London Book Fair: Digital wird Tradition

Die London Book Fair ist um einiges kleiner, um einiges lizenzträchtiger und um einiges weniger Publikums-, denn mehr Fachmesse als Frankfurt (von Leipzig ganz zu schweigen). Die Atmosphäre ist geschäftig, von der Galerie der Olympia Hall aus wirkt der Ameisenhaufen besonders eindrucksvoll.

Die Messestände der Verlage gleichen riesigen Verhandlungsarealen. An unzähligen Tischen besprechen sich kleine und große Verhandlungsparteien. Mal geht es dort hochprofessionell zu, andere geben sich locker – british business-casual kann definitiv ein Auslöser irritierter Mimik sein. Mehr als ein Gespräch an den Empfangstresen der Verlage ist hier auf der Suche nach Informationen für Studium und Praktika leider nicht zu erreichen. Auf Facebook würden Internships gepostet, bitte da mal nachschauen. Social Media Channels sind hier definitiv angekommen. Überall Hashtags.

Pflichttermin für Young Professionals

Gelebte Digitalisierung bei der Vortragstechnik: Sobald die MickeyMouse-Kopfhörer auf den Ohren sitzen, ist die summende Geräuschkulisse der Olympia Hall ausgeblendet.   (Man beachte das Handy im Handy im TV.) © Stephanie Hübner
Gelebte Digitalisierung bei der Vortragstechnik: Sobald die MickeyMouse-Kopfhörer auf den Ohren sitzen, ist die summende Geräuschkulisse der Olympia Hall ausgeblendet.
(Man beachte das Handy im Handy im TV.) © Stephanie Hübner

Und trotzdem lohnt sich ein Besuch der London Book Fair für jeden, der einen Einstieg in die Branche finden möchte. Denn hier wird alles diskutiert, was den Buchmarkt bewegt: Berufseinstieg, (Workflow)-Trends bei Verlagen und Dienstleistern, Mehrwert von Bloggern für die Buchbranche, Merkmale des mexikanischen Buchmarkts (Gastland!), Cross Media Strategien, neue Geschäftsmodelle, um nur eine Auswahl zu nennen. Die LBF hat ein so umfassendes Seminarprogramm, dass der Besucher oft zwischen zwei bis drei favorisierten Veranstaltungen wählen muss, die alle gleichzeitig stattfindenden. Auf den Podien steht ein internationaler Mix erfahrener Buch- und Medienmenschen und erzählt von den neuesten Entwicklungen ihrer Unternehmen und Spezialmärkte. Nach Vorträgen gibt es oft noch eine Diskussionsrunde, sie muss aus Zeitgründen aber auch oft abgebrochen werden, denn der nächste Redner steht in den Startlöchern. Es fühlt sich ein bisschen an wie Uni-Alltag – nur mit umgekehrtem Professoren-Studenten-Anteil und schneller wechselnden Vorlesungen.

Absurde „neue“ Medien

International ist es nicht anders als in der deutschen Verlagslandschaft – der digitale Wandel beschäftigt die Branche immens und noch immer werden Lösungen von vielen Verlagen offensichtlich lieber diskutiert als umgesetzt. Nach wie vor lässt sich Unsicherheit auf diesem Gebiet beobachten. Hier (t)wittern die Publishing-Dienstleister ihre Chance. Tatsächlich entsteht der Eindruck, dass diese ihrer Zielgruppe in Sachen Digitalmentalität einiges voraus haben, denn es tauchen viele misstrauische Nachfragen zum Mehrwert medienneutraler Cloud-Systeme und crossmedialer Lösungen auf.

Trial and succeed or error!

Es ist der Geschäftsführer des kleinen Verlags Unique Inspiration aus Birmingham, der sein intermediales Kinderbuchprojekt Aku&Kamu vorstellt und dabei erklärt, dass er und seine Kollegen oft zwar mehr Projektmanager als Verleger seien. Doch weil der Content über verschiedene Kanäle verbreitet werden soll, mussten sie erkennen, dass sie nicht für alle Medien Experten sein können. Die Aufbereitung als App oder Serie werden deshalb an globale Dienstleister gegeben. Und damit seien sie in Europa und Asien sehr erfolgreich. Eine Zuschauerin möchte wissen, wie er das angefangen habe. Trial and error, sagt Asif Bashir: „Just make it.“ Nach der Vorstellung möchte sie mehr darüber wissen. Bashir gibt ihr seine Karte, er müsse leider zu einem Termin. Da wartet bestimmt die nächste Lizenzverhandlung…

Autorin: Stephanie Hübner

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