Gautschfest: Bleisatzpraktikum zur Ehrung des Handwerks

Erneut absolvierten Studierende der HTWK Leipzig das Bleisatzpraktikum. Die Redaktion der Lerche war dabei und berichtet, ob es sich um eine bloße Formalität oder eine empfehlenswerte Veranstaltung handelte.

In nicht einmal mehr einer Woche ist es so weit. Am 27. Mai findet das alljährliche Gautschfest der Fakultät Medien statt. Dies ist keine normale Feier, sondern die traditionelle Aufnahme neuer Mitglieder in die Zunft der Drucker. Studierende der HTWK dürfen sich hierfür, nach erfolgter Anmeldung, im Verlauf des Tages gautschen lassen. Die einzige Voraussetzung: ein durchgeführtes Bleisatzpraktikum. Dieses kann zuvor eigenständig erbracht worden sein oder in direkter Vorbereitung für das Gautschen absolviert werden.

 

Theorie: Vorstellung der Lettern © Jonas Jorek
Theorie: Vorstellung der Lettern © Jonas Jorek

Letztere Möglichkeit nutzten dieses Jahr 15 Studierende – darunter auch ich – aus verschiedenen Fakultäten der HTWK. Da nicht alle gleichzeitig das Praktikum durchlaufen konnten, wurden wir in zwei Gruppen mit jeweils einem Termin aufgeteilt. Betreut wurden beide Gruppen von Professor Dr.-Ing. Michael Reiche. Seit neun Jahren leitet er das Praktikum und bietet dabei einen Einblick in das Handwerk. Zu diesem Zweck erklärte uns Professor Reiche die Bedeutung und Geschichte des Setzens. Lange hielten wir uns aber nicht mit der Theorie auf, denn die meiste Zeit würde der praktische Teil in Anspruch nehmen. In diesem wurden uns die verschiedenen Werkzeuge vorgestellt. Winkelhaken, Setzschiff und Setzkasten, damit hatten wir es nun zu tun. Natürlich folgten Instruktionen zum richtigen Umgang mit diesen und den Lettern. Dann wurden wir auch schon aufgefordert, das frisch Gelernte umzusetzen. Wir sollten eine eigene Visitenkarte setzen und im Anschluss drucken.

 

Erklärung der Handgriffe © Jonas Jorek
Erklärung der Handgriffe © Jonas Jorek

Uns Bleisatzpraktikanten stand hierfür eine umfangreiche Palette an Materialien zur Verfügung. Die Schrift Pergamon Antiqua fungierte als Standard. Acht spezielle Auszeichnungsschriften und mehrere Sonderkästen konnten zur Ausschmückung genutzt werden. In jedem Setzkasten befanden sich über 100 verschiedene Lettern. Einzig das @ der E-Mail Adresse konnten diese nicht bieten und musste improvisiert werden. Professor Reiche stand uns während des gesamten Vorgangs zur Seite. Bei auftretenden Schwierigkeiten half er uns aus oder ermahnte uns, wenn wir Fehler machten. Hierbei nutzte er oft seine eigenen Erfahrungen um – besonders im Punkt Sicherheit – den Sinn der aufgestellten Gebote zu erklären.

 

Am Ende konnte jeder Bleisatzpraktikant mit seiner Leistung zufrieden sein. Wir hatten uns nicht nur für das Gautschen qualifiziert. Durch die kurze Arbeit als Setzer konnten wir den Aufwand ansatzweise nachvollziehen, der früher geleistet werden musste. Man ist dankbar für die modernen Drucktechniken, deren Wurzeln bis zum Bleisatz zurückreichen. Das Praktikum lässt mich somit eine hohe Achtung vor dem traditionellen Handwerk verspüren. Höher als es eine Vorlesung je schaffen könnte.
Autor: Jonas Jorek
Inhalt teilen:
Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on TumblrPin on Pinterest

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.