Spezial: Papierherstellung – gar nicht mal so grün

Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Kataloge, Prospekte, Werbebeilagen, Broschüren, Flyer, Kalender, Poster und Plakate – dies alles sind so alltägliche Gebrauchsgegenstände für uns, dass wir uns meist überhaupt keine Gedanken machen, wie das materielle Trägermedium, das Papier, produziert wird. Dabei ist die Papierherstellung ein spannendes Thema, besonders der Blick hinter die Kulissen beschert einige Augenöffner, denn dort ist nicht immer alles so blütenweiß wie das Endprodukt.

Steigender Papierkonsum

Seit den 70er Jahren hat sich der weltweite Papierkonsum verdoppelt – Tendenz weiter steigend. Der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland beträgt rund 250 kg pro Jahr. Damit liegen wir nur noch hinter den Finnen und Amerikaner, aber deutlich über dem weltweiten Durchschnittsverbrauch von 58 kg pro Kopf. Mit steigendem Papierverbrauch nimmt auch die ökologische Belastung weiter zu. Da die Deutschen neben dem hohen Verbrauch, zusätzlich einer der größten Papierproduzenten sind, haben wir an den Umweltbelastungen einen nicht geringen Anteil.

Papierherstellung ist ressourcen- und energieintensiv

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Papiermanufaktur. © B.Bussard, H.Dubois – Commons Wikimedia

Rohstoffe: Über 40% (2 von 5 Bäumen) des weltweiten kommerziellen Holzeinschlags gehen in die Papierherstellung. Deutschland muss diese Rohstoffe zum Großteil importieren, besonders den sogenannten Zellstoff. Woher diese im Einzelnen kommen, ist nicht immer ersichtlich. So gelangen letztlich Papiere, deren Holz zumindest zum Teil aus Raubbau und illegalen Einschlägen stammt, in den Handel. Damit ergibt sich das Hauptproblem: Überall auf der Welt, ob in Kanada, Russland, China, Indonesien und natürlich in Südamerika wurde und wird artenreicher Urwald flächenweise abgeholzt und in leblose Baum-Monokulturen umgewandelt. Eine Untersuchung vom WWF aus dem Jahr 2010 belegt den Zusammenhang: Tropenholz aus Urwäldern wurde in 19 von 51 untersuchten deutschen Kinderbüchern nachgewiesen. Die Bücher werden von deutschen Verlagen in Asien (hauptsächlich China) produziert und nach Deutschland importiert.

Energie: Die Papierherstellung ist sehr energieintensiv. Der Wasserverbrauch ist sogar so groß wie in keiner anderen Industrie. Für die Herstellung von einem Kilogramm Papier werden 100 Liter Wasser benötigt, von denen laut deutschen Herstellern bis zu 90 % wiederverwendbar sind. In den Entwicklungsländern wird dagegen das Abwasser meist ungeklärt in die Gewässer geleitet. Das ist deshalb ein großes Problem, da in diesen Ländern giftige Chemikalien eingesetzt werden.

Angesichts der Konsequenzen unseres Papierkonsums, von denen noch mehr zu nennen wären, stellt sich die Frage, was Unternehmen und jeder Einzelne dagegen unternehmen können. Verbesserungsansätze sind:

– Möglichst oft Recyclingpapier verwenden, da dieses deutlich umweltfreundlicher hergestellt wird.

– Bei Druckerzeugnissen auf Zertifizierungen wie den Blauen Engel achten.

– Konsequente Einschränkung unnötigen Papierkonsums.

Autor: Fabian Schwab

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