5 Gründe, warum Erwachsene Kinderbücher lesen sollten

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Kinderbücher sind nichts für Erwachsene. Oder ist der Name vielleicht doch nicht Programm?

„Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry gilt schon lange, auch für Erwachsene, als lesenswert. Die Botschaften sprechen Menschen jeden Alters an. Andere Kinderbücher werden jedoch meist sträflich vernachlässigt. Hier findet ihr Gründe, warum auch Erwachsene Kinderbücher lesen sollten und was wir vielleicht sogar daraus lernen können.

Grund #1: Die Nostalgie in Kinderbüchern

Kinderbücher bergen Erinnerungen, das steht außer Frage. An Tagen, an denen alles schiefläuft, kann ein Kinderbuch, wie eine warme Decke, Wunder wirken. Oft werden beim Blättern der Seiten Erinnerungen wachgerufen, von deren Existenz man gar nichts mehr ahnte. Auf einmal schwelgt man in Reminiszenz, wie man im Garten saß und von Kobolden und Räubern gelesen hat. Oder daran, wie die Eltern abends im Bett immer vorgelesen haben, selbst als man eigentlich alt genug war, um selbst zu lesen. Und hat man erst einmal damit angefangen, fällt es schwer, wieder aufzuhören.

Grund #2: Die Illustrationen in Kinderbüchern

Warum werden Bücher für Erwachsene eigentlich nicht illustriert? Wenn wir Sonderausgaben und Sammelbände einmal außer Acht lassen, dann findet man nur äußerst selten Illustrationen in „Erwachsenenbüchern“. Natürlich ist es wunderbar, der eigenen Fantasie freien Lauf lassen zu können. Bilder können jedoch auf einer ästhetischen Ebene ein ganz anderes Leseerlebnis bieten und unsere Vorstellungen maßgeblich beeinflussen.

Beispielsweise haben Illustratoren wie Ingrid Vang Nyman, Rolf Rettich und Katrin Engelking das Bild von Pippi Langstrumpf über Jahre hinweg grundlegend geprägt. Für viele ist es heute fast unmöglich, sich Pippi anders vorzustellen, als in dem Stil der Illustrationen der Bücher, die man als Kind gelesen hat und deren Worte sich durch kunterbunte Bilder visualisierten.

Grund #3: Die kleinen Dinge in Kinderbüchern

Wer ein Kinderbuch schreibt, der macht sich ohne Frage Gedanken um seine Zielgruppe. Und mehr noch als in anderen Genres, haben Autoren es hier mit einer Leserschaft zu tun, die es zu fesseln gilt. Das Schöne daran? Kinder lassen sich von so vielen Dingen in den Bann ziehen. Und so können uns Kinderbücher in Erinnerung rufen, wie wichtig es ist, einen Blick auf die Dinge zu werfen, die wir im Alltag sonst schnell aus den Augen verlieren. Frei nach dem Zitat „Don’t grow up, it’s a trap!“, können wir so bewusster und ein bisschen kindlicher durch den Tag gehen.

Grund #4: Die Fantasie in Kinderbüchern

Während man sich bei Fantasy-Romanen oft lang in eine Welt oder ein magisches System einlesen muss, wird das bei Kinderbüchern oft einfach übersprungen. Dafür sind ja die Bilder da. Wenn jemand zaubern kann, das ist das halt so. Es gibt Einhörner? Vollkommen klar. Mäuse führen ihre Leben wie wir und schlafen in Hochstockbetten? Nicht mal der Frage wert. Die Selbstverständlichkeit, mit der fantastisches in Kinderbüchern geschieht, ist erfrischend. Ein bisschen Fantasie kann schließlich nie schaden. Denn schon Peter Pan sagte „Nur die Fröhlichen, Unschuldigen und Herzlosen können fliegen.“

Grund #5: Der neue Blickwinkel in Kinderbüchern

Mit fünf Jahren hinterfragt man die Inhalte, Figuren oder Botschaften von Kinderbüchern nicht. Das können wir heute nachholen. Kinderbücher wieder zu lesen, bietet die Gelegenheit, Fragen zu stellen und kritisch zu sein. Werden wir nicht alle mit dem Alter weiser? Heute kann man mit einem größeren Horizont und dank all der Bücher, die man bereits gelesen hat, Dinge viel besser einordnen. Es lohnt sich, die Texte einmal mit prüfenden Blick zu lesen und sich zu fragen: Was soll mir als Leser oder Zuhörer vermittelt werden? Und was halte ich davon? Wird mit Stereotypen gearbeitet? Welchen Problemen müssen sich die Protagonisten stellen und wie lösen sie diese? Welche Charaktere haben eine Vorbildfunktion? Wollte ich früher einmal so sein? Wäre ich noch heute gerne so? Und unabhängig davon, wie das Ergebnis letztendlich ausfällt: Man kann auf jeden Fall etwas für sich mitnehmen.

Autorin: Paula Heinze

Lerche Leckerei: Das Butterbier aus Harry Potter

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Die Tage sind schon merklich länger geworden und auch wenn es mittags schon ordentlich warm wird spricht doch am Abend nichts gegen ein schönes heißes Bier. Klingt komisch? Nicht nur für alt eingeschworene Harry Potter Fans: macht es euch mit Freunden bequem und holt euch den „Drei Besen“ in euer Wohnzimmer, indem ihr ein original selbstgemachtes Butterbier genießt.

Wie das geht? Ganz leicht, innerhalb von 15 Minuten!

 

Ihr braucht:

250ml             Malzbier

1/2 Liter          Milch

100ml            Sahne

1                     Vanilleschote

1/2 TL             Zimt

1/2  TL            Kakaopulver

1/2  Pck.         Vanillezucker

 

Und dann:

Ihr gebt die Milch gemeinsam mit 50ml von der Sahne, der Vanilleschote, dem Zimt, Kakaopulver und dem Vanillezucker in einen Topf. Jetzt lasst ihr alles zusammen aufkochen und nehmt den Topf direkt danach von der Herdplatte. Fügt anschließend das Malzbier hinzu und erwärmt das Ganze noch einmal kurz. Währenddessen könnt ihr die übrigen 50ml Sahne steif schlagen und als „Schaum“-Krönung eure Gläser damit auffüllen.

P.S.: Passt auf, dass eure Gläser auch für heiße Getränke geeignet sind. 😉

 

“Hey, wie viel kostet das?“ – “5 Galleonen.“ – “Und für mich?“ – “5 Galleonen.“ – “Ich bin euer Bruder!“ – “10 Galleonen.“

Autorin: Melody Schieck

Der Lerche-Veranstaltungskalender für Mai

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Wie herrlich leuchtet mir die Natur! Wie glänzt die Sonne! Wie lacht die Flur! Es dringen Blüten aus jedem Zweig. Und tausend Stimmen aus dem Gesträuch. Und Freud‘ und Wonne aus jeder Brust. O Erd‘, o Sonne! O Glück, o Lust!“ – Mailied von Johann Wolfgang von Goethe

Die Sonne strahlt, die Nächte sind lau; der Mai ist gekommen und lockt uns aus dem Haus. Auf euch warten diesen Monat viele Veranstaltungen. Hier findet ihr eine kleine Auswahl für warme Frühlingstage.


04.05. – 12.05.2018
A Capella 2018

Das jährliche internationale Festival für Vokalmusik steht vor der Tür. Das diesjährige Motto „Singen ist menschlich“ bringt Sänger aus der ganzen Welt zusammen. Auch verschiedene Genre wie Klassik, Jazz, Rock und/oder Pop ist vertreten und zeigt, dass gemeinsamer Gesang verbindet. Den Höhepunkt bildet der Wettbewerb um den „A Capella Award“. Neben erwähnten Veranstaltungen kann man Vorträgen, Konzerteinführungen und Workshops beiwohnen.

Web: http://www.a-cappella-festival.de/index.php/de/


05.05.2018
Museumsnacht Halle/Leipzig „Kult“

Für Kunst- und Kulturinteressierte bietet die Museumsnacht in nur sechs Stunden über 300 Veranstaltungen in 80 Museen an. Die Stadt zeigt in Ausstellungen, Filmvorführungen, Lesungen und Vorträgen, was die Museumslandschaft zu bieten hat. Daneben gibt es auch verschiedene Konzerte, Kabarett und Theater. Um in der kurzen Zeit so viel wie möglich zu erleben wird ein extra Shuttleservice (Halle/Leipzig) zur Verfügung gestellt.


Beginn: 18 Uhr
Monetos: 10€, ermäßigt 8€, Kinder bis einschließlich 18 Jahre frei unter

www.museumsnacht-halle-leipzig.de/tickets/
Web: http://www.museumsnacht-halle-leipzig.de

06.05.2018
27. „Prix de Tacot“

Das „Seifenkistenrennen“ hat sich seit 1992 in Leipzig zum Volksfest etabliert und ist für jeden neu Zugezogenen einen Besuch wert. Highlight des Rennens sind die selbstkreierten Fahrzeuge und die dazu passenden Kostüme. Mit den Jahren entstand parallel zum Rennen das „Fockebergfest“ und ein dazugehöriger Markt.

Veranstalter: Sozialkulturelles Zentrum naTo e.V.
Location: Fockeberg, Südvorstadt
Beginn: Sonntag ab 11 Uhr
Web: http://www.nato-leipzig.de/projekte/seifenkistenrennen/

 

13.05.2018
Goldhornmarkt

Das junge Szenenlokal „Goldhorn“ im Leipziger Osten veranstaltet, neben der abendlichen Kneipe, regelmäßig Flohmärkte und diesen Monat ist es wieder so weit. Ein buntes Sammelsurium aus Klamotten und Krimskrams lädt zum Stöbern ein; Kaffee, Kuchen und Schnaps runden den Ausflug ab.

Veranstalter: Goldhorn
Location: Eisenbahnstraße 97
Beginn: 13 Uhr
Web: https://de-de.facebook.com/events/779602518894912/

18.05 – 21.05.2018
Wave Gothic Treffen

Diesen Monat färben sich die Bahnen, Straßen und Parks wieder schwarz. Aufgepasst liebe Goths, Cybergoths, Düstermetaller, Steampunks und neoviktorianische Schwarzromantiker! Das größte WGT Festival kehrt über das Pfingstwochenende in Leipzig ein. Über 200 Konzerte und Veranstaltungen erwarten euch auf dem Agra Gelände, in Clubs, der Oper und in ausgewählten Kirchen. Neben musikalischen Aktivitäten werden auch Lesungen, Ausstellungen und ein Mittelaltermarkt angeboten. Höhepunkt für alle Liebhaber und Schaulustigen ist das „Viktorianische Picknick“ im Clara Zetkin Park am 18.05. von 14 bis 17 Uhr, welches über die Jahre einen Kultstatus erreicht hat.

Tickets: 120€ unter http://www.wave-gotik-treffen.de/karten.php
Web: http://www.wave-gotik-treffen.de/info/info.php

Autorin: Maxi Josephine Rauch

Lerche liest: Bücher von … Schweizer Autoren

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Vor einigen Jahren saß ich in einem Universitätsseminar und wir spielten mit Computern: Mit Hilfe von dazu ausgelegter Software konnten wir auf den verborgenen Hintergrundseiten der Wikipedia feststellen, dass der Autor Christian Kracht hobbyweise seinen eigenen Wikipedia-Eintrag bearbeitet. Im Rahmen dessen hat er sich 2006 etwa mehrmals umentschieden, ob er der Welt als „Schweizer Autor“, „Schweizer Schriftsteller“ oder lieber „Schweitzerischer Schriftsteller“ bekannt gemacht werden möchte.  Stand der Dinge aktuell: „Schweizer Schriftsteller, Drehbuchautor und Journalist“. Für uns auf jeden Fall Grund genug, euch diese Woche drei Bücher von bekannten Schweizer Autoren aus dem Reich der Neutralität und des Bergkäses vorzustellen.

Peter Stamm – Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt

© S. Fischer

Ein Mann trifft eine Frau, sie gehen die meiste Zeit spazieren, und er drängt darauf, ihr eine Geschichte erzählen zu dürfen. Ebendiese handelt davon, dass er das Leben bereits kennt, das sie führt. Und sogar schon weiß, was ihr noch bevorsteht. Er hat nämlich das gleiche – kein nur ähnliches – bereits selbst gelebt. Sie heißt wie seine Ex-Freundin, er heißt, wie ihr aktueller Freund. Aber nicht nur das: im wahrsten Sinne des Wortes gruselig viele Rahmenumstände und Details der beider Paare Leben stimmen überein. Wo mag das herrühren und hinführen?

Soweit der Ausgangspunkt, von dem aus Peter Stamm sich auf den Weg macht, die alten Fragen rund um das Schicksal, dessen Vorherbestimmtheit, und natürlich – als größte Frage von allen – die Liebe mal wieder zu erforschen. Erschienen ist das Buch, pünktlich zur vergangenen Leipziger Buchmesse, in einer wunderschönen gestalteten Ausgabe im S. Fischer Verlag.

 

 

 

 

S. Fischer

Hardcover, 160 Seiten, 20,00 Euro

ISBN: 978-3-10-397259-7

Mehr Infos unter: https://www.fischerverlage.de/buch/die_sanfte_gleichgueltigkeit_der_welt/9783103972597

 

Max Frisch – Montauk

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Um den Posten des größten Schweizer Literaten im 20. Jahrhundert haben sich im Grunde ja nur Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt beworben. Wenn, aus heutiger Perspektive, anhaltende Aufmerksamkeit und die hingebungsvolle Zuneigung der Leserschaft als Maßstab herangezogen werden – dann hat Frisch die Stelle wohl bekommen. Der Suhrkamp Verlag hat in diesem Zusammenhang nun Frischs Alterswerk Montauk in einer brandneuen Ausgabe seiner ebenfalls relativ neuen Reihe Suhrkamp Pocket herausgebracht.

Ein Mann und eine Frau spazieren von New York aus bis zur nördlichsten Spitze der New Yorker Insel Long Island. Einer Klippe, die aus den Namen Montauk hört. Max Frisch schreibt sich darin das Ziel vor „Erzählen [zu] können, ohne irgendetwas dabei zu erfinden“. Die Tageszeitung Die WELT schreibt, er habe „sein persönlichstes, berührendstes Buch“ geschrieben. Und ich schreibe, an dieser Stelle, nagelt mich darauf fest: Tatsächlich! Es ist Frischs feinfühligster und schönster, sein bester Roman!

 

 

 

Suhrkamp

Taschenbuch, Reihe Suhrkamp Pocket, 219 Seiten, 10,00 Euro

ISBN: 978-3-518-46811-1

Mehr Infos unter: http://www.suhrkamp.de/buecher/montauk-max_frisch_46811.html

 

Christian Kracht – Die Toten

© Kiepenheuer&Witsch

Nach Imperium veröffentlichte Christian Kracht mit Die Toten den zweiten Roman in Folge, der uns in ein historisches Umfeld mitnimmt. Nach dem Kaiserreich unter Wilhelm II (Imperium) ist diesmal die Weimarer Republik an der Reihe. Eine unglaublich spannende Zeit, die der Roman im Vorbeigehen anhand der persönlichen Geschichte des Filmregisseurs Emil Nägeli erkundet. Der trifft dabei, obwohl selbst nur eine Erfindung des Schweizer Autors, natürlich auf bedeutende Figuren der damaligen Zeitgeschichte. Wie Siegfried Kracauer und Lotte Eisner. Und verwickelt sich versehentlich in die konfusen und absurden Umtriebe einer Filmindustrie, in der Menschen versuchen, im Angesicht eines Weltkrieges, noch immer ein Leben für die Kultur zu führen. Dazu  greifen sie zwangsweiseweise zu eher unkonventionellen Methoden…

 

 

 

 

 

Kiepenheuer&Witsch

Hardcover, 224 Seiten, 20,00 Euro

ISBN: 978-3-462-04554-3

Mehr Infos unter: https://www.kiwi-verlag.de/buch/die-toten/978-3-462-04554-3/

Autor: Christian Bartl

Lerche Dialekt: heute Berlinerisch

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Wer kennt ihn nicht, den Berliner Dialekt. In Deutschland ist die Berliner Schnauze weit bekannt. Dabei ist vor allem der derbe, aber herzliche Humor der Hauptstädter gemeint. Mehrere hundert Jahre alt ist der Berliner Jargon und verändert sich dank seiner Bewohner stetig weiter.

Berlinerisch – eben nicht nur ein Dialekt

Dabei ist der Berliner Dialekt in Wahrheit kein Dialekt. Sprachwissenschaftlich gesehen handelt es sich nämlich um einen sogenannten „Metrolekt“, eine in großstädtischen Zentren aus einer Mischung vieler unterschiedlicher Mundarten entstehende Stadtsprache. Dadurch, dass Berlin schon recht früh eine bedeutende Handelsstadt war, siedelten sich viele verschiedene Bevölkerungsgruppen an – so auch unterschiedliche Nationalitäten, die ihre eigenen Worte und Redewendungen ins Deutsche mitbrachten.

So lassen sich dann auch verschiedenste sprachliche Einflüsse finden wie etwa Flämisch, Französisch, Polabisch (u.a. Polnisch sowie Tschechisch) und Jiddisch. Auch das Niederdeutsch der Mittelmark und das Osterländische fanden seinen Niederschlag in dem Metrolekt. Letzter Dialekt verbreitete sich in Berlin durch intensive Handelsbeziehungen mit der Stadt Leipzig.

Zwar existiert ein Brandenburg-Berlinisches Wörterbuch mit dem Wortschatz und der Grammatik der Berliner Mundart, doch gibt es keinen genauen Konsens zur schriftlichen Fixierung, da der Dialekt sehr individuell eingesetzt wird und oft stark variiert.

Berliner Lokalkolorit im Roman Alles außer irdisch von Horst Evers

Nicht nur in der Hauptstadt wird berlinert. Auch in dem Science-Fiction Roman von Horst Evers, seines Zeichens Kabarettist und Autor zahlreicher Berliner Geschichten, geht es nicht ohne die Mundart. Mit humoristischen Einlagen und großem sprachlichen Witz nähert sich Evers in seiner Gesellschaftssatire den großen und kleinen Themen Berlins und der Welt.

So wird in der Geschichte tatsächlich der Flughafen BER eröffnet. Unglaublich, aber wahr… allerdings nur für wenige Sekunden. Denn dann stürzt ein großes Raumschiff auf die Startbahnen und verhindert so das Abheben der ersten Maschine vom BER auf ihrem Jungfernflug nach New York. Und für Goiko Schulz, einem mehr oder minder erfolgreichen Mittdreißiger, beginnt die Reise seines Lebens. Zusammen mit der Fahrradkurierin Kira, einem alten russischen Zeitreiseforscher und zwei Außerirdischen sowie einem ausrangierten Raumschiff wird er zur letzten Hoffnung der Menschheit und soll mit einer Klage vor dem intergalaktischen Gerichtshof die Verschrottung der Erde verhindern.

Signora, das berlinernde Raumschiff

Hauptverkehrsmittel der ungleichen Truppe ist das verschlissene Nahverkehrsraumschiff „Signora“. Und die berlinert, was das Zeug hält und hört sich dabei an wie ein übellauniger Busfahrer der Berliner Verkehrsbetriebe.

Und das klingt dann so:

„So, die Herrschaftn, ick hoffe, ick störe jetze nich unjebührlich Ihre jepflegte Unterhaltung, aba ick hätte hier jetze denn doch mal ’n Problem, dit ooch für Sie vielleicht nich ohne Belang is.“

„Hier startet jar nüscht, solange die hintere Tür nich rischtisch zu is. (…) Und ick hab Zeit.“

Hat euch der Berliner Charme des Raumschiffs überzeugt? Dann wartet nicht auf die Eröffnung des BER. Schnappt euch stattdessen Evers komisch-satirischen Roman Alles außer irdisch (erschienen 2016 bei Rowohlt; ISBN: 978-3871348150).

Autorin: Saskia Liske

Mythos Genie: Warum es besser ist, kein Genie zu sein

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Die meisten Menschen haben von Genies ein sehr romantisches Bild: nur wenige Menschen sind so begabt, dass sie besonders kreativ sein könnten. Noch heute sagen wir: von der Muse geküsst, also auserwählt für eine kreative Leistung. Normalsterbliche hingegen sind nichts Besonderes, nicht kreativ begabt – also kein Genie. Damit hält sich seit Jahrhunderten hartnäckig die Legende vom Genie. Während in der Wissenschaft dieses Konzept bereits ad acta gelegt wurde, scheint der Mythos in der Alltagskultur fest verankert zu sein.

Da Vinci, Shakespeare, Goethe, Schiller, Kafka, Hemingway… dies ist eine klassische Liste literarischer Genies. Zwei Dinge fallen dabei auf.  Zum ersten: Diese Schriftsteller haben sich mit Werken wie „Faust“ oder „Der Alte und das Meer“ in den literarischen Kanon eingeschrieben. Zum zweiten: Es sind männliche Genies. Fast immer, wenn von einem Genie die Rede ist, ist damit ein besonders kreativer Mann gemeint. Die lange Liste an männlichen Literaten und Künstlern beweist es immer wieder. Aber was genau ist ein Genie? Und wieso wird es fast ausschließlich zur Charakterisierung von männlicher Schöpfungskraft genutzt?

Das Wort Genie stammt im englischen Sprachraum vom lateinischen „Genius“ ab, ein Schutzgeist in der römischen Mythologie, der nur Männern innewohnte. In Deutschland und Frankreich geht das Genie zurück auf das lateinische „ingenium“, angeborenes Talent, ist aber seit der Renaissance ebenso männlich dominiert. Bis heute scheint sich daran kaum etwas geändert zu haben. Ein Blick auf den Literatur- und Kunstmarkt zeigt, wie stark immer noch in unserer Gesellschaft das Genie mit Männlichkeit verbunden ist. Aber was ist, wenn „das Genie“ nur ein Mythos ist? Eine Idee von etwas, das nicht existiert? Brauchen wir noch die Vorstellung eines männlichen Schöpfergeistes oder ist eine kreative Leistung nicht etwas, für das hart gearbeitet werden muss?

Geniestreiche kommen nicht von ungefähr

Der berühmte Heureka-Moment des Archimedes von Syrakus kann erst nach einer intensiven Auseinandersetzung mit Themen erfolgen und ist keinesfalls ein Geistesblitz. Thomas Edison formulierte es einmal sehr treffend: „Genie ist 1 Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.“ Damit funktioniert der Mythos nicht mehr, da kreative Schöpfung kognitive Arbeit voraussetzt.

Denn was ist Kreativität eigentlich und was macht sie aus? Kreativ ist etwas, was zugleich neu und brauchbar ist. Doch bevor dieses Neue da ist, schwirren so viele Ideen in unserem Kopf, die zunächst geordnet und nach ihrer Brauchbarkeit abgeklopft werden müssen. Um etwas Kreatives entstehen zu lassen, ist eine Auseinandersetzung mit vorangegangenen Ideen und Konzepten notwendig. Hierfür brauchen wir eine gewisse Entspannung, bei der instinktiv verschiedene Wissensgebiete im Gehirn miteinander verbunden werden, die beim bewussten Denken zunächst voneinander getrennt sind. Dies wird in der Kreativitätsforschung auch „Spreading Activation“ genannt.

Dafür braucht es Offenheit gegenüber den verschiedensten Themen und Erfahrungen sowie eine intensive Auseinandersetzung mit ihnen. Ein Genie kann das nicht leisten! Es bezieht Inspiration aus einem Vakuum, während Kreativität durch das kombinatorische Spiel funktioniert – wie Einstein es nannte. Freie Assoziationen formen neue Ideen, die dann gefiltert und geschliffen werden müssen. Dies erfordert Hartnäckigkeit und Anstrengung. Ganz anders also als die Vorstellung vom Genie, das von der Muse geküsst wird!

 Entmystifizieren wir das Genie

Kreative und herausragende Leistungen bekommen wir nicht einfach so, sondern wir müssen hart dafür arbeiten. Geben wir daher die Vorstellung vom Genie auf! Ein Mythos ist niemals so gut wie die Realität, denn diese Vorstellung braucht einen Glaubenssatz, eine Erklärung, dass etwas ist, wie es ist. Der Geniemythos funktioniert als Annahme, dass nur wenige Talentierte kreativ und schöpferisch tätig sein können. Doch das ist mittlerweile wissenschaftlich widerlegt! Der aktuelle Erkenntnisstand der Forschung ist, dass Kreativität eine normale menschliche Fähigkeit ist. Diese ist bereits von Geburt an vorhanden und kann jederzeit aktiviert sowie weiterentwickelt werden.

Warum wir das Genie dennoch so sehr lieben, liegt an unserer Kulturvorstellung. Deutschland, das Land der Dichter und Denker; Deutschland, das Land der Kultur und Innovation. Mit Einsetzen der Aufklärung, der Klassik und Romantik beginnen deutsche Intellektuelle einen Geniekult zu entwickeln. Dabei wird das Genie zum Schöpfer von Welten, in der Literatur wird der Dichter zum zweiten Gott. Somit wird Frauen von vornherein Schöpfungskraft versagt! Denn Gott ist ja bekanntermaßen männlich und zeugungsfähig. Da in dieser Argumentationslinie Schaffenskraft ein männlicher Part ist, sind Frauen damit niemals schöpferisch kreativ. So ist Weiblichkeit vor allem mit Tugenden wie Fleiß und Strebsamkeit verbunden, während Männlichkeit das Bild von Unabhängigkeit, Zeugungs- und Durchsetzungskraft transportiert. Das Genie muss demnach männlich sein!

Doch diese Vorstellung begrenzt uns jedoch in jeder Hinsicht. So denken wir, Männer sind fähiger als Frauen und Kreativität wäre eine besondere Gabe, die nur Auserwählte besitzen. Aber dieser Glaube ist gefährlich, denn er setzt einerseits weibliche Kreativität herab und andererseits – was vielleicht noch viel schlimmer ist – verhindert er neue Ideen.

Schaffen wir doch das Genie ab, denn wir brauchen es gar nicht

Damit wir kreativ in unserer modernen Gesellschaft tätig sein können, müssen wir demzufolge das Genie abschaffen! Denn der Glaube an es begrenzt und fesselt unsere Kreativität. Wir sind keine wartenden Sklaven der Muse, die erst zu uns kommen und uns küssen muss. Im Gegenteil: die absichtliche, aktive Kreativität kann bewusst sowie systematisch gesteuert und entwickelt werden. Dabei gibt es eine Vorbereitungs-, eine Inkubations- bzw. Reifephase, dann folgt eben jener Heureka-Moment und danach eine Bewertungs- und eine Ausarbeitungsphase. Ein langer Weg, den die Kreativität da durchläuft.

Dies ist dabei auch eine ganz andere Vorstellung als beim Mythos Genie, der darauf abzielt, Ideen als plötzliche Eingebung und Schöpfungsakt zu inszenieren. Schaffen wir diese Legende also endgültig ab, kehren wir dem Mythos den Rücken, wir brauchen ihn nicht mehr! Kreativität ist schließlich in jedem einzelnen Individuum vorhanden und lässt sich nicht nur auf ein „Genius“ oder „ingenium“ zurückführen.

Autorin: Saskia Liske

Frühling mit Büchern

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Der Frühling ist da! Sowohl meteorologisch, als auch kalendarisch und inzwischen sogar tatsächlich. Wie so vieles im Leben zelebriert man dies am besten mit Büchern. Gerade im Frühling gerät das Lesebedürfnis oft in Konflikt mit dem Verlangen nach Outdoor-Aktivitäten. In diesem Artikel finden sich einige Anregungen wie sich beides je nach Outdoor-Aktivität kombinieren lässt.

Der Winter hatte sich noch einmal aufgebäumt. Zum Leidwesen vieler ausgerechnet zur Leipziger Buchmesse. Aber das ist vergangen. Und bei dem Anblick von Sonnenschein und grünen Wiesen auch bald vergessen. Die Menschen zieht es jetzt nach draußen und gerne nimmt man sich ein Buch mit in das Café oder den Park. Dabei bietet sich je nach Stimmung unterschiedliches Lesematerial an.

In der Sonne schmökern

Wenn man sich in einer Geschichte verlieren will, während man in der Sonne sitzt, funktioniert das immer noch am besten mit einem Roman. In dem Debüt “Leinsee” von Anne Reinecke geht es um einen jungen Mann namens Karl, dessen berühmte Eltern nie viel Zeit für ihren Sohn übrig hatten. Inzwischen ist sein Vater jedoch verstorben und seine Mutter schwer erkrankt. Karl weiß nicht mit dieser Situation umzugehen und gerät in eine Krise. Das einzig Positive in seinem Leben ist die kleine Tanja, welche Karl zurück ins Leben hilft.

Auch wenn der Inhalt nach einer altbekannten Geschichte klingt, bietet einem dieses Buch viel Schönes und Neues. Der Roman erzählt nicht nur eine Geschichte über Liebe und Freundschaft, sondern auch über Kunst und wie es ist als erwachsener Mensch weiter zu reifen und weiter erwachsen zu werden.

Rein in die Natur

Für Alle, die im Frühjahr aktiver sein wollen als einfach in der Sonne zu faulenzen, ist das Buch “111 Gründe, den Wald zu lieben” von Simon Abeln eine Fundgrube an Anregungen und Informationen. Hier finden sich nicht seitenweise Beschreibungen von Flora und Fauna, sondern eine vielseitige Sammlung, die – je nach dem was man sich von einem Besuch im Wald verspricht – entsprechende Texte bereitstellt.

Gut strukturiert finden sich unter anderem Kapitel über die Wirkung des Waldes auf Körper und Geist, Unternehmungsmöglichkeiten mit Familie und/ oder tierischen Freunden und nützliches Wissen über seine Bewohner. Besonders empfehlenswert zu lesen ist zu dieser Jahreszeit der fünfte Grund „Weil er im Frühjahr ein Blütenmeer ist”. Mit Wortwitz und Leichtigkeit schafft dieses Buch, in einem die Lust zum Wandern und Entdecken zu wecken.

Die ganz großen Gefühle erleben

Auch im Frühling bleibt oft wenig Zeit um das schöne Erwachen der Natur zu genießen. Wer dennoch nicht ohne die großen Frühlingsgefühle sein möchte, wird bei der Geschichtensammlung “Frühling für Fortgeschrittene” von Reclam fündig.

Hier gibt es Geschichten von mehr als fünfzehn Autoren rund um den Frühling; von Klassikern wie Kurt Tucholsky der Vergangenheit bis hin zur Gegenwartsliteratur mit Vertretern wie Barbara Acksteiner. Kurzweilig und prägnant wird die eigene Freude über den Frühling noch verstärkt und eine Barriere gegen den Alltagstrott aufgestellt.

Autorin: Annekatrin Franke

Der Lerche-Veranstaltungskalender für April

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Nachdem der März und sein Wetter uns alle ganz schön durchgeschüttelt haben, soll nun auch noch der April machen was er will? Nein danke!
Das übernehmen wir für den kommenden Monat lieber selbst. Hier ein paar Vorschläge für einen guten Start in den Frühling.

 

28.03. – 02.04.2018

Ostermarkt und Historische Leipziger Ostermesse

Mit dem Osterwochenende starten wir in den April. Unterstützt wird das emsige Frühlingstreiben der Leipziger Innenstadt mit einem Ostermarkt. Lasst euch bei leckerem Essen und Trinken von Musikanten und Jongleuren unterhalten. Vielleicht findet ihr auch noch die ein oder andere Kleinigkeit für das Osterkörbchen.

Aufgepasst: am Karfreitag ist geschlossen

Location: Leipziger Innenstadt

Web: https://www.leipzig.de/freizeit-lultur-und-tourismus/veranstaltungen-und-termine/eventsingle/calender/2018/03/28/event/tx_cal_phpicalender/ostermarkt-und-historische-leipziger-ostermesse-2018

 

07.04.2018

PAINT CLUB Battle League – Vorausscheid Sachsen

An alle Urban Art Fans: der PAINT CLUB veranstaltet das erste Mal einen Wettbewerb für die hoch aktuelle Kunstform. Die Künstler müssen live vor einem Publikum ein kreatives Zeugnis ihres Talents ablegen. Heißt, es wird live und in Farbe Kunst geschaffen.

Beginn 19 Uhr (Einlass 18 Uhr)

Location: Westbad Leipzig

Monetos: kostenlose Tickets unter https://pcbl-sachsen.eventbrite.com/

Web: https://m.facebook.com/events/1587003834741013

 

10.04. – 15.04.2018

KURZSUECHTIG

Kurzes, aber großes Kino bietet das 15. Kurzfilmfestival vom KURZSUECHTIG Verein. Gezeigt wird neben Wettbewerbsfilmen regionaler Künstler auch ein Rahmenprogramm mit dem Schwerpunkt Italien und Panels bezugnehmend auf aktuelle Themen rund um den Kurzfilm.

Location: Kunstkraftwerk Leipzig

Monetos: von einzelnen Wettbewerbsangeboten für 5€ bis zu einem Festivalpass für 30€ ist alles möglich

Web: http://kurzsuechtig.de/

 

18.04.2018

Soundcheck-Philosophie-Salon: Philosophie & Wahnsinn?

Themen zum Diskutieren gibt es zu Hauf aber hier wird eine Schnittstelle geschaffen und zwar zwischen Kunst und Philosophie. Mit Hilfe von Theater, Performances, Literatur, Musik und bildenden Künsten soll zu einem öffentlichen Diskurs angeregt werden, nicht nur über philosophische, sondern auch über gesellschaftliche und politische Themen. Diskutiert mit oder lauscht still dem Treiben, intellektueller Input garantiert!

Beginn: 20:00Uhr

Location: Noch Besser Leben

Web: https://www.soundcheckphilosophie.de/aktuelle-veranstaltungen/soundcheck-philosophie-salon/

 

28.04. & 29.04.2018

10. handgemacht Kreativmarkt

Frei nach dem Motto: DIY, Recycling und Upcycling findet an diesem Wochenende der 10. Kreativmarkt in Leipzig statt. Über 250 lokale und internationale Künstler stellen ihr Handwerk in Bereichen wie Schmuck, Mode, Seifen, Floristik, Holz oder Metall aus. Man findet mit viel Liebe gefertigte Unikate oder wer selbst kreativ werden möchte auch ein großes Angebot an Stoffen, Perlen, Papierwaren und vielem mehr.

Beginn:           Samstag ab 11 Uhr (bis 18 Uhr)

Sonntag ab 10 Uhr (Bis 17 Uhr)

Location: Kohlrabizirkus Leipzig

Monetos: 5€ (Kinder bis 14 Jahren kostenlos)

Web: https://www.kreativmaerkte.de/mearkte/kreativmarkt-leipzig/

Autorin: Melody Schieck

Die Grundlagen der Kreativität

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Der Ursprung menschlicher Kreativität ist seit jeher eines der Rätsel, die die Wissenschaft zu lösen versucht. Neben den Grundlagen der Hirnforschung und der Genetik zur Erforschung des Gesamtprozesses, ergeben sich zu den neuen Erkenntnissen exponentiell daraus resultierende Fragen.

Wo Kreativität entsteht

Kreativitätsforschung ist ein gewaltiges Feld. Bisher bewiesen wurde unter anderem, dass innerhalb des menschlichen Gehirns mehr als ein Bereich für den Entwurf von Innovationen zuständig ist. Neben dem Stirnhirn und den Scheitellappen, die fleißig Signale austauschen, sind weitere Teile des Großhirns und tief sitzende Strukturen unterhalb der Hirnrinde aktiv, um die Zusammenarbeit mehrerer Areale und die gefühlsmäßige Bewertung neuer Ideen zu unterstützen.
Als ein Auslöser kreativen Denkens gilt die latente Inhibition. Als Reizhemmung schränkt sie bei gesunden Menschen die Wahrnehmung ein und schützt so das Hirn vor einer Reizüberflutung. Ist dieser Schutz zu schwach ausgeprägt, ist das Hirn nicht nur für Eindrücke und Informationen offener, sondern kann für Aufgaben auch effektiver bessere Lösungen finden. Ideale Grundlagen für kreatives Denken. Problematisch hingegen sind die dadurch fehlende Filterfunktion der Betroffenen und das erhöhte Risiko für psychische Erkrankungen.

Im Kampf mit der Psyche

Schizophrenie, Depression und Persönlichkeitsstörung sind die wohl bekanntesten psychischen Erkrankungen der kreativen Elite. Aus Familienstudien ist bekannt, dass die Neigung zur Schizophrenie auch vom Erbgut beeinflusst wird. Verdächtig dafür macht sich das 2002 entdeckte Gen Neuregulin 1, das unter anderem die Hirnentwicklung und die Kommunikation der Neuronen untereinander regelt.

In der Bevölkerung sind allgemein zwei Varianten des Gens verbreitet: C und T. Menschen, die zwei T-Varianten auf den Chromosomen tragen, haben nicht nur ein deutlich höheres Risiko für Psychosen, sondern sind gleichzeitig auch kreativer als Personen mit zwei C-Varianten.
Dass die Auswirkungen psychischer Erkrankungen auf das kreative Schaffen nicht unerheblich sind, ist beachtenswert. Eine schwach ausgeprägte bipolare Störung kann unter Umständen die künstlerische Leistung fördern. Depressive Phasen ermöglichen tiefe Einsichten in das menschliche Dasein während gemäßigt manische Phasen die Umsetzung beim Komponieren, Malen oder Schreiben erlaubt.

Was nach einer bemerkenswerten Erklärung für außergewöhnlich künstlerische Leistungen klingt, hat auch eine Schattenseite. Betroffene haben während der manischen Phasen meist hohe Konzentrationsprobleme, wodurch sie zumeist nicht zu nennenswert kreativen Leistungen fähig sind. Die Antwort auf das Rätsel um die Kreativität kann also nicht allein in psychischen Erkrankungen liegen.

Innovation als Prozess

Kreativitätsforscher unterscheiden das kreative Denken in fünf Phasen: Vorbereitung, Inkubation („Brüten“), Erkenntnis, Evaluation („Auswertung“) und Elaboration („Ausarbeitung“). Spätestens bei der Evaluation ist Intelligenz gefordert, um nützliche von nutzlosen Ideen zu unterscheiden und diese zu verwerfen.

Um intelligente Wunderkinder und kreative Geister zu erziehen, ist ein Aufwachsen in einem stimulierenden Umfeld unabdingbar. Eine breite Palette von Angeboten ist nötig, um die frühzeitige Förderung aller fünf Dimensionen der geistigen Entwicklung (kognitiv – kommunikativ – musisch-ästhetisch – motorisch – sozial-emotional) zu fördern. Dabei werden im Lernprozess Fähigkeiten und Wissen aus einem Gebiet ins andere übertragen und dadurch eine bessere Vernetzung der Hirnareale zu ermöglicht.
Geistige Flexibilität gilt als Grundlage für kreative Höchstleistungen und herausragende Intelligenz. In Verbindung mit einem guten Arbeitsgedächtnis schützen diese Grundlagen laut Studien zusätzlich davor, dass die Psyche Schaden nimmt.

Die Persönlichkeit – ein Künstlerstereotyp

Die gezielte Stimulierung der Dimensionen führt zur Ausbildung einer weiteren elementaren Grundlage für Kreativität, der Persönlichkeit. Aus psychologischen Lebenslauf-Analysen erfolgreicher Künstler ergeben sich typisierte Eigenschaften wie Unabhängigkeit, Nonkonformismus, Risikobereitschaft und Flexibilität, die sich durch unkonventionelles Benehmen und eine breite Spanne an Interessen ergänzen lassen.

Als Ergebnis resultiert stets eine komplexe Persönlichkeit, die in sich große Gegensätze vereinen und leicht von einem Extrem ins andere fallen kann. Dazu gehört, dass sie paradoxer Weise höchste Disziplin mit kindlichem Spieltrieb oder auch Verantwortungsgefühl mit Ungebundenheit vereinen können, in ihrer Art und ihrem Handeln rebellisch auftreten, aber dennoch die die Regeln ihres Fachgebietes lernen, bevor sie sie umstoßen.

Von wegen Außenseiter

Wie oft angenommen, sind kreative Leistungen also zumeist nicht das Werk einsamer, etwas irrer Genies, die das Bild des Künstlers in der Öffentlichkeit prägen. Neben verschiedenen Indikatoren spielt auch das Umfeld eine entscheidende Rolle. Die gesellschaftliche Siedlungsstruktur lässt sich weltweit viel mehr in kreative und weniger kreative Regionen unterteilen, in denen sich Menschen entfalten können. Die Indikatoren für kreative Potenziale sind dabei auch innerhalb von europäischen Städten unterschiedlich, auch wenn die Ausgaben für Forschung, Entwicklung und die Arbeitsstätten berühmter Wissenschaftler scheinbar homogen in den Kulturräumen verteilt sind.

Die Unterschiede liegen im Detail der räumlichen Konzentration. Zentren der Kreativität, wie Florenz im 15. und 16. Jahrhundert oder Paris und Wien um 1900, ziehen innovative Geister fast schon magisch an. Denn Kreativität entsteht in der Interaktion mit dem Umfeld, von denen eines sowohl anregend und herausfordernd wirken kann, wie in anderen Ideen aus verschiedenen Gründen auf Unverständnis und Widerstand treffen können.

Ein kreativer Kopf braucht Mitstreiter, die ihm helfen Kapitalgeber anzulocken und neue Verfahren und Prozesse zu entwickeln oder durch die Kommunikation des Wertes der Idee andere Menschen zu überzeugen, wenn er dazu selbst gerade nicht fähig ist. Liegen diese Grundlagen nicht vor, kann sich auch die beste Idee nur schwerlich entwickeln und ihre Chance nutzen, verwirklicht zu werden.

Autorin: Frances Liebau

Die Leipziger Lerche auf der Leipziger Buchmesse 2018: Buch Voraus

© pixabay

Auch wenn Leipzig gerade von Schnee und Eis bedeckt ist, findet wie jedes Jahr die Leipziger Buchmesse statt. Überall in der Stadt gibt es Lesungen und spannende Einblicke in die Welt der Bücher. Hier in Leipzig kommt zusammen, was zusammengehört: Bücher, Autoren, Verlage und Leser!

Einblicke in Rumäniens Bücherwelt auf der Leipziger Buchmesse

Obwohl das diesjährige Gastland Rumänien laut einer Eurostat-Umfrage von 2011 im EU-Vergleich zu den Ländern mit dem geringsten Bücherkonsum gehört und die Durchschnittsauflage für einheimische zeitgenössische Literatur in der Regel nur bei 1.000 bis 1.500 Exemplaren pro Buchtitel liegt, ist das Interesse an rumänischer Literatur gerade auf einem Höchststand. Zu den beliebtesten Autoren zählt Mircea Cartarescu, der in den letzten Jahren erfolgreich Romane und Kurzgeschichten veröffentlichte.

Auf der Buchmesse war es nunmehr möglich, die Facetten dieses osteuropäischen Landes kennenzulernen. Verschiedene Veranstaltungen wie beispielsweise das Forum OstSüdOst näherten sich dem Land auf charmante Art und Weise, Lesungen rumänischer Autoren wie Dana Grigorcea, Gabriela Adamesteanu und Mircea Dinescu oder der in Rumänien geborenen Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller sowie eine Diskussionsrunde rumänischer Gegenwartsliteraten zogen die Buchmessebesucher in ihren Bann.

Die Lerche auf der Leipziger Buchmesse

Auch die Leipziger Lerchen der HTWK waren auf der Buchmesse unterwegs und verteilten am Stand Studium Rund ums Buch die frisch gedruckte Leipziger Lerche #48, die von allen Seiten begeistert aufgenommen wurde. Der neugestaltete Stand des Messeteams der HTWK war Anlaufpunkt für Studieninteressierte oder ehemalige HTWK-Studenten. Mit spannenden Würfelspielen und Quizzen rund um Bücher, Literatur und den Studiengängen selbst, war es ein gelungener Messeauftritt.

Ebenso gut besucht war die AusbildBar der Gutenberg-Schule. Mit viel Liebe zum Detail haben die Auszubildenden zusammen mit der Schulleiterin der Berufsschule und der Messeleiterin ihren Stand gestaltet. Das Messeteam der AusbildBar brachte Besuchern die Ausbildungsberufe rund ums Buch näher und Interessierte ließen sich den einen oder anderen Buchtipp gleich mitgeben.

Schneechaos, Comics und Cosplay auf der Leipziger Buchmesse

Neben vielen Lesungen bekannter und noch zu entdeckenden Autoren, kamen erneut auch die Manga- und Comicfreunde auf ihre Kosten. Halle 1 war erneut Anlaufpunkt für unzählige Freunde der europäischen, japanischen und amerikanischen Comickunst. Begeisterte Cosplayer trafen sich in bunten Kostümen und eiferten ihren Idolen aus Comics, Mangas, Animes und Graphic Novels nach.

Am Wochenende kamen trotz des heftigen Schneetreibens und der daraus resultierenden schwierigen Verkehrslage bei der Deutschen Bahn und den Leipziger Verkehrsbetrieben dennoch zahlreiche Besucher, die sich die Freude an der Literatur vom Wetter nicht verderben ließen. Und wenn die Buchmesse die Tore für dieses Jahr schließt, die Besucher glücklich und beseelt nach Haus strömen, wissen wir die Leipziger Buchmesse gibt es auch wieder nächstes Frühjahr. Dann hoffentlich auch ohne Schneechaos und vereiste Schienen.

Autorin: Saskia Liske