Spezial: Sieben Jahre in Tibet

Ein Film, der Aufsehen erregte. Mit der Buchverfilmung „Sieben Jahre in Tibet“ wurden Hintergründe zu dem Mann aufgedeckt, der als Dalai Lama- Lehrer in die Geschichte einging.

© images.google.com
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Schon im Jahre 1956 wurde die Geschichte von Heinrich Harrer in Form eines Dokumentarfilms beleuchtet. Dieser befasst sich allerdings mehr mit Tibet und seiner Kultur, als mit dem Menschen, der diese aufsuchte. Als Jean-Jacques Annaud, unter anderem bekannt durch „Der Name der Rose“, begann für seinen nächsten Film zu recherchieren, war ihm nicht klar, was er damit ans Tageslicht befördern würde.

Der Film beleuchtet die Geschichte des österreichischen Bergsteigers Heinrich Harrer, der, nach einer gescheiterten Expedition zum Nanga Parbat, auf abenteuerlichen Umwegen zum Lehrer und Freund des 14. Dalai Lama wurde.

Das wirkliche Sein

Annauds Inszenierung sollte allerdings kein Dokumentarfilm werden, sondern eine Autobiografie. Dazu suchte er sich hochrangige Schauspieler, zum Beispiel Brad Pitt als Heinrich Harrer. Dessen autobiografisches Buch war allerdings sehr sachlich geschrieben und ließ kaum hinter die Fassade des Mannes blicken. Also recherchierte das Filmteam zusammen mit ORF-Redakteur Gerald Lehner selbst und stieß auf Erstaunliches. Die Expedition zur Bezwingung des höchsten Berges im Westhimalaya, dem Nanga Parbat, wurde unter anderem von den Nationalsozialisten finanziert. Harrers Beitritt in die Sturmabteilung (SA) erfolgte schon im Oktober 1933, 1937 schloss er sich der SS und der NSDAP an. Er wurde Sportinstrukteur der SS und hatte damit den Titel des Oberscharführers inne. Außerdem bekamen er und seine Kameraden für das Bezwingen der Eiger-Nordwand in den Berner Alpen ein Foto von Adolf Hitler mit persönlicher Widmung. Diese Nähe zum NS-Regime verschwieg Harrer in seinem Buch. Auch im Film wird dieser Bezug kaum beleuchtet.

Der trügerische Schein

Der Filmanfang zeigt Harrer vor dem Zug, der ihn zum Himalaya bringen wird. Nur widerwillig zeigt er den Hitlergruß, es scheint, als wäre er dem NS-Regime abgeneigt. Auch seine Arbeit als Sportinstrukteur der SS wird nie erwähnt, ebenso sind die Szenen der sportlichen Ertüchtigung mit den Bewohnern Tibets im Film nicht gezeigt. Das wäre unter anderem eine Möglichkeit gewesen Harrers Beziehung zum Nationalsozialismus zu verdeutlichen. Allerdings wurden, nachdem Dokumente zur nationalsozialistischen Vergangenheit auftauchten, Filmausschnitte und Dialoge verändert, beispielsweise Hakenkreuzfahnen gezeigt. Weitere Funde Gerald Lehners brachten ebenso eine CIA-Mitarbeit Harrers zum Vorschein, in dem es um geheime Missionen im Zusammenhang mit dem Dalai Lama ging.

So viel Harrer auch, teilweise zufällig, geleistet hat, so viel hat er auch verschwiegen. Der Film von Jean-Jacques Annaud ist – mit den für die Traumfabrik Hollywood typischen Abstrichen – großartig, das Buch allerdings ist mit Vorsicht zu genießen. Denn so viel Held, wie man früher glaubte, war Harrer nicht.

Autorin: Melanie Uhlig

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