Messe: Die klitzekleine BuchBerlin 2014

Berlin gegen Leipzig. 500 gegen 84.500 Quadratmeter. Kein Fehler. Es handelt sich um einen Vergleich der Ausstellerflächen der Buchmessen beider Städte. Wegen fehlender Routine zieht die Hauptstadt den Kürzeren. Im Audimax der HTW Berlin fand letztes Wochenende die BuchBerlin 2014 statt. Die Lerche hat Eindrücke gesammelt.

Es geht familiär zu. Zu beiden Seiten der drei Gänge im großen Saal präsentieren sich rund 60 kleine und mittlere Verlage der Region Berlin-Brandenburg. Große Werbestände? Fehlanzeige. Hier sind Bücherliebhaber unterwegs. Für solche hat Steffi Biber-Geske mit dem Verein Bücherzauber die neue Buchmesse Berlins ins Leben gerufen. Dass eine Hauptstadt keine Buchmesse habe, sei Motivation genug gewesen, so Kati Biber, die Schwester der Initiatorin. An Kosten entstehen den Verlagen nur geringe Standgebühren. Große Verlagshäuser wurden bewusst außen vor gelassen. „Wir wenden uns an die kleinen Verlage, um einen Kontrast zu den großen Messen zu bieten“, sagt Kati Biber. „Das eingenommene Geld geht hier direkt an die Verlage, niemand kassiert dazwischen ab.“ Für kleine Verlage sei das ein wichtiges Kriterium für bzw. gegen einen Auftritt in Frankfurt oder Leipzig.

Kleine Verlage finden passende Nischen

Biber & Butzemann © Stephanie Hübner
Biber & Butzemann © Stephanie Hübner

Hauptberuflich ist Steffi Biber-Geske Kinderbuch-Verlegerin. Ihren Verlag Biber & Butzemann gründete sie, weil sie für ihren Sohn kein Kinderbuch über Rügen fand. Darum schrieb sie die Urlaubsgeschichten mit Lilly und Nikolas selbst. Mit ihnen erfahren kleine Leser viel über die verschiedenen Urlaubsregionen Deutschlands und deren Sehenswürdigkeiten. Die Abenteuer der Reihe können sie mit ihren Eltern vor Ort selbst erleben – crossmediales Lesen in traditionell, quasi. Die Idee ist so beliebt, dass das Touristikunternehmen TUI auf den Verlag zukam und ein Reisemalbuch mit Lilly und Nikolas orderte.

Kleine Ideen schlagen große Wellen, das beweist auch Dorothea Flechsig. Die Gründerin des Glückssschuh Verlags begeistert Kinder mit Tierfreundin Petronella Glücksschuh, Fledermaus Sandor und Chamäleon Chacha-Casha. Ihre Abenteuer gibt es in allen wichtigen Medienformen: Hardcover, Taschenbuch und Hörbuch. Mehr noch: eine professionelle Bilderbuch-App ziert seit Kurzem das Programm des kleinen Verlages! „Ich denke es ist wichtig jetzt Erfahrungen mit Apps zu machen, wo der Markt sich noch finden muss. Wenn ich damit später beginne, haben die großen Player den Kuchen unter sich aufgeteilt.“, kommentiert Flechsig den zukunftsweisenden Schritt.

Edition Wannenbuch © Stephanie Hübner
Edition Wannenbuch © Stephanie Hübner

Exot auf der Messe: Edition Wannenbuch. Der Verlagsname meint, was er sagt: „Badewannenbücher für Erwachsene“. Vielseitige Genres werden in wasserfesten, knautschbaren Büchern bedient. „Für unsere Autoren ist es schwer sich so kurz zu halten, aber ein Wannenbuch fasst eben keine 300 Seiten.“, sagen die Gründer. Der Verlag etabliert seine Idee seit fünf Jahren in deutschen Badezimmern: treue Wannenbuch-Sammler fragen regelmäßig nach neuen Titeln.

Mindestens genauso ausgefallen ist der Verlag Fred und Otto. Einen Reiseführer für Hundebesitzer suchte der Verlagschef des Vergangenheits-Verlags. Und weil er keinen fand, wurde ein Imprint gegründet, das damit bereits erfolgreicher ist, als das Ursprungsunternehmen. Zum Programm gehören inzwischen zahlreiche Belletristik-, Cartoon- und Sachbuchtitel.

Kleine Verlage, große Partnerschaften

Auf der Messe ist auch der Hinstorff-Verlag. Ein besonderes Buch sticht ins Auge: ein Facebook-Rostock-Album. Die Idee kommt doch vom Silberburg-Verlag aus Stuttgart? „Tatsächlich haben wir dafür mit Silberburg zusammen gearbeitet. Das ist ein regionaler Titel, geschäftlich kommen wir uns damit nicht in die Quere, wir helfen uns eher gegenseitig.“ Dass sich kleine Verlage nicht hauptsächlich Konkurrenten sein dürfen, war bei den meisten Verlagen zu hören.

© Stephanie Hübner
© Stephanie Hübner

Viele der Verlegerinnen und Verleger auf der Messe veröffentlichen (unter anderem) ihre eigenen Werke. Sie sind damit nicht einfach Selfpublisher. Sie führen Wirtschaftsunternehmen und zwar mit Leidenschaft für ihre Inhalte. Dass sie mit einer Firmierung Glücksschuh mehr Handlungsmacht auf dem Markt hat, hat Dorothea Flechsig erkannt. Trotzdem sagt sie: „Es ist eine Menge Arbeit und kostet viel Nerven und Zeit. Das darf man nicht unterschätzen.“

BuchBerlin 2014: ein gelungenes Projekt

Die BuchBerlin hat für ihre geringe Größe viel zu bieten. Es gibt für jeden die richtige Literatur, auch abseits des Mainstreams. Es ist hier einfacher mit den Verlagen ins Gespräch zu kommen, als auf großen Messen. Die Unterhaltungen sind ungezwungener. Wenn das Fachsimpeln zu anstrengend wird, steht die Stärkung im Foyer bereit. Und wenn das Stöbern auf Dauer zu fad sein sollte, bauen sich Spannungsbögen im Halbstundentakt auf den Lesebühnen auf. Für alle Fälle ist gesorgt. Klitzeklein, aber fein.

Autorin: Stephanie Hübner

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