Lerche Dialekt: heute Berlinerisch

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Wer kennt ihn nicht, den Berliner Dialekt. In Deutschland ist die Berliner Schnauze weit bekannt. Dabei ist vor allem der derbe, aber herzliche Humor der Hauptstädter gemeint. Mehrere hundert Jahre alt ist der Berliner Jargon und verändert sich dank seiner Bewohner stetig weiter.

Berlinerisch – eben nicht nur ein Dialekt

Dabei ist der Berliner Dialekt in Wahrheit kein Dialekt. Sprachwissenschaftlich gesehen handelt es sich nämlich um einen sogenannten „Metrolekt“, eine in großstädtischen Zentren aus einer Mischung vieler unterschiedlicher Mundarten entstehende Stadtsprache. Dadurch, dass Berlin schon recht früh eine bedeutende Handelsstadt war, siedelten sich viele verschiedene Bevölkerungsgruppen an – so auch unterschiedliche Nationalitäten, die ihre eigenen Worte und Redewendungen ins Deutsche mitbrachten.

So lassen sich dann auch verschiedenste sprachliche Einflüsse finden wie etwa Flämisch, Französisch, Polabisch (u.a. Polnisch sowie Tschechisch) und Jiddisch. Auch das Niederdeutsch der Mittelmark und das Osterländische fanden seinen Niederschlag in dem Metrolekt. Letzter Dialekt verbreitete sich in Berlin durch intensive Handelsbeziehungen mit der Stadt Leipzig.

Zwar existiert ein Brandenburg-Berlinisches Wörterbuch mit dem Wortschatz und der Grammatik der Berliner Mundart, doch gibt es keinen genauen Konsens zur schriftlichen Fixierung, da der Dialekt sehr individuell eingesetzt wird und oft stark variiert.

Berliner Lokalkolorit im Roman Alles außer irdisch von Horst Evers

Nicht nur in der Hauptstadt wird berlinert. Auch in dem Science-Fiction Roman von Horst Evers, seines Zeichens Kabarettist und Autor zahlreicher Berliner Geschichten, geht es nicht ohne die Mundart. Mit humoristischen Einlagen und großem sprachlichen Witz nähert sich Evers in seiner Gesellschaftssatire den großen und kleinen Themen Berlins und der Welt.

So wird in der Geschichte tatsächlich der Flughafen BER eröffnet. Unglaublich, aber wahr… allerdings nur für wenige Sekunden. Denn dann stürzt ein großes Raumschiff auf die Startbahnen und verhindert so das Abheben der ersten Maschine vom BER auf ihrem Jungfernflug nach New York. Und für Goiko Schulz, einem mehr oder minder erfolgreichen Mittdreißiger, beginnt die Reise seines Lebens. Zusammen mit der Fahrradkurierin Kira, einem alten russischen Zeitreiseforscher und zwei Außerirdischen sowie einem ausrangierten Raumschiff wird er zur letzten Hoffnung der Menschheit und soll mit einer Klage vor dem intergalaktischen Gerichtshof die Verschrottung der Erde verhindern.

Signora, das berlinernde Raumschiff

Hauptverkehrsmittel der ungleichen Truppe ist das verschlissene Nahverkehrsraumschiff „Signora“. Und die berlinert, was das Zeug hält und hört sich dabei an wie ein übellauniger Busfahrer der Berliner Verkehrsbetriebe.

Und das klingt dann so:

„So, die Herrschaftn, ick hoffe, ick störe jetze nich unjebührlich Ihre jepflegte Unterhaltung, aba ick hätte hier jetze denn doch mal ’n Problem, dit ooch für Sie vielleicht nich ohne Belang is.“

„Hier startet jar nüscht, solange die hintere Tür nich rischtisch zu is. (…) Und ick hab Zeit.“

Hat euch der Berliner Charme des Raumschiffs überzeugt? Dann wartet nicht auf die Eröffnung des BER. Schnappt euch stattdessen Evers komisch-satirischen Roman Alles außer irdisch (erschienen 2016 bei Rowohlt; ISBN: 978-3871348150).

Autorin: Saskia Liske

Mythos Genie: Warum es besser ist, kein Genie zu sein

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Die meisten Menschen haben von Genies ein sehr romantisches Bild: nur wenige Menschen sind so begabt, dass sie besonders kreativ sein könnten. Noch heute sagen wir: von der Muse geküsst, also auserwählt für eine kreative Leistung. Normalsterbliche hingegen sind nichts Besonderes, nicht kreativ begabt – also kein Genie. Damit hält sich seit Jahrhunderten hartnäckig die Legende vom Genie. Während in der Wissenschaft dieses Konzept bereits ad acta gelegt wurde, scheint der Mythos in der Alltagskultur fest verankert zu sein.

Da Vinci, Shakespeare, Goethe, Schiller, Kafka, Hemingway… dies ist eine klassische Liste literarischer Genies. Zwei Dinge fallen dabei auf.  Zum ersten: Diese Schriftsteller haben sich mit Werken wie „Faust“ oder „Der Alte und das Meer“ in den literarischen Kanon eingeschrieben. Zum zweiten: Es sind männliche Genies. Fast immer, wenn von einem Genie die Rede ist, ist damit ein besonders kreativer Mann gemeint. Die lange Liste an männlichen Literaten und Künstlern beweist es immer wieder. Aber was genau ist ein Genie? Und wieso wird es fast ausschließlich zur Charakterisierung von männlicher Schöpfungskraft genutzt?

Das Wort Genie stammt im englischen Sprachraum vom lateinischen „Genius“ ab, ein Schutzgeist in der römischen Mythologie, der nur Männern innewohnte. In Deutschland und Frankreich geht das Genie zurück auf das lateinische „ingenium“, angeborenes Talent, ist aber seit der Renaissance ebenso männlich dominiert. Bis heute scheint sich daran kaum etwas geändert zu haben. Ein Blick auf den Literatur- und Kunstmarkt zeigt, wie stark immer noch in unserer Gesellschaft das Genie mit Männlichkeit verbunden ist. Aber was ist, wenn „das Genie“ nur ein Mythos ist? Eine Idee von etwas, das nicht existiert? Brauchen wir noch die Vorstellung eines männlichen Schöpfergeistes oder ist eine kreative Leistung nicht etwas, für das hart gearbeitet werden muss?

Geniestreiche kommen nicht von ungefähr

Der berühmte Heureka-Moment des Archimedes von Syrakus kann erst nach einer intensiven Auseinandersetzung mit Themen erfolgen und ist keinesfalls ein Geistesblitz. Thomas Edison formulierte es einmal sehr treffend: „Genie ist 1 Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.“ Damit funktioniert der Mythos nicht mehr, da kreative Schöpfung kognitive Arbeit voraussetzt.

Denn was ist Kreativität eigentlich und was macht sie aus? Kreativ ist etwas, was zugleich neu und brauchbar ist. Doch bevor dieses Neue da ist, schwirren so viele Ideen in unserem Kopf, die zunächst geordnet und nach ihrer Brauchbarkeit abgeklopft werden müssen. Um etwas Kreatives entstehen zu lassen, ist eine Auseinandersetzung mit vorangegangenen Ideen und Konzepten notwendig. Hierfür brauchen wir eine gewisse Entspannung, bei der instinktiv verschiedene Wissensgebiete im Gehirn miteinander verbunden werden, die beim bewussten Denken zunächst voneinander getrennt sind. Dies wird in der Kreativitätsforschung auch „Spreading Activation“ genannt.

Dafür braucht es Offenheit gegenüber den verschiedensten Themen und Erfahrungen sowie eine intensive Auseinandersetzung mit ihnen. Ein Genie kann das nicht leisten! Es bezieht Inspiration aus einem Vakuum, während Kreativität durch das kombinatorische Spiel funktioniert – wie Einstein es nannte. Freie Assoziationen formen neue Ideen, die dann gefiltert und geschliffen werden müssen. Dies erfordert Hartnäckigkeit und Anstrengung. Ganz anders also als die Vorstellung vom Genie, das von der Muse geküsst wird!

 Entmystifizieren wir das Genie

Kreative und herausragende Leistungen bekommen wir nicht einfach so, sondern wir müssen hart dafür arbeiten. Geben wir daher die Vorstellung vom Genie auf! Ein Mythos ist niemals so gut wie die Realität, denn diese Vorstellung braucht einen Glaubenssatz, eine Erklärung, dass etwas ist, wie es ist. Der Geniemythos funktioniert als Annahme, dass nur wenige Talentierte kreativ und schöpferisch tätig sein können. Doch das ist mittlerweile wissenschaftlich widerlegt! Der aktuelle Erkenntnisstand der Forschung ist, dass Kreativität eine normale menschliche Fähigkeit ist. Diese ist bereits von Geburt an vorhanden und kann jederzeit aktiviert sowie weiterentwickelt werden.

Warum wir das Genie dennoch so sehr lieben, liegt an unserer Kulturvorstellung. Deutschland, das Land der Dichter und Denker; Deutschland, das Land der Kultur und Innovation. Mit Einsetzen der Aufklärung, der Klassik und Romantik beginnen deutsche Intellektuelle einen Geniekult zu entwickeln. Dabei wird das Genie zum Schöpfer von Welten, in der Literatur wird der Dichter zum zweiten Gott. Somit wird Frauen von vornherein Schöpfungskraft versagt! Denn Gott ist ja bekanntermaßen männlich und zeugungsfähig. Da in dieser Argumentationslinie Schaffenskraft ein männlicher Part ist, sind Frauen damit niemals schöpferisch kreativ. So ist Weiblichkeit vor allem mit Tugenden wie Fleiß und Strebsamkeit verbunden, während Männlichkeit das Bild von Unabhängigkeit, Zeugungs- und Durchsetzungskraft transportiert. Das Genie muss demnach männlich sein!

Doch diese Vorstellung begrenzt uns jedoch in jeder Hinsicht. So denken wir, Männer sind fähiger als Frauen und Kreativität wäre eine besondere Gabe, die nur Auserwählte besitzen. Aber dieser Glaube ist gefährlich, denn er setzt einerseits weibliche Kreativität herab und andererseits – was vielleicht noch viel schlimmer ist – verhindert er neue Ideen.

Schaffen wir doch das Genie ab, denn wir brauchen es gar nicht

Damit wir kreativ in unserer modernen Gesellschaft tätig sein können, müssen wir demzufolge das Genie abschaffen! Denn der Glaube an es begrenzt und fesselt unsere Kreativität. Wir sind keine wartenden Sklaven der Muse, die erst zu uns kommen und uns küssen muss. Im Gegenteil: die absichtliche, aktive Kreativität kann bewusst sowie systematisch gesteuert und entwickelt werden. Dabei gibt es eine Vorbereitungs-, eine Inkubations- bzw. Reifephase, dann folgt eben jener Heureka-Moment und danach eine Bewertungs- und eine Ausarbeitungsphase. Ein langer Weg, den die Kreativität da durchläuft.

Dies ist dabei auch eine ganz andere Vorstellung als beim Mythos Genie, der darauf abzielt, Ideen als plötzliche Eingebung und Schöpfungsakt zu inszenieren. Schaffen wir diese Legende also endgültig ab, kehren wir dem Mythos den Rücken, wir brauchen ihn nicht mehr! Kreativität ist schließlich in jedem einzelnen Individuum vorhanden und lässt sich nicht nur auf ein „Genius“ oder „ingenium“ zurückführen.

Autorin: Saskia Liske

Frühling mit Büchern

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Der Frühling ist da! Sowohl meteorologisch, als auch kalendarisch und inzwischen sogar tatsächlich. Wie so vieles im Leben zelebriert man dies am besten mit Büchern. Gerade im Frühling gerät das Lesebedürfnis oft in Konflikt mit dem Verlangen nach Outdoor-Aktivitäten. In diesem Artikel finden sich einige Anregungen wie sich beides je nach Outdoor-Aktivität kombinieren lässt.

Der Winter hatte sich noch einmal aufgebäumt. Zum Leidwesen vieler ausgerechnet zur Leipziger Buchmesse. Aber das ist vergangen. Und bei dem Anblick von Sonnenschein und grünen Wiesen auch bald vergessen. Die Menschen zieht es jetzt nach draußen und gerne nimmt man sich ein Buch mit in das Café oder den Park. Dabei bietet sich je nach Stimmung unterschiedliches Lesematerial an.

In der Sonne schmökern

Wenn man sich in einer Geschichte verlieren will, während man in der Sonne sitzt, funktioniert das immer noch am besten mit einem Roman. In dem Debüt “Leinsee” von Anne Reinecke geht es um einen jungen Mann namens Karl, dessen berühmte Eltern nie viel Zeit für ihren Sohn übrig hatten. Inzwischen ist sein Vater jedoch verstorben und seine Mutter schwer erkrankt. Karl weiß nicht mit dieser Situation umzugehen und gerät in eine Krise. Das einzig Positive in seinem Leben ist die kleine Tanja, welche Karl zurück ins Leben hilft.

Auch wenn der Inhalt nach einer altbekannten Geschichte klingt, bietet einem dieses Buch viel Schönes und Neues. Der Roman erzählt nicht nur eine Geschichte über Liebe und Freundschaft, sondern auch über Kunst und wie es ist als erwachsener Mensch weiter zu reifen und weiter erwachsen zu werden.

Rein in die Natur

Für Alle, die im Frühjahr aktiver sein wollen als einfach in der Sonne zu faulenzen, ist das Buch “111 Gründe, den Wald zu lieben” von Simon Abeln eine Fundgrube an Anregungen und Informationen. Hier finden sich nicht seitenweise Beschreibungen von Flora und Fauna, sondern eine vielseitige Sammlung, die – je nach dem was man sich von einem Besuch im Wald verspricht – entsprechende Texte bereitstellt.

Gut strukturiert finden sich unter anderem Kapitel über die Wirkung des Waldes auf Körper und Geist, Unternehmungsmöglichkeiten mit Familie und/ oder tierischen Freunden und nützliches Wissen über seine Bewohner. Besonders empfehlenswert zu lesen ist zu dieser Jahreszeit der fünfte Grund „Weil er im Frühjahr ein Blütenmeer ist”. Mit Wortwitz und Leichtigkeit schafft dieses Buch, in einem die Lust zum Wandern und Entdecken zu wecken.

Die ganz großen Gefühle erleben

Auch im Frühling bleibt oft wenig Zeit um das schöne Erwachen der Natur zu genießen. Wer dennoch nicht ohne die großen Frühlingsgefühle sein möchte, wird bei der Geschichtensammlung “Frühling für Fortgeschrittene” von Reclam fündig.

Hier gibt es Geschichten von mehr als fünfzehn Autoren rund um den Frühling; von Klassikern wie Kurt Tucholsky der Vergangenheit bis hin zur Gegenwartsliteratur mit Vertretern wie Barbara Acksteiner. Kurzweilig und prägnant wird die eigene Freude über den Frühling noch verstärkt und eine Barriere gegen den Alltagstrott aufgestellt.

Autorin: Annekatrin Franke

Der Lerche-Veranstaltungskalender für April

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Nachdem der März und sein Wetter uns alle ganz schön durchgeschüttelt haben, soll nun auch noch der April machen was er will? Nein danke!
Das übernehmen wir für den kommenden Monat lieber selbst. Hier ein paar Vorschläge für einen guten Start in den Frühling.

 

28.03. – 02.04.2018

Ostermarkt und Historische Leipziger Ostermesse

Mit dem Osterwochenende starten wir in den April. Unterstützt wird das emsige Frühlingstreiben der Leipziger Innenstadt mit einem Ostermarkt. Lasst euch bei leckerem Essen und Trinken von Musikanten und Jongleuren unterhalten. Vielleicht findet ihr auch noch die ein oder andere Kleinigkeit für das Osterkörbchen.

Aufgepasst: am Karfreitag ist geschlossen

Location: Leipziger Innenstadt

Web: https://www.leipzig.de/freizeit-lultur-und-tourismus/veranstaltungen-und-termine/eventsingle/calender/2018/03/28/event/tx_cal_phpicalender/ostermarkt-und-historische-leipziger-ostermesse-2018

 

07.04.2018

PAINT CLUB Battle League – Vorausscheid Sachsen

An alle Urban Art Fans: der PAINT CLUB veranstaltet das erste Mal einen Wettbewerb für die hoch aktuelle Kunstform. Die Künstler müssen live vor einem Publikum ein kreatives Zeugnis ihres Talents ablegen. Heißt, es wird live und in Farbe Kunst geschaffen.

Beginn 19 Uhr (Einlass 18 Uhr)

Location: Westbad Leipzig

Monetos: kostenlose Tickets unter https://pcbl-sachsen.eventbrite.com/

Web: https://m.facebook.com/events/1587003834741013

 

10.04. – 15.04.2018

KURZSUECHTIG

Kurzes, aber großes Kino bietet das 15. Kurzfilmfestival vom KURZSUECHTIG Verein. Gezeigt wird neben Wettbewerbsfilmen regionaler Künstler auch ein Rahmenprogramm mit dem Schwerpunkt Italien und Panels bezugnehmend auf aktuelle Themen rund um den Kurzfilm.

Location: Kunstkraftwerk Leipzig

Monetos: von einzelnen Wettbewerbsangeboten für 5€ bis zu einem Festivalpass für 30€ ist alles möglich

Web: http://kurzsuechtig.de/

 

18.04.2018

Soundcheck-Philosophie-Salon: Philosophie & Wahnsinn?

Themen zum Diskutieren gibt es zu Hauf aber hier wird eine Schnittstelle geschaffen und zwar zwischen Kunst und Philosophie. Mit Hilfe von Theater, Performances, Literatur, Musik und bildenden Künsten soll zu einem öffentlichen Diskurs angeregt werden, nicht nur über philosophische, sondern auch über gesellschaftliche und politische Themen. Diskutiert mit oder lauscht still dem Treiben, intellektueller Input garantiert!

Beginn: 20:00Uhr

Location: Noch Besser Leben

Web: https://www.soundcheckphilosophie.de/aktuelle-veranstaltungen/soundcheck-philosophie-salon/

 

28.04. & 29.04.2018

10. handgemacht Kreativmarkt

Frei nach dem Motto: DIY, Recycling und Upcycling findet an diesem Wochenende der 10. Kreativmarkt in Leipzig statt. Über 250 lokale und internationale Künstler stellen ihr Handwerk in Bereichen wie Schmuck, Mode, Seifen, Floristik, Holz oder Metall aus. Man findet mit viel Liebe gefertigte Unikate oder wer selbst kreativ werden möchte auch ein großes Angebot an Stoffen, Perlen, Papierwaren und vielem mehr.

Beginn:           Samstag ab 11 Uhr (bis 18 Uhr)

Sonntag ab 10 Uhr (Bis 17 Uhr)

Location: Kohlrabizirkus Leipzig

Monetos: 5€ (Kinder bis 14 Jahren kostenlos)

Web: https://www.kreativmaerkte.de/mearkte/kreativmarkt-leipzig/

Autorin: Melody Schieck

Die Grundlagen der Kreativität

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Der Ursprung menschlicher Kreativität ist seit jeher eines der Rätsel, die die Wissenschaft zu lösen versucht. Neben den Grundlagen der Hirnforschung und der Genetik zur Erforschung des Gesamtprozesses, ergeben sich zu den neuen Erkenntnissen exponentiell daraus resultierende Fragen.

Wo Kreativität entsteht

Kreativitätsforschung ist ein gewaltiges Feld. Bisher bewiesen wurde unter anderem, dass innerhalb des menschlichen Gehirns mehr als ein Bereich für den Entwurf von Innovationen zuständig ist. Neben dem Stirnhirn und den Scheitellappen, die fleißig Signale austauschen, sind weitere Teile des Großhirns und tief sitzende Strukturen unterhalb der Hirnrinde aktiv, um die Zusammenarbeit mehrerer Areale und die gefühlsmäßige Bewertung neuer Ideen zu unterstützen.
Als ein Auslöser kreativen Denkens gilt die latente Inhibition. Als Reizhemmung schränkt sie bei gesunden Menschen die Wahrnehmung ein und schützt so das Hirn vor einer Reizüberflutung. Ist dieser Schutz zu schwach ausgeprägt, ist das Hirn nicht nur für Eindrücke und Informationen offener, sondern kann für Aufgaben auch effektiver bessere Lösungen finden. Ideale Grundlagen für kreatives Denken. Problematisch hingegen sind die dadurch fehlende Filterfunktion der Betroffenen und das erhöhte Risiko für psychische Erkrankungen.

Im Kampf mit der Psyche

Schizophrenie, Depression und Persönlichkeitsstörung sind die wohl bekanntesten psychischen Erkrankungen der kreativen Elite. Aus Familienstudien ist bekannt, dass die Neigung zur Schizophrenie auch vom Erbgut beeinflusst wird. Verdächtig dafür macht sich das 2002 entdeckte Gen Neuregulin 1, das unter anderem die Hirnentwicklung und die Kommunikation der Neuronen untereinander regelt.

In der Bevölkerung sind allgemein zwei Varianten des Gens verbreitet: C und T. Menschen, die zwei T-Varianten auf den Chromosomen tragen, haben nicht nur ein deutlich höheres Risiko für Psychosen, sondern sind gleichzeitig auch kreativer als Personen mit zwei C-Varianten.
Dass die Auswirkungen psychischer Erkrankungen auf das kreative Schaffen nicht unerheblich sind, ist beachtenswert. Eine schwach ausgeprägte bipolare Störung kann unter Umständen die künstlerische Leistung fördern. Depressive Phasen ermöglichen tiefe Einsichten in das menschliche Dasein während gemäßigt manische Phasen die Umsetzung beim Komponieren, Malen oder Schreiben erlaubt.

Was nach einer bemerkenswerten Erklärung für außergewöhnlich künstlerische Leistungen klingt, hat auch eine Schattenseite. Betroffene haben während der manischen Phasen meist hohe Konzentrationsprobleme, wodurch sie zumeist nicht zu nennenswert kreativen Leistungen fähig sind. Die Antwort auf das Rätsel um die Kreativität kann also nicht allein in psychischen Erkrankungen liegen.

Innovation als Prozess

Kreativitätsforscher unterscheiden das kreative Denken in fünf Phasen: Vorbereitung, Inkubation („Brüten“), Erkenntnis, Evaluation („Auswertung“) und Elaboration („Ausarbeitung“). Spätestens bei der Evaluation ist Intelligenz gefordert, um nützliche von nutzlosen Ideen zu unterscheiden und diese zu verwerfen.

Um intelligente Wunderkinder und kreative Geister zu erziehen, ist ein Aufwachsen in einem stimulierenden Umfeld unabdingbar. Eine breite Palette von Angeboten ist nötig, um die frühzeitige Förderung aller fünf Dimensionen der geistigen Entwicklung (kognitiv – kommunikativ – musisch-ästhetisch – motorisch – sozial-emotional) zu fördern. Dabei werden im Lernprozess Fähigkeiten und Wissen aus einem Gebiet ins andere übertragen und dadurch eine bessere Vernetzung der Hirnareale zu ermöglicht.
Geistige Flexibilität gilt als Grundlage für kreative Höchstleistungen und herausragende Intelligenz. In Verbindung mit einem guten Arbeitsgedächtnis schützen diese Grundlagen laut Studien zusätzlich davor, dass die Psyche Schaden nimmt.

Die Persönlichkeit – ein Künstlerstereotyp

Die gezielte Stimulierung der Dimensionen führt zur Ausbildung einer weiteren elementaren Grundlage für Kreativität, der Persönlichkeit. Aus psychologischen Lebenslauf-Analysen erfolgreicher Künstler ergeben sich typisierte Eigenschaften wie Unabhängigkeit, Nonkonformismus, Risikobereitschaft und Flexibilität, die sich durch unkonventionelles Benehmen und eine breite Spanne an Interessen ergänzen lassen.

Als Ergebnis resultiert stets eine komplexe Persönlichkeit, die in sich große Gegensätze vereinen und leicht von einem Extrem ins andere fallen kann. Dazu gehört, dass sie paradoxer Weise höchste Disziplin mit kindlichem Spieltrieb oder auch Verantwortungsgefühl mit Ungebundenheit vereinen können, in ihrer Art und ihrem Handeln rebellisch auftreten, aber dennoch die die Regeln ihres Fachgebietes lernen, bevor sie sie umstoßen.

Von wegen Außenseiter

Wie oft angenommen, sind kreative Leistungen also zumeist nicht das Werk einsamer, etwas irrer Genies, die das Bild des Künstlers in der Öffentlichkeit prägen. Neben verschiedenen Indikatoren spielt auch das Umfeld eine entscheidende Rolle. Die gesellschaftliche Siedlungsstruktur lässt sich weltweit viel mehr in kreative und weniger kreative Regionen unterteilen, in denen sich Menschen entfalten können. Die Indikatoren für kreative Potenziale sind dabei auch innerhalb von europäischen Städten unterschiedlich, auch wenn die Ausgaben für Forschung, Entwicklung und die Arbeitsstätten berühmter Wissenschaftler scheinbar homogen in den Kulturräumen verteilt sind.

Die Unterschiede liegen im Detail der räumlichen Konzentration. Zentren der Kreativität, wie Florenz im 15. und 16. Jahrhundert oder Paris und Wien um 1900, ziehen innovative Geister fast schon magisch an. Denn Kreativität entsteht in der Interaktion mit dem Umfeld, von denen eines sowohl anregend und herausfordernd wirken kann, wie in anderen Ideen aus verschiedenen Gründen auf Unverständnis und Widerstand treffen können.

Ein kreativer Kopf braucht Mitstreiter, die ihm helfen Kapitalgeber anzulocken und neue Verfahren und Prozesse zu entwickeln oder durch die Kommunikation des Wertes der Idee andere Menschen zu überzeugen, wenn er dazu selbst gerade nicht fähig ist. Liegen diese Grundlagen nicht vor, kann sich auch die beste Idee nur schwerlich entwickeln und ihre Chance nutzen, verwirklicht zu werden.

Autorin: Frances Liebau

Die Leipziger Lerche auf der Leipziger Buchmesse 2018: Buch Voraus

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Auch wenn Leipzig gerade von Schnee und Eis bedeckt ist, findet wie jedes Jahr die Leipziger Buchmesse statt. Überall in der Stadt gibt es Lesungen und spannende Einblicke in die Welt der Bücher. Hier in Leipzig kommt zusammen, was zusammengehört: Bücher, Autoren, Verlage und Leser!

Einblicke in Rumäniens Bücherwelt auf der Leipziger Buchmesse

Obwohl das diesjährige Gastland Rumänien laut einer Eurostat-Umfrage von 2011 im EU-Vergleich zu den Ländern mit dem geringsten Bücherkonsum gehört und die Durchschnittsauflage für einheimische zeitgenössische Literatur in der Regel nur bei 1.000 bis 1.500 Exemplaren pro Buchtitel liegt, ist das Interesse an rumänischer Literatur gerade auf einem Höchststand. Zu den beliebtesten Autoren zählt Mircea Cartarescu, der in den letzten Jahren erfolgreich Romane und Kurzgeschichten veröffentlichte.

Auf der Buchmesse war es nunmehr möglich, die Facetten dieses osteuropäischen Landes kennenzulernen. Verschiedene Veranstaltungen wie beispielsweise das Forum OstSüdOst näherten sich dem Land auf charmante Art und Weise, Lesungen rumänischer Autoren wie Dana Grigorcea, Gabriela Adamesteanu und Mircea Dinescu oder der in Rumänien geborenen Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller sowie eine Diskussionsrunde rumänischer Gegenwartsliteraten zogen die Buchmessebesucher in ihren Bann.

Die Lerche auf der Leipziger Buchmesse

Auch die Leipziger Lerchen der HTWK waren auf der Buchmesse unterwegs und verteilten am Stand Studium Rund ums Buch die frisch gedruckte Leipziger Lerche #48, die von allen Seiten begeistert aufgenommen wurde. Der neugestaltete Stand des Messeteams der HTWK war Anlaufpunkt für Studieninteressierte oder ehemalige HTWK-Studenten. Mit spannenden Würfelspielen und Quizzen rund um Bücher, Literatur und den Studiengängen selbst, war es ein gelungener Messeauftritt.

Ebenso gut besucht war die AusbildBar der Gutenberg-Schule. Mit viel Liebe zum Detail haben die Auszubildenden zusammen mit der Schulleiterin der Berufsschule und der Messeleiterin ihren Stand gestaltet. Das Messeteam der AusbildBar brachte Besuchern die Ausbildungsberufe rund ums Buch näher und Interessierte ließen sich den einen oder anderen Buchtipp gleich mitgeben.

Schneechaos, Comics und Cosplay auf der Leipziger Buchmesse

Neben vielen Lesungen bekannter und noch zu entdeckenden Autoren, kamen erneut auch die Manga- und Comicfreunde auf ihre Kosten. Halle 1 war erneut Anlaufpunkt für unzählige Freunde der europäischen, japanischen und amerikanischen Comickunst. Begeisterte Cosplayer trafen sich in bunten Kostümen und eiferten ihren Idolen aus Comics, Mangas, Animes und Graphic Novels nach.

Am Wochenende kamen trotz des heftigen Schneetreibens und der daraus resultierenden schwierigen Verkehrslage bei der Deutschen Bahn und den Leipziger Verkehrsbetrieben dennoch zahlreiche Besucher, die sich die Freude an der Literatur vom Wetter nicht verderben ließen. Und wenn die Buchmesse die Tore für dieses Jahr schließt, die Besucher glücklich und beseelt nach Haus strömen, wissen wir die Leipziger Buchmesse gibt es auch wieder nächstes Frühjahr. Dann hoffentlich auch ohne Schneechaos und vereiste Schienen.

Autorin: Saskia Liske

 

Aufgeschlagen: Buch-Rezensionen

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„LSD – mein Sorgenkind“ von Albert Hofmann

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei.“ – Paracelsus

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Heute wird die Entdeckung von LSD fälschlicherweise für einen Zufall gehalten. Stattdessen stieß der Schweizer Chemiker Albert Hofmann während einer geplanten Forschungsarbeit auf dem Gebiet des „Mutterkorns“ im April 1943 auf die Wirkung des Lysergsäure-Diathylamid (LSD).

Nach diesem ersten Kontakt boomte die Forschung auf diesem Gebiet. LSD war für den medizinischen Gebrauch in der Psychotherapie äußerst vielversprechend und wurde nicht nur in Fachzeitschriften, sondern auch in der allgemeinen Presse hoch gelobt und angepriesen. Diese verharmlosenden Darstellungen hatten gefährliche Selbstexperimente zur Folge. So entwickelte sich die Innovation zum persönlichen Sorgenkind von Albert Hofmann.

Hofmann erzählt in seinem Buch die Geschichte eines Wirkstoffes der sich von einem therapeutisch wertvollen Arzneimittel zu einer „Wunderdroge“ entwickelte. Auch man selbst findet sich während des Lesens im Zwiespalt von Faszination und Entsetzen wieder. Albert Hofmann malt mit dieser Veröffentlichung weder Schwarz noch Weiß. Er klärt auf, warnt vor Missbrauch und zeigt zugleich verlorene Chancen auf, das eigene Bewusstsein zu erweitern. Mit dem Genie eines Wissenschaftlers schafft er den Wahnsinn der Gesellschaft und findet seinen Frieden im Tod.

Klett-Cotta
19,95 €
224 Seiten, Gebunden
ISBN 978-360894618

„Selbstmord“ von Édouard Levé

„Diejenigen, die alt sterben, sind ein Brocken Vergangenheit. Man denkt an sie und sieht, was sie waren.  Man denkt an dich und sieht, was du hättest sein können. Du warst und bleibst ein Brocken Möglichkeiten.“ [aus „Selbstmord“, S. 11]

© Matthes & Seitz Berlin

In dem Werk von Levé begleiten wir einen Mann, der sehr in sich gekehrt ist und vieles auf andere Art und Weise betrachtet. Er versucht immer alles unter Kontrolle zu behalten und ins kleinste Detail zu planen. Mit seiner Frau lebt er zusammen in einem einfachen Haus, Kinder haben sie keine und sein Job erfüllt ihn nicht. Von Anfang an, wirkt der Mann depressiv, nachdenklich und wie ein Mensch, der nicht über seine Gedanken redet, sondern alles mit sich selbst ausmacht. Er hat mit Mitte zwanzig schon mit einigen Problemen zu kämpfen gehabt und wählte letztlich den Freitod. Seine drastische Entscheidung ließ Familie und Freunde schockiert zurück, denn es gab nach außen hin keine offensichtlichen Anzeichen, die auf sein Vorhaben hindeuteten. Erinnerungen des Autors über den Verstorbenen, bieten einen Einblick auf dessen Leben.

Levé hat das Buch aus der Du-Sicht geschrieben und versucht mit diesem Werk den Tod eines Freundes zu verarbeiten und Antworten auf die vielen offenen Fragen zu bekommen. Es ist kein langes Werk, dafür aber eines, das lange nachklingt und zum Denken anregt.

Nachdem der Autor das Manuskript seinem Verleger zukommen ließ, erhängte er sich.  Spekulationen wurden laut, ob Levé seinen Freitod geplant und was sein Roman damit zu tun hatte. Eines ist jedoch sicher – selten gab es ein Werk, das einen Selbstmord so frei heraus behandelt und dessen Titel keinen Raum für Spekulationen lässt.

 

Matthes & Seitz Berlin
17,90 €
128 Seiten, Gebunden
ISBN 978-3882215915

 

Autorinnen: Melody Schieck und Jana Menke

Lerche liest: Körpertauschgeschichten

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Haben wir nicht alle einmal das Gefühl, gern eine andere Person sein zu wollen? Aber was wäre, wenn genau das passieren würde? Jemand anderes sein, einen anderen Körper zu haben. Dieser Frage gehen einige Bücher nach, die hier nachfolgend vorgestellt werden.

Für Romantiker: Letztendlich sind wir dem Universum egal von David Levithan

© Fischer Verlag

 

A ist ein ganz besonderer Mensch. Denn jeden Morgen wacht er in einem anderen Körper und in einem anderen Leben auf. Um zu überleben, hat er einen Grundsatz: Lass dich nicht zu sehr auf dieses Leben ein. Dann macht ihm das Leben einen Strich durch die Rechnung: er verliebt sich in Rhiannon. Doch wie kann Rhiannon A lieben, wenn dieser täglich ein anderer Mensch ist?

Dieses vielschichtige Buch erzählt tiefgründig von den ganz großen Themen des Lebens mit all seinen Facetten. Mit klarer, einfühlsamer Sprache nähert sich der Autor seinen Protagonisten und fragt dabei eindringlich, wie lieben und leben Menschen und welche hat das Geschlecht in der Gesellschaft.

 

 

David Levithan: Letztendlich sind wir dem Universum egal

Fischer Verlag

Taschenbuch, 416 Seiten, 9,99 Euro

ISBN: 9783596811564

Mehr Informationen unter:

https://www.fischerverlage.de/buch/letztendlich_sind_wir_dem_universum_egal/9783596811564

 

Für Literaturliebhaber: Plötzlich Shakespeare von David Safier

© Rowohlt Verlag

 

Rosa ist ein Klischee, wie es im Buche steht. Als sie der Liebeskummer nicht mehr loslassen will, will sie sich per Hypnose helfen lassen. Allerdings rechnet sie nicht mit einer speziellen Nebenwirkung. Zwar befindet sich Rosa in der Vergangenheit, in einem früheren Leben, aber das ist kein Geringerer als William Shakespeare. Und erst, wenn sie herausgefunden hat, was die wahre Liebe ist, darf sie zurück in die Gegenwart.

Mit viel Humor beschreibt Safier in seinem Buch die Suche nach Liebe und dem eigenen Selbst. Besonders unterhaltsam sind die Streitgespräche, die Shakespeare in Gedanken mit Rosa führt. Mit ironischen Untertönen und einem treffsicheren Gespür für Situationskomik und menschliche Schwächen ist dies eine spannende Körpertauschgeschichte.

 

David Safier: Plötzlich Shakespeare

Rowohlt Verlag

Taschenbuch, 320 Seiten, 8,99 Euro

ISBN: 9783499268274

Mehr Informationen unter:

https://www.rowohlt.de/taschenbuch/david-safier-ploetzlich-shakespeare.html

 

Für Fantasten: Die Masken des Morpheus von Ralf Isau

© Cbj Verlag

 

Arian, der Hauptprotagonist des Romans und von Beruf Gaukler, wird unfreiwillig zum Körpertauscher, als er in London einem alten Mann begegnet. Kurz darauf findet er sich im Körper eben jenes Alten wieder. Um in seinen Körper wieder zurückkehren zu können, muss er ihm quer durch Europa folgen. Dabei begegnet Arian eine Verbündete, die ihn aufklärt, dass ihn Morpheus, ein sehr mächtiger Körpertauscher, hereingelegt hat.

Spannend und abenteuerlich geht es bei Isau zu. Die Handlung führt von London nach Frankreich, wo die Französische Revolution im Gange ist. Gekonnt verbindet Isau belegte historische Figuren mit deiner phantastischen Erzählung. Die magischen Elemente kommen hier nicht zu kurz und fügen sich dabei aber nahtlos in die historische Szenerie ein.

 

Ralf Isau: Die Masken des Morpheus

Cbj Verlag

Hardcover, 500 Seiten, 17,99 Euro

ISBN: 9783570138359

 

Für SciFi-Fans: Das Unsterblichkeitsprogramm von Richard Morgan

© Heyne Verlag

 

Was momentan als Netflix-Serie läuft, gibt es auch als Buch. Die Geschichte um den ehemaligen Elitesoldat und Söldner Takeshi Kovacs, dessen Geist nach einer Gefängnisstrafe mit Einlagerung fünfhundert Jahre wieder in einen neuen Körper heruntergeladen wird, fesselt nicht nur Sciene-Fiction Freunde. Denn Kovacs wird von Bancroft, einem reichen und jahrhundertealten Meth, einem Methusalem, beauftragt, dessen eigenen Tod zu untersuchen.

Während der zynische Anti-Held auf Kriminalsuche geht, spricht der Autor in seinem Buch so wichtige Themen wie Identität und Persönlichkeit, Verantwortung und Sühne, Vergänglichkeit und Ewigkeit an. Sciene-Fiction wie Krimi Elemente zeichnen ein interessantes Bild von einer Gesellschaft, die nie genug bekommen kann und deren Antwort auf das Leben konsequent Exzesse sind.

 

Richard Morgan: Das Unsterblichkeitsprogramm

Heyne Verlag

Taschenbuch, 608 Seiten, 9,99 Euro

ISBN: 9783453318656

Mehr Informationen unter:

https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Altered-Carbon-Das-Unsterblichkeitsprogramm/Richard-Morgan/Heyne/e518489.rhd#biblios

Autorin: Saskia Liske

Der Lerche-Veranstaltungskalender für März

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Der Monat März widmet sich zu einem großen Teil der Leipziger Buchmesse, doch auch für Leipziger, die nicht auf Bücher stehen gibt es in unserer wunderschönen Stadt wieder einiges zu entdecken. Einige Highlights findet ihr nachfolgend.

15.03.2018 – 18.03.2018

Leipziger Buchmesse

Bücherfreunde aufgepasst! Deutschlands größte Buchmesse lockt mit unzähligen Neuerscheinungen und Frühjahrsereignissen der Buch- und Medienbranche. Autoren, Leser und Verlage treffen zusammen, um sich zu informieren, auszutauschen und Neues zu entdecken. Das Lesefest „Leipzig liest“ begleitet die LBM und bietet Interessierten ein spannendes Leseerlebnis an besonderen Veranstaltungsorten.

Location: Neue Messe Leipzig sowie die gesamte Stadt Leipzig

Web: http://www.leipziger-buchmesse.de/

03.03.18, 10:00 Uhr

54. Fockeberglauf

Der jährliche Kultlauf lockt auch dieses Jahr wieder viele Teilnehmer und Sportwütige an den Fuße des bekannten Schuttberges. Die Strecke hat sich, wie auch in den Vorjahren, nicht verändert. Läufer haben die Wahl zwischen einem Fitness- oder Hauptlauf (6 km/ 12 km).

Location: am Fuße des Fockeberges

Web: http://www.leipziger-triathlon.de

 

09.03.18 – 11.03.18

Internationale Ostereierbörse „Leipziger Eierlei“

Eier- und Osterliebhaber mit ausgefallenem Geschmack kommen hier auf ihre Kosten. Bestaunt werden können hier Eier jeglicher Größe, sowohl von Hühner, als auch von Wellensittichen oder Wachteln. Dreißig Künstler aus Deutschland und dem Ausland stellen hier ihre farbenfrohen und kreativen Kunstwerte aus.

Location: Alte Börse

Monetos: 4 € Erwachsene

Web: http://www.leipziger-eierlei.de

 

23.03.18 – 25.03.18 

Europäische Tage des Kunsthandwerkes

Designer, kreative Unternehmen und Kunsthandwerker öffnen ihre Tore für Neugierige. Hier kann hinter die Kulissen gelinst werden und die unzähligen Mitmachaktionen kitzeln das kreative Können jedes Teilnehmers heraus.

Location: verschiedene Veranstaltungsorte

Web: http://www.leipzig.kunsthandwerkstage.de

 

28.03.18 – 02.04.18

Ostermarkt und historische Leipziger Ostermesse

Musikanten und Schausteller runden das Ambiente des historischen Ostermarktes in der Innenstadt ab. Die Angebote der Händler sind sehr unterschiedlich und vielfältig. Hier und da können die Besucher Kuriositäten und Unbekanntes entdecken und sich in eine vergangene Zeit entführen lassen.

Location: Leipziger Innenstadt

Web: https://www.leipzig.de/freizeit-kultur-und-tourismus/einkaufen-und-ausgehen/maerkte/ostermarkt/

Autorin: Jana Menke

Tod und Trauer im Verlag – Ein Thema über das keiner reden, aber viele lesen wollen

© pixabay.com

Was früher nur Sache der Kirche war, übernehmen seit einiger Zeit auch Verlage: Trauerhilfe. Sie erschließen damit einen neuen Teil des Buchmarktes und fungieren als Therapeuten für Autoren und Leser.

Im Mittelalter war der Tod ein ständiger Begleiter der Menschen. Durch Seuchen und Hungersnöte starben Viele, wobei oftmals feierliche Zeremonien stattfanden. Die Fenster und Türen wurden geschlossen, Kerzen entzündet und man versammelte sich um das Bett des Sterbenden. So konnten alle Abschied nehmen und an das Leben des Verstorbenen zurückdenken. Außerdem betete der Sterbende zu Gott, um die Vergebung seiner Sünden. Nach dem Tod wurden eine Reihe von Ritualen durchgeführt. Es wurde ein Fenster geöffnet, damit die Seele des Verstorbenen entweichen konnte und alle Spiegel im Haus verhängt. Die Verwandten wuschen den Toten und bahrten ihn im Haus auf, damit jeder, der zu Besuch kam, sich noch einmal von ihm verabschieden und für ihn beten konnte. Am Tag der Beerdigung, wurde der Sarg gemeinsam zum Friedhof getragen. Der Tod traf die Menschen damals nicht so hart, da man glaubte, er sei nur ein Übergang in ein besseres Leben und da früher hauptsächlich in Gemeinschaft getrauert wurde. Man hielt noch an traditionellen Trauerritualen fest. Seitdem hat sich das Verhältnis zum Tod geändert, denn heute ist es zur individuellen Angelegenheit geworden.

Wer verlegt diese Bücher?

Da uns das Thema Tod alle irgendwann beschäftigt hat oder wird, besitzen auch viele Verlage in ihrem Sortiment einige Bücher dieser Rubrik. Es gibt jedoch wenige Verlagshäuser, die sich ausschließlich damit beschäftigen.

Ein Beispiel ist der Thomas Verlag Leipzig. Er wurde im Mai 1990 von Theologe Paul Gerlach und Thomas Blankenburg, Ingenieur für Polygrafie gegründet. Seit einigen Jahren besitzen sie ihre eigene Druckerei. Der Verlag verkauft hauptsächlich Trauerkarten und Urkunden für kirchliche Feste, wie z. B. Konfirmation und Taufe. Aber auch biblische Texte in Form von Büchern, die bei der Trauerbewältigung helfen sollen, werden verlegt. Ihnen ist es ein besonderes Anliegen, hoch qualitative und anspruchsvolle Fotos auf ihren Trauerkarten zu präsentieren, da gerade in Zeiten des Verlustes und Trauerns Bilder und Zeichen mehr sagen können als Worte.

Meistens bieten Verlage nebenbei auch Bücher zu religiösen und spirituellen Themen an, wie der Patmos Verlag beweist. Die Patmos Verlagsgruppe ist seit 2010 in Mannheim ansässig und gehört zum Cornelsen Verlag. Sie verkaufen sowohl Bücher für Trauernde, als auch Ratgeber für Trauerbegleiter neben Themen wie Meditation, Christentum und Depression.

Es existieren auch viele Ratgeber Verlage, die sich mit der Trauerbewältigung beschäftigen, wie z. B. der PAL Verlag. Er setzt sich auch damit auseinander wie man Menschen helfen kann, die sich die Schuld für den Tod eines Anderen geben oder ob man nach dem Verlust des Partners eine neue Beziehung eingehen sollte.

Wer kauft die Bücher?

Es werden natürlich vorwiegend Hinterbliebene angesprochen, die sich erhoffen, den Kummer durch die Bücher zu bewältigen. Dies sind meist Erwachsene und Senioren. Aber auch Kinderbücher zum Thema Tod kann man erwerben, wie z.B. beim Lebensweichen Verlag. Sie klären kindgerecht über den Tod und die damit verbundene Trauer auf, um Eltern in ihren Erklärungen zu unterstützen. Auch Freunde und Bekannte aus dem Umfeld des Trauernden kaufen diese Bücher, um sie entweder an das Trauerhaus zu verschenken oder sich selbst Rat zu holen, wie sie in dieser Zeit am besten helfen können. Außerdem interessieren sich gelegentlich Jugendliche und Erwachsene unabhängig von einem Trauerfall für Bücher dieser Art. Die Nachfrage wird wohl deswegen zukünftig konstant bleiben.

Wie nahe sind die Verlage am Thema?

Im letzten Jahr erwarb Christiane zu Salm den Berliner Verlag Nicolai, einer der ältesten Buchverlage Deutschlands. Sie ist gelernte Verlagsbuchhändlerin und war zuvor sowohl im Fernsehen, als auch als ehrenamtliche Sterbebegleiterin tätig. Im Jahr 2013 veröffentlichte zu Salm den Bestseller „Dieser Mensch war ich“, in dem sie Personen auf dem Sterbebett nach ihrem persönlichen Resümee fragte. Die überraschend ehrlichen Rückblicke auf das Leben dieser Menschen, berührten viele Leser. Letztes Jahr erschien die Fortsetzung „Weiterleben. Nach dem Verlust eines geliebten Menschen“. Christiane zu Salm hat selbst seit der Kindheit mit dem Tod ihres kleinen Bruders zu kämpfen und weiß daher, wie schwer das Weiterleben tatsächlich ist. Diese Bücher sind also auch eine Art an ihrer eigenen Trauer zu arbeiten. Vorwiegend möchte sie aber den Lesern Mut machen sich für ein neues Leben nach dem Verlust zu öffnen, indem sie zeigt, dass es schon Menschen vor ihnen geschafft haben. Zwischenzeitlich war zu Salm geneigt aufzuhören, da einige Schicksale sie sehr belastet haben, aber es ist ihr ein persönliches Anliegen, dass diese Geschichten erzählt werden. Am wichtigsten ist es zu akzeptieren, dass jeder anders trauert, meint sie.

Therapie für Autoren und Leser

Man hört nicht nur von Christiane zu Salm, sondern auch von einigen anderen Autoren, dass sie ein Buch geschrieben haben, um ihre Trauer zu verarbeiten. Man könnte also annehmen, dass sie gar nicht für die Leser schreiben, sondern nur für sich selbst. Aber dann würden sie ihre Bücher wohl kaum veröffentlichen. Die Autoren erhoffen sich, mit ihren niedergeschriebenen Gedanken auch anderen Menschen zu helfen. Denn meistens herrscht nach dem Trauerfall eine große Sprachlosigkeit der Betroffenen. Sie wollen lieber darüber lesen, anstatt zu reden. Natürlich beabsichtigen die Autoren nicht, dass Bücher zur dauerhaften Alternative gegenüber der Kommunikation mit anderen Menschen werden. Sie sollen lediglich dabei helfen, dass Trauernde sich Zeit für sich selbst nehmen, um sich danach leichter Anderen öffnen zu können.

Der Tod und die Trauer scheinen immer noch Tabuthemen in der Verlagsbranche zu sein. Zwar gibt es vereinzelte Bücher, die sich in den Sortimenten der Verlage finden lassen, aber dies ist kein Vergleich zu Themen wie Vampire, Liebe, Kochen usw. Es wird jedoch sichtbar, dass es sich durchaus lohnt, sowohl für Verlage, als auch für Autoren und Leser, sich mit Trauerbewältigung zu beschäftigen.

Autorin: Janka Diettrich