Aufgeschlagen: Das weibliche Prinzip von Meg Wolitzer

© Dumont

So richtig kam der Feminismus eigentlich erst vor drei Jahren bei mir an. Und das, wie sollte es auch anders sein, im klischeehaften Millennial-Stil durch Instagram. Doch mit dieser Erfahrung ging gleichzeitig viel Unsicherheit einher. Das ist eines der vielen Themen des Romans „Das Weibliche Prinzip“ von Meg Wolitzer.

Feminismus.

Das war und ist für mich mit Unsicherheit verbunden. Ich möchte mich bei Ungerechtigkeit wehren, weiß aber nicht wie, weil ich nicht zickig wirken will. Aber liegt nicht genau da das Problem? Meg Wolitzers Buch „Das weibliche Prinzip“ fängt genau dieses Gefühl zwischen den bunten Buchdeckeln ein. Aber das Buch will noch viel mehr und manchmal, das kann hier schon gesagt werden, auch zu viel. Es werden Fragen nach Macht, Erfolg und Wettbewerb gestellt und wie Frauen da hineinpassen. Es wird von dem Leben einer jungen Frau erzählt, die sich in einer Welt wiederfindet, die nicht in der Lage ist, ihr zu geben, was sie wirklich sucht. Denn was sie sucht, das weiß sie selbst noch nicht.

Worum geht es eigentlich?

Die junge Frau, von der das Buch handelt, Greer Kadetsky ist schüchtern und ehrgeizig. Sie beginnt ihr Studium statt in Yale in einem Durchschnitts-College, weil ihre Eltern bekifft ein Formular nicht richtig ausgefüllt haben. Dort vermisst sie vor allem ihren Freund Cory, der währenddessen in Princeton studiert. Die beiden sind ein Paar, aber gleichzeitig von Beginn an als Konkurrenten angelegt. Bei einer College-Veranstaltung hört Greer eine Rede von Faith Frank, einer charismatischen Altfeministin. Nach dem College findet sie einen Job bei der Stiftung von Faith Frank und wird dort bald erfolgreich. Doch so weit reicht die Glückssträhne auch, denn in Corys Leben geschieht eine Katastrophe, die ihn zwingt seinen Job aufzugeben um sich um seine Mutter und den Haushalt zu kümmern. Auch Greer sieht sich zunehmend mit Problemen in der Stiftung und ihren Beziehungen konfrontiert.

Was sind die Stärken und Schwächen?

In meinen Augen ist die entscheidende Frage des Romans: Was ist Feminismus und wie ist man eine gute Feministin oder ein guter Feminist? Greer bekommt im Verlauf des Romans die Chance, ihrer Freundin Zee einen Job in der Stiftung zu beschaffen. Doch sie lässt die Möglichkeit verstreichen. Handelt man so feministisch? In den Augen des Lesers sinkt Greer in der Achtung und Zee steigt je mehr man über sie erfährt. Doch gleichzeitig fühlt man mit Greer, weil sie sehr menschlich angelegt ist. Der Leser merkt, wie ihre Erfahrungen sie zu ihren Entscheidungen bewogen haben und kann sie, wenn er sie vielleicht auch moralisch verwerflich findet, dennoch nachvollziehen. Darin liegen die Stärken des Romans. Bei den kleinen Fragen. Bei den Nebencharakteren. Meg Wolitzer ist in der Lage, schwierige Situationen auseinanderzunehmen und sie dem Leser damit von einem neuen Blickwinkel aus zu zeigen. Nach der Hälfte des Romans werden zunehmend mehr Kapitel den anderen Protagonisten gewidmet, wovon der Roman eindeutig profitiert. Besonders die Perspektiven von Zee und Cory geben dem Roman die Tiefe, die er bei einem Umfang von fast 500 Seiten auch braucht. Das Problem ist jedoch, dass der Roman letztendlich zu viel will. Er will rückblickend und zukunftsweisend zugleich sein und überschlägt sich dadurch an den Fragen nach Erfolg und Macht. Beim Blick auf die Details und durch die von Metaphern gespickte Sprache, verliert er das große Ganze aus den Augen.

Was nehme ich mit?

Ein Gefühl von Sicherheit. Vielleicht ist nicht alles realistisch, was Meg Wolitzer in „Das Weibliche Prinzip“ beschreibt, aber es bleibt ein warmes Gefühl. Das Vertrauen, dass am Ende alles gut wird, auch wenn der Weg dahin nicht immer leicht ist. Vielleicht nehme ich auch mit, dass man immer zweifeln kann und auch soll. Dass Zweifeln heißt, dass man Fragen stellt und sich nicht mit dem Status Quo zufrieden stellt. Die Unsicherheit und das Zweifeln, das Greer verkörpert, gehören genauso dazu, wie das Vertrauen, dass sie am Ende erfüllt. Es ist ein Roman, der von Freundschaft, Feminismus, Loyalität, Liebe und dem Leben handelt. Trotz seiner Schwächen ist der Roman eine klare Empfehlung.

Meg Wolitzer: Das Weibliche Prinzip

Dumont

ISBN 978-3-8321-8424-7

496 Seiten

Übersetzung: Henning Ahrens

Autorin: Paula Heinze

Bild vom Cover: http://www.dumont-buchverlag.de/buch/wolitzer-das-weibliche-prinzip-9783832184247/

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