J. R. R. Tolkien: Urvater der Phantastik.

In a hole in the ground there lived a hobbit. So beginnt der erste Roman von John Ronald Reuel Tolkien (1892 – 1973). 1937 legte der britische Schriftsteller, Philologe und Professor für Englische Sprache mit Der Hobbit nicht nur den Grundstein für die einzigartige Welt Mittelerde, sondern auch für die moderne Phantastikliteratur.

Sprachen erfinden – Geschichten entdecken

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© wikipedia

Dabei waren The Hobbit und die Trilogie des Herrn der Ringe nicht seine einzigen Werke im Schauplatz Mittelerde. Mit The Silmarillion schuf er seinen Werken ihre eigene Mythologie. Bereits in seiner Jugend zeigte Tolkien eine ausgesprochene Affinität zu Literatur und verschiedensten Sprachen. So gründete er 1911 mit Freunden seinen ganz eigenen Club der toten Dichter: den Tea Club – Barrovian Society, eine informelle Gemeinschaft, die sich regelmäßig traf, um über Literatur zu diskutieren. Hier begann Tolkien ernsthaft eigene Gedichte zu schreiben. Aus seinen Lieblingssprachen – darunter Gotisch, Walisisch und Finnisch – wob er schließlich das, was uns später als Quenya, die Sprache der Hochelben, bekannt werden sollte. Am Institut für englische Sprache und Literatur beschäftigte er sich mit anspruchsvollen, altenglischen Werken. Die ersten zwei Zeilen von Crist – einer Sammlung religiöser Dichtungen aus dem frühen 9. Jahrhundert – des Angelsachsen Cynewulf schienen Tolkien nachhaltig zu beeinflussen:

© Haywood Magee/Picture Post/Getty Images
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Eala Earendel engla beorhtast

ofer middangeard monnum sended.

(Heil dir Earendel, strahlendster Engel,

über Mittelerde den Menschen gesandt.)

1917 verfasste er daraufhin das Gedicht The Voyage of Earendel the Evening Star. Doch seine Geschichten verfasste Tolkien nicht als Ganzes, wie wir uns die Arbeit eines Autors heute vorstellen, sondern er entdeckte sie. Auf die Frage eines Freundes Geoffrey Bache Smith hin, was denn der Hintergrund dieses Gedichts sei, antwortete Tolkien: „I don’t know. I’ll try to find out.“ Das Schreiben als Entdeckungsreise und nicht als Prozess der Neuschöpfung zu verstehen, prägte seine späteren Werke.

Mittelerde entsteht

Im Sommer 1916 wurde Tolkien zum Offizier für Fernmeldewesen einberufen. Am eigenen Leib erfuhr er die Schrecken des Ersten Weltkriegs. Vom Schützengraben in den Genesungsurlaub geschickt erfährt Tolkien schließlich vom Tod seines Freundes Smith und nimmt sich die abschließenden Worte eines letzten Briefes zu Herzen:

„May God bless you, my dear John Ronald, and may you say the things I have tried to say long after I am not there to say them, if such be my lot.“

Tolkien beginnt mit der Erschaffung einer neuen – seiner ganz eigenen – Welt und dem damit verbundenen Sagenzyklus. Seine Erfahrungen aus dem Krieg – der Einbruch des Bösen in eine friedvolle Welt – wird zum Grundthema seiner späteren Werke. Mit The Book of Lost Tales schrieb Tolkien die ersten Teile aus denen später sein mythologisches Werk The Silmarillion entsteht. Mittelpunkt dieses Werkes sind die Schöpfung Mittelerdes durch das gottgleiche Wesen Ilúvatar und die Liebesgeschichte zwischen dem Menschen Beren und der unsterblichen Elbenprinzessin Lúthien. Hier nutzt er nun konsequent seine erfundenen Elbensprachen Quenya und Sindarin.

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© wikipedia

In den 1930er Jahren legte Tolkien mit seinem vielbeachteten Vortrag On Fairy-Stories die Grundsätze des später entstehenden Fantasy-Genres fest und machte an die Erschaffung der mit erfolgreichsten Werke des 20. Jahrhunderts: The Hobbit und The Lord of the Rings. Letzteres wurde erst 1954, was zu großen Teilen an Tolkiens – inzwischen Professor für Anglistik – eigenem Perfektionismus lag. Dennoch löste The Lord of the Rings eine richtige Kulturbewegung unter Studenten aus. Tolkien begann an einer Fortsetzung des beliebten Epos zu arbeiten, stellte sie jedoch nicht fertig.

Nach seinem Tod 1973 widmet sich in Deutschland seit 1997 die Deutsche Tolkien Gesellschaft seinen Werken.

 

 

Autorin: Christin Fetzer

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