Spezial: Stolz und Vorurteil

„Nur die tief empfundene Liebe wird mich vom Ehestand überzeugen und daher werde ich als alte Jungfer enden.“

Zu sagen, dass der Roman Stolz und Vorurteil von Jane Austen meine Vorstellung von starken weiblichen Hauptfiguren geprägt hat, ist eine regelrechte Untertreibung. Kratzbürste Frauen, die sich gegen widrige Lebensumstände auflehnen, haben mich seit meiner ersten Begegnung mit Elisabeth Bennet und Mr. Darcy begleitet. 

Während die Hollywood-Verfilmung sowie die BBC-Serie des Klassikers im Allgemeinen sehr bekannt sind, möchte ich mich einer Umsetzung widmen, die meine Liebe zum Stoff noch zusätzlich geschürt hat: The Lizzie Bennet Diaries.

„My name is Lizzie Bennet, I am single and that is perfectly okay.“

Das Buch zur Webserie © Touchstone
Das Buch zur Webserie © Touchstone

Im Rahmen ihres Studiums der Massenkommunikation startet Lizzie Bennet mithilfe ihrer besten Freundin Charlotte Lu einen Videoblog, in dem sie Absurditäten aus ihrem Familienleben zum Besten gibt und von den Anstrengungen des Lebens als Studentin erzählt. Nachdem der Zuschauer die gesamte Familie kennen gelernt hat, dauert es nicht lange bis der Wahnsinn – in Form von Lizzies Mutter und ihren Bemühungen, ihre Kinder möglichst reich (und bald!) zu verheiraten –  seinen Lauf nimmt.

Während sich Lizzies ältere Schwester Jane Hals über Kopf in den gut betuchten und frisch zugezogenen Nachbarn verliebt, kann Lizzie ihre Verachtung für dessen besten Freund und ständigen Begleiter Darcy nur schwer verbergen. Bereits ihr erstes Zusammentreffen steht unter einem schlechten Stern, welches Lizzie als „most awkward dance ever“ bezeichnet und so versucht sie ihr Bestes, ihre Schwester und deren Liebelei zu unterstützen, Darcy minder erfolgreich aus dem Weg zu gehen und gleichzeitig ihr Studium abzuschließen.

„What if he is gay? What if he is a serial killer? What if he is a gay serial killer?“

Mit The Lizzie Bennet Diaries haben Bernie Su und Hank Green eine Webserie geschaffen, die auf Youtube regelrecht wie eine Bombe eingeschlagen ist. Die Episoden erzielten Aufrufe in einer Höhe von 500.000 bis zwei Millionen Views. Auch jetzt kann man in den Kommentaren der einzelnen Episoden verfolgen, dass immer noch neue Zuschauer dazustoßen. Die erste Folge erschien am 9. April 2012 und mit dem Upload der 100. Folge am 28. März 2013 gilt die Serie als abgeschlossen. Doch durch Auskopplungen wie The epic adventures of Lydia Bennet und Welcome to Sanditon wird die Welt rund den klassischen Stoff immer wieder erweitert. Zudem wurden Kommentare der Zuschauer von den Charakteren in Q&A-Videos oder auf angeschlossenen Social Media Profilen beantwortet.

„I just can’t properly express what an infuriating douchebag that guy is.“

Was die Serie zu einem Erlebnis macht, ist ihre bis dahin unvergleichbare Umsetzung. Während die BBC-Serie und die Hollywood-Verfilmung in ihren Umsetzungen sehr nah am klassischen Stoff sind, interpretieren die Drehbuchautoren die Handlung des Buches in der Webserie völlig neu. Darcy ist nicht mehr der gut betuchte Landherr, bei dem keiner so richtig verstanden hat, woher sein Wohlstand kommt. Hier führt er erfolgreich das Medienunternehmen Pemberly Digital, bei dem seine Schwester Georgiana, „Gigi“ genannt, als Grafikdesignerin angestellt ist. Auch der Skandal um Lydia, Lizzies jüngere Schwester, findet ein Pendant des 21. Jahrhunderts und sorgt für eben so viel Trubel in der Familie Bennet. Zudem merkt man den Schauspielern an, dass sie die Freiheiten der Plattform genießen. Belohnt wurden sie mit zahlreichen Streamy Awards und einem Primetime Emmy Award.

Die Serie ist nach wie vor auf dem Youtube-Channel The Lizzie Bennet Diaries zu sehen.

Autorin: Beatrix Dombrowski

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