22. Kleinverlegertag: Lauschen in die Zukunft

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Am 05.11.2015 fand an der HTWK Leipzig der alljährliche Kleinverlegertag statt und zum Gespräch eingeladen waren dieses Jahr vier Hörbuchverlage. Unter dem Slogan Lauschen in die Zukunft wurde die aktuelle Situation des deutschen Hörbuchmarktes analysiert, aus dem Arbeitsalltag erzählt und ein Ausblick auf Kommendes konstruiert. Zu den Gästen zählten Andrea Herzog (Hörcompany), Ute Kleeberg (Edition SEE-IGEL) und Johannes Ackner (Buchfunk Verlag), sowie Kilian Kissling (Argon Verlag) als Vertreter eines weniger kleinen Verlags. 

Den Auftakt in den 22. KVT bildete ein Vortrag von Kilian Kissling über die rund 20-jährige Geschichte Hörbuchbranche und die aktuelle Marktsituation. Interessant war vor allem zu sehen, wie viel Potential die Branche besitzt. Während die Gesellschaft für Konsumforschung für die Verlagsprodukte im Jahr 2005 eine Kaufkraft von 140 Mio.€ maß, stieg die Zahl bereits bis zum Jahr 2014 auf 160 Mio.€. Interessant ist auch der Anstieg der CD-Verkaufszahlen von 5,3 Mio. Exemplaren (2004) auf 14,3 Mio. Kopien (2014). Und hier ist das Potential noch nicht ausgelastet, da sich durch Download- und Streaming-Plattformen neue Vertriebswege aufgetan haben und sich stetig weiterentwickeln. So sieht Kilian Kissling auch in illigalen Downloadern Potential, weil diese durch die richtigen Angebote zu Käufern gemacht werden können. Um einen Blick in die Zukunft zu wagen, wies er darauf hin, dass die zunehmende Einbindung von Onboard-Entertainment-Systemen in Autos, Flugzeugen und Reisebussen neue Wege zum Kunden schafft. Die Zielgruppe kann zum Beispiel durch Apps überall erreicht werden, wo ein Bedarf an Unterhaltung entsteht.

Die Hörbuchverlage im Überblick

Nach diesen inspirierenden Worten ging es sofort in die Vorstellungsrunde. Zu jedem Verlag wurde ein Auszug aus einem Titel eingespielt, sodass der Zuhörer sich einen Eindruck davon machen konnten.

Andrea Herzog gründete ihren Verlag Hörcompany im Jahr 2000 zusammen mit Angelika Schaak, indem sie laut eigener Aussage die Bücherregale ihrer Kinder plünderte. Der Verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, hochwertige Hörbücher für Kinder und Jugendliche herzustellen. Ein Ziel ist es, ihnen Klassiker wie Diener zweier Herren nahe zu bringen. Sorgfältig ausgewählte Sprecher erzählen die Geschichte neu aufgearbeitet und anschließend bekommen die Hörer noch eine zehnminütige Kostprobe des Originaltextes, der inszeniert eingespielt wird.

Die Edition SEE-IGEL wurde 1995 von Ute Kleeberg gegründet und ist laut Aussage der Verlegerin eigentlich ein Produzent von klassischer Musik in Kombination mit Sprache. Titel wie Prinzessin Graues Mäuschen werden von Ute Kleeberg selbst geschrieben und mit für die Produktion eigens aufgenommener und sorgsam ausgewählter Musik ergänzt. Ziel ist es, Menschen jeden Alters und vor allem Kindern klassische Musik näher zu bringen. Jede Produktion wird zudem auch live auf die Bühne gebracht, was der Verlegerin besonders am Herzen liegt.

Der Buchfunk ist ein Verlag, welcher sich aus dem Projekt vorleser.net entwickelt hat und 2004 gegründet wurde. Johannes Ackner und David Fischbach vertonen belletristische Werke und bekannte Klassiker wie Geschichte meines Lebens von Giacomo Casanova. Anders als die vorhergegangenen Verlage setzt Buchfunk seit seiner Gründung auf den digitalen Vertrieb über Abonnements und Downloads. Erst seit 2008 erscheinen ausgewählte Titel auch als CD. Im hauseigenen Tonstudio werden als zusätzliche Einnahmequelle auch fremde Produktionen aufgenommen. Der Verlag nimmt sich gerne Mammutprojekten wie der Vertonung der Bibel und des Korans an.

Podiumsdiskussion über Alltag, Sprecherwahl und Social Media

Nach einer ausgedehnten Mittagspause folgte mit der Podiumsdiskussion der zweite Teil des Kleinverlegertags.

Die Gäste waren sich bei der Frage nach der Auswahl der Sprecher einig, dass vor allem gestalterische Aspekte eine Rolle spielen und der Sprecher vor allem zum Text passen müsse. Die Frage nach Absatzkanälen führte zu unterschiedlicher Resonanz. Während die Hörcompany mit Verlagsvertretern zusammenarbeitet, hatte Ute Kleeberg weniger gute Erfahrungen mit dieser Methode. Sie bietet wiederum ganz anders als der Buchfunk Verlag generell keine digitalen Versionen ihrer Titel an. Kilian Kissling, welcher sich zur Diskussion dazugesellt hatte, berichtete, dass Argon grundsätzlich jeden Absatzweg nutzt um das Produkt an den Kunden zu bringen. Er wies darauf hin, dass für den Hörbuchvertrieb auch Tankstellen und der Spielwarenhandel keine untergeordnete Rolle spielen.

Besonders umstritten war das Thema der Digitalisierung von Hörbüchern. Gerade für Ute Kleeberg ist es unvorstellbar, ihre Produkte im Internet anzubieten. Ihrer Meinung nach würden sie dadurch ein Stück ihrer Seele (und Qualität) verlieren.

Auf die Frage hin, ob sich durch Streaming und Abonnements Geld verdienen ließe, antwortete Johannes Ackner. Er rechnete vor, dass durch ein Abo mit einem monatlichen Beitrag von 10€ jährlich mehr Geld für Hörbücher ausgegeben wird als durch den Kauf von physischen Produkten.

Diese und mehr Themen wurden beim diesjährigen Kleinverlegertag erörtert.

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Wir möchten uns noch einmal bei den KommilitonInnen des Schwerpunkts Kommunikationsmanagement für dieses spannende Event bedanken!

Autorin: Beatrix Dombrowski

 

 

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