Indies: LibriVox – Das kostenfreie Hörvergnügen?

„Can the net harness a bunch of volunteers to help bring books in the public domain to life through podcasting?“ Mit dieser Frage begann LibriVox-Gründer Hugh McGuire im August 2005 sein Blog und legte damit den Grundstein für einen Prozess, welcher zu der unweigerlichen Antwort „Yes it can!“ führte. Doch wie wird so ein umfassendes Projekt organisiert und wie funktioniert es? Stiftet es tatsächlich den angestrebten Nutzen?

LibriVoxBereits auf der Startseite www.librivox.org, welche als Plattform der gemeinfreien Lauschbibliothek dient, wird dem Besucher die simple Grundidee des Projektes auf zwei Schaltflächen vor Augen geführt: „Read“ & „Listen“. Dieser direkte Ansatz findet anfangs nur in Amerika, ab 2008 aber auch weltweit regen Zuspruch. Eine Entwicklung die dazu führte, dass im Jahre 2010 bereits 3 183 Freiwillige in 27 verschiedenen Sprachen ihre Leidenschaft für die akustische Rezeption mit jedem offenen Ohr teilten. Betrachtet man den dafür eingepflegten Katalog des non-profit Projekts, fällt jedoch schnell auf, dass über 80 Prozent der angebotenen Hörvergnügen in englischer Sprache aufgenommen wurden. Dies ist durch den geografischen Start des Projekts in Kanada bedingt. Doch die freiwilligen Vorleser anderer Sprachen ziehen nach: immerhin knapp 1 750 Hörbücher bietet der Katalog in deutscher Sprache an – Tendenz steigend.

Gemeinfrei und legal, doch mit Vorsicht zu genießen!

Die Auswahl präsentiert sich recht vielfältig, von Poesie über Prosa bis hin zur Sachliteratur sind keine Grenzen gesetzt – eine Variation, die sich ebenso in der Qualität der einzelnen Hörbücher niederschlägt. Denn auch für die Vorlesenden sind keine Einstiegsschwellen vorgesehen: Hier darf jeder mitmachen, unabhängig von Alter, Aufnahmetechnik und Fähigkeit, solange der Text verständlich vorgetragen ist. Wer sich allzu sehr an die professionellen Konventionen heutiger Audiobooks gewöhnt hat, kann hier schnell enttäuscht werden, denn auch kapitelweise wechselnde Vorleser, verteilte Rollen und Lesezirkel sind hier keine Seltenheit. Doch dem beherzten Hörer werden auf der komplett werbefreien Plattform zum Teil echte Klassiker zum Nulltarif bereitgestellt. Aber auch innerhalb diesem absolut legalen Sammelsurium ist Vorsicht geboten! Alle vertonten Publikationen sind auf Servern in den USA und ergo nach dem dortigen Urheberrecht gespeichert. Dieses sieht im Gegensatz zum deutschen Urheberrecht ein Werk nicht etwa 70 Jahre nach dem Tod des Autors, sondern 70 Jahre nach der letzten Veröffentlichung des Werkes als gemeinfrei an. Wer sich unsicher ist, dem ist geraten, vor dem kostenfreien Download noch einmal die Lebensdaten des Autors überprüfen, um nicht ohne besseres Wissen jene Gesetzeslagen zu verletzten.

Zwischen Gemeinschaft und Archiv/ der Konsens lautet: positiv!

Dennoch lautet das Fazit: Trotz oder gerade wegen der kaum vorhandenen Regularien und der erheblichen Freiheit, mit der LibriVox eher als Community auftritt, ist es neben Project Gutenberg eine der vorbildlichsten Unternehmungen zur ehrenamtlichen Sammlung, Speicherung und Bereitstellung von Kulturgütern, Wissen und Unterhaltungsmedien. Ein echter Segen für Reisende, Schlaflose oder schlicht Leseverdrossene.

Autor: Tankred Hielscher

Inhalt teilen:
Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on TumblrPin on Pinterest

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.