La Belle Époque – Facettenreiche Zeit des Friedens

Eine der wohl glanzvollsten Epochen Europas liegt nun mehr seit über 100 Jahren unter der Geschichte begraben und kaum einer weiß um die Bedeutung dieser Zeit.

La Belle Époque ist französisch und bedeutet so viel wie „die schöne Epoche“.Die circa 30 Jahre um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gelten heute als Sinnbild einer kollektiven Überzeugung von einer besseren Welt. Eine Welt frei von Hunger, Krieg und gewalttätigen Revolutionen. Wobei sich führende Historiker nach wie vor über die taggenaue Datierung dieser Epoche streiten. Doch nun erst einmal der Reihe nach. Der Deutsch-Französische Krieg war endlich vorbei und die Bevölkerung kehrte wieder zur Normalität zurück, nicht ahnend, welcher wirtschaftlichen und kulturellen Ereignissen sie noch Zeugen werden würden.

 

Mit dem Frieden kam der Aufschwung

Die Staaten Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Österreich-Ungarn zählten, zur damaligen Zeit, zu den Ländern, welche als erste die Lebensqualität ihrer Einwohner drastisch verbessern konnten. Durch die zweite Welle der Industriellen Revolution hielten nicht nur die Elektrizität und die Telefonie in den Haushalten Einzug, ebenso verbesserten sich die hygienischen Zustände, was die Lebenserwartung der Menschen von damals um ein Vielfaches ansteigen ließ. Auch die Stahl- und Chemieindustrie erlebte ein nie da gewesenes Hoch, was im Laufe der Geschichte nicht nur positive Auswirkungen auf die Menschen in Europa hatte. Riesige Ballungsräume wuchsen aus dem Boden, wie Pilze an einen regnerischen Septembertag. Überall wo man hinsah gab es Wachstum! Wachstum! Wachstum! Aber die wohl größte Erfindung dieser Tage war der Verbrennungsmotor. Menschen konnten nun völlig ohne Kraftanstrengung und ohne Hilfe eines tierischen Begleiters weite Strecken zurücklegen. Mit der Erprobung der ersten Flugapparate kam der Mensch nun auch endlich dem Traum des Ikarus ein Stück näher und war fortan mit dem Vogel auf einer Augenhöhe.

Bild Frauen Mann Belle Époque
Die Freuden der Belle Èpoque. © http://3.bp.blogspot.com/

Wissenschaftler wurden für ihre Erfindungen und Theorien gefeiert wie Könige, wenn nicht sogar wie Götter. Ernest Rutherford, Marie und Pierre Curie, Albert Einstein, Max Planck und Niels Bohr sind nur einige der Namen, welche mit ihren Arbeiten die Welt veränderten. Aber nicht nur die Wissenschaft hatte Großes hervorgebracht, sondern auch die Kunst, Musik und Architektur waren beeindruckender als je zuvor. Man denke dabei nur an Pablo Picasso oder Gustav Mahler. Die Literatur konnte sich ebenso neuer Strömungen erfreuen. So war zum Beispiel der Naturalismus, also die ausführliche Beobachtung der Natur, eine der führenden Stilrichtungen jener Zeit. Der bedeutendste deutsche Vertreter hierfür war Gerhardt Hauptmann. Der Schriftsteller bediente sich in seinen Werken nicht nur dem Naturalismus, sondern ließ sich auch von anderen Stilrichtungen inspirieren. Im Jahre 1912 erhielt er schließlich den Nobelpreis der Literatur für sein schaffen. Wobei diese kulturelle Welt keineswegs mehr der gut betuchten Oberklasse vorbehalten war. Erstmals war es auch möglich, die breite Arbeiterklasse an dieser Lebensweise teilhaben zu lassen, selbst wenn es nur der gelegentliche Besuch in einem der neu erbauten Lichtspielhäuser war. Alles in allem war das Leben dieser Tage für alle ein durchaus Gutes.

Doch der Wohlstand und Friede sollte nicht ewig andauern…

 

Bild Erster Weltkrieg
Weniger erfreulich: Moderne Kriegsführung. © https://www.dhm.de

 

Abschied einer erstaunlichen Epoche

Die Titanic war nicht nur ein Symbol für die menschliche Schaffenskraft, sie läutete tragischerweise auch das Ende einer aufgeschlossenen, friedliebenden und unbekümmerten Gesellschaft ein. Mit ihrem Sinken im Jahre 1912 verloren einige ihren Glauben an, die bis dato, makellose Allmacht der Technik.  Unmut über die Entwicklungen der letzten Jahre verbreitete sich und rief immer mehr Kritiker auf den Plan. Die Arbeiterschaft klagte nun kaum noch überhörbar über die unzumutbaren Zustände in ihren Unternehmen. Rationalisierung der Herstellungsprozesse durch Arbeitsteilung ließ die zu verrichtende Arbeit eintönig, aber nicht weniger kräftezehrend werden. So wundert es nicht, dass Gewerkschaften und die kommunistische Idee relativ schnell zu beachtlicher Größe und Ansehen wuchsen. In Deutschland hatte sich die SPD als eine der führenden Parteien der Arbeiterbewegung etabliert. Die Welt stand nun vor einem Aufbruch ins Ungewisse, aber keiner hätte damals geglaubt, was noch folgen sollte. Mit dem Jahr 1914 und dem folgenden Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde eins der wohl lebensbejahendsten Kapitels der europäischen Geschichte besiegelt. Folgen sollten wieder einmal Jahre der Zerstörung, des Hasses und  der Verzweiflung. Erstmals wurden einem auch die negativen Aspekte der Industriellen Revolution bewusst. Der Antrieb durch die massive militärische Aufrüstung aller Staaten zog buchstäbliche Gräben durch Europa und die Köpfe ihrer Bewohner. Dies alles gipfelte in menschenverachtenden Massenvernichtungen durch die moderne Kriegstechnik.

Man kann nur hoffen, dass Europa so etwas nie wieder erleben muss und wir weiterhin in unserer La Belle Époque 2.0 friedlich miteinander koexistieren können.

 

Autor: Ronny Wenzel

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