Indies: E-Book-Verlage treiben die digitale Lesekultur voran

Moment mal – E-Book-Verlage in Zeiten des Selfpublishing? In denen jeder ohne größere Einschränkungen eigene E-Books publizieren kann? Eine gewisse Skepsis scheint berechtigt zu sein. Doch einige junge Digitalverlage vertreten mit viel Einsatz und Kreativität ihren Anspruch auf Existenzberechtigung.

© berc - Fotolia.com
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Das Zentrum der Szene ist schnell ausgemacht. An der Berliner Start-up-Luft scheinen nämlich auch einige E-Book-Verlegerinnen Gefallen gefunden zu haben. Zu ihnen zählen Christiane Frohmann (Frohmann Verlag), Zoë Beck (CulturBooks) und Nikola Richter (mikrotext). Besonders auf Letztere wurden viele aufmerksam, als sie den Young Excellent Award des Deutschen Buchhandels für ihre „Literatur von morgen“ erhalten hat. Aufmerksamkeit versuchten sie und ihre Kolleginnen auch mit der Ausrichtung der ersten Electric Book Fair 2014 in Berlin zu erreichen. Denn alle drei verbindet ein gemeinsames Ziel: Die Wahrnehmung und Sichtbarmachung des E-Books als Vermittler eines kreativen digitalen Literaturangebots zu stärken.

Pioniere und Erfolgreiche

Ein Pionier der Digitalverleger ist Jürgen Schulze vom Null Papier Verlag. Als einer der Ersten erkannte er die Möglichkeiten bei der Einführung des Kindle Direct Publishing 2011 in Deutschland und hatte mit seiner Neuauflage der Grimms Märchen auf Anhieb großen Erfolg. Davon angetrieben baute er ein Verlagsprogramm auf, das zum Großteil aus Neuauflagen gemeinfreier Werke besteht. Heute setzt er nach eigenen Angaben rund 30 000 E-Books pro Monat ab. Eine weitere Erfolgsgeschichte stammt von der dotbooks-Verlegerin Beate Kuckertz. Als erfahrene Branchenkennerin entschied sie sich 2012 einen eigenen Digitalverlag für Unterhaltungsliteratur zu gründen. Mittlerweile sind fast 600 Titel erschienen und sie und ihre elf Mitarbeiter können von den Einnahmen leben.

Digitalverlage – gut, dass es sie gibt

Die Frage, warum es überhaupt Digitalverlage geben sollte, ist nun leicht zu beantworten. Es sind die engagierten Verlegerinnen und Verleger, die sich ganz dem Medium E-Book als Literaturvermittler verschrieben haben und sich für dessen größtmögliche Verbreitung und Anerkennung einsetzen. Neben dem traditionellen Verlagswissen warten einige außerdem mit einer größeren Anzahl an Followern auf, was für digital unerfahrene Autoren, die sich zwischen Selfpublishing und Digitalverlag entscheiden müssen, ein entscheidender Pluspunkt sein kann. Dass sie aber lange nicht jeden Autoren publizieren, spricht für die Digitalverlage und ihre Aufgabe als kulturelle Filterinstanz. Denn bei dieser wichtigen Aufgabe, die in Zeiten des Selfpublishings noch an Bedeutung gewonnen hat, stehen die digitalen in keiner Weise hinter den traditionellen Verlagen zurück.

Autor: Fabian Schwab

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