Medienethik: Wie viel Meinung braucht die Zeitung?

Die Wertfreiheit spielt eine große Rolle im Journalismus. Kommentare werden in der Zeitung als solche gekennzeichnet und auch andere Artikel, die ein Werturteil enthalten, werden durch Angabe des Autors hervorgehoben. Allerdings entspinnt sich eine Diskussion darüber, ob diese Trennung von Meinung und Nachricht noch zeitgemäß ist.

Angebot an Nachrichten-Apps © Sabrina Wistuba
Angebot an Nachrichten-Apps © Sabrina Wistuba

Zeitungen müssen heute andere Anforderungen erfüllen, als in der Zeit vor der Digitalisierung. Während es lange darum ging, welche Zeitung die aktuellsten Nachrichten veröffentlicht, ist die Antwort auf diese Frage heute längst geklärt: keine. Keine Zeitung, sondern das Internet. Was sich tagsüber ereignet, erfahren wir mittels Nachrichten-App oder über zahllose Portale, auf denen wir uns informieren. Da dies jedoch meist nicht über kurze Meldungen hinausgeht, die uns fürs erste nur das Was, nicht aber das Wie oder Warum vor Augen führen, ergibt sich für die Zeitungen der Auftrag, die Geschehnisse näher zu beleuchten. Sind ausschließliche Nachrichten ohne Kommentierung im Printmedium also noch sinnvoll?

Wie immer ergibt sich ein diplomatisches Es-kommt-darauf-an. Natürlich sind die Ansprüche, die an eine Zeitung gestellt werden, unterschiedlich. Sie sind sowohl von der Zeitung, als auch von ihrer Leserschaft abhängig. Handelt es sich um eine umfangreiche überregionale Wochenzeitung, behandelt sie vielleicht auch Themen, die in den anderen Medien aufgrund spektakulärerer Vorkommnisse keine Erwähnung fanden. Hier ist es wichtig, erst einmal darüber informiert zu werden. Sachverhalte jedoch, die auf allen Kanälen zu Genüge besprochen wurden, müssen wohl nicht noch einmal unkommentiert aufgezeigt werden.

Bei einer regionalen Tageszeitung hingegen, stellt sich das Ganze anders dar. Wenn man sich im Internet nicht gezielt auf die Suche nach regionalen Nachrichten macht, so ist es eher unwahrscheinlich, darauf zu treffen. Am ehesten findet man diese noch auf der Homepage eben der Lokalzeitung. Aber natürlich sind auch diese Seiten im besten Fall für die Berichterstattung im Internet optimiert. Das gedruckte Exemplar kann dem Leser also durch mehr und längere Nachrichten einen Mehrwert bieten, die aus diesem Grund auch nicht zwangsweise ein Werturteil benötigen.

Dennoch kann man im Großen und Ganzen festhalten, dass es für den Printjournalismus von Bedeutung ist, sich vom Online-Journalismus abzugrenzen. Hat dieser sich aufgrund der Beschaffenheit seines Mediums den Aktualitätsvorsprung gesichert, kann Print sich beispielsweise durch eine präzise Recherche der Hintergründe dieser aktuellen Ereignisse hervortun. Oder eben durch meinungsbildende Kommentare.

Autorin: Sabrina Wistuba

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