Big Data – Potenzial für Verlage?

Riesige Mengen an unstrukturierten, komplexen, sich schnell verändernden Daten und der Versuch daraus Erkenntnisse und Nutzen zu ziehen – das ist Big Data. Big Data gilt als innovativ und Daten werden sogar als „Rohstoff des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet. Ist der Hype gerechtfertigt, welche Gefahren ergeben sich und was bedeutet das für Verlage?

Big Data ist längst Realität. Die bekannten Internetkonzerne, andere große Unternehmen und auch Regierungsorganisationen setzen entsprechende Technologien ein. Die Gefahr: Von Big Data zu Big Brother ist der Schritt nicht allzu groß. Der Datenschutz von Privatpersonen, aber auch von Unternehmen, ist längst nicht mehr gewährleistet – niemand weiß, wie viele und welche Daten bereits gesammelt wurden. Was mit unseren digitalen Fußspuren passieren kann, lässt sich für jeden Amazon-Nutzer leicht nachvollziehen. Mit jedem Besuch, mit jedem Klick füttern wir unsere persönliche Datenbank. Algorithmen machen aus diesen Daten auf unsere Interessen zugeschnitte Produktempfehlungen und Werbemails. Um die 30 Prozent des Umsatzes soll Amazon über diese Produktempfehlungen erwirtschaften. Dass man mit Big Data mehr Bücher verkaufen kann, hat der Online-Riese somit schon lange bewiesen.

Big Data - Leipziger Lerche © Finding Footage
© Finding Footage

Relevanz von Big Data in Verlagen

Bei den Datenmengen der Medienunternehmen und Verlage handelt es sich eher um Small bzw. Smart Data, wie Marcello Vena, ehemals Digitalchef der Mediengruppe RCS in Italien, sie definiert. Big-Data-Lösungen werden bisher fast ausschließlich von großen Verlagshäusern eingesetzt, die sich die IT leisten können und über relevante Datenmengen verfügen. Vielen Verlagen fehlt eine Digitalstrategie jedoch komplett. Dabei könnten diese deutlich mehr  von Big-Data-Lösungen profitieren. Stichwörter sind hier: Traffic-Analyse des Web-Auftritts, Echtzeitinformationen aus den sozialen Netzwerken, Analyse des Kauf- und Nutzungsverhaltens von E-Books. Verlage können mit solchen Methoden die Vorlieben ihrer Zielgruppe systematisch studieren, ihre Inhalte und Prozesse optimieren und ihren Autoren wichtiges Feedback geben.

Beispiele für Big-Data-Lösungen 

Bookmetrix ist eine Analyse-Plattform, die von dem Wissenschaftsverlag Springer und dem Unternehmen Altmetric auf der London Book Fair 2015 vorgestellt wurde. Diese Plattform ermöglicht es Springer, umfangreiche Kennzahlen zu einzelnen Büchern und Kapiteln ihres gesamten Online-Buchbestandes zu liefern. Anhand der Daten kann z. B. nachvollzogen werden, wie oft ein E-Book oder ein einzelnes Kapitel gelesen, heruntergeladen, rezensiert oder im Internet zitiert wurde. Somit kann eine genaue Auskunft über die wissenschaftliche Bedeutung eines Werkes gegeben werden. Die Daten werden in Echtzeit erhoben und sind auf der Plattform SpringerLink sowie auf der Plattform des Verwaltungssystems Papers für jeden Nutzer verfügbar.

Celera One ist ein weiterer Big-Data-Lösungsanbieter, dessen Technologien von großen Zeitungsverlagen eingesetzt werden. Beispielsweise werden Paid-Content-Lösungen in die Online-Nachrichtenportale integriert. Daten aus verschiedenen Quellen können zusammengeführt werden, sodass das Online-Angebot und die Kundenansprache gezielt optimiert werden können. Das erleichtert die Neukundengewinnung der Zeitungshäuser, die heute fast ausschließlich digital erfolgt.

Big Data – weniger ist mehr

Bisher werden Big Data-Lösungen vor allem von den Großen der Branche eingesetzt. Für kleinere Unternehmen sind einzelne Angebote interessant, z. B. Google Analytics für die eigene Website. Inwieweit Big bzw. Smart Data eine Entscheidungshilfe für Medienunternehmen sein kann, hängt davon ab, ob die Technologien wirklich nützliche Informationen liefern können. Ein Konsens scheint noch nicht gefunden, auch weil mit Big Data bisher noch viele Unwägbarkeiten verbunden sind.

Autor: Fabian Schwab

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