Musikverlage auf dem Smartphone – wie soll das gehen?

Musikverlage auf dem Smartphone – wie soll das gehen?

Im deutschen Musikverlegerverband DMV sind am heutigen Tag 432 Verlage registriert, die mit dem Druck und Vertrieb von Noten ihre Brötchen verdienen. Leider machen dies klassischen Musikverlage wie Edition Peters oder Breitkopf & Härtel immer weniger Umsatz. Das liegt vor allem daran, dass ihnen die Lizenzen an klassischen Komponisten auslaufen und viele Musiker ihre Noten kostenlos von Online-Plattformen beziehen. Musikverlage müssen also ihre Produkte und Konzepte überdenken und mit dem digitalen Trend der Zeit gehen. Einige Verlage nutzen hier die Möglichkeit von eigenen Apps, die mit verschiedenen Funktionsweisen Umsätze generieren und die Musikverlage bekannter machen sollen.

 

Carus Music App

Carus App
© Carus-Verlag

Der Carus-Verlag aus Stuttgart hat sich in seinem Verlagsprogramm auf geistliche & weltliche Chormusik spezialisiert. Er bietet seit dem 15.04.2015 eine App im App- und Google-Play-Store an, mit der man seine Chorstimme mit oder ohne Notenkenntnisse lernen kann. Zurzeit sind etwa 50 bekanntere Werke erhältlich, die man im Verlag auch gedruckt erwerben kann, zum Beispiel das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Im Menü findet man Informationen zum Werk und zur Einspielung, welche von renommierten Chören eingesungen wurde. Hat der Sänger eine Ausgabe seiner Stimmgruppe für einen Preis zwischen 4,99€ und 14,99€ erworben, so kann er sich seine Stimme langsamer, lauter oder einzeln vorsingen lassen und einfach mit dem blauen Balken per drag-and-drop zu der Stelle springen, die er üben möchte. So geht kein Chorsänger mehr unvorbereitet in eine Chorprobe.

 

Musikverlag Richard Grünwald

Musikverlag Richard Grünwald App
© Tobit.Software

Auch über Neuigkeiten im Verlag kann über eine App informiert werden. Der Musikverlag Richard Grünwald bietet ausschließlich Noten, digitale Downloads, Workshops und Zubehör für alle Musiker an, die das Instrument Zither spielen. In seiner am 22.03.2016 auf den Markt gebrachten App informiert der Verlag alle Interessenten über aktuelle Projekte, Neuausgaben, die verlegten Komponisten, gibt über Bilder Einblick in den Verlagsalltag und bietet die Möglichkeit zur direkten Kommunikation mit dem aktuellen Verlagsinhaber. Leider ist die App durch ihre Neuheit noch sehr wenig bespielt und bis jetzt nur im App-Store erhältlich, doch auch Android soll bald nachziehen.

Artist Ahead Apps

Wieder etwas anders gestaltet der artist ahead Musikverlag aus Wiesloch bei Heidelberg seine App bzw. Apps. Dieser Verlag bietet nämlich nicht nur eine, sondern viele kleine Apps an, mit denen mal multimedial und innovativ ein Instrument lernen soll. Erhältlich sind hier nicht nur Apps für „normale“ Instrumente, sondern auch für Nischeninstrumente wie Blues-Harfe oder Rockabilly Gitarre. Ein Beispiel für eine weniger spezielle App ist „Weihnachtslieder in C“, welche im November 2014 passend zur Vorweihnachtszeit erschienen ist. In dieser App erhält man 1 Weihnachtslied gratis und 71 weitere, sobald man bei den In-App-Käufen 1,99€ bezahlt hat. Der Musiker kann hier ein- oder zweistimmig mit seinem in C gestimmten Instrument (zum Beispiel dem Klavier) bekannte Weihnachtslieder gemeinsam mit Metronom und wohlklingender Klavierbegleitung spielen. Leider gibt es noch keine Funktion, mit der man ein Feedback für seine vorgetragene Leistung erhält, aber auch das wird bei unserer fortschreitenden Technisierung sicherlich nicht mehr lange ein Problem sein. Bis jetzt sind die Apps allerdings nur für das iPad erhältlich.

 

Fazit

Apps sind auch für Musikverlage eine tolle Möglichkeit, um ein breiteres, internetbegeistertes Publikum zu erreichen und zu den klassischen Verlagen zurück zu holen. Leider wird diese Möglichkeit momentan noch zu selten oder nicht ganz durchdacht genutzt. Prinzipiell werden Musikverlage mit Apps, die ein gutes Design, eine einfache Bedienung, faire Preise und nützliche Nebenfunktionen (Hintergrundinformationen zum Stück, Videos, etc.) auszeichnen in ein sinnvolles Marketing-Mittel investieren.

 

Autorin: Lina Al Ghori

Kopierschutz, aber wie?

e-book-1209040_1920-1

Immer mehr meiner Freunde schreiben Bücher. Fast alle von ihnen verkaufen diese online. Für Selfpublisher gehören E-Books zum Tagesgeschäft. Sie leben davon und sie leben damit. Doch wie gehen eigentlich etablierte Verlage mit E-Books um? Wie kann man verhindern, dass die eigenen Inhalte frei, unbeschränkt und unmarkiert im Internet verfügbar sind? Wie funktioniert Kopierschutz im Internet?

Nach der Musikbranche und der Film- und Fernsehwelt, sieht sich nun letzten Endes auch die Buchbranche mit dem Problem der Handhabung von digitalen Inhalten und deren Nutzungsrechten im Internet konfrontiert.

Eine naheliegende Methode um sich vor unrechtmäßiger Content Nutzung zu schützen, ist die Belegung der Daten mit einem Kopierschutz. Ob sich diese Schutzmechanismen von Verlagsseite jedoch lohnen und welche Konsequenzen ihre Abschaffung hätte, steht branchenintern zur Diskussion.

Die meisten Verlage versahen ihre E-Books in den vergangenen Jahren mit Kopierschutz. Dabei handelte es sich jedoch meist um weichen Kopierschutz, d.h. ein Versehen der Dateien mit Wasserzeichen. Dies verhindert jedoch keineswegs die unerlaubte Weiterverbreitung. Trotz der insgesamt positiven Markttendenz sind, wie andere digitale Medien (z.B. Musik, TV-Serien, Filme,…), auch E-Books von Piraterie betroffen. Genaue Zahlen gibt es natürlich nicht und Schätzungen wie die 1:10 Quote von legalen zu illegalen Downloads  sind zwar kontrovers, scheinen allerdings realistisch zu sein.

Was tun?

Vielen Verlagen drängt sich durch solche Zahlen die Frage nach dem Mehrwert des Kopierschutzes auf. Es war 2014 zu beobachten, dass der Trend hin zum Kopierschutz (von 53% in 2013 zu 62% in 2014), aber gleichzeitig weg vom harten Kopierschutz durch DRM-Systeme geht. Über die Hälfte der E-Books auf dem deutschen Markt werden heute mit sog. Wasserzeichen geschützt. Diese zählen als weicher Kopierschutz und sind das digitale Äquivalent zu ihren historischen Namesgebern. Sie machen es möglich den ursprünglichen Käufer eines E-Books zu identifizieren, sollte es kostenfrei im Internet auftauchen. Mehr lesen

J. F. Cotta: Der Napoleon des deutschen Buchhandels

12784196_1098652413518454_1060815648_n
(c) wikipedia.de

Zwei der weltweit bekanntesten deutschen Schriftsteller, Goethe und Schiller, außerdem mit Wieland und Herder die beiden anderen Geistesgrößen des Weimarer Viergestirns. Jean Paul, Fichte, Hölderlin, Hegel, Pestalozzi und Alexander von Humboldt – alle hatten sie denselben Verleger. Im Vergleich zu seinen Autoren, ist sein Name jedoch weniger geläufig: Johann Friedrich Cotta. Wer war der Mann, der die aufklärerischen Ideale und Ideen, viele philosophischen und wissenschaftlichen Erkenntnisse einer ganzen Epoche unter seinem Haus vereinigte?

Geboren wurde Cotta 1764 in Stuttgart. Er studierte Mathematik, Geschichte, Jura, ehe er mit 23 Jahren die wenig glanzvolle, Cotta’sche Verlagsbuchhandlung seines Vaters in Tübingen übernahm. Obwohl er zunächst wenig Interesse an der Übernahme hatte, formte Cotta in wenigen Jahren aus dem provinziellen Kleinunternehmen den bedeutensten Universalverlag seiner Zeit. Er verlegte über 60 Zeitungen und Zeitschriften, u. a. Schillers Horen, wichtige wissenschaftliche Werke, betrieb einen Kunst- und Landkartenverlag und besonders die Klassiker von Goethe und Schiller hatten eine Strahlkraft über die Landesgrenzen hinaus.

Der Aufstieg der Cotta’schen Verlagsbuchhandlung

Wie war dieser Aufstieg in kurzer Zeit möglich? Es waren weniger glückliche Umstände als enormer Arbeitsdrang, feiner Charakter, unternehmerisches Genie und politisches Talent. Doch eine glückliche Vermittlung spielte gerade zu Beginn eine wichtige Rolle: 1793 traf Cotta in Tübingen durch Initiative des dortigen Philosophieprofessors und ehemaligen Lehrers von Schiller auf ebendiesen. Aus diesem Treffen entwickelte sich eine enge persönliche Verbindung und Zusammenarbeit mit dem zu diesem Zeitpunkt bereits weithin bekannten Dichter. Dieser war es dann auch, der den Kontakt zu Goethe und den anderen beiden Weimarern herstellte. Damit war der Grundstein für den Aufstieg der Verlagsbuchhandlung und weiterer Unternehmungen gelegt.

12782152_1098652406851788_615819736_n
(c) wikipedia.de

Nachwirkungen

In seinem umtriebigen Leben, in dem er auch etliche Herausforderungen zu bewältigen hatte, brachte Johann Friedrich Cotta eine Vielzahl an ökonomischen, technischen, kulturellen und politischen Unternehmungen auf die Bahn. Beispiele: Revolutionierung der Drucktechnik durch den Einsatz von Dampfmaschinen, Beteiligungen an einer Papier- und Maschinenfabrik, Erwerb eines Landgutes zur modernen Schafszucht, Gründung einer gemeinnützigen Sparkasse, Beratung und diplomatische Hilfe für Fürsten und Regierende.

Doch besonders seine Leistungen für die deutsche Buchlandschaft sollen uns hier interessieren: Mit hohen Honoraren und zukunftsweisenden Verträgen war er ein Vorkämpfer der Autorenrechte. Das Urheberrecht des Autors und das Besitzrecht des Verlages wurden sorgsam getrennt, was der Kapitalisierung des Gewerbes dienlich war. Er wirkte für Reformen des Buchhandels und setzte sich gegen den Nachdruck und für die Pressefreiheit ein. 1832, im selben Jahr wie Goethe, mit dem er bezüglich den Honoraren auch schon mal aneinander geraten war, starb – inzwischen geadelt – Johann Friedrich Freiherr Cotta von Cottendorf.

Sein Wirken reicht bis in unsere Zeit: Die Cotta’sche Verlagsbuchhandlung wurde 1977 von der Klett-Gruppe übernommen und firmiert seitdem unter Klett-Cotta, wo u. a. die deutschen Übersetzungen der Werke von J. R. R. Tolkien erschienen sind.

 

Autor: Fabian Schwab

Weihnachten: 24 Tage Leserei

Weihnachten: 24 Tage Leserei

Schokolade über Schokolade, die Adventskalender im Supermarkt sind meist schnell verkauft. Nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene freuen sich darauf 24 Naschereien zu verdrücken. Wer dessen jedoch überdrüssig ist oder gern einen noch spannenderen Adventskalender haben möchte, der sollte sich mal genauer in einer Buchhandlung umsehen.

12370788_921981764549415_8487218342258159658_o
© by Gina Uhlig

Geschichte des Adventskalenders

 

 Die Ursprünge des uns 24-mal beglückenden Produktes gehen zurück ins 19. Jahrhundert. Dort wurden in den protestantischen Familien im Dezember 24 kleine Bildchen an die Wand geheftet. Wer nicht so viel Platz an seiner Wand hatte, der malte 24 Kreidestriche an eine Wand oder Tür und jeden Tag durften die Kinder einen davon abwischen. So sollte die Vorfreude auf Weihnachten weiter gesteigert werden. Den ersten gedruckten Kalender gab es allerdings erst 1903. Dieser war mit 24 bunten Bildchen versehen, die ausgeschnitten und auf einem extra Bogen aufgeklebt wurden. Erst 17 Jahre später bekam der Adventskalender dann seine Türchen, hinter denen sich ein buntes Bild versteckte. Die schokoladene Variante wurde sogar erst in den 1950er Jahren populär. Doch der Zweite Weltkrieg blieb auch für den Adventskalender nicht ohne Folgen. Er wurde unter den Nationalsozialisten aufgrund von Papierknappheit verboten. Erst einige Jahre nach Kriegsende gab es wieder bunte Bildchen und leckere Schokolade hinter 24 Türchen zu entdecken.

 

Die literarische Variante

 

Auch diese Art des Adventskalenders gibt es mittlerweile seit circa 90 Jahren. Die Sankt Johannis Druckerei, ansässig in Baden, brachte damals Adventskalender mit Bibelversen heraus.

Heutzutage ist das Sortiment von literarischen Adventskalendern sehr vielfältig. Dabei werden zwei Arten unterschieden: Entweder der Kalender erzählt eine Geschichte in 24 Episoden oder es gibt 24 kleine Texte zu entdecken. Auch die Darstellungsform ist vielseitig. Sie reicht von kleinen Heftchen, über richtige Kalender, bis hin zu Büchern.

Für jeden ist etwas dabei. Ob kleines Kind, alter Mann, Krimifan oder jede andere Art von Leseratte: ein literarischer Adventskalender ist wirklich jedem zu empfehlen. Nebenbei kann man ja trotzdem die Schokovariante genießen.

 

Autorin: Melanie Uhlig

Spezial: Coming up

Spezial: Coming up

Wir lieben Bücher und wir lieben Filme. Was liegt also näher als aus Büchern Filme zu machen? Dieses Jahr war ein gutes für Verfilmungen. Vom großen Finale der Hungerspiele, über die Suche nach Margos Spuren, bis zu den Abgründen Als wir träumten war alles dabei und wurde zu großen Teilen von Bücherfreunden positiv aufgenommen.

Doch weil Winterzeit Kinozeit ist, erwarten uns auch in nächster Zeit einige Verfilmungen auf die wir Lerchen uns besonders freuen.

Das dänische Mädchen

Am 7. Januar 2016 soll die Filmadaption von David Ebershoffs Biografie über Lili Elbe in die deutschen Kinos kommen. Mit Eddie Redmayne in der Hauptrolle und einem solchen Trailer kann man großes Kino erwarten. Der Film wurde bereits bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 2015 ausgezeichnet und startet pünktlich zur Oscar-Saison.

Das dänische Mädchen erzählte die Geschichte des dänischen Künstlerehepaars Wegener. Er stellt zentrale Frage nach sexueller Identität in den späten 20er/frühen 30er Jahren des 20. Jahrhunderts und beschreibt der Weg von Einar Wegener zu Lili Elbe.

Kill your Friends

Noch ohne Starttermin in Deutschland ist die Verfilmung von John Nivens Roman Kill Your Friends. Trotz der umstrittenen Besetzung von Nicholas Hoult als Steven Stelfox, ist der Film ein Muss für jeden Fan der Vorlage.

Buch und Film zeichnen ein rabenschwarzes Porträt der britischen Musikszene der späten 1990er Jahre. Steven ist A&R-Manager bei einem britischen Major-Label. Für ihn zählen Hits, Drogen und Sex. Als seine Karriere immer mehr ins Schwanken gerät, greift er zu radikalen Maßnahmen um seine Kollegen und Freunde loszuwerden und selbst an die Spitze zu kommen.

Im Herzen der See

Obwohl der Film bereits seit dem 3. Dezember auch hierzulande im Kino zu sehen ist, darf er in dieser kleinen Liste nicht fehlen. Die Kombination von Erfolgsregisseur Ron Howard und Chris Hemsworth in der Hauptrolle musste zu einem sehenswerten Film führen und hat nicht enttäuscht.

Der Film ist an das gleichnamige Buch von Nathaniel Philbrick angelehnt. Es erzählt die wahre Geschichte des Wahlfangschiffs Essex und dessen Untergang, den der Autor überlebte. Dieselbe Geschichte lag dem Roman Moby Dick zu Grunde. Schwerpunkt des Films liegt jedoch nicht der Wal. Es wird vielmehr die Geschiche des Überlebenskampfs der Seeleute erzählt.

Also kauft euch eine große Portion Popcorn und kuschelt euch in euren Sitz. Viel Spaß im Kino!

Autorin: Amelie Müller

Spezial: Black Beauty

Spezial: Black Beauty

„Menschen sind nicht nur Pferden gegenüber gedankenlos. Sie sind auch grausam zueinander.“ (Black Beauty, Verfilmung 1994)

Der schwarze Hengst mit dem weißen Stern ist das wohl bekannteste Pferd der Literatur und zählt zu den Klassikern der Jugendbücher. Dabei ist die Verfilmung der Geschichte von Black Beauty definitiv kein fröhliches Pony-Märchen für kleine Mädchen, sondern eine nachdenkliche Erzählung, deren Grausamkeit gerade in ihrer Schlichtheit liegt.

Die Verfilmung (1994)

Black Beauty wird von dem (erfolglosen) Rennpferd Docs Keepin Time dargestellt. © cinema.de
Black Beauty wird von dem (erfolglosen) Rennpferd Docs Keepin Time dargestellt. © cinema.de

Anna Sewells Klassiker Black Beauty – The Autobiography of a Horse inspirierte zu zahlreichen Filmen und Serien. Als am gelungensten gilt die Verfilmung aus dem Jahr 1994 unter der Leitung von Caroline Thompsen. Ihre Adaption ist eine der wenigen Pferdefilme, die nicht für kleine Mädchen gedreht wurde. Daher rutscht sie nicht ins Kitschige ab und kann so das hohe Niveau des Films über die vollen 88 Minuten halten. Wundervoll und schockierend zugleich, spiegelt Black Beauty die grausamen Zustände der (Arbeits-)Pferde im 19. Jahrhundert wieder.

Black Beauty erzählt seine Geschichte – sowohl im Roman, als auch im Film – von dem Moment seiner Geburt an in autobiografischer Form, was emotionale Nähe schafft. Der schwarze Hengst wächst wohlbehütet auf der Farm des Bauern Grey (Sean Bean) auf und verlebt hier eine unbeschwerte Jugend.

12295473_940884486001315_5652816362038909295_n
Freunde fürs Leben: Black Beauty und Joe © cinema.de

Nach seiner Ausbildung zum Reitpferd wird der Rappe nach Birtwick Park, an Squire Gordon (Peter Davison) und seine Familie, verkauft. Schnell wird das Pferd durch seinen hervorragenden Charakter zum Liebling des Squires, seiner kränklichen Frau (Rosalyn Ayres) und des Stallmeisters John Manley (Jim Carter). Eine besondere Freundschaft entwickelt Black Beauty zu dem frechen Pony Merrylegs, der störrischen Fuchstute Ginger und dem Stallburschen Joe Green (Andrew Knott).

Die schöne Zeit in Birtwicks Park ist aber leider nur von kurzer Dauer. Die fortschreitende Krankheit von Mrs. Gordon zwingt die Familie England zu verlassen. Ginger und Black Beauty werden an Lord Wexmire (Peter Cook) und seine Frau verkauft. Beide Pferde leiden unter Mrs. Wexmires Faible für die damalige Mode (z. B. Aufsatzzügel) und werden zu Schande geritten, bis der schwarze Hengst schließlich von Ginger getrennt und weiterverkauft wird. Zunächst an einen Pferde-Vermieter. Später an einen Händler, der den Rappen auf einen Pferdemarkt bringt.

Hier erblickt Black Beauty seinen alten Freund, den nun älter gewordenen Stallburschen Joe (nun von Ian Kelsey gespielt), aus Birtwick Park, doch der junge Mann sieht den Rappen nicht und verlässt die Auktion. Black Beauty ist am Boden zerstört. Gekauft wird er letztendlich von dem Droschken-Fahrer Jerry Barker (David Thewlis). Dieser bringt den Hengst mit sich nach London, wo Black Beauty endlich Ginger wiederfindet. Doch währt die Wiedersehensfreude nicht lange. Ginger wurde sehr schlecht behandelt. Sie ist mager, schwach und hat jeglichen Lebensmut verloren. Black Beauty sieht seine Freundin nur noch ein einziges Mal: Tod auf einen Karren. Die Stute ist an Erschöpfung gestorben.

Die Arbeit als Droschken-Pferd nimmt Black Beauty arg mit. Nachdem er abermals verkauft wird, zieht er noch 2 Jahre die schweren Ladungen eines Getreidelieferanten, bevor er vollends zusammenbricht. Black Beautys letzte Station soll der Schlachter sein, aber selbst das ist dem schwarzen Hengst mittlerweile gleichgültig. Nur eine bekannte Stimme weckt noch einmal seine Lebensgeister: Die des einstigen Stallburschen der Gordons, Joe Green, der den Rappen trotz seines miserablen Zustandes wiedererkennt.

In Black Beauty (1994) paaren sich eindrucksvolle Naturaufnahmen mit liebevollen Details, authentischen Tieraufnahmen und sehr guten menschlichen Darstellern. Zusammen mit der Musik von Danny Elfman entstand so einer der wohl schönsten, rührendsten und zeitgleich traurigsten (Pferde-)Filme.

Das Buch (1877)

 

Der Aufsatzzügel - Das Pferd wird gezwungen, den Kopf unangenehm hochzutragen, damit es "ausdrucksvoll" aussieht. © bitlesshorse.blogspot.com
Der Aufsatzzügel – Das Pferd wird gezwungen, den Kopf unangenehm hochzutragen, damit es „ausdrucksvoll“ aussieht.
© bitlesshorse.blogspot.com

Die Autorin Anna Sewell war selbst durch eine Beinverletzung stets auf die schönen Tiere angewiesen und lernte sie so bereits in jungen Jahren zu schätzen. Doch die Umstände im 19. Jahrhundert waren katastrophal. Pferde wurden gar nicht als Lebewesen wahrgenommen und bis in den Tod ausgenutzt. Modische Erscheinungen, wie z. B. Aufsatzzügel oder das Kupieren, quälten sie, schadeten ihnen, nur um „ausdrucksvoll“ auszusehen.

Black Beauty – The Autobiography of a Horse wurde 1877 veröffentlicht und blieb Sewells einziger Roman. Der Verkauf des Buches brach sämtliche Rekorde und Black Beauty wurde zum “sixth best seller in the English language“.

Sewells Beschreibungen der Aufsatzzügel und der miserablen Pferdehaltung löste eine Welle Empörung in der Öffentlichkeit aus und mobilisierte Tierschutzorganisation in ganz England und den Vereinigten Staaten. In der Encyclopedia of Animal Rights and Animal Welfare nennt Bernard Unti Anna Sewells Black Beauty sogar„the most influential anticruelty novel of all time“.

 

„Wir können uns die Menschen in unseren Leben nicht aussuchen. Für uns ist alles Glückssache.“ (Black Beauty, Verfilmung 1994)

 

Sowohl im Buch, als auch in der Verfilmung von 1994 erzählt uns der schwarze Hengst eine leise Geschichte von Vertrauen, Vertrauensbruch und der Gedankenlosigkeit der Menschen.

Autorin: Christin Fetzer

Spezial: Sieben Jahre in Tibet

Spezial: Sieben Jahre in Tibet

Ein Film, der Aufsehen erregte. Mit der Buchverfilmung „Sieben Jahre in Tibet“ wurden Hintergründe zu dem Mann aufgedeckt, der als Dalai Lama- Lehrer in die Geschichte einging.

© images.google.com
© images.google.com

Schon im Jahre 1956 wurde die Geschichte von Heinrich Harrer in Form eines Dokumentarfilms beleuchtet. Dieser befasst sich allerdings mehr mit Tibet und seiner Kultur, als mit dem Menschen, der diese aufsuchte. Als Jean-Jacques Annaud, unter anderem bekannt durch „Der Name der Rose“, begann für seinen nächsten Film zu recherchieren, war ihm nicht klar, was er damit ans Tageslicht befördern würde.

Der Film beleuchtet die Geschichte des österreichischen Bergsteigers Heinrich Harrer, der, nach einer gescheiterten Expedition zum Nanga Parbat, auf abenteuerlichen Umwegen zum Lehrer und Freund des 14. Dalai Lama wurde.

Das wirkliche Sein

Annauds Inszenierung sollte allerdings kein Dokumentarfilm werden, sondern eine Autobiografie. Dazu suchte er sich hochrangige Schauspieler, zum Beispiel Brad Pitt als Heinrich Harrer. Dessen autobiografisches Buch war allerdings sehr sachlich geschrieben und ließ kaum hinter die Fassade des Mannes blicken. Also recherchierte das Filmteam zusammen mit ORF-Redakteur Gerald Lehner selbst und stieß auf Erstaunliches. Die Expedition zur Bezwingung des höchsten Berges im Westhimalaya, dem Nanga Parbat, wurde unter anderem von den Nationalsozialisten finanziert. Harrers Beitritt in die Sturmabteilung (SA) erfolgte schon im Oktober 1933, 1937 schloss er sich der SS und der NSDAP an. Er wurde Sportinstrukteur der SS und hatte damit den Titel des Oberscharführers inne. Außerdem bekamen er und seine Kameraden für das Bezwingen der Eiger-Nordwand in den Berner Alpen ein Foto von Adolf Hitler mit persönlicher Widmung. Diese Nähe zum NS-Regime verschwieg Harrer in seinem Buch. Auch im Film wird dieser Bezug kaum beleuchtet.

Der trügerische Schein

Der Filmanfang zeigt Harrer vor dem Zug, der ihn zum Himalaya bringen wird. Nur widerwillig zeigt er den Hitlergruß, es scheint, als wäre er dem NS-Regime abgeneigt. Auch seine Arbeit als Sportinstrukteur der SS wird nie erwähnt, ebenso sind die Szenen der sportlichen Ertüchtigung mit den Bewohnern Tibets im Film nicht gezeigt. Das wäre unter anderem eine Möglichkeit gewesen Harrers Beziehung zum Nationalsozialismus zu verdeutlichen. Allerdings wurden, nachdem Dokumente zur nationalsozialistischen Vergangenheit auftauchten, Filmausschnitte und Dialoge verändert, beispielsweise Hakenkreuzfahnen gezeigt. Weitere Funde Gerald Lehners brachten ebenso eine CIA-Mitarbeit Harrers zum Vorschein, in dem es um geheime Missionen im Zusammenhang mit dem Dalai Lama ging.

So viel Harrer auch, teilweise zufällig, geleistet hat, so viel hat er auch verschwiegen. Der Film von Jean-Jacques Annaud ist – mit den für die Traumfabrik Hollywood typischen Abstrichen – großartig, das Buch allerdings ist mit Vorsicht zu genießen. Denn so viel Held, wie man früher glaubte, war Harrer nicht.

Autorin: Melanie Uhlig

Spezial: Stolz und Vorurteil

Spezial: Stolz und Vorurteil

„Nur die tief empfundene Liebe wird mich vom Ehestand überzeugen und daher werde ich als alte Jungfer enden.“

Zu sagen, dass der Roman Stolz und Vorurteil von Jane Austen meine Vorstellung von starken weiblichen Hauptfiguren geprägt hat, ist eine regelrechte Untertreibung. Kratzbürste Frauen, die sich gegen widrige Lebensumstände auflehnen, haben mich seit meiner ersten Begegnung mit Elisabeth Bennet und Mr. Darcy begleitet. 

Während die Hollywood-Verfilmung sowie die BBC-Serie des Klassikers im Allgemeinen sehr bekannt sind, möchte ich mich einer Umsetzung widmen, die meine Liebe zum Stoff noch zusätzlich geschürt hat: The Lizzie Bennet Diaries.

„My name is Lizzie Bennet, I am single and that is perfectly okay.“

Das Buch zur Webserie © Touchstone
Das Buch zur Webserie © Touchstone

Im Rahmen ihres Studiums der Massenkommunikation startet Lizzie Bennet mithilfe ihrer besten Freundin Charlotte Lu einen Videoblog, in dem sie Absurditäten aus ihrem Familienleben zum Besten gibt und von den Anstrengungen des Lebens als Studentin erzählt. Nachdem der Zuschauer die gesamte Familie kennen gelernt hat, dauert es nicht lange bis der Wahnsinn – in Form von Lizzies Mutter und ihren Bemühungen, ihre Kinder möglichst reich (und bald!) zu verheiraten –  seinen Lauf nimmt.

Während sich Lizzies ältere Schwester Jane Hals über Kopf in den gut betuchten und frisch zugezogenen Nachbarn verliebt, kann Lizzie ihre Verachtung für dessen besten Freund und ständigen Begleiter Darcy nur schwer verbergen. Bereits ihr erstes Zusammentreffen steht unter einem schlechten Stern, welches Lizzie als „most awkward dance ever“ bezeichnet und so versucht sie ihr Bestes, ihre Schwester und deren Liebelei zu unterstützen, Darcy minder erfolgreich aus dem Weg zu gehen und gleichzeitig ihr Studium abzuschließen.

„What if he is gay? What if he is a serial killer? What if he is a gay serial killer?“

Mit The Lizzie Bennet Diaries haben Bernie Su und Hank Green eine Webserie geschaffen, die auf Youtube regelrecht wie eine Bombe eingeschlagen ist. Die Episoden erzielten Aufrufe in einer Höhe von 500.000 bis zwei Millionen Views. Auch jetzt kann man in den Kommentaren der einzelnen Episoden verfolgen, dass immer noch neue Zuschauer dazustoßen. Die erste Folge erschien am 9. April 2012 und mit dem Upload der 100. Folge am 28. März 2013 gilt die Serie als abgeschlossen. Doch durch Auskopplungen wie The epic adventures of Lydia Bennet und Welcome to Sanditon wird die Welt rund den klassischen Stoff immer wieder erweitert. Zudem wurden Kommentare der Zuschauer von den Charakteren in Q&A-Videos oder auf angeschlossenen Social Media Profilen beantwortet.

„I just can’t properly express what an infuriating douchebag that guy is.“

Was die Serie zu einem Erlebnis macht, ist ihre bis dahin unvergleichbare Umsetzung. Während die BBC-Serie und die Hollywood-Verfilmung in ihren Umsetzungen sehr nah am klassischen Stoff sind, interpretieren die Drehbuchautoren die Handlung des Buches in der Webserie völlig neu. Darcy ist nicht mehr der gut betuchte Landherr, bei dem keiner so richtig verstanden hat, woher sein Wohlstand kommt. Hier führt er erfolgreich das Medienunternehmen Pemberly Digital, bei dem seine Schwester Georgiana, „Gigi“ genannt, als Grafikdesignerin angestellt ist. Auch der Skandal um Lydia, Lizzies jüngere Schwester, findet ein Pendant des 21. Jahrhunderts und sorgt für eben so viel Trubel in der Familie Bennet. Zudem merkt man den Schauspielern an, dass sie die Freiheiten der Plattform genießen. Belohnt wurden sie mit zahlreichen Streamy Awards und einem Primetime Emmy Award.

Die Serie ist nach wie vor auf dem Youtube-Channel The Lizzie Bennet Diaries zu sehen.

Autorin: Beatrix Dombrowski

22. Kleinverlegertag: Lauschen in die Zukunft

22. Kleinverlegertag: Lauschen in die Zukunft

11036487_967647919943070_144982806555145875_o

 

Am 05.11.2015 fand an der HTWK Leipzig der alljährliche Kleinverlegertag statt und zum Gespräch eingeladen waren dieses Jahr vier Hörbuchverlage. Unter dem Slogan Lauschen in die Zukunft wurde die aktuelle Situation des deutschen Hörbuchmarktes analysiert, aus dem Arbeitsalltag erzählt und ein Ausblick auf Kommendes konstruiert. Zu den Gästen zählten Andrea Herzog (Hörcompany), Ute Kleeberg (Edition SEE-IGEL) und Johannes Ackner (Buchfunk Verlag), sowie Kilian Kissling (Argon Verlag) als Vertreter eines weniger kleinen Verlags. 

Den Auftakt in den 22. KVT bildete ein Vortrag von Kilian Kissling über die rund 20-jährige Geschichte Hörbuchbranche und die aktuelle Marktsituation. Interessant war vor allem zu sehen, wie viel Potential die Branche besitzt. Während die Gesellschaft für Konsumforschung für die Verlagsprodukte im Jahr 2005 eine Kaufkraft von 140 Mio.€ maß, stieg die Zahl bereits bis zum Jahr 2014 auf 160 Mio.€. Interessant ist auch der Anstieg der CD-Verkaufszahlen von 5,3 Mio. Exemplaren (2004) auf 14,3 Mio. Kopien (2014). Und hier ist das Potential noch nicht ausgelastet, da sich durch Download- und Streaming-Plattformen neue Vertriebswege aufgetan haben und sich stetig weiterentwickeln. So sieht Kilian Kissling auch in illigalen Downloadern Potential, weil diese durch die richtigen Angebote zu Käufern gemacht werden können. Um einen Blick in die Zukunft zu wagen, wies er darauf hin, dass die zunehmende Einbindung von Onboard-Entertainment-Systemen in Autos, Flugzeugen und Reisebussen neue Wege zum Kunden schafft. Die Zielgruppe kann zum Beispiel durch Apps überall erreicht werden, wo ein Bedarf an Unterhaltung entsteht.

Die Hörbuchverlage im Überblick

Nach diesen inspirierenden Worten ging es sofort in die Vorstellungsrunde. Zu jedem Verlag wurde ein Auszug aus einem Titel eingespielt, sodass der Zuhörer sich einen Eindruck davon machen konnten.

Andrea Herzog gründete ihren Verlag Hörcompany im Jahr 2000 zusammen mit Angelika Schaak, indem sie laut eigener Aussage die Bücherregale ihrer Kinder plünderte. Der Verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, hochwertige Hörbücher für Kinder und Jugendliche herzustellen. Ein Ziel ist es, ihnen Klassiker wie Diener zweier Herren nahe zu bringen. Sorgfältig ausgewählte Sprecher erzählen die Geschichte neu aufgearbeitet und anschließend bekommen die Hörer noch eine zehnminütige Kostprobe des Originaltextes, der inszeniert eingespielt wird.

Die Edition SEE-IGEL wurde 1995 von Ute Kleeberg gegründet und ist laut Aussage der Verlegerin eigentlich ein Produzent von klassischer Musik in Kombination mit Sprache. Titel wie Prinzessin Graues Mäuschen werden von Ute Kleeberg selbst geschrieben und mit für die Produktion eigens aufgenommener und sorgsam ausgewählter Musik ergänzt. Ziel ist es, Menschen jeden Alters und vor allem Kindern klassische Musik näher zu bringen. Jede Produktion wird zudem auch live auf die Bühne gebracht, was der Verlegerin besonders am Herzen liegt.

Der Buchfunk ist ein Verlag, welcher sich aus dem Projekt vorleser.net entwickelt hat und 2004 gegründet wurde. Johannes Ackner und David Fischbach vertonen belletristische Werke und bekannte Klassiker wie Geschichte meines Lebens von Giacomo Casanova. Anders als die vorhergegangenen Verlage setzt Buchfunk seit seiner Gründung auf den digitalen Vertrieb über Abonnements und Downloads. Erst seit 2008 erscheinen ausgewählte Titel auch als CD. Im hauseigenen Tonstudio werden als zusätzliche Einnahmequelle auch fremde Produktionen aufgenommen. Der Verlag nimmt sich gerne Mammutprojekten wie der Vertonung der Bibel und des Korans an.

Podiumsdiskussion über Alltag, Sprecherwahl und Social Media

Nach einer ausgedehnten Mittagspause folgte mit der Podiumsdiskussion der zweite Teil des Kleinverlegertags.

Die Gäste waren sich bei der Frage nach der Auswahl der Sprecher einig, dass vor allem gestalterische Aspekte eine Rolle spielen und der Sprecher vor allem zum Text passen müsse. Die Frage nach Absatzkanälen führte zu unterschiedlicher Resonanz. Während die Hörcompany mit Verlagsvertretern zusammenarbeitet, hatte Ute Kleeberg weniger gute Erfahrungen mit dieser Methode. Sie bietet wiederum ganz anders als der Buchfunk Verlag generell keine digitalen Versionen ihrer Titel an. Kilian Kissling, welcher sich zur Diskussion dazugesellt hatte, berichtete, dass Argon grundsätzlich jeden Absatzweg nutzt um das Produkt an den Kunden zu bringen. Er wies darauf hin, dass für den Hörbuchvertrieb auch Tankstellen und der Spielwarenhandel keine untergeordnete Rolle spielen.

Besonders umstritten war das Thema der Digitalisierung von Hörbüchern. Gerade für Ute Kleeberg ist es unvorstellbar, ihre Produkte im Internet anzubieten. Ihrer Meinung nach würden sie dadurch ein Stück ihrer Seele (und Qualität) verlieren.

Auf die Frage hin, ob sich durch Streaming und Abonnements Geld verdienen ließe, antwortete Johannes Ackner. Er rechnete vor, dass durch ein Abo mit einem monatlichen Beitrag von 10€ jährlich mehr Geld für Hörbücher ausgegeben wird als durch den Kauf von physischen Produkten.

Diese und mehr Themen wurden beim diesjährigen Kleinverlegertag erörtert.

12214115_963539940378904_462374029_o
Wir möchten uns noch einmal bei den KommilitonInnen des Schwerpunkts Kommunikationsmanagement für dieses spannende Event bedanken!

Autorin: Beatrix Dombrowski

 

 

Eine kurze Geschichte der Horrorliteratur

Eine kurze Geschichte der Horrorliteratur

Wie jedem Gänsehautfan, Gruselspezialisten und Schauerliebhaber bekannt sein dürfte, stellt das 19. Jahrhundert eine Blütezeit der Horrorliteratur dar. Edgar Ellan Poe, Mary Shelley und andere Pioniere dieses Genres lassen bis heute weltweit das Blut in den Adern begeisterter Leser gefrieren. Doch wo liegen die Ursprünge der Schauerliteratur? 

Weird Ficiton, Gothic Novel, Gruselroman, wie man sie auch nennen mag, die Horrorliteratur ist aus dem modernen Sortimentsbuchhandel nicht mehr weg zu denken und füllt Regale, bisweilen sogar ganze Läden. Die Ursprünge für die Lust an der Angst liegen jedoch tief in den Kellern der historischen Anthropologie. Nicht ohne Grund leitet sich der Name dieser Literaturgattung von dem lateinischen horrere – die Haare hochstehen lassen – ab.

So legen Antike Mythen den Grundstein für viele heutige Schreckensgestalten. Denn schon im antiken Rom fürchtete man sich des Nachts vor den blutsaugenden Lamien, dem Ursprung für die Sagengestalt des Vampirs, Inkuben sorgen für Alpträume a la Freddy Krüger und in der griechischen Totenstadt von Kamarina fesselt man Leichen aus Angst vor Ihrer rachsüchtigen Wiederkehr. Die Motive für die heutigen Kassenschlager des Horrorgenres haben also schon damals in der Literatur Anwendung gefunden.

Im dunklen Mittelalter

12188871_897819906967703_2130028380_n
Verfolgte Unschuld © de.wikipedia.org

Auch im Mittelalter waren Schreckensvorstellungen zu Unterhaltungszwecken an der Tagesordnung. Obgleich dieses Zeitalter durch Hexenverbrennung, Inquisition und der Fülle an Gewalt für den zart besaiteten Rezipienten schon wie ein Gruselkabinett wirkt, ließen sich die Menschen auch damals von fantastisch-schaurigen Geschichten faszinieren. Mysterienspiele, kleine fürchterliche Szenerien, dargestellt von Wanderschauspielern, lagen hoch im Kurs.

Schriftlich festgehaltene Werke, wie die göttliche Komödie von Dante Alighieris, finden ebenfalls positive, wenn auch umstrittene Resonanz. Mit Shakespeares Hamlet werden Gruselstücke, wenn auch für die breite Masse verfasst, schlussendlich salonfähig.

Monster und Menschen

Im 18. Jahrhundert bildet sich schließlich durch den Rückenwind der Aufklärung ein breites Angebot an literarischen Erzeugnissen, denn Horace Walpoles The Castle of Otranto ebnet den Weg für den Gothic Novel. Auch deutsche Autoren wie Ludwig Tieck widmen das ein oder andere Werk dem noch jungen Genre. Die Themen gleichen dabei den heutigen: Gewalt, Mord, die Angst vor dem Unbekannten, fantastische Monstren – damals wie heute ein Erfolgsrezept.

Im 19. Jahrhundert ist die Horrorliteratur dann nicht mehr wegzudenken und nimmt immer vertracktere, teils philosophische oder psychologische Formen an. So schreckt Mary Shelleys Frankenstein oder Der moderne Prometheus doch gerade wegen der paranoiden, selbstzerstörerischen Psyche Viktor Frankensteins, weniger wegen des von ihm erschaffenen Monsters, welches zuletzt eher Mitleid als Angst erregt.

Siegeszug und Kommerzialisierung

Frankenstein © www.bl.uk
Frankenstein © www.bl.uk

Die Verfeinerung der Nuancen und Möglichkeiten des Genres, sowie der kommerzielle Siegeszug während des Viktorianischen Zeitalters führen im 20. Jahrhundert bereits zu einer Ubiquität des Genres. Die reiche Quellenlage von Mythen bis hin zu den zahlreichen Vorreitern des Genres, ermöglichen es Autoren wie H.P. Lovecraft sogar neue Mythenfiguren wie Cthulhu zu schaffen, sich wissenschaftlich mit dem Genre auseinanderzusetzen und kontemporär die Nerven eines breiten Publikums bis zum Zerreißen zu spannen.

Mit dem Beginn der Filmkunst, mit dem fast unmittelbar der erste Horrorfilm entsteht, steht dem Genre nun nichts mehr im Wege. Nichts lockt die Zuschauer mehr in die ersten sporadischen Kinos als der Nervenkitzel eines Gruselstreifens und so wandelt der erste Film-Frankenstein bereits 1910 über die Leinwand. Die nun folgende, fast erdrückende Welle von Autoren, Regisseuren und Künstlern, die Werke aus dem Horrorgenre fast wie am Fließband produzieren, ist nun nicht mehr aufzuhalten. Mit dem Erfolg wächst natürlich auch die Zahl der Kritiker, denn neben der Horrorliteratur entwickeln sich auch, vor allem in visuellen Medien, Subgenres wie Gore oder Splatter, welche eher die schonungslose Gewalt, als das Gruselerlebnis zum Mittelpunkt machen.

Allgemein lässt sich sagen, dass kaum ein anderes Genre der Literaturgeschichte so viel Begeisterung und gleichzeitig so viel Abneigung auf sich zieht. Dennoch ist es doch gerade dieser Zwiespalt, der der Horrorliteratur seiner Existenzberechtigung verleiht.

Autor: Tankred Hielscher