Livraria Lello – die schönste Buchhandlung der Welt

Livraria Lello – die schönste Buchhandlung der Welt

Die „Lello Buchhandlung“, auch bezeichnet als Livraria Lello und Livraria Chardron, befindet sich in der Gemeinde Porto im Norden Portugals. Zusammen mit Bertrand in Lissabon, ist es eine der ältesten Buchhandlungen in Portugal und eine der am Bestbewerteten auf der ganzen Welt: The Guardian und Lonely Planet setzen die Livraria Lello auf Platz drei. Die Buchhandlung umfasst ein Sortiment von ca. 150.000 Büchern und wird aufgrund ihrer wunderschönen Architektur nur die „Kathedrale der Bücher“ genannt.

 

Geschichte

1869 wurde die Livraria Internacional de Ernesto Chardron in der Rua dos Clerigos von einem Franzosen namens Ernesto Chardron gegründet. Dem Tod ihres Gründers im Alter von 45 Jahren,folgend, wurde die Firma an Lugan & Genelioux Sucessores verkauft. Im Jahr 1894 kaufte José Pinto de Sousa Lello die Livraria Chardron und ihren gesamten Inhalt. Er und sein Bruder beauftragten daraufhin den Ingenieur Francisco Xavier Esteves, auf der Rua dos Carmelitas eine neue Buchhandlung zu konstruieren. 1906 folgte die Eröffnung der Buchhandlung mit dem Namen Livraria Lello. In den neunziger Jahren wurde das Gebäude restauriert und steht seit 2013 unter Denkmalschutz.

 

Architektur

Francisco Xavier Esteves konstruierte die Livraria Lello in neogotischem Stil. Die südländisch orientierte Fassade besteht aus Granit, Holz und Mauerwerk. Sie wird durch dekorative Elemente, wie geometrische Figuren und den Firmennamen „Lello e Irmãos“ (Lello & Brüder) ergänzt. Die Inneneinrichtung dominiert eine gabelförmige Treppe, die hinauf zur ersten Etage führt. Über dieser Treppe befindet sich ein großes Buntglasfenster mit Ornamenten. Entlang der Wände sind Büsten von berühmten portugiesischen Autoren angebracht, sowie ein Satz Reliefs, der die Gründer Jose und Antonio Lello repräsentiert.

Pic Livraria Lello
Die zauberhafte Eingangshalle. © dinheirovivo.pt

 

Tourismus

Im Juli 2015 begann die Buchhandlung von Besuchern Eintritt zu verlangen. Sie erweiterte ihr Sortiment an klassischer portugiesischer Literatur und Lyrik um Postkarten, Reiseführer und Kosmetik-Produkte wie Parfüm und Seife. Zurzeit liegt der Eintrittspreis bei 3 Euro – dieser wird jedoch beim Kauf eines Produktes wieder abgezogen.

In der Hochsaison besuchen die Livraria Lello rund 5.000 Touristen am Tag. Diese haben die Möglichkeit, beim Lesen im Cafe der ersten Etage einen Espresso oder Portwein zu trinken. Damit man sich dabei Zeit lassen kann, hat die Buchhandlung täglich neun Stunden geöffnet.

 

Auch für Harry-Potter-Autorin J. K. Rowling ist diese Buchhandlung ein besonderer Blickfang. Sie ließ sich während ihres Aufenthaltes in Portugal von der Livraria Lello inspirieren und die Eindrücke in ihre Werke einfließen. Als Fan der Bücher sollte man sich diesen Ort also vormerken – aber auch für Liebhaber von Architektur und Literatur lohnt sich ein Besuch.

 

Autorin: Janka Diettrich

Die Buchhandlung der Zukunft

Die Buchhandlung der Zukunft

Bücher wird es in einer Buchhandlung in naher Zukunft nicht mehr geben. Dieser Meinung sind viele Leute. Ich hingegen denke, dass zwar E-Books wesentlich gefragter sein werden, das haptische Buch allerdings nicht aussterben, sondern sich nur verändern wird. Auch Buchhandlungen werden sich einem Wandel vollziehen. Hier nun meine Meinung, wie diese Transformation aussehen könnte. 

Dabei meine ich mit Zukunft nicht 5,10 oder 15 Jahre, sondern schon etwas ferner.

© pixabay
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Viele Leute versuchen sich mithilfe von Büchern in eine andere Zeit, an einen anderen Ort und in eine andere Stimmung zu versetzen. Ich denke die Buchhandlungen greifen diese Vorlieben auf und versuchen dank Virtual Reality den Kunden noch mehr das Gefühl zu geben weit weg zu sein. Ich stelle mir das so vor, dass Buchhandlungen Räume besitzen, in denen sich der Kunde an einen anderen Ort versetzen kann, beispielsweise an einen See im Grünen. Dort würde er dann virtuell sein Buch lesen. Oder aber er lässt sich direkt in die Handlung des Buches „beamen“. Allerdings wäre das für die Buchhandlungen vielleicht eher kontraproduktiv, weil das Lesen nicht mehr im Vordergrund stünde, sondern nur noch die Handlung des Buches. Es wäre also eher, wie als würde der Kunde in einem Film stecken.

Der zukünftige Service einer Buchhandlung

In der Buchhandlung wird es vermutlich auch kein Personal mehr geben, sondern softwaregesteuerte Berater, die anhand von Feedback aus dem Internet ein Buch empfehlen, was zu den Vorlieben des Kunden passt. Vermutlich würde dieser Service aber etwas kosten um die Instandhaltung der Berater zu finanzieren. Auch der E-Book-Service würde weiter ausgebaut werden.

Vielleicht gibt es zukünftig große Bildschirme, damit der Kunde schnell in ein Buch lesen kann um zu entscheiden, ob er das E-Book kaufen will. Alles in allem wird die Buchhandlung der Zukunft sehr viel technischer aufgebaut sein. Kleine süße Buchhandlungen, wie es sie heutzutage schon immer seltener gibt, werden fast ganz verschwinden oder zu Lesecafés umgebaut werden. Das Lesen von Büchern oder E-Books wird in Zukunft kein Nebenbei-Lesen mehr sein, es sei denn, man ist unterwegs. Ich glaube nicht, dass die Technik so weit voranschreitet, dass man sich auf dem Weg zur Arbeit kurz an seinen Lieblingsplatz beamen und lesen kann. Dazu wird mehr Equipment genötigt. Die Technik dafür werden sich nur die wenigstens leisten können.

Die zukünftige Vielfalt einer Buchhandlung

Das wird die Buchhandlung ausnutzen und ihren Service nicht mehr darin sehen Bücher zu verkaufen, sondern vor allem einen Platz der Ruhe und Zufriedenheit um ein Buch zu lesen. Die Welt wird immer stressiger werden mit immer mehr Zeitdruck und Terminen, so dass die Buchhandlung eine sanfte Oase in dem ganzen Chaos sein wird. Jedoch wird der Kundenkontakt von Mensch zu Mensch fehlen oder kaum noch vorhanden sein. Es gibt jetzt schon wenige Menschen, die sich in einer Buchhandlung wirklich beraten lassen. Die meisten wollen eine große Auswahl – und ihre Ruhe.

Der Buchhändler des Vertrauens ist schon seit einiger Zeit in der Liste der bedrohten Arten zu finden und immer mehr Buchhandlungen schließen, weil sie den Druck der großen Giganten der Buchhandelsbranche nicht mehr Stand halten können. Und so werden in Zukunft nur noch diese Riesen die Buchhandlungen führen. Das Abstrakte daran wird sein, dass es in Zukunft bestimmt einige Kunden geben wird, die sich kleine, süße Geschäfte zurückwünschen. Aber dank Virtual Reality ist das dann auch kein Problem mehr.

Autorin: Melanie Uhlig

J. F. Cotta: Der Napoleon des deutschen Buchhandels

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(c) wikipedia.de

Zwei der weltweit bekanntesten deutschen Schriftsteller, Goethe und Schiller, außerdem mit Wieland und Herder die beiden anderen Geistesgrößen des Weimarer Viergestirns. Jean Paul, Fichte, Hölderlin, Hegel, Pestalozzi und Alexander von Humboldt – alle hatten sie denselben Verleger. Im Vergleich zu seinen Autoren, ist sein Name jedoch weniger geläufig: Johann Friedrich Cotta. Wer war der Mann, der die aufklärerischen Ideale und Ideen, viele philosophischen und wissenschaftlichen Erkenntnisse einer ganzen Epoche unter seinem Haus vereinigte?

Geboren wurde Cotta 1764 in Stuttgart. Er studierte Mathematik, Geschichte, Jura, ehe er mit 23 Jahren die wenig glanzvolle, Cotta’sche Verlagsbuchhandlung seines Vaters in Tübingen übernahm. Obwohl er zunächst wenig Interesse an der Übernahme hatte, formte Cotta in wenigen Jahren aus dem provinziellen Kleinunternehmen den bedeutensten Universalverlag seiner Zeit. Er verlegte über 60 Zeitungen und Zeitschriften, u. a. Schillers Horen, wichtige wissenschaftliche Werke, betrieb einen Kunst- und Landkartenverlag und besonders die Klassiker von Goethe und Schiller hatten eine Strahlkraft über die Landesgrenzen hinaus.

Der Aufstieg der Cotta’schen Verlagsbuchhandlung

Wie war dieser Aufstieg in kurzer Zeit möglich? Es waren weniger glückliche Umstände als enormer Arbeitsdrang, feiner Charakter, unternehmerisches Genie und politisches Talent. Doch eine glückliche Vermittlung spielte gerade zu Beginn eine wichtige Rolle: 1793 traf Cotta in Tübingen durch Initiative des dortigen Philosophieprofessors und ehemaligen Lehrers von Schiller auf ebendiesen. Aus diesem Treffen entwickelte sich eine enge persönliche Verbindung und Zusammenarbeit mit dem zu diesem Zeitpunkt bereits weithin bekannten Dichter. Dieser war es dann auch, der den Kontakt zu Goethe und den anderen beiden Weimarern herstellte. Damit war der Grundstein für den Aufstieg der Verlagsbuchhandlung und weiterer Unternehmungen gelegt.

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(c) wikipedia.de

Nachwirkungen

In seinem umtriebigen Leben, in dem er auch etliche Herausforderungen zu bewältigen hatte, brachte Johann Friedrich Cotta eine Vielzahl an ökonomischen, technischen, kulturellen und politischen Unternehmungen auf die Bahn. Beispiele: Revolutionierung der Drucktechnik durch den Einsatz von Dampfmaschinen, Beteiligungen an einer Papier- und Maschinenfabrik, Erwerb eines Landgutes zur modernen Schafszucht, Gründung einer gemeinnützigen Sparkasse, Beratung und diplomatische Hilfe für Fürsten und Regierende.

Doch besonders seine Leistungen für die deutsche Buchlandschaft sollen uns hier interessieren: Mit hohen Honoraren und zukunftsweisenden Verträgen war er ein Vorkämpfer der Autorenrechte. Das Urheberrecht des Autors und das Besitzrecht des Verlages wurden sorgsam getrennt, was der Kapitalisierung des Gewerbes dienlich war. Er wirkte für Reformen des Buchhandels und setzte sich gegen den Nachdruck und für die Pressefreiheit ein. 1832, im selben Jahr wie Goethe, mit dem er bezüglich den Honoraren auch schon mal aneinander geraten war, starb – inzwischen geadelt – Johann Friedrich Freiherr Cotta von Cottendorf.

Sein Wirken reicht bis in unsere Zeit: Die Cotta’sche Verlagsbuchhandlung wurde 1977 von der Klett-Gruppe übernommen und firmiert seitdem unter Klett-Cotta, wo u. a. die deutschen Übersetzungen der Werke von J. R. R. Tolkien erschienen sind.

 

Autor: Fabian Schwab

Jahresrückblick: 2015

Jahresrückblick: 2015

Das Wichtigste aus dem Jahr 2015 in einem Jahresrückblick.

Amazon:  Schlagzeilen machte der Megakonzern Amazon mit der am 25. August durch den Börsenverein des Deutschen Buchhandels eingereichten  Kartellbeschwerde gegen Audible.  Bei diesem Hörbuch-Flatrate-Modell habe Amazon seine marktbeherrschende Stellung (rund 90 Prozent Marktanteil bei digitalen Hörbüchern) benutzt, um Verlagen seine Konditionen aufzuzwingen oder sie – sollten die Verlage nicht mitziehen – auszulisten.  Seit Dezember druckt Amazon nun auch in Kooperation mit BILD seine eigene Bestseller-Liste.

Bertelsmann:  Am 31. März ging eine Ära zu Ende.  Die letzten beiden Bertelsmann-Club-Filialen wurden geschlossen.  Das Ende eines Geschäftsmodells, welches Bertelsmann seit Jahrzehnten geprägt hatte.

Buchmarktforschung:  Media Control und GfK Entertainment konkurrieren um die Vorherrschaft im Bereich der Buchmarktforschung.  Und schließen Exklusivvereinbarungen, wonach z. B. KNV und Thalia Buchverkaufsdaten nur an Media Control liefern und Osiander beispielsweise an GfK.

Charlie Hebdo und 13. November:  Nach dem Leitmotiv »Für das Wort und die Freiheit« besinnt sich die Buchbranche auf ihre Funktion zur Wahrung von Meinungs- und Pressefreiheit.

Reprobel-Urteil:  Eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg, die der Börsenverein als Gefährdung des »Miteinander von Autoren und Verlagen in VG Wort« wertet.  Um Verlage für ihre Leistungen zu honorieren, werden die Ausschüttungen von Verwertungsgesellschaften seit dem frühen 19. Jahrhundert zwischen Verlagen und Autoren aufgeteilt.  Doch nun hat der EuGH entschieden, dass Verlage an Ausschüttungen durch Verwertungsgesellschaften, wie z. B. die VG Wort, nicht weiter beteiligt werden können, da Verlage keine formalen Rechteinhaber im Sinne der europäischen Urheberrechtsrichtlinie InfoSoc (2001/29/EG) seien.  Verlagsvergütung auf Kosten der Autoren ist damit unzulässig.  Die Antwort des EuGH kam im November, den Verlagen drohen nun hohe Rückzahlungen.

12436201_956384704451293_1985021760_oTolino-Allianz:  2013 gründeten Club Bertelsmann, Hugendubel, Thalia und Weltbild zusammen mit der Deutschen Telekom einen Bund zum Angriff auf Amazons Vorherrschaft auf dem deutschen E-Book-Markt.  Als neue, starke Partner kamen 2015 Osiander und Mayersche hinzu.

 

Verbandsreform Börsenblatt:  Während der Berliner Hauptversammlung im Juni 2015 wurde die Umstrukturierung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels beschlossen.  Die Umstrukturierung soll Schritt für Schritt erfolgen, um den Börsenverein »weniger und flexibler« zu gestalten.  Wie die Reform konkret aussehen soll, zeigt der Börsenverein in einem Video:

Weltbild:  Insolvent oder nicht insolvent?  Das ist hier die Frage.  Seit 2014 geht es für den Konzern auf und ab.  Über 400 Mitarbeiter verloren hier ihre Jobs und ein Ende der Krise ist immer noch nicht in Sicht.

Autorin: Christin Fetzer

Bücher sagen Willkommen – eine Initiative der Buchbranche

Für eine gelungene Willkommenskultur stellt der Bildungs- und Spracherwerb durch Literatur einen nicht zu unterschätzenden Faktor dar. Um Flüchtlingen den Zugang zu Büchern zu erleichtern, wurde die Initiative „Bücher sagen Willkommen“ ins Leben gerufen.

Mit über 250 000 gestellten Asylanträgen in Deutschland, allein von Januar bis August 2015, hat die Flüchtlingswelle Richtung Europa einen neuen Höhepunkt erreicht. Obgleich damit auch eine Rekordabschiebungsrate einhergeht, kommen für den Staat und alle helfenden Bürger dennoch einige Hürden auf, die für eine gelungene Willkommenskultur und Integration genommen werden müssen. Neben Lebensmitteln, Unterbringung und Kleidung zählen auch Bücher zu den wichtigsten Integrationsstützen, da diese Sprach- sowie Kulturbarrieren überbrücken. Eine Initiative der Buchbranche möchte genau dies nun forcieren.

Erste Lern – und Leseecke in Frankfurt a.M. © Rainer Rüffer
Erste Lern – und Leseecke in Frankfurt a.M. © Rainer Rüffer

Bei rund 15 % der Asylsuchenden handelt es sich um Analphabeten. Gerade deshalb  ist es wichtig, neben Sprach- und Lesekursen, auch einen schnellen Zugang zu Lern- und Erstleseliteratur zu schaffen. „Bücher sagen Willkommen“ heißt die Initiative, die dies zukünftig ermöglichen soll.

Ins Leben gerufen wurde die Aktion durch den Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und die gemeinnützige Gesellschaft Litcam (Literacy Campaign), welche sich schon seit Jahren für die Alphabetisierung und Leseförderung in Deutschland sowie international einsetzt. Die konkrete Umsetzung des Projektes soll in Form von Lese- und Lernecken in Orten mit einer hohen Anzahl von Flüchtlingen realisiert werden. Die von Leseförderungsexperten ausgewählten Bücher werden in Kultur- sowie Bildungszentren zur Verfügung gestellt und beinhalten neben Deutsch-Lehrbüchern und Lexika auch ausgewählte Romane in den jeweiligen Fremdsprachen. Der erste dieser Leseförderungsorte wurde am 24.09.2015 in Frankfurt am Main eröffnet, ein weiterer wird am Sonntag, dem 27.10.2015, in Hamm in Nordrhein-Westfalen bereitgestellt.

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Jede Spende hilft

Momentan finanziert sich die Initiative noch großteilig auf Spendenbasis: So können seit dem 19. September Kunden in allen teilnehmenden Buchhandlungen in ganz Deutschland die Aktion unterstützen. Dies soll über eigens zu diesem Zweck angebrachte Spendenboxen ermöglicht werden. Doch diese vorbildliche Aktion allein kann wohl kaum das Ausmaß der benötigten Materialien und Integrationsstützen tilgen, die im Bereich der Bildung und Kulturvermittlung benötigt werden. Eine staatliche Subventionierung für Bibliotheken, zur Schaffung eines  adäquaten Sortiments für Flüchtlinge, wäre ein angebrachter Schritt. Schließlich eröffnet jedes Buch die Möglichkeit Bildung, Kultur und Sprache zu erlangen und ist dies nicht die Grundlage für jene angestrebte Integration.

Weitere Informationen für Spendenbeiträge gibt es hier: http://www.litcam.de/de/projekte/buecher-sagen-willkommen

Autor: Tankred Hielscher

Reisen: Hyggeliges Kopenhagen

Reisen: Hyggeliges Kopenhagen

Sommerzeit ist Reisezeit! Ich besuchte Ende Februar das schöne, wenn auch verregnete Kopenhagen. Schnell wurde mir klar: Die Stadt hat viel zu bieten. Nach meinem Besuch wundert es mich nicht, dass die Dänen zu den glücklichsten Menschen der Welt zählen. Neben den klassischen Touristenhotspots wollte ich mir natürlich auch ein paar Buchhandlungen anschauen.

Nyhavn © Maggy Kleinichen
Nyhavn © Maggy Kleinichen

Zuerst posierte ich jedoch mit Hans Christian Andersen und besuchte die kleine Meerjungfrau. Ich spazierte auf der Strøget, der längsten Fußgängerzone Europas, entlang. Außerdem bestaunte ich die Architektur eindrucksvoller Gebäude, wie dem Rathaus oder der Marmorkirken, und erlag dem Charme der kleinen Gässchen mit den hübschen Häusern. Einen ganzen Tag hätte ich am liebsten am Nyhavn mit seiner bunten Silhouette verbracht, in einem der vielen kleinen Cafés sitzend und das Menschengetummel beobachtend. Einen Gegenpol dazu stellte für mich das autonome Viertel Christiania dar (Fotos schießen ist hier verboten, das muss man selbst gesehen haben). Auch die Wachablöse am Schloss Amalienborg war interessant zu beobachten, wenngleich man für dieses Spektakel etwas Zeit mitbringen sollte, da jede einzelne der vielen Wachen zeremoniell abgelöst wird. Ich aß außerdem das berühmte Smørrebrød und stellte fest, dass auf jeden Fall ein voller Geldbeutel für den Besuch in Kopenhagen notwendig ist.

Wo sind die Buchhandlungen?

Café Paludan © Maggy Kleinichen
Café Paludan © Maggy Kleinichen

Buchhandlungen zu besuchen war für mich zunächst leichter gesagt als getan. Beim Bummeln durch die Straßen ward keine gesehen. Beim Blick durch die Fenster einiger Cafés fielen mir jedoch von Zeit zu Zeit Bücherregale an den Wänden auf. Zum Glück hatte ich mir bereits in Deutschland ein paar Adressen notiert. Da es in Kopenhagen an vielen Orten kostenloses WLAN gibt, war der Weg schnell gefunden. Das urgemütliche Paludan Bog & Café bestaunte ich nur von draußen. Die Wände waren voll mit Büchern; es ist in erster Linie ein Café, im Keller befindet sich jedoch ein Antiquariat. Die kleine Buchhandlung Atheneum Academic books befindet sich in unmittelbarer Nähe der Universität. Ein Buchregal, das vom Boden bis zur Decke reicht, jagt das nächste. Die Titel werden übersichtlich und vorwiegend Rücken an Rücken präsentiert. Überraschenderweise befindet sich eine weitere Buchhandlung direkt im Zentrum in unmittelbarer Nähe des Rathausplatzes, wegen einer Baustelle war diese auf den ersten Blick jedoch nicht zu sehen: Boghallen. Beim Eintreten lag eine moderne aber zugleich gemütliche Buchhandlung vor mir. Neben den Büchern, die einige wohlbekannte Titel aus deutschen Buchhandlungen zeigten, gab es unzählige schöne Non-Book-Artikel, die ich in Deutschland so noch nicht gesehen hatte. Besonders gefielen mir hochwertig bedruckte Beutel mit Moby Dick oder Tassen, auf denen Märchen mit Bildern und Textauszügen abgedruckt waren. An letzteren kam ich nicht vorbei, Rotkäppchen und Aschenputtel stehen nun in meinem Schrank. Eine besonders tolle Idee der Buchhandlung fand ich im Untergeschoss: ein auf dem Boden aufgezeichnetes Wegesystem. Die Warengruppen waren in unterschiedlichen Farben auf den Boden geschrieben worden, eine Linie in derselben Farbe führte zu den gewünschten Regalen. Verlaufen unmöglich!

Kopenhagen ist nicht nur für Bücherliebhaber eine Reise wert: Action, Gemütlichkeit und Metropolen-Feeling reichen sich hier die Hand. Ich werde diese wunderbare Stadt auf jeden Fall noch einmal im Sommer besuchen und mit dem Fahrrad bestimmt noch die ein oder andere kleine Buchhandlung entdecken.

Autorin: Maggy Kleinichen

Rückblick: Ein Schock zum Start und viel Wirbel um Amazon

Ein Rückblick auf das Jahr 2014 in der Buchbranche. Nach dem Jahreswechsel konzentrieren sich die meisten Buchhändler schon wieder auf die nächsten Ereignisse, die in ihrem Geschäft anstehen. Das Chaos der in vielen Fällen jetzt nötigen Inventur droht: Der Laden bleibt geschlossen, alles muss erfasst werden und sogar die kleinen Murmeln an der Kasse müssen durchgezählt werden. Außerdem sind da immer noch die Kunden, die ihre Weihnachtsgeschenke umtauschen wollen.

Doch trotz der vielen Arbeit, die Anfang Januar auf die Buchhändler wartet, lohnt sich ein Blick zurück auf das vergangene Jahr. Für die Buchbranche begann dieses mit einem Paukenschlag: der Insolvenz von Weltbild. Das Verfahren wurde zu einem aufwühlenden Prozess, nicht zuletzt für die Mitarbeiter des Unternehmens. Und es folgte gleich eine zweite Hiobsbotschaft für Bücherliebhaber: Der Bertelsmann Club verkündete sein Aus. Die Konkurrenz des veralteten Modells vor allem durch den wachsenden Markt im Internet war einfach zu groß geworden. Hier sei zum ersten Mal Amazon erwähnt. Der Onlinehändler entwickelte sich 2014 mehr denn je zum Buhmann der Branche. Mitarbeiterstreiks, Konditionenstreiks und die daraus resultierenden Autoreninitiativen gegen den Internetriesen schlugen hohe Wellen in den Nachrichten. Erstmals überholte der E-Book-Reader Tolino, durch den Einstieg des Barsortiments Libri gestärkt, im letzten Jahr den Kindle von Amazon. Ein weiteres Mal sorgte Amazon für Schlagzeilen, als die Neuigkeit von Kindle Unlimited die Runde machte. Das Flatrate-Modell fand sich schnell in einem Konkurrenzkampf mit neu gegründeten Star-Ups wie Readfy. Großen Spott musste der Onlinehändler aber wegen seiner Pläne zur Paketauslieferung durch Flugdrohnen über sich ergehen lassen.

Wir sind gespannt, was uns – nicht nur vonseiten Amazons – im Jahr 2015 erwartet. Vielleicht kann die Buchbranche dann endlich über einen einheitlichen Steuersatz für Printbücher und E-Books jubeln. Im Februar kommt die heiß ersehnte Verfilmung von Fifty Shades of Grey ins Kino, im Dezember dann der siebte Star-Wars-Teil – auch darauf kann man neugierig sein. Voller Spannung wird aber das Highlight des neuen Jahres erwartet: das Erscheinen der neuen Lerche zur Leipziger Buchmesse im März!

Autorin: Jana Kapfer

Winter: Süßer die Kassen nie klingeln

Die erste Hälfte der Türchen des Adventskalenders ist geöffnet und damit wirft die Lerche einen Blick in die Schaufenster der Buchhandlungen, unser ganz persönliches Winterwunderland.

Bei einem Streifzug durch die kleinen Buchläden der Einkaufsstraßen fällt zuerst die Kundenfülle auf. Ein aufmerksamer Blick beweist, was der Buchhandel im Adventsgeschäft jedes Jahr an den Umsatzzahlen merkt: Bücher sind ein beliebtes Geschenk. Laut Buchreport sind die Umsätze in der Woche vor dem 2. Advent gegenüber dem Vorjahreszeitraum jedoch gesunken. Natürlich eignen sich die Printprodukte aber auch gut zum Last-Minute-Kauf, weshalb wir die Ergebnisse der verbleibenden Tage bis Weihnachten wieder mit Spannung erwarten.

Kü's Buchhandlung
Kü’s Buchhandlung

Ebenso bemerkenswert ist, dass viel winterliche Dekoration gar nicht so gefragt ist. Pompös in rot und grün geschmückte Auslagen sucht man vergebens. Die Buchhändler setzen auf Minimalismus. Eine Sternenlichterkette hier und ein Tannenzapfen dort umrahmen die Objekte der Begierde des Geschenkekäufers. Die in den Schaufenstern beworbenen Werke sind dabei vor allem die derzeitigen Bestseller und Kinderbücher, aber auch Weihnachtsbücher und Bastelanleitungen. Zu einem spontanen Geschenkekauf werden mich ein paar übertrieben grinsende Weihnachtswichtel in den Schaufenstern auch nicht verleiten. Ein simples Schild mit der Aufschrift ‚Fröhliche Weihnachten‘ weckt da schon eher das Interesse. In diesem Sinne schließt sich die Lerche-Redaktion an und wünscht eine besinnliche Adventszeit bis zum Fest.

Autorin: Sabrina Wistuba

Reisetipp: Buchhandlung Shakespeare & Company Paris

Paris ist bekanntlich die »Stadt der Liebe« und hat neben einem funkelnden Eiffelturm auch für Bücherfreunde eine Menge zu bieten.

Rechts entlang der Kathedrale »Notre-Dame« verläuft die Rue du Petit Pont. Davon abzweigend, in der Rue de la Bûcherie, nur unweit des Seine-Ufers verbirgt sich die weltbekannte Buchhandlung »Shakespeare & Company«, in der vor allem englischsprachige Bücher angeboten werden.

Shakespeare & Company © Christine Oeser-Kindler
Shakespeare & Company © Christine Oeser-Kindler

Das Unternehmen entstand als eine Kombination aus Leihbücherei und Buchhandlung, und wurde im Jahre 1919 von Sylvia Beach in Paris gegründet. Der ursprüngliche Standort war die Rue de I’Odeon, nur ein paar Querstraßen vom derzeitigen Ladengeschäft entfernt. Zu den prominentesten Kunden zählten auch Schriftsteller wie Ernest Hemingway und James Joyce, dessen Klassiker »Ulysses« auch von Silva Beach verlegt wurde.

Zum ihrem Andenken wurde später die Buchhandlung »Le Mistrale« in der Rue de la Bûcherie Nummer 37, welche von George Whitman geleitet wurde, in »Shakespeare & Company« umbenannt. An dieser Stelle befindet sich das Geschäft auch heute noch und wird aktuell von Georg Whitman’s Tochter Sylvia Beach Whitman geleitet.

Als Bücherfreund gehört ein Besuch der Buchhandlung eigentlich zum Pflichtprogramm jedes Paris-Aufenthaltes. Ein kleines Bücherregal vor dem Haus sowie diverse Sitzmöglichkeiten und Wühlkisten offenbaren bereits von weitem den Charme dieses Ortes. Auch die beeindruckende Außenfassade verführt dazu, sich auch das Innere einmal genauer anzuschauen, selbst wenn man eigentlich wenig an Büchern interessiert ist.

Der Innenraum beherbergt sowohl ein kleines Antiquariat, als auch die Buchhandlung. Beide Teile besitzen sogar einen eigenen Eingangsbereich und auch die Ladenflächen sind voneinander abgegrenzt. Beim Betreten fällt sofort auf, dass jeder Quadratmeter vom Boden bis zur Decke genutzt wurde, um möglichst eine Vielzahl verschiedenster Bücher anbieten zu können. Auf zwei Etagen findet sich hier so ziemlich alles, was das Leser-Herz begehrt. Die Räume selbst sind allesamt recht klein und die Durchgänge sehr eng. Das mag zwar einen sehr unübersichtlichen und überfüllten Eindruck hinterlassen, jedoch bildet dies auch den Charme von Shakespeare & Company.

Wen es mal nach Paris verschlägt, der sollte unbedingt bei Shakespeare & Company vorbeischauen. Ein Blick hinter die Türen lohnt sich auf jeden Fall.

Autorin: Christine Oeser-Kindler