Eine kurze Geschichte der Horrorliteratur

Eine kurze Geschichte der Horrorliteratur

Wie jedem Gänsehautfan, Gruselspezialisten und Schauerliebhaber bekannt sein dürfte, stellt das 19. Jahrhundert eine Blütezeit der Horrorliteratur dar. Edgar Ellan Poe, Mary Shelley und andere Pioniere dieses Genres lassen bis heute weltweit das Blut in den Adern begeisterter Leser gefrieren. Doch wo liegen die Ursprünge der Schauerliteratur? 

Weird Ficiton, Gothic Novel, Gruselroman, wie man sie auch nennen mag, die Horrorliteratur ist aus dem modernen Sortimentsbuchhandel nicht mehr weg zu denken und füllt Regale, bisweilen sogar ganze Läden. Die Ursprünge für die Lust an der Angst liegen jedoch tief in den Kellern der historischen Anthropologie. Nicht ohne Grund leitet sich der Name dieser Literaturgattung von dem lateinischen horrere – die Haare hochstehen lassen – ab.

So legen Antike Mythen den Grundstein für viele heutige Schreckensgestalten. Denn schon im antiken Rom fürchtete man sich des Nachts vor den blutsaugenden Lamien, dem Ursprung für die Sagengestalt des Vampirs, Inkuben sorgen für Alpträume a la Freddy Krüger und in der griechischen Totenstadt von Kamarina fesselt man Leichen aus Angst vor Ihrer rachsüchtigen Wiederkehr. Die Motive für die heutigen Kassenschlager des Horrorgenres haben also schon damals in der Literatur Anwendung gefunden.

Im dunklen Mittelalter

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Verfolgte Unschuld © de.wikipedia.org

Auch im Mittelalter waren Schreckensvorstellungen zu Unterhaltungszwecken an der Tagesordnung. Obgleich dieses Zeitalter durch Hexenverbrennung, Inquisition und der Fülle an Gewalt für den zart besaiteten Rezipienten schon wie ein Gruselkabinett wirkt, ließen sich die Menschen auch damals von fantastisch-schaurigen Geschichten faszinieren. Mysterienspiele, kleine fürchterliche Szenerien, dargestellt von Wanderschauspielern, lagen hoch im Kurs.

Schriftlich festgehaltene Werke, wie die göttliche Komödie von Dante Alighieris, finden ebenfalls positive, wenn auch umstrittene Resonanz. Mit Shakespeares Hamlet werden Gruselstücke, wenn auch für die breite Masse verfasst, schlussendlich salonfähig.

Monster und Menschen

Im 18. Jahrhundert bildet sich schließlich durch den Rückenwind der Aufklärung ein breites Angebot an literarischen Erzeugnissen, denn Horace Walpoles The Castle of Otranto ebnet den Weg für den Gothic Novel. Auch deutsche Autoren wie Ludwig Tieck widmen das ein oder andere Werk dem noch jungen Genre. Die Themen gleichen dabei den heutigen: Gewalt, Mord, die Angst vor dem Unbekannten, fantastische Monstren – damals wie heute ein Erfolgsrezept.

Im 19. Jahrhundert ist die Horrorliteratur dann nicht mehr wegzudenken und nimmt immer vertracktere, teils philosophische oder psychologische Formen an. So schreckt Mary Shelleys Frankenstein oder Der moderne Prometheus doch gerade wegen der paranoiden, selbstzerstörerischen Psyche Viktor Frankensteins, weniger wegen des von ihm erschaffenen Monsters, welches zuletzt eher Mitleid als Angst erregt.

Siegeszug und Kommerzialisierung

Frankenstein © www.bl.uk
Frankenstein © www.bl.uk

Die Verfeinerung der Nuancen und Möglichkeiten des Genres, sowie der kommerzielle Siegeszug während des Viktorianischen Zeitalters führen im 20. Jahrhundert bereits zu einer Ubiquität des Genres. Die reiche Quellenlage von Mythen bis hin zu den zahlreichen Vorreitern des Genres, ermöglichen es Autoren wie H.P. Lovecraft sogar neue Mythenfiguren wie Cthulhu zu schaffen, sich wissenschaftlich mit dem Genre auseinanderzusetzen und kontemporär die Nerven eines breiten Publikums bis zum Zerreißen zu spannen.

Mit dem Beginn der Filmkunst, mit dem fast unmittelbar der erste Horrorfilm entsteht, steht dem Genre nun nichts mehr im Wege. Nichts lockt die Zuschauer mehr in die ersten sporadischen Kinos als der Nervenkitzel eines Gruselstreifens und so wandelt der erste Film-Frankenstein bereits 1910 über die Leinwand. Die nun folgende, fast erdrückende Welle von Autoren, Regisseuren und Künstlern, die Werke aus dem Horrorgenre fast wie am Fließband produzieren, ist nun nicht mehr aufzuhalten. Mit dem Erfolg wächst natürlich auch die Zahl der Kritiker, denn neben der Horrorliteratur entwickeln sich auch, vor allem in visuellen Medien, Subgenres wie Gore oder Splatter, welche eher die schonungslose Gewalt, als das Gruselerlebnis zum Mittelpunkt machen.

Allgemein lässt sich sagen, dass kaum ein anderes Genre der Literaturgeschichte so viel Begeisterung und gleichzeitig so viel Abneigung auf sich zieht. Dennoch ist es doch gerade dieser Zwiespalt, der der Horrorliteratur seiner Existenzberechtigung verleiht.

Autor: Tankred Hielscher

FBM: Geschichte der Frankfurter Buchmesse 

FBM: Geschichte der Frankfurter Buchmesse 

Logo der FBM 2015 © neureuter.de
Logo der FBM 2015 © neureuter.de

Vom 14. bis 18. Oktober 2015 zog es, wie jedes Jahr, Büchermenschen aus allen Ecken der Welt an. Ob zum Lesen, Informieren, Kontakteknüpfen, zur Marktbeobachtung oder zum Erleben ist die Frankfurter Buchmesse der weltweit wichtigste Ort der Branche. Zeit, einen Blick auf die Geschichte zu werfen.

Im 15. Jahrhundert erfand Gutenberg in Mainz, in unmittelbarer Nähe zu Frankfurt, den Buchdruck. Die Geburtsstunde eines neuen, weltbewegenden Wirtschaftszweiges und einer inzwischen 500 Jahre alten Tradition. Ein Highlight bilden jedes Jahr wieder die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels und der Deutsche Jugendliteraturpreis. Seit 1964 wird die Frankfurter Buchmesse von der Ausstellungs- und Messe-GmbH ausgerichtet.

Meilensteine

Seit der Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert ist die Frankfurter Buchmesse der Umschlagplatz der Branche, bis in 17. Jahrhundert hinein, wo ihr die Kaiserliche Bücherkommission zum Verhängnis wurde. Somit war zur Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert Leipzig die zentrale Buchmessestadt, hier ist es jedoch der 2. Weltkrieg, der den Buchhandel zum Erliegen bringt.

© jugendliteratur.org
© jugendliteratur.org

Einen Neuanfang bildet 1949 die offizielle Gründung der Frankfurter Buchmesse durch den Deutschen Börsenverein mit 205 Ausstellern. Seit 2003 entwickelt sich die Buchmesse zunehmend zur Marketing-Plattform, denn sie ist nur in zweiter Linie für das allgemeine Publikum gedacht. Von insgesamt 269 534 Besuchern zur Frankfurter Buchmesse 2014, waren 167 654 Fachbesucher aus 132 Ländern. Der jährliche Fokus auf ein Gastland besteht hierbei offiziell seit 1988.

Liste der bisherigen Gastländer:

* 1986 Indien – Wandel in Tradition

* 1988: Italien – Italienisches Tagebuch

* 1989: Frankreich – L’Automne français

* 1990: Japan – Then and Now

* 1991: Spanien – La Hora de España

* 1992: Mexiko – Offenes Buch

* 1993: Flandern und Niederlande – Weltoffen

* 1994: Brasilien – Begegnung von Kulturen

* 1995: Österreich

* 1996: Irland – Und seine Diaspora

* 1997: Portugal – Wege in die Welt

* 1998: Schweiz – Hoher Himmel – Enges Tal

* 1999: Ungarn – Unbegrenzt

* 2000: Polen – ©Poland

* 2001: Griechenland – Neue Wege nach Ithaka

* 2002: Litauen – Fortsetzung folgt

* 2003: Russland – Neue Seiten

* 2004: Arabische Welt – Arabische Welt – Blick in die Zukunft

* 2005: Südkorea – Enter Korea

* 2006: Indien – Today’s India

* 2007: Katalanische Länder – Singular i Universal

* 2008: Türkei – Faszinierend farbig

* 2009: Volksrepublik China – Tradition und Innovation

* 2010: Argentinien – Kultur in Bewegung

* 2011: Island – Sagenhaftes Island

* 2012: Neuseeland – Bevor es bei euch hell wird

* 2013: Brasilien – Ein Land voller Stimmen

* 2014: Finnland – Finnland. Lesen.

* 2015: Indonesien – 17.000 Inseln der Imagination

Ob zum Hobby oder als Fachbesucher, die Frankfurter Buchmesse ist in jedem Fall immer einen Besuch wert.

Autorin: Christin Fetzer

Flüchtlingsliteratur: Die vergessene Generation

Kaum ein Thema wird momentan so heiß diskutiert wie die Situation der Flüchtlinge in Europa. Von herzlichen Empfängen, Hilfe und Unterstützung an allen Orten bis hin zu Ablehnung, Diskriminierung und brennenden Flüchtlingsunterkünften, bewegt das Thema viele Gemüter. Um als Deutscher eine differenzierte Sicht der Dinge zu erhalten, hilft vielleicht ein Blick in die Geschichte des eigenen Landes.

In der aktuellen Diskussion wird kaum wahrgenommen, dass Deutschland eine eigene Flüchtlings- und Vertriebenengeschichte erlebt hat. Es handelt sich um die Millionen Heimatvertriebenen, die infolge des Zweiten Weltkrieges die deutschen Ostgebiete verlassen mussten. Dass dieses Kapitel der deutschen Geschichte wenig beachtet wird, liegt an der meist untergeordneten Stellung, die es bei der Aufarbeitung des Zweiten Weltkrieges einnimmt. Was die Relevanz und Brisanz, gerade für die heutige Zeit, aber nicht schmälert. Das zeigen auch die vielen Publikationen in den letzten Jahren, die das Leid der Heimatvertriebenen aufarbeiten und schildern.

Ein wichtiger Aspekt dieser Schilderungen ist, dass die offizielle Version und die direkten Erlebnisse der Betroffenen oft stark voneinander abweichen.  Was die Zeitzeugen zu erzählen haben rüttelt auf und ist nicht immer leicht zu ertragen. Die Situation der heutigen Flüchtlinge mag eine andere sein, dennoch könnte die Lektüre solcher Berichte, den ein oder anderen in der aktuellen Diskussion bescheidener argumentieren lassen.

Eine Auswahl aus der umfangreichen Literatur zum Thema:

© Pantheon Verlag
© Pantheon Verlag

 

Kalte Heimat – Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945.

Mit diesem Buch erschüttert Andreas Kossert den Mythos von der rundum geglückten Integration der Vertriebenen nach 1945. Erstmals erhalten wir ein wirklichkeitsgetreues Bild von ihrer Ankunft in der Bundesrepublik – dem Land, das ihnen zur neuen, kalten Heimat wurde. Wir erfahren von ihrem Kampf und den schwierigen Neuanfang und von den Lebensumständen der Menschen im „Wirtschaftswunderland“.

432 Seiten, 14,99 €.

 

 

 

© Rautenberg-Buchhandlung
© Rautenberg-Buchhandlung

 

Eine Mutter und sieben Kinder. Schicksalstage in Ostpreußen 1945-1948

Ostpreußen 1945. Mit ihrer Mutter und sechs Geschwistern, erlebt Helma Schicht, gerade 10 Jahre alt, den Einmarsch der Russischen Armee in Ostpreußen und die Besatzungszeit bis 1948. Der tägliche Kampf ums Überleben beginnt. Immer in der Angst vor russischen Übergriffen, besteht der Alltag im Beschaffen des Nötigsten. Durch den Einfallsreichtum der Mutter findet sich aber immer ein Weg etwas zu essen, eine Unterkunft und ein paar Kleidungsstücke zu organisieren. Das Glück des Tages besteht darin, ein sättigungsähnliches Gefühl zu haben. 1948 muss die Familie ihre Heimat verlassen.

174 Seiten, 14,95 €.

 

 

Autor: Fabian Schwab

Essen: Die Geschichte des Kochbuchs

Essen: Die Geschichte des Kochbuchs

In den kommenden Wochen dreht es sich hier auf dem Blog um eine unserer Lieblingsbeschäftigungen schlechthin: das Essen. Im Zuge des Kochbuch-Booms der letzte Jahre gibt es bei der Vielzahl der Rezepte nichts, was es nicht gibt. Um den Einstieg in das Thema mit etwas Vorwissen zu bereichern, geht es diese Woche erst einmal auf eine Reise in die Geschichte des Kochbuchs in Deutschland.

Wir befinden uns im Mittelalter, im Jahr 1350, in dem das älteste erhaltene Kochbuch Deutschlands daz buch von guter spîze erschien, damals noch ganz typisch als Teil eines Medizinbuchs. Auf die erste eigenständige Rezeptsammlung hingegen wartete man bis ins Jahr 1485, wo Peter Wagner in Nürnberg die Küchenmaysterey herausgab. Die Rezepte, noch ohne jegliche Mengenangaben, richteten sich an Köche der feinen Küche, wie sie an Höfen von Grafen und dem gehobenen Bürgertum zu finden waren. Noch bis in das Jahr 1674 lassen sich Nachdrucke dieses Werkes nachverfolgen.

Von der Hausväter- zur Hausfrauenliteratur

Kochbücher für jeden Geschmack © Beatrix Dombrowski
Kochbücher für jeden Geschmack © Beatrix Dombrowski

Mit der Zeit entwickelte sich aus den bis dato eher anspruchsvollen Rezeptbüchern die sogenannte Hausväterliteratur. Da Kochbücher sich meist noch an Männer richteten und eben diese Haus und Hof verwalteten und lesen konnten, enthielt die Literatur neben Rezepten fortan auch Tipps und Tricks rund um das Anwesen, zum Beispiel die richtige Säzeit für das Gemüse im Garten.

Um so weiter wir uns in der Geschichte fortbewegen, desto mehr erstarkte auch das Bürgertum. Allgemeine Schulbildung ebnete nun auch Frauen den Weg zur Literatur und machte so im Einklang mit der bürgerlichen Küche immer mehr Hausfrauen zu Kochbuchautorinnen. Die Hauswirtschaft fand Einzug in ihre Werke und dank dem Kochbuch als beliebtes Hochzeitsgeschenk stiegen die Auflagen weiter. Ein Beispiel dafür ist das 1791 erschienene Neue Kochbuch von Luise Löffler, welches bis ins 20. Jahrhundert hinein 38 Auflagen hatte. Wohl auch dank der vereinheitlichten Maße und Gewichte, welche zusammen mit Umrechnungstabellen nach der Reichsgründung ein fester Bestandteil von Kochbüchern wurden.

Der größte Bestseller des 19. Jahrhunderts

Das praktische Kochbuch, erschienen 1845, war das erfolgreichste Rezeptbuch des 19. Jahrhunderts. Nach mehr als 8 Jahren des Kochens, Sammelns und Verfeinerns veröffentlichte der Bielefelder Verlag Velhagen & Klasing das Erstlingswerk von Henriette Davidis. Bis zu ihrem Tode im Jahr 1876 gab es 56 Auflagen mit bis zu 40.000 Exemplaren, sogar in Milwaukee (USA) erschien es 1879 in deutscher Sprache, mit angepassten amerikanischen Maßen und Zutaten.

Auch nach Ablauf der Schutzfrist im Jahr 1906 vermarkteten viele Verlage das Werk in bearbeiteten Versionen weiter.

Entwicklung bis ins 21. Jahrhundert

Noch bis in das 20. Jahrhundert hinein fehlten den Kochbüchern exakte Mengen- und Temperaturangaben. Doch mit der Entwicklung kamen eben diese hinzu, auch bildhafte Anweisungen hielten Einzug in die Rezepte. Durch Tourismus und Einwanderung entwickelte sich die internationale Küche, gefolgt durch Kochbücher mit den Speisen sämtlicher Nationen.

1911 erschien erstmal das Dr. Oetker Schulkochbuch, welches heute mit über 19 Millionen verkauften Exemplaren zu den meistverkauften Kochbüchern weltweit zählt. 1937 kam Der Junge Koch dazu und ist bis heute ein Standardwerk an Berufsschulen für Köche.

Im Laufe der Zeit sättigte sich der Markt der Kochbücher. Heute finden sich für jede Art von Küche mehrere verschiedene Ausgaben, Trends wie Veganismus mit seiner Welle an neuen Büchern schüren das Feuer der Sättigung weiter. Die Garzeit dieser Sparte ist längst vorüber, vor allem auch durch intermediale Konkurrenz wie chefkoch.de und diverse TV-Shows.

Und somit endet unser kleiner Ausflug in die Geschichte. Wem jetzt noch nicht der Kopf vor Zahlen schwirrt, darf auf die weitere Entwicklung des Kochbuchs gespannt sein!

Autorin: Cindy Schulze