Kopierschutz, aber wie?

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Immer mehr meiner Freunde schreiben Bücher. Fast alle von ihnen verkaufen diese online. Für Selfpublisher gehören E-Books zum Tagesgeschäft. Sie leben davon und sie leben damit. Doch wie gehen eigentlich etablierte Verlage mit E-Books um? Wie kann man verhindern, dass die eigenen Inhalte frei, unbeschränkt und unmarkiert im Internet verfügbar sind? Wie funktioniert Kopierschutz im Internet?

Nach der Musikbranche und der Film- und Fernsehwelt, sieht sich nun letzten Endes auch die Buchbranche mit dem Problem der Handhabung von digitalen Inhalten und deren Nutzungsrechten im Internet konfrontiert.

Eine naheliegende Methode um sich vor unrechtmäßiger Content Nutzung zu schützen, ist die Belegung der Daten mit einem Kopierschutz. Ob sich diese Schutzmechanismen von Verlagsseite jedoch lohnen und welche Konsequenzen ihre Abschaffung hätte, steht branchenintern zur Diskussion.

Die meisten Verlage versahen ihre E-Books in den vergangenen Jahren mit Kopierschutz. Dabei handelte es sich jedoch meist um weichen Kopierschutz, d.h. ein Versehen der Dateien mit Wasserzeichen. Dies verhindert jedoch keineswegs die unerlaubte Weiterverbreitung. Trotz der insgesamt positiven Markttendenz sind, wie andere digitale Medien (z.B. Musik, TV-Serien, Filme,…), auch E-Books von Piraterie betroffen. Genaue Zahlen gibt es natürlich nicht und Schätzungen wie die 1:10 Quote von legalen zu illegalen Downloads  sind zwar kontrovers, scheinen allerdings realistisch zu sein.

Was tun?

Vielen Verlagen drängt sich durch solche Zahlen die Frage nach dem Mehrwert des Kopierschutzes auf. Es war 2014 zu beobachten, dass der Trend hin zum Kopierschutz (von 53% in 2013 zu 62% in 2014), aber gleichzeitig weg vom harten Kopierschutz durch DRM-Systeme geht. Über die Hälfte der E-Books auf dem deutschen Markt werden heute mit sog. Wasserzeichen geschützt. Diese zählen als weicher Kopierschutz und sind das digitale Äquivalent zu ihren historischen Namesgebern. Sie machen es möglich den ursprünglichen Käufer eines E-Books zu identifizieren, sollte es kostenfrei im Internet auftauchen.

Würden Verlage den harten Kopierschutz ganz aufgeben, wären Konvertierungsprobleme, die momentan für viele Kunden eine Hemmnis beim Kauf von E-Books darstellen, keine Schwierigkeit mehr. Während sich die Einschränkungen durch die Hardware dieser Anbieter leicht umgehen lassen, indem Kunden auf Reader zurückgreifen, die nicht festen Systemangebote angehören, zeigen sich bei unabhängigen Readern andere Probleme, die weit weniger leicht zu beheben sind. Sie entstehen bei der praktischen Umsetzung des harten Kopierschutzes. Während klar abgetrennten exklusiven Systeme die  Einbindung von One-Click-Downloads (mit Anklicken des Links wird ein Kaufvertrag abgeschlossen und den zugehörigen AGBs zugestimmt) ermöglichen, muss bei unabhängigen Geräten über extra DRM-Systeme gearbeitet werden.

Die Krux für Verlage liegt darin, dass sie DRM-Sicherungen für ihre Werke vorgeben um sich vor Verlusten durch Piraterie zu schützen, damit jedoch ihren eigenen Markt beschneiden. Beim Blick in Nutzerforen findet sich oft der Vorwurf der Bevormundung in Bezug auf die zukünftige Verwendung der erworbenen Daten durch die eingeschränkte Menge an Zugriffserlaubnissen und das fest vorgegebene Dateiformat. Um dem entgegenzuwirken, könnten Verlage auf den Kopierschutzes verzichten und den Bedürfnissen ihrer Kunden nach einem individuellen, flexiblen Produkt entgegenkommen.

Dann also kein Kopierschutz?

Die Vorschriften des UrhG bleiben auch ohne Kopierschutz bindend, d.h. bei nachweisbaren Verstößen können Verlage auch weiterhin klagen. Wegfallen würden lediglich die technischen Schutzmaßnahmen, deren Hauptvorteil die Tatsache ist, dass bereits ihre Umgehung geahndet werden kann.

In einer Studie zur Digitalen Content-Nutzung wurde deutlich, dass das Bewusstsein für den Wert und die Notwendigkeit für urheberrechtlich geschützte Inhalte zu bezahlen durchaus beim Großteil der Deutschen vorhanden ist.

Die Branche ist sich jedoch einig, dass kein Kopierschutz auch keine Lösung ist. Während harter Kopierschutz mehr wie eine verkomplizierende Formsache, denn als tatsächlicher Sichheitsgarant auftritt, scheint weicher Kopierschutz weitaus sinnvoller. Er ermöglicht Verlagen die Ahndung von Urheberrechtsverstößen, ohne beengend auf Kunden zu wirken. Auch der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Skipis sprach sich bereits 2012 für weichen Kopierschutz aus.

 

Autorin: Amelie Müller

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