiner sind als euer späteres Buchcover aus Leder. Bei mir waren die Papierstücke dann etwa 3×4,5cm groß. Diese klebt ihr dann wie ein kleines Buch zusammen. Am besten ihr presst das Ganze dann noch etwas zwischen schweren Gegenständen damit alles gut klebt.

buchkette6 buchkette7

 

 

 

 

 

 

 

Nun zieht ihr durch das Loch eure Öse. Das funktioniert am Besten mit einer Zange, da ich die aber nicht zur Stelle hatte, hab ich durch das Loch einen Faden gezogen und die Öse damit festgeknotet. Danach könnt ihr euer Papierbuch in den Lederumschlag einkleben und noch mal zur Sicherheit pressen …

buchkette8

… und fertig ist eure kleine Buchkette! Ihr müsst nur noch das Kettchen durch die Öse fädeln. Ist die nicht niedlich? Ich hab zur Dekoration noch ein Herz aus Ikea-Stoff geschnitten und mit dem Kleber draufgeklebt. Man könnte aber auch noch ein Lesezeichen hinzufügen oder an der Öse kleine Anhänger befestigen.

Ich wünsch euch ganz viel Spaß beim Nachbasteln der MiniBuchKette!

 

Autorin: Lina Al Ghori

 

 

 

 

 

 

La Belle Époque – Facettenreiche Zeit des Friedens

La Belle Époque – Facettenreiche Zeit des Friedens

Eine der wohl glanzvollsten Epochen Europas liegt nun mehr seit über 100 Jahren unter der Geschichte begraben und kaum einer weiß um die Bedeutung dieser Zeit.

La Belle Époque ist französisch und bedeutet so viel wie „die schöne Epoche“.Die circa 30 Jahre um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gelten heute als Sinnbild einer kollektiven Überzeugung von einer besseren Welt. Eine Welt frei von Hunger, Krieg und gewalttätigen Revolutionen. Wobei sich führende Historiker nach wie vor über die taggenaue Datierung dieser Epoche streiten. Doch nun erst einmal der Reihe nach. Der Deutsch-Französische Krieg war endlich vorbei und die Bevölkerung kehrte wieder zur Normalität zurück, nicht ahnend, welcher wirtschaftlichen und kulturellen Ereignissen sie noch Zeugen werden würden.

 

Mit dem Frieden kam der Aufschwung

Die Staaten Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Österreich-Ungarn zählten, zur damaligen Zeit, zu den Ländern, welche als erste die Lebensqualität ihrer Einwohner drastisch verbessern konnten. Durch die zweite Welle der Industriellen Revolution hielten nicht nur die Elektrizität und die Telefonie in den Haushalten Einzug, ebenso verbesserten sich die hygienischen Zustände, was die Lebenserwartung der Menschen von damals um ein Vielfaches ansteigen ließ. Auch die Stahl- und Chemieindustrie erlebte ein nie da gewesenes Hoch, was im Laufe der Geschichte nicht nur positive Auswirkungen auf die Menschen in Europa hatte. Riesige Ballungsräume wuchsen aus dem Boden, wie Pilze an einen regnerischen Septembertag. Überall wo man hinsah gab es Wachstum! Wachstum! Wachstum! Aber die wohl größte Erfindung dieser Tage war der Verbrennungsmotor. Menschen konnten nun völlig ohne Kraftanstrengung und ohne Hilfe eines tierischen Begleiters weite Strecken zurücklegen. Mit der Erprobung der ersten Flugapparate kam der Mensch nun auch endlich dem Traum des Ikarus ein Stück näher und war fortan mit dem Vogel auf einer Augenhöhe.

Bild Frauen Mann Belle Époque
Die Freuden der Belle Èpoque. © http://3.bp.blogspot.com/

Wissenschaftler wurden für ihre Erfindungen und Theorien gefeiert wie Könige, wenn nicht sogar wie Götter. Ernest Rutherford, Marie und Pierre Curie, Albert Einstein, Max Planck und Niels Bohr sind nur einige der Namen, welche mit ihren Arbeiten die Welt veränderten. Aber nicht nur die Wissenschaft hatte Großes hervorgebracht, sondern auch die Kunst, Musik und Architektur waren beeindruckender als je zuvor. Man denke dabei nur an Pablo Picasso oder Gustav Mahler. Die Literatur konnte sich ebenso neuer Strömungen erfreuen. So war zum Beispiel der Naturalismus, also die ausführliche Beobachtung der Natur, eine der führenden Stilrichtungen jener Zeit. Der bedeutendste deutsche Vertreter hierfür war Gerhardt Hauptmann. Der Schriftsteller bediente sich in seinen Werken nicht nur dem Naturalismus, sondern ließ sich auch von anderen Stilrichtungen inspirieren. Im Jahre 1912 erhielt er schließlich den Nobelpreis der Literatur für sein schaffen. Wobei diese kulturelle Welt keineswegs mehr der gut betuchten Oberklasse vorbehalten war. Erstmals war es auch möglich, die breite Arbeiterklasse an dieser Lebensweise teilhaben zu lassen, selbst wenn es nur der gelegentliche Besuch in einem der neu erbauten Lichtspielhäuser war. Alles in allem war das Leben dieser Tage für alle ein durchaus Gutes.

Doch der Wohlstand und Friede sollte nicht ewig andauern…

 

Bild Erster Weltkrieg
Weniger erfreulich: Moderne Kriegsführung. © https://www.dhm.de

 

Abschied einer erstaunlichen Epoche

Die Titanic war nicht nur ein Symbol für die menschliche Schaffenskraft, sie läutete tragischerweise auch das Ende einer aufgeschlossenen, friedliebenden und unbekümmerten Gesellschaft ein. Mit ihrem Sinken im Jahre 1912 verloren einige ihren Glauben an, die bis dato, makellose Allmacht der Technik.  Unmut über die Entwicklungen der letzten Jahre verbreitete sich und rief immer mehr Kritiker auf den Plan. Die Arbeiterschaft klagte nun kaum noch überhörbar über die unzumutbaren Zustände in ihren Unternehmen. Rationalisierung der Herstellungsprozesse durch Arbeitsteilung ließ die zu verrichtende Arbeit eintönig, aber nicht weniger kräftezehrend werden. So wundert es nicht, dass Gewerkschaften und die kommunistische Idee relativ schnell zu beachtlicher Größe und Ansehen wuchsen. In Deutschland hatte sich die SPD als eine der führenden Parteien der Arbeiterbewegung etabliert. Die Welt stand nun vor einem Aufbruch ins Ungewisse, aber keiner hätte damals geglaubt, was noch folgen sollte. Mit dem Jahr 1914 und dem folgenden Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde eins der wohl lebensbejahendsten Kapitels der europäischen Geschichte besiegelt. Folgen sollten wieder einmal Jahre der Zerstörung, des Hasses und  der Verzweiflung. Erstmals wurden einem auch die negativen Aspekte der Industriellen Revolution bewusst. Der Antrieb durch die massive militärische Aufrüstung aller Staaten zog buchstäbliche Gräben durch Europa und die Köpfe ihrer Bewohner. Dies alles gipfelte in menschenverachtenden Massenvernichtungen durch die moderne Kriegstechnik.

Man kann nur hoffen, dass Europa so etwas nie wieder erleben muss und wir weiterhin in unserer La Belle Époque 2.0 friedlich miteinander koexistieren können.

 

Autor: Ronny Wenzel

Veranstaltungsplaner für September

Der Sommer neigt sich langsam dem Ende, doch die Semesterferien dauern noch an. Das Wetter spielt nicht mehr mit, das Lieblingsbuch liest man lieber nicht mehr unter dem Baum im Park und die Bäume fangen bald an ihre Blätter zu verlieren.

Doch das alles ist kein Grund zum Trübsal blasen! Der September hat für Liebhaber von Buch, Literatur und Kultur schöne Veranstaltungen in Leipzig zu bieten, auch für die schmale Geldbörse. Hier ein kleiner Eventplaner für euch:

 

03.09.2016

Comicgarten 2016 – Comicfestival für Leipzig und Umgebung

Jedes Jahr begrüßt der Comicgarten 30-50 Künstler, Verlage und Comicfans.Highlights des Comicfestivals sind der Cosplaywettbewerb, Lesungen, Livemusik und die Preisverleihung des goldenen Gartenzwerges – ein Preis für den besten Comic des letzten Jahres. Außerdem kann man sich dort Autogramme, Sketches und zahlreiche Neuerscheinungen holen. Der Comicgarten 2016 hat also vieles zu bieten.

Monetos: Keine, ist kostenlos!

Spot: Gartengaststätte Siegismund, Philipp-Rosenthal-Str. 51b, 04103 Leipzig

Web: http://comicgarten-leipzig.de/

 

10.09.2016 – 11.09.2016

50 Jahre Academixer Festwochen

Das Leipziger Kabarett Academixer lädt am zweiten Septemberwochenende zum 50. Geburtstag ein und hat ein buntes Programm in petto. Es werden Lesungen gehalten, Kabaretts aufgeführt, Autogramme gegeben, zusammen gefeiert und etwas Leckeres zu Essen wird es auch geben. Hier wird einem alles geboten was das Herz begehrt. Also keine Gedanken verschwenden und einfach vorbeischnuppern.

Monetos: Straßenfest ist umsonst, der Rest variiert

Spot: Academixer Leipzig, Kupfergasse 2, 04109 Leipzig

Web: http://www.academixer.com/festwochen.html

         http://www.academixer.com/spielplan.html?date=2016-09

 

11.09.2016 – 18.09.2016

Festwoche 100 Jahre Stadtbad

Das Leipziger Stadtbad feiert 100 Jahre und gleichzeitig feiert die Förderstiftung Leipzig Stadtbad 10 Jahre. Ein Grund für eine Festwoche voller Ereignisse die sich sehen lassen können. Das erste Wellenbad Europas hat sein Programm mit Führungen, Lesungen, einer Burlesque Show, einem Kabarett und vielem mehr gespickt. Ein Blick lohnt sich in jedem Fall.

Monetos: Führungen kosten nichts, bei den Shows unterschiedlich.

Spot: Leipziger Stadtbad, Eutritzscher Str. 21, 04105 Leipzig

Web: http://www.herz-leipzig.de/news/doppeljubilaeum-100-jahre-leipziger-stadtbad-und-10-jahre-foerderstiftung-wird-mit-        festwoche-gefeiert/r-news-a-2792.html

 

19.09.2016

Hans Fallada „Kleiner Mann – was nun?“ mit ARTE Filmpremiere

Im Haus des Buches geht es, wer hätte es gedacht, um Bücher, aber auch Autoren, Geschichte und Interkulturelle Themen. Am 19. September dreht sich alles um Hans Fallada und seinen weltbekannten Roman „Kleiner Mann – was nun?“ Zuerst spricht Carsten Gansel vom Aufbau Verlag über die ungekürzte Neuauflage des Romans und im Anschluss gibt es die Premiere der ARTE Dokumentation „Fallada –  im Rausch des Schreibens“ zu sehen.

Monetos: Keine, ist kostenlos!

Spot: Haus des Buches, Literaturhaus Leipzig, Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig

Web: http://www.haus-des-buches-leipzig.de/Veranstaltungen.php?m2=9&j2=2016#

 

20.09.2016

Livelyrix Poetry Slam Battle: Leipzig vs. Frankfurt

Poeten und Poetinnen treten im Täubchenthal gegeneinander an, dabei geht es um die Wor(s)t. Das mit den Wortwitzen können Kaleb Erdmann und Marsha Richardz sicher besser, welche bei dem Lyrikwettkampf unteranderem auftreten werden. Die Besucher können sich ganz gemütlich die Veranstaltung im Sitzen ansehen, da sie bestuhlt ist.  Ein unterhaltsamer Abend ist garantiert!

Monetos: 10€ VVK

Einlass: 19 Uhr, Beginn: 20:00 Uhr

Spot: Täubchenthal, Markranstädter Strasse 1, Leipzig, 04229 Germany

Web: http://www.livelyrix.de/veranstaltung/livelyrix-poetry-slam-battle-leipzig-vs-frankfurt/

 

25.09.2016

15. Offene Ateliers Leipzig

Am 25. September finden bereits zum 15. mal die „Offenen Ateliers“ in ganz Leipzig statt. Als Besucher hat man von 14 – 19 Uhr die Möglichkeit Kunstwerke in ihrem Entstehungsprozess zu entdecken, zahlreiche bekannte aber auch neue Gesichter „hinter den Kulissen“ ihrer Kunstwerke kennenzulernen, sowie die kreative Atmosphäre der Ateliers in sämtlichen Stadtteilen Leipzigs zu erleben.

Monetos: Keine, ist kostenlos!

Beginn: 14.00 Uhr Ende: 19.00 Uhr

Spot: Ateliers in ganz Leipzig

Web: http://offene-ateliers-leipzig.blogspot.de/

 

28.09.2016

Coloured Gigs Vol. VIII

Das Coloured Gigs eine Ausstellung, welche im Zeichen der Kunst und der Musik steht, findet am 28. September im Werk II statt. Hierbei sind nationale sowie internationale Künstler vertreten. Es sind Künstler aus den USA, den Niederlanden, Frankreich, Spanien uvm. eingeladen um ihre Werke zu präsentieren. Untermalt wird die Veranstaltung mit Musik von eingeladenen Bands oder DJ’s, welche ihre Klänge parallel zum Besten geben werden.

Monetos: Keine, ist kostenlos!

Beginn: 19 Uhr

Spot:     Werk II, Kochstraße 132, 04277 Leipzig

Web: http://www.werk-2.de/programm/2016-09-28_colored_gigs_vol_viii-international_silkscreen_gigposter_exhibitions

 

Ganzer September

globaLE 2016 – globalisierungskritisches Filmfestival

Zum Schluss ein Tipp für den ganzen September: Das 12. globaLE Filmfestival hat bereits am 21.07. begonnen und geht noch bis zum 03.11.2016. Die globaLE ist ein politisches Filmfestival, welche in ihren Vorstellungen verschiedene Themen wie die Auswirkungen der kapitalistischen Ökonomie, Widerstand gegen Ausbeutung und Ausgrenzung und wie Menschen ihren Mut, ihre Würde und ihre Hoffnung nicht verlieren. Es wird herzlich dazu eingeladen sich eine andere Seite der globalen Lebenswirklichkeit anzusehen und an den Diskussionen teilzunehmen.

Monetos: Keine, ist kostenlos!

Spot: Unterschiedlich, je nach Tag und Programm

Web: http://www.globale-leipzig.de/

 

Autorin: Viktoria Gamagina

Kalevala – die Sprache des Polarlichts

Kalevala – die Sprache des Polarlichts

Werde von der Lust getrieben,
Von dem Sinne aufgefordert,
Daß ans Singen ich mich mache,
Daß ich an das Sprechen gehe,
Daß des Stammes Lied ich singe,
Jenen Sang, den hergebrachten.

Mit diesen ausdrucksstarken Versen beginnt die Kalevala, das „finnische Nationalepos“. Zumindest vom Begriff ist sie den meisten Literaturinteressierten bekannt, doch wohl nur wenige haben sich schon einmal vollständig durch das achtteilige Lyrikwerk gearbeitet. Ein Lesebericht.

Direkt von der Ofenbank

bild runensänger
Runensänger, Uhtua 1894. © Wikimedia Commons

Die Handlung der Kalevala steht ganz in der Tradition heidnischer „Urdichtung“ wie zum Beispiel des Nibelungenliedes. Keine von politischen Idealen durchdrungenen Freiheitskämpfer oder durchtriebene Intriganten sind die Helden des Epos, sondern einfache, grob gezimmerte Charaktere wie der Schmied Ilmarinen oder der Jäger Lemminkäinen. Nicht weltbewegende Götterschlachten, sondern Hochzeiten, Ernte oder Fischfang bestimmen ihr Tagwerk. Natürlich strotzt die Sage nur so von fantastischer Zauberei, grausligen Ungeheuern und geheimnisvollen Artefakten, aber anders als homerische Dramen oder Goethes Welt-Sinn-Suchen rankt sich um alles ein grob gezimmertes Gerüst einfacher Begebenheiten, welche die Denkwelt der Landbevölkerung bestimmt. Eifersucht, persönlicher Wohlstand oder der Wunsch nach einem ruhigen Leben sind die Motive, von denen die Charaktere angetrieben werden. Sehr oft lesen sich die Zeilen wie direkt aus dem Mund eines Bauern gesprochen, direkt, unkompliziert und äußerst bildhaft. Dies kommt nicht von ungefähr, denn der Autor des Werkes, Elias Lönnrot, sammelte ähnlich den Gebrüdern Grimm Anfang des 19. Jahrhunderts bei seinen Reisen durch Karelien die mündlich überlieferten Volkslegenden von den „Runensängern“, den finnischen Skalden, auf und versuchte diese dann überwiegend originalgetreu in einer einheitlichen Form wiederzugeben.

Vom Goldmahlen

bild sampo
Das Schmieden des Sampo, von Akseli Gallen-Kallela © Wikimedia Commons

So erklärt sich auch die relativ zusammenhanglose Handlung, trotz der Gesamtform eines durchgehenden Zyklus. Von einer Schöpfungsgeschichte über die Fahrt ins Totenreich bis hin zu Aussaat-Anweisungen ist so ziemlich die ganze Bandbreite des Mythen- und Lebenskosmos vertreten. Bekanntestes Motiv ist das Schmieden des Sampos, einer goldproduzierenden Mühle. Ebenfalls eine große Rolle spielen Zauberlieder, dessen Kenntnis ihrem Sänger gottgleiche Schöpferkräfte geben können. Dabei kommt oft eine Kantele zum Einsatz, das typische Begleitinstrument der Runensänger. Bei richtiger Beherrschung kann der Spieler dieser finnischen Zither einen träumerischen Klang entlocken, was sich ideal als Hintergrundmusik für Erzählstunden am Lagerfeuer geeignet haben dürfte. Das bereits beispielhaft präsentierte Versmaß kennzeichnet das gesamte Werk und wurde in seiner Kompliziertheit von den Runensängern so tatsächlich benutzt. Um Neulingen das Lernen zu erleichtern, ziehen sich außerdem zahlreiche Stabreime und Wiederholungen durch sämtliche Passagen. Insgesamt liest er sich daher sehr prägnant und trotz der fehlenden Prosaform recht eingängig. Wer die Aufmerksamkeit aufbringt, dem nicht ganz anspruchslosen Text auch über mehrere Seiten zu folgen, wird mit eindrucksvollem Kopfkino und einer Stimmung zwischen lakonischer Einsamkeit und depressiver Schönheit belohnt, welche des Öfteren als „typisch“ für jene Länder in der Nähe des Polarkreises angesehen werden mag.

Unterschätztes Juwel

In ihrem Heimatland erlangte die Kalevala im Zuge des damals europaweit zunehmenden Nationalbewusstseins gigantische und kontinuierliche Popularität, viel größer als selbst hierzulande Goethe oder in England Charles Dickens. Bis heute besitzt das Epos teilweise politische Wirkung. Kinder, Unternehmen oder Stadtviertel werden mit Begriffen daraus benannt, während einprägsame Textstellen zu Sprichwörtern geworden sind. Leider erweist es sich aber als anstrengend, eine aktuelle deutsche Übersetzung der Kalevala aufzufinden, vielfach sind nur gekürzte Ausgaben oder antiquarische Exemplare erwerbbar. Angesichts der guten Verfügbarkeit vergleichbarer Klassiker eine ziemliche große Lücke und längst überfällig. Immerhin durfte selbst Donald Duck sich schon durch die Feder des Comiczeichners Don Rosa nach dem Sampo machen.

Autor: Niklas Gaube

 

DIY – Buchumschlag selbstgemacht

DIY – Buchumschlag selbstgemacht

Ihr wollt eure Lieblingsbücher unterwegs gut schützen, findet aber die erhältlichen Schutzumschläge einfach nicht hübsch? Oder keiner passt wirklich zu euren Büchern? Dann macht einfach selbst einen! Ich zeige euch wie es geht.

DYI Bild 1
© Maxi Pfeil

Was braucht ihr?

Auf alle Fälle Stoff – genauer gesagt Baumwollstoff. Der lässt sich schön verarbeiten und verzieht sich nicht beim Nähen. Außerdem empfehle ich euch ein Vlies zu kaufen, das man auf den Stoff aufbügeln kann. Das verleiht der Hülle am Ende extra Festigkeit und bietet zusätzlichen Schutz, falls euch zum Beispiel mal das Getränk im Rucksack ausläuft. Ich persönlich habe mich für zwei verschiedene Stoffe entschieden, einen für die Außen- und einen für die Innenseite des Umschlags. Das macht meiner Meinung nach die ganze Optik interessanter.

Ihr braucht außerdem noch ein elastisches Band, das am Ende das Buch mit Umschlag zusammen hält. Und wenn ihr gleich ein Lesezeichen mit einbauen wollt, besorgt noch ein anderes (unelastisches) Band, das ihr dafür verwendet.

Weiterhin braucht ihr eine Stoffschere, ein Maßband, Stecknadeln, Faden und natürlich eine Nähmaschine.

Bevor ihr jetzt aber in den nächsten Stoffladen stürzt, vergesst nicht ein Referenz-Buch für die Höhe und den Umfang zu messen, nicht dass euch am Ende Stoff oder Vlies fehlt.

 

Schritt 1: Messen und Schneiden

Für den Schnitt des Stoffes messt ihr zuerst Höhe und Umfang eines Buches, das am besten dem Durchschnitt eurer Bücher entspricht – damit sollten dann die meisten perfekt in die Hülle passen.

Bei mir haben die Bücher z.B. eine Höhe von 22 cm und einen Umfang (beide Umschlagseiten und der Einband) von 35 cm.

Für die endgültigen Maße muss dann noch etwas dazugegeben werden. In der Höhe sollte man etwas Bewegungsfreiraum einplanen, am besten oben und unten je 1 cm, dann kommt nochmal je 1 cm für die Naht oben und unten dazu. Insgesamt also in meinem Fall 26 cm.

Für den Umfang werden auch insgesamt 2 cm für die Naht zugegeben. Außerdem muss noch ein Umschlag gemacht werden, der das Buch in der Hülle hält. Dafür eignen sich 6 oder 7 cm auf beiden Seiten. Wenn ich also die 7 cm nehme, komme ich dann auf 51 cm. Ich habe dann nochmal 2 cm zugegeben, damit sich der Umschlag leichter anziehen lässt.

Jetzt kann geschnitten werden: 26×53 cm aus den Stoffen für Außen und Innen, sowie dem Vlies.

 

DYI Bild 2
© Maxi Pfeil

 

Schritt 2: Den Vlies aufbügeln

Als nächstes wird der Vlies auf die linke Seite des Außenstoffes (die man nicht mehr sieht, wenn alles fertig ist) aufgebügelt. Achtet darauf, dass er auch wirklich fest ist, sonst kann er sich eventuell später wieder lösen.

 

DYI Bild 3
© Maxi Pfeil

 

Schritt 3: Zusammen nähen

Nun werden Außen- und Innenstoff aufeinander gelegt und zwar so, dass die Seiten, die Außen sein sollen, aufeinander liegen. Wollt ihr ein Lesezeichen, platziert ihr es in der Mitte der langen Seite und näht es an einer mit fest, wenn ihr Außen- und Innenstoff verbindet. Dann näht ihr es an drei Seiten – einer kurzen und den beiden langen Seiten – zu, mit einem Nahtabstand von 1 cm, damit das Ganze auch gut hält.

Wenn Ihr damit fertig seid, dreht Ihr den Stoff um und schließt die letzte Seite von außen. Dafür faltet ihr die Ränder nach innen und setzt die Naht so nah wie möglich an den Rand.

 

DYI Bild 4
© Maxi Pfeil

 

Schritt 4: Umschläge nähen

Zuletzt legt ihr euch die Umschläge von 7 cm zurecht und fixiert sie mit Stecknadeln. Setzt die Stecknadeln dorthin, wo später die Nähte sitzen sollen und lasst euer Referenzbuch den Umschlag anprobieren. So geht ihr sicher, dass am Ende auch alles passt. Falls es mit den Nadeln zwar passt, aber etwas eng ist, macht euch keine Sorgen, die Stecknadelköpfe nehmen etwas mehr Platz weg, als die Naht selbst.

Wenn das Buch gut passt, könnt ihr den Umschlag von der Vorderseite (des Buches) zunähen. (Nehmt dafür das Buch am besten wieder aus dem Umschlag raus.)

 

DYI Bild 5
© Maxi Pfeil

 

Bei der Rückseite wird nun das elastische Band mit eingenäht. Dafür könnt ihr entweder schätzen oder das Buch wieder zu Hilfe nehmen: Ein Ende des Bands wird unten in den Umschlag gesteckt und schon festgenäht. Dann wird das Buch wieder in den Umschlag gesteckt und das Band außen herum gezogen und oben in den Umschlag gesteckt und fixiert. Dann wird oben auch zugenäht.

 

DYI Bild 6
© Maxi Pfeil

 

Und das war es auch schon! Damit habt ihr einen individuellen und praktischen Schutzumschlag, der euer Lieblingsbuch auf Reisen beschützt und der garantiert passt.

P.S.: Lasst euch bei den Maßen nicht davon abschrecken, dass der Umschlag auf dem Bild oben übersteht. Ich hatte mich beim ersten Mal vermessen und dann beim zweiten Versuch lieber 1 cm mehr zugegeben (also 27 cm in der Höhe) und das ist der Zentimeter der hier übersteht.

Autorin: Maxi Pfeil

Schwellenländer – neue Chancen für Verlage?

Schwellenländer – neue Chancen für Verlage?

Gewalt, vermüllte Slums und Billigschuhe – das sind die ersten Bilder, welche bei der Erwähnung des Begriffs „Schwellenland“ auftauchen. Doch abseits dessen wächst in diesen Staaten unbemerkt ein Buchmarkt mit riesigem Potential heran. Wie gehen deutsche Verlage mit den neuen Möglichkeiten um? Lohnt es sich überhaupt, dort zu investieren?

Zwischen dem hochindustrialisierten Westen und den bettelarmen Ländern der Dritten Welt rangieren diese sogenannten Schwellenländer. Bekanntestes Beispiel sind die „BRICS“, ein Zusammenschluss von Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Vor allem große Technologiekonzerne wie Siemens sind bereits seit Jahrzehnten mit Standorten vertreten und machen dort, nicht zuletzt aufgrund der niedrigen Löhne, einen wichtigen Teil ihres Geschäftes. Doch für die deutsche Verlagswelt war Internationalisierung außerhalb des anglo-amerikanischen Raums bisher selten ein großes Thema. Politisches Chaos, Unterdrückung und religiöser Fanatismus schrecken viele ab, außerhalb sicherer Gewässer ihr Glück zu wagen.

Die schlafenden Riesen

Ein näherer Blick auf die Zahlen zeigt aber das große Potential dieser Gebiete. Selbst wenn in Indien Millionen Analphabeten leben, so gibt es doch eine kleine gebildete Mittelschicht von 10% – was bei dem Subkontinent mehr Menschen sind, als Deutschland Einwohner hat. Diese fragen auch tatsächlich Bücher nach, denn sie sind bestrebt, auch ihren Kindern einen gesellschaftlichen Aufstieg durch Bildung zu ermöglichen. Beispielsweise werden auf der Buchmesse in Rio de Janeiro jedes Jahr aufs Neue deutsche Kinderbücher heiß begehrt, die aufgrund ihrer hochwertigen Gestaltung viele Liebhaber finden. Da der gesamtwirtschaftliche Trend eines Schwellenlandes sowie die Bevölkerungszahl beide durch starkes Wachstum gekennzeichnet sind, ergeben sich vor allem für die Zukunft beachtenswerte Alternativen zu einem seit Jahren kriselnden, schrumpfenden Buchmarkt in Deutschland. Das haben auch große Verlagshäuser erkannt und mit ihrer Finanzkraft Marktanteile abgesteckt. Der spanisch- und portugiesischsprachige Ableger von Penguin Random House ist mittlerweile der größte Buchanbieter in Lateinamerika, während der Hauptkonzern selbst im Jahr 2014 bereits 16,5% seines Umsatzes außerhalb westlicher Länder erwirtschaftete – Tendenz weiter steigend.

Schwellenländer Bild Hanoi Buchladen
Buchladen in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. © piqs.de: Michael McCauslin

Digitale Unternehmen auf dem Vormarsch

Natürlich sind Investitionen in solch einem unbekannten Buchmarkt mit beträchtlichem Risiko verbunden. Abseits wirtschaftlicher Schwankungen und fehlender Erfahrung hängen die publizierbaren Inhalte nicht selten vom Willen der Machthabenden ab. Doch insbesondere die verteufelten Medien-Konkurrenten Amazon, Google und Facebook lassen sich davon nicht abschrecken und werfen sich mit all ihrer Kapitalmasse in diese Märkte. Facebook erregte erst vor kurzem in Indien Aufsehen mit seinem Plan, Gratis-Internet für alle (unter dem wachsamen blauweißen Auge) zur Verfügung zu stellen. Hier ist Eile geboten: wenn nicht die klassischen Verlage in die neuen Buchmärkte investieren – die digitalen Konzerne werden es auf jeden Fall tun. Und danach stehen die Chancen schlecht, noch ein Stück vom Kuchen abzubekommen. Gerade deutsche Verlage mit genügend Finanzkraft sollten sich dringend die Frage stellen, warum sie ihre meißt hochqualitativen Inhalte nicht außerhalb der internationalen Komfortzone vertreiben. Und sei es nur in elektronischer Form, gerade in Schwellenländern sind viele Menschen den neuen Medien gegenüber aufgeschlossen. Wer nicht in einigen Jahren von einem noch mächtigeren Amazon überrollt werden will, sollte das Risiko auf sich nehmen und den gern selbst propagierten Sprung über den Tellerrand auch tatsächlich wagen.

Autor: Niklas Gaube

Holt die Mistgabeln raus, es mutiert!

Holt die Mistgabeln raus, es mutiert!

„Aber welcher Ruhm wartete meiner, wenn es mir gelang, die Krankheiten vom menschlichen Geschlechte fernzuhalten und jeden unverletzlich zu machen.”, schwelgt Frankenstein noch verklärt vor sich hin, bevor er in Nürnberg einige Kapitel später (filmisch gern mit einem bebenden „Leeeebe!!!” inszeniert) sein Monster aus zusammengeflickten, elektrisierten Leichenteilen erweckt. Während Frankenstein in Bälde Zweifel an seiner Schöpfung kommen, sucht diese nach Liebe, wird mit Mistgabeln und Fackeln gemobbt, schwört Rache an ihrem „Vater“ und eskaliert.

Der Wunsch Krankheit und gar den Tod zu bezwingen ist ein kulturelles Leitmotiv. Die Blinden sehend, die Lahmen gehend zu machen, ist mehr noch als theologische Mythenbildung Ziel der Wissenschaft, die aus dem Unverstehen der Zeitgenossen mystizistische Blüten treibt und Stoff literarischer Verarbeitung wird. Während in Mary Shelleys Zeiten der morbide Charme der Anatomie die Fantasie beflügelte, findet auch die Gegenwartsliteratur ihre Inspiration in den Errungenschaften moderner Forschung, wie etwa Thea Dorns Anfang des Jahres erschienener Roman „Die Unglückseligen“ bezeugt. Freilich gebärdet sich die heutige Forschungsarbeit und damit die literarische Aufarbeitung subtiler als die eindrückliche Zerstückelung von Verstorbenen und das Zusammenpuzzeln ihrer Teile. Die Axt sowie Nadel und Faden wurden durch das CRISPR/Cas9-System ersetzt.

Es geht halt nicht immer mit dem Teufel zu

CRISPR klingt erstmal nach Frühstücksflocken, sind aber Teile des Erbguts von Bakterien, die für Resistenzen gegen Viren sorgen. Und weil der Mensch ein Mikrokosmos für Bakterien ist, hat er alle Veranlassung CRISPR toll zu finden. Das CRISPR/Cas9-System wiederum ist eine seit 2012 angewandte Methode, um DNA-Stränge – perspektivisch auch von Menschen – zu zerschneiden, ggf. mit dem Ziel Gene zu ergänzen, zu manipulieren oder zu entfernen. So könnten beispielsweise Erbkrankheiten beseitigt oder gar richtig fiese Gene verändert werden, die für Schlupflider, Faltenbildung und eventuell gar Altern im Allgemeinen sorgen. Kurzum: es geht um die Zukunft von Menschheit und Menschsein.

Ob des gesellschaftlichen Unwissens oder Desinteresses um diese Entwicklung veröffentliche Dorn kürzlich einen Artikel auf ZEIT Online, in dem sie ihr Unverständnis über eben diesen Mangel an Auseinandersetzung mit der sogenannten „roten Biotechnologie“ äußert. Im Gegensatz zur Genmais-Kontroverse („grüne Biotechnologie“) käme die öffentliche Diskussion über genetische Eingriffe beim Menschen zu kurz.

Bild Dorn Buch
Thea Dorns neuestes Werk: ein Mash-Up aus Frankenstein, Faust und etwas Dan Brown.

Bereits Dorns Roman, dessen Protagonistin, eine Biotechnologin, in bester frankensteinscher Manier danach trachtet Krankheit und Tod zu bezwingen, wirft die Frage auf, ob die Schöpfung oder das Handeln selbst monströser, teuflischer, ist. Erwähnte Biotechnologin trifft auf einen ominösen Mann, der behauptet, im Jahr 1776 geboren und des ewigen Lebens mittlerweile überdrüssig zu sein. Es entwickelt sich eine Tändelei. Sie möchte seine DNA analysieren, die Unsterblichkeit entschlüsseln (was definitiv romantisch ist) und schließlich fliehen sie vor einem drohenden Akademikermob nach Deutschland. Warum Deutschland? Weil – so deutet es der Klappentext an – Deutschland Faustland ist, „Die Unglückseligen“ sich, nicht zuletzt dank der Präsenz einer teuflischen Entität, in die Faust-Tradition stellt und sie fortführt. Des Teufels bedient sich Dorn als scheinbar einziger vernunftbegabter Instanz, die dem affektierten Treiben nicht ohne Hoffnung auf einen ihr genehmen Ausgang zuschaut. Es scheint als würde sie nur dem ultraschlauen Höllenfürsten die Kompetenz zuschreiben, die wahre Tragweite der Unsterblichkeitsforschung zu (er)kennen.

So ist es doch prinzipiell nicht verwunderlich, dass der von Dorn geforderte „Aufschrei“ ausbleibt, stoßen sich schlichtere als die teuflischen Gemüter bereits an der Abstraktion: weg vom Hantieren mit Leichenteilen hin zur DNA-Manipulation, gleichwohl beides in der Reflexion zeitgeistige Zukunftsangst repräsentierte und repräsentieren kann. Das Thema muss nur populärer auf‘s Tableau – drohende Freiheit von Krankheit und Tod ist zu positiv. Wo bleibt der Schaden, der den Volkszorn entfacht?

Geht’s auch infernal-banal?

Vielleicht könnte Dorn deshalb hoffen, wenn in deutschen Kinos am 13. Oktober 2016 die Verfilmung von Dan Browns 2013 erschienenem „Inferno“ anläuft. Auch diesmal geben sich in bester Brown’scher Fasson Antagonismen und Gleichnisse in Religion, Wissenschaft und Humanismus ein Stelldichein. Freilich wieder mit Tom Hanks in der Hauptrolle. Am Ende ((Achtung, Spoiler!) ist es ausgerechnet ein menschgemachtes, mithilfe einer DNA-Schere erzeugtes Mutagen, das einen Großteil der Erdenbürgerinnen und -bürger unfruchtbar macht. Das Ziel des Schurken: der Überbevölkerung Herr zu werden und damit die menschliche Spezies zu retten. Frankenstein, ick hör dir crisprn. Bei Brown zugegebenermaßen massenkompatibler als bei Dorn in Buch und ZEIT. Man stelle sich das am 13. Oktober in einem deutschen Kinosaal vor:

Dunkelheit und Stille. Wer nicht ohnehin gebannt auf die Schwärze der Leinwand starrt (und sich fragt, wie Tom Hanks mit 60 noch so fit aussehen kann), schrickt mit einem Grunzen aus dem Schlaf und sieht am Ende des Films die Worte: „Im Jahr 2012 haben Wissenschaftler erstmals eine neue Methode angewendet um DNA zu manipulieren.“ Manche Kinobesucher werden womöglich jetzt schon versucht sein lieber schnell noch das eigene Erbgut weiterzugeben, ehe es zu spät ist. Dann weiter: „Im Gegensatz zu früheren Möglichkeiten kann CRISPR/Cas9 unter vergleichsweise günstigen Bedingungen in vielen Laboratorien angewendet werden.“ Die dumpfe Hoffnung, dass dies nur plumpe Angstmacherei ist, zerschlägt sich mit den Worten: „Das Science-Magazin ernannte das CRISPR/Cas9-System zum Durchbruch des Jahres 2015.“ Wer jetzt also nicht reproduktiv agiert, wird sich Babys bald nur noch aus dem Katalog bestellen können, aber: „Immerhin“, wird man sich triumphierend denken, „an Überbevölkerung sterb‘ ich nicht!“

Hm, ob das mal zur Debatte reicht? Womöglich kann sich der Geist des Sehenden nicht an all den mehr oder weniger schaurigen Aussichten entzünden, die ihm die Literaten der Zeit so flammend vorwerfen. Shelley, Goethe, Brown und Dorn stimmen nachdenklich, schockieren vielleicht, aber rütteln nicht wach. Selbst das Lassen-Sie-uns-mal-ernst-werden in einem Onlinemedium bleibt wenig mehr als Unterhaltung, die schon ganz schwere Geschütze auffahren muss, um einen großen Diskurs loszutreten. Wenn sich Dorn also nicht öffentlichkeitswirksam ein Gen-Baby made in China anschafft, wird sich das deutsche Gemüt nicht regen.

Gegebenenfalls genügt ja aber schon ein Bekloppter, der sich Zebrafisch-Gene in der DNA platzieren lässt und das Schwarz-Weiß-Denken zur Gentechnik so eindrücklich viral gehen lässt. Dass dies jedoch in Faustland passiert, darf – so auch die bittere Erkenntnis des Teufels in „Die Unglückseligen“ – bezweifelt werden. Da vermutlich noch etwas Zeit vergeht, bis mithilfe des CRISPR/Cas9-Systems das Gen für Kleingeistigkeit aus der menschlichen DNA entfernt wird, bleibt an dieser Stelle nur Thea Dorns berechtigtem Wunsch zur Diskussion Unterstützung angedeihen zu lassen. Da Mary Shelley zeigt, dass auch der Mob ein bisschen Monster ist, halten wir es mit ihr und dem elektrisierenden Weckruf an die Geisteskraft der Deutschen:

„Leeeebe!!!“

 

Autor: Martin Mai

Somewhere over the Whatever!

Somewhere over the Whatever!

„Sieh da“, sagte er. „Der Regenbogen, so wunderschön, voller Vielfalt und Facetten in all seinen Farben, so zum Greifen nah als müsse man nur die Hand ausstrecken und zugreifen!“ Doch war er es nicht. Es war ein Mysterium der Natur, welches man nicht zu greifen und begreifen vermag. Später wurde ein weiterer Regenbogen gesehen und wieder sagte er : „Der Regenbogen, so wunderschön, voller Vielfalt und Facetten in all seinen Farben, so zum Greifen nah als müsse man nur die Hand ausstrecken und zugreifen!“ Doch er bemerkte, dass einige Farben fehlten, so wandte er sich zu jenem zu, welcher ihn auf seiner Reise begleitete und fragte ihn: „Wo sind die Farben hin verschwunden, warum hat der Regenbogen sie abgestoßen?“

Sein Begleiter entgegnete: „Nein, er hat sie nicht abgestoßen. Es war nur Zeit für sie gewesen zu gehen, um Platz zu machen für einen neuen einzigartigen Regenbogen, welcher die Gemüter derjenigen erhellt, die ihre Seele für jenen öffnen und ihn in ihre Herzen hereinlassen. So vermag er Gemüter zu erhellen, indem er etwas neues, so wunderbares und einzigartiges erschafft.“ Der Kleine sah Ihn kurz, mit seinen fragenden und leicht verwirrten Augen, an, erwiderte dann aber: „Achso, ich verstehe ihn nun, diesen Regenbogen. Er möchte uns die Einzigartigkeiten aufzeigen, welche in jedem einzelnen Streifen von ihm stecken, seine ganze Vielfalt und Herrlichkeit, seine Kraft an Frieden, Freude und Liebe allen gegenüber ohne dass man ihn greifen, sondern ihn nur hineinlassen muss.“ Der Begleiter sagte nur kurz, „Ja mein Kleiner, man muss nicht versuchen, alles zu greifen oder zu begreifen, es benötigt oft auch nur ein offenes Herz für die wunderbaren Dinge, welche uns der Regenbogen aufzeigt.“

Autor: Michael Kroschwald

Musikverlage auf dem Smartphone – wie soll das gehen?

Musikverlage auf dem Smartphone – wie soll das gehen?

Im deutschen Musikverlegerverband DMV sind am heutigen Tag 432 Verlage registriert, die mit dem Druck und Vertrieb von Noten ihre Brötchen verdienen. Leider machen dies klassischen Musikverlage wie Edition Peters oder Breitkopf & Härtel immer weniger Umsatz. Das liegt vor allem daran, dass ihnen die Lizenzen an klassischen Komponisten auslaufen und viele Musiker ihre Noten kostenlos von Online-Plattformen beziehen. Musikverlage müssen also ihre Produkte und Konzepte überdenken und mit dem digitalen Trend der Zeit gehen. Einige Verlage nutzen hier die Möglichkeit von eigenen Apps, die mit verschiedenen Funktionsweisen Umsätze generieren und die Musikverlage bekannter machen sollen.

 

Carus Music App

Carus App
© Carus-Verlag

Der Carus-Verlag aus Stuttgart hat sich in seinem Verlagsprogramm auf geistliche & weltliche Chormusik spezialisiert. Er bietet seit dem 15.04.2015 eine App im App- und Google-Play-Store an, mit der man seine Chorstimme mit oder ohne Notenkenntnisse lernen kann. Zurzeit sind etwa 50 bekanntere Werke erhältlich, die man im Verlag auch gedruckt erwerben kann, zum Beispiel das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Im Menü findet man Informationen zum Werk und zur Einspielung, welche von renommierten Chören eingesungen wurde. Hat der Sänger eine Ausgabe seiner Stimmgruppe für einen Preis zwischen 4,99€ und 14,99€ erworben, so kann er sich seine Stimme langsamer, lauter oder einzeln vorsingen lassen und einfach mit dem blauen Balken per drag-and-drop zu der Stelle springen, die er üben möchte. So geht kein Chorsänger mehr unvorbereitet in eine Chorprobe.

 

Musikverlag Richard Grünwald

Musikverlag Richard Grünwald App
© Tobit.Software

Auch über Neuigkeiten im Verlag kann über eine App informiert werden. Der Musikverlag Richard Grünwald bietet ausschließlich Noten, digitale Downloads, Workshops und Zubehör für alle Musiker an, die das Instrument Zither spielen. In seiner am 22.03.2016 auf den Markt gebrachten App informiert der Verlag alle Interessenten über aktuelle Projekte, Neuausgaben, die verlegten Komponisten, gibt über Bilder Einblick in den Verlagsalltag und bietet die Möglichkeit zur direkten Kommunikation mit dem aktuellen Verlagsinhaber. Leider ist die App durch ihre Neuheit noch sehr wenig bespielt und bis jetzt nur im App-Store erhältlich, doch auch Android soll bald nachziehen.

Artist Ahead Apps

Wieder etwas anders gestaltet der artist ahead Musikverlag aus Wiesloch bei Heidelberg seine App bzw. Apps. Dieser Verlag bietet nämlich nicht nur eine, sondern viele kleine Apps an, mit denen mal multimedial und innovativ ein Instrument lernen soll. Erhältlich sind hier nicht nur Apps für „normale“ Instrumente, sondern auch für Nischeninstrumente wie Blues-Harfe oder Rockabilly Gitarre. Ein Beispiel für eine weniger spezielle App ist „Weihnachtslieder in C“, welche im November 2014 passend zur Vorweihnachtszeit erschienen ist. In dieser App erhält man 1 Weihnachtslied gratis und 71 weitere, sobald man bei den In-App-Käufen 1,99€ bezahlt hat. Der Musiker kann hier ein- oder zweistimmig mit seinem in C gestimmten Instrument (zum Beispiel dem Klavier) bekannte Weihnachtslieder gemeinsam mit Metronom und wohlklingender Klavierbegleitung spielen. Leider gibt es noch keine Funktion, mit der man ein Feedback für seine vorgetragene Leistung erhält, aber auch das wird bei unserer fortschreitenden Technisierung sicherlich nicht mehr lange ein Problem sein. Bis jetzt sind die Apps allerdings nur für das iPad erhältlich.

 

Fazit

Apps sind auch für Musikverlage eine tolle Möglichkeit, um ein breiteres, internetbegeistertes Publikum zu erreichen und zu den klassischen Verlagen zurück zu holen. Leider wird diese Möglichkeit momentan noch zu selten oder nicht ganz durchdacht genutzt. Prinzipiell werden Musikverlage mit Apps, die ein gutes Design, eine einfache Bedienung, faire Preise und nützliche Nebenfunktionen (Hintergrundinformationen zum Stück, Videos, etc.) auszeichnen in ein sinnvolles Marketing-Mittel investieren.

 

Autorin: Lina Al Ghori