日本文学 – Nihon Bungaku – Japanische Literatur

In Japan werden nicht nur Manga und Handy-Romane gelesen. Auch der Prosa fällt im Land der aufgehenden Sonne eine große Bedeutung zu. Mittlerweile umfasst Japanische Literatur einen Zeitraum von über 1300 Jahren mit Einflüssen aus Europa und China. Doch unterscheidet sich das japanische Verständnis den Begriff „Literatur“ betreffend, vom europäischen: Der ästhetische Gebrauch der Sprache als Gegenstand und Medium.

Was im Altertum mit gravierten Zeichen auf Bronzeschwertern aus dem 6. Jahrhundert begann, entwickelte sich im 7. Jahrhundert mit der Überlieferung der chinesischen Schrift zu verschiedenen Formen der lyrischen Dichtung: dem Kanshi (Gedichte in Chinesisch) und Waka (Gedichte in japanischer Sprache), aus welchen sich feste Formen der Zeilen mit fünf oder sieben Silben entwickelten. Hierbei wurden zwischen Chōka (langen Gedichten) und Tanka (kurzen Gedichten) unterschieden. Das bedeutendste Werk dieser Zeit bildet das 20 Bände umfassende Man’yōshū (Sammlung der 10 000 Blätter). Es ist die erste große japanische Anthologie von Waka, die um das Jahr 759 komplimentiert wurde und 4 496 Gedichte enthält, wovon das älteste bis ins 4. Jahrhundert zurückdatiert werden kann.

君が行き
日長くなりぬ
山尋ね
迎へか行かむ
待ちにか待たむ

Dein Fortgehen
ist schon lange geworden
Soll ich auf dem Berge suchend
[Ihm] entgegen gehen
Oder soll ich wartend auf ihn warten?

Man’yōshū, Buch II, Gedicht von Iwa no Hime

Frühe Prosa

© Christin FetzerDie Entstehung und Entwicklung von Prosa-Werken begann im 9. Jahrhundert. Als erstes Prosa-Werk ist hierbei das Tosa Nikki, eine Art Reisebericht, von Ki no Tsurayuki. Im 11. Jahrhundert folgten Makura no Soshi (Kopfkissenbuch) von der Autorin Sei Shonagon und das Genji Monogatari (Die Geschichte des Prinzen Genji), als dessen Verfasserin Murasaki Shikibu gilt und das heute als erster psychologischer und ältester, noch erhaltener Roman der Welt zählt.

Als Klassiker der Japanischen Literatur des Mittelalters wird das Heike Monogatari gesehen (etwa 1371): Der epische Kampf der Samurai-Clans Minamoto und Taika (Heike) um die Vorherrschaft im Japan des 12. Jahrhunderts. In dieser Zeit etablierte sich auch das japanische Schriftsystem, in dem Kana und Kanji gemischt werden. Die Werke in dieser Zeit befassten sich hauptsächlich mit den Motiven Leben und Tod, einem einfachen Lebensstil und der Erlösung. Währenddessen entwickelte sich in der Lyrik Renga, das japanische Liebesgedicht.

Prosa im 19. und 20. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert begann die Zeit der Aufklärung und damit die Konzentration auf westliches Gedankengut, wobei eine beträchtliche Zahl neuer Wörter geschaffen werden musste, um die westlichen Werke ins Japanische übersetzen zu können. Neben Übersetzungen von den Werken Shakespeares und Jules Vernes erschienen während dieser Zeit eine Reihe politscher Romane und Shōyō Tsubouchis Abhandlung Das Wesen des Romans, womit der moderne Roman in Japan seinen Anfang nahm. Zwei Strömungen bildeten sich dabei heraus: Der realistische Gegenwartsroman und der zugleich zunehmende Nationalsozialismus.

© Christin FetzerZu Hauptströmen des 20. Jahrhunderts wurden Naturalismus, der sich im Gegensatz zur deutschen Vererbungslehre mit der »Enthüllung und Bloßstellung der nackten Realität« befasste, und der japanische Ich-Roman. Gegenbewegungen bildeten die moderne Form des Haiku, Ästhetizismus und »Naturbeschreibungen«. Mit der Bewegung »Freies Theater« (1909-1919) erfreuten sich Bühnenwerke einer wachsenden Beliebtheit. Auch der Unterhaltungsroman feierte in Form von Sitten-, Historien-, Abenteuer- und Kriminalromanen seinen Aufstieg. Als vorherrschende Bewegungen wurden nach dem Ersten Weltkrieg Dadaismus, Futurismus und Expressionismus aus Europa übernommen, blieben jedoch mit der Kritik am Individualismus des literarischen Realismus und der Gründung des Neo-Sensualismus, der vor allem von traumgleichen Lebenswelten und Schönheitsempfinden geprägt ist, von europäischen Pendant entfernt.

Gegenwartsliteratur

1945 wird die Literaturgesellschaft Neues Japan gegründet, welche die Bewegung für »demokratische Literatur« ins Leben ruft und die Arbeiterliteratur für sich entdeckt. Zu einem der bekanntesten Schriftsteller der japanischen Nachkriegsliteratur zählt Dazai Osamu u.a. mit Werken wie Ningen Shikkaku (1948, dt. Gezeichnet) und Shayō (1947, dt. Die sinkende Sonne), die sich schnell zu Klassikern der Gegenwartsliteratur entwickelten.

Themen wie Kriegserfahrungen, Erfahrungen in der amerikanischen Kriegsgefangenschaft beherrschen die Literatur nach dem 2. Weltkrieg. Als Besonderheit zählt dabei die Atombombenliteratur und beschäftigt sich mit den Geschehnissen in Hiroshima und Nagasaki und deren Auswirkungen. Dem entgegen stand jedoch die Zensur durch die amerikanischen Besatzer (bis 1952) und das Schweigen der Menschen zu diesem Thema.

Japanische Literatur in Deutschland

Japan galt in den 80er Jahren als DAS Wirtschaftswunder. Zusammen mit Japan als Themenschwerpunkt der Frankfurter Buchmesse 1990 und mit Ōe Kenzaburō als Nobelpreisträger (1994), wurde japanische Literatur in Deutschland verstärkt nachgefragt. Während im Japan schon Ende der 80er vom Murakami-Haruki-Phänomen gesprochen wurde, gelangte der Autor in Deutschland erst 2000 durch Gefährliche Geliebte zu großer Bekanntheit. Heute ist er der berühmteste japanische Autor im deutschen Sprachraum.

Autorin: Christin Fetzer

Inhalt teilen:
Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on TumblrPin on Pinterest

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.