Spezial: Black Beauty

„Menschen sind nicht nur Pferden gegenüber gedankenlos. Sie sind auch grausam zueinander.“ (Black Beauty, Verfilmung 1994)

Der schwarze Hengst mit dem weißen Stern ist das wohl bekannteste Pferd der Literatur und zählt zu den Klassikern der Jugendbücher. Dabei ist die Verfilmung der Geschichte von Black Beauty definitiv kein fröhliches Pony-Märchen für kleine Mädchen, sondern eine nachdenkliche Erzählung, deren Grausamkeit gerade in ihrer Schlichtheit liegt.

Die Verfilmung (1994)

Black Beauty wird von dem (erfolglosen) Rennpferd Docs Keepin Time dargestellt. © cinema.de
Black Beauty wird von dem (erfolglosen) Rennpferd Docs Keepin Time dargestellt. © cinema.de

Anna Sewells Klassiker Black Beauty – The Autobiography of a Horse inspirierte zu zahlreichen Filmen und Serien. Als am gelungensten gilt die Verfilmung aus dem Jahr 1994 unter der Leitung von Caroline Thompsen. Ihre Adaption ist eine der wenigen Pferdefilme, die nicht für kleine Mädchen gedreht wurde. Daher rutscht sie nicht ins Kitschige ab und kann so das hohe Niveau des Films über die vollen 88 Minuten halten. Wundervoll und schockierend zugleich, spiegelt Black Beauty die grausamen Zustände der (Arbeits-)Pferde im 19. Jahrhundert wieder.

Black Beauty erzählt seine Geschichte – sowohl im Roman, als auch im Film – von dem Moment seiner Geburt an in autobiografischer Form, was emotionale Nähe schafft. Der schwarze Hengst wächst wohlbehütet auf der Farm des Bauern Grey (Sean Bean) auf und verlebt hier eine unbeschwerte Jugend.

12295473_940884486001315_5652816362038909295_n
Freunde fürs Leben: Black Beauty und Joe © cinema.de

Nach seiner Ausbildung zum Reitpferd wird der Rappe nach Birtwick Park, an Squire Gordon (Peter Davison) und seine Familie, verkauft. Schnell wird das Pferd durch seinen hervorragenden Charakter zum Liebling des Squires, seiner kränklichen Frau (Rosalyn Ayres) und des Stallmeisters John Manley (Jim Carter). Eine besondere Freundschaft entwickelt Black Beauty zu dem frechen Pony Merrylegs, der störrischen Fuchstute Ginger und dem Stallburschen Joe Green (Andrew Knott).

Die schöne Zeit in Birtwicks Park ist aber leider nur von kurzer Dauer. Die fortschreitende Krankheit von Mrs. Gordon zwingt die Familie England zu verlassen. Ginger und Black Beauty werden an Lord Wexmire (Peter Cook) und seine Frau verkauft. Beide Pferde leiden unter Mrs. Wexmires Faible für die damalige Mode (z. B. Aufsatzzügel) und werden zu Schande geritten, bis der schwarze Hengst schließlich von Ginger getrennt und weiterverkauft wird. Zunächst an einen Pferde-Vermieter. Später an einen Händler, der den Rappen auf einen Pferdemarkt bringt.

Hier erblickt Black Beauty seinen alten Freund, den nun älter gewordenen Stallburschen Joe (nun von Ian Kelsey gespielt), aus Birtwick Park, doch der junge Mann sieht den Rappen nicht und verlässt die Auktion. Black Beauty ist am Boden zerstört. Gekauft wird er letztendlich von dem Droschken-Fahrer Jerry Barker (David Thewlis). Dieser bringt den Hengst mit sich nach London, wo Black Beauty endlich Ginger wiederfindet. Doch währt die Wiedersehensfreude nicht lange. Ginger wurde sehr schlecht behandelt. Sie ist mager, schwach und hat jeglichen Lebensmut verloren. Black Beauty sieht seine Freundin nur noch ein einziges Mal: Tod auf einen Karren. Die Stute ist an Erschöpfung gestorben.

Die Arbeit als Droschken-Pferd nimmt Black Beauty arg mit. Nachdem er abermals verkauft wird, zieht er noch 2 Jahre die schweren Ladungen eines Getreidelieferanten, bevor er vollends zusammenbricht. Black Beautys letzte Station soll der Schlachter sein, aber selbst das ist dem schwarzen Hengst mittlerweile gleichgültig. Nur eine bekannte Stimme weckt noch einmal seine Lebensgeister: Die des einstigen Stallburschen der Gordons, Joe Green, der den Rappen trotz seines miserablen Zustandes wiedererkennt.

In Black Beauty (1994) paaren sich eindrucksvolle Naturaufnahmen mit liebevollen Details, authentischen Tieraufnahmen und sehr guten menschlichen Darstellern. Zusammen mit der Musik von Danny Elfman entstand so einer der wohl schönsten, rührendsten und zeitgleich traurigsten (Pferde-)Filme.

Das Buch (1877)

 

Der Aufsatzzügel - Das Pferd wird gezwungen, den Kopf unangenehm hochzutragen, damit es "ausdrucksvoll" aussieht. © bitlesshorse.blogspot.com
Der Aufsatzzügel – Das Pferd wird gezwungen, den Kopf unangenehm hochzutragen, damit es „ausdrucksvoll“ aussieht.
© bitlesshorse.blogspot.com

Die Autorin Anna Sewell war selbst durch eine Beinverletzung stets auf die schönen Tiere angewiesen und lernte sie so bereits in jungen Jahren zu schätzen. Doch die Umstände im 19. Jahrhundert waren katastrophal. Pferde wurden gar nicht als Lebewesen wahrgenommen und bis in den Tod ausgenutzt. Modische Erscheinungen, wie z. B. Aufsatzzügel oder das Kupieren, quälten sie, schadeten ihnen, nur um „ausdrucksvoll“ auszusehen.

Black Beauty – The Autobiography of a Horse wurde 1877 veröffentlicht und blieb Sewells einziger Roman. Der Verkauf des Buches brach sämtliche Rekorde und Black Beauty wurde zum “sixth best seller in the English language“.

Sewells Beschreibungen der Aufsatzzügel und der miserablen Pferdehaltung löste eine Welle Empörung in der Öffentlichkeit aus und mobilisierte Tierschutzorganisation in ganz England und den Vereinigten Staaten. In der Encyclopedia of Animal Rights and Animal Welfare nennt Bernard Unti Anna Sewells Black Beauty sogar„the most influential anticruelty novel of all time“.

 

„Wir können uns die Menschen in unseren Leben nicht aussuchen. Für uns ist alles Glückssache.“ (Black Beauty, Verfilmung 1994)

 

Sowohl im Buch, als auch in der Verfilmung von 1994 erzählt uns der schwarze Hengst eine leise Geschichte von Vertrauen, Vertrauensbruch und der Gedankenlosigkeit der Menschen.

Autorin: Christin Fetzer

Inhalt teilen:
Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on TumblrPin on Pinterest

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.