Gastbeitrag: Rückblick Frankfurter Buchmesse

Gastbeitrag: Rückblick Frankfurter Buchmesse

Vor ein paar Wochen endete sie, die Frankfurter Buchmesse und viele von uns haben sie mit viel mehr Büchern verlassen, als geplant. Das nächste große Event, welches für uns Buchfreunde ansteht, ist die Leipziger Buchmesse im März.

Im Nachhinein betrachtet muss ich offen und ehrlich zugeben, dass ich mir von der Frankfurter Buchmesse mehr erhofft hatte. Das Gelände war sehr unübersichtlich nur wenig war ausgeschildert. Auch die Verteilung der Verlage und anderen Stände war sehr ungleichmäßig. Halle 3 zum Beispiel war überfüllt, da dort fast alle großen Belletristik Verlage ihre Stände hatten. Und diese ziehen bei Buchmessen nun einmal mehr Besucher an, als die kleineren Verlage. Das führte dazu, dass die anderen Hallen manchmal so gut wie leer waren. Da bevorzuge ich die Aufteilung bei der Leipziger Buchmesse doch weitaus mehr.

Von Fachbesuchern und Cosplayern

© Christin Fetzer
© Christin Fetzer

Von Vorteil fand ich die Fachbesuchertage. Von Mittwoch bis Freitag war die Messe nur für Leute aus der Branche geöffnet. Was wiederum die Besucherzahlen in Grenzen hielt. So konnte man meistens ohne großes Gedränge in Ruhe die Stände erkunden. Wenn man allerdings nicht aus der Branche kommt, kann ich den Besuch an den übrigen zwei Tagen nicht empfehlen. Denn ich kann versichern, man wird die Stände vor lauter Menschen nicht mehr sehen. Allerdings konnte man viele Cosplayer bewundern, die für einen Wettbewerb angereist waren.

Mehr eine Fachmesse

Auch das Angebot an Verlagen traf nicht meinen Geschmack. Ich bin versierter Fantasy Fan in allen Formen und Größen und musste erschreckend feststellen, dass die FBM neben den großen und bekanntesten Verlagen nicht viel mehr zu bieten hatte. Im Allgemeinen schätze ich die Frankfurter Buchmesse eher als eine Fachmesse ein, speziell für die Branche.

Kurzes Fazit zur Buchmesse

Dies war mein erster Besuch auf der Frankfurter Buchmesse und ich muss gestehen, ich bevorzuge die Leipziger Buchmesse bei weitem. Doch dazu hat jeder seine eigene Meinung.

Dennoch fand ich meinem Besuch dort alles in allem sehr schön. Wer Bücher liebt und sich vielleicht auch ein wenig für die Geschehnisse der Branche interessiert, ist dort garantiert gut aufgehoben.

Autorin: Madlen Krätzig

22. Kleinverlegertag: Lauschen in die Zukunft

22. Kleinverlegertag: Lauschen in die Zukunft

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Am 05.11.2015 fand an der HTWK Leipzig der alljährliche Kleinverlegertag statt und zum Gespräch eingeladen waren dieses Jahr vier Hörbuchverlage. Unter dem Slogan Lauschen in die Zukunft wurde die aktuelle Situation des deutschen Hörbuchmarktes analysiert, aus dem Arbeitsalltag erzählt und ein Ausblick auf Kommendes konstruiert. Zu den Gästen zählten Andrea Herzog (Hörcompany), Ute Kleeberg (Edition SEE-IGEL) und Johannes Ackner (Buchfunk Verlag), sowie Kilian Kissling (Argon Verlag) als Vertreter eines weniger kleinen Verlags. 

Den Auftakt in den 22. KVT bildete ein Vortrag von Kilian Kissling über die rund 20-jährige Geschichte Hörbuchbranche und die aktuelle Marktsituation. Interessant war vor allem zu sehen, wie viel Potential die Branche besitzt. Während die Gesellschaft für Konsumforschung für die Verlagsprodukte im Jahr 2005 eine Kaufkraft von 140 Mio.€ maß, stieg die Zahl bereits bis zum Jahr 2014 auf 160 Mio.€. Interessant ist auch der Anstieg der CD-Verkaufszahlen von 5,3 Mio. Exemplaren (2004) auf 14,3 Mio. Kopien (2014). Und hier ist das Potential noch nicht ausgelastet, da sich durch Download- und Streaming-Plattformen neue Vertriebswege aufgetan haben und sich stetig weiterentwickeln. So sieht Kilian Kissling auch in illigalen Downloadern Potential, weil diese durch die richtigen Angebote zu Käufern gemacht werden können. Um einen Blick in die Zukunft zu wagen, wies er darauf hin, dass die zunehmende Einbindung von Onboard-Entertainment-Systemen in Autos, Flugzeugen und Reisebussen neue Wege zum Kunden schafft. Die Zielgruppe kann zum Beispiel durch Apps überall erreicht werden, wo ein Bedarf an Unterhaltung entsteht.

Die Hörbuchverlage im Überblick

Nach diesen inspirierenden Worten ging es sofort in die Vorstellungsrunde. Zu jedem Verlag wurde ein Auszug aus einem Titel eingespielt, sodass der Zuhörer sich einen Eindruck davon machen konnten.

Andrea Herzog gründete ihren Verlag Hörcompany im Jahr 2000 zusammen mit Angelika Schaak, indem sie laut eigener Aussage die Bücherregale ihrer Kinder plünderte. Der Verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, hochwertige Hörbücher für Kinder und Jugendliche herzustellen. Ein Ziel ist es, ihnen Klassiker wie Diener zweier Herren nahe zu bringen. Sorgfältig ausgewählte Sprecher erzählen die Geschichte neu aufgearbeitet und anschließend bekommen die Hörer noch eine zehnminütige Kostprobe des Originaltextes, der inszeniert eingespielt wird.

Die Edition SEE-IGEL wurde 1995 von Ute Kleeberg gegründet und ist laut Aussage der Verlegerin eigentlich ein Produzent von klassischer Musik in Kombination mit Sprache. Titel wie Prinzessin Graues Mäuschen werden von Ute Kleeberg selbst geschrieben und mit für die Produktion eigens aufgenommener und sorgsam ausgewählter Musik ergänzt. Ziel ist es, Menschen jeden Alters und vor allem Kindern klassische Musik näher zu bringen. Jede Produktion wird zudem auch live auf die Bühne gebracht, was der Verlegerin besonders am Herzen liegt.

Der Buchfunk ist ein Verlag, welcher sich aus dem Projekt vorleser.net entwickelt hat und 2004 gegründet wurde. Johannes Ackner und David Fischbach vertonen belletristische Werke und bekannte Klassiker wie Geschichte meines Lebens von Giacomo Casanova. Anders als die vorhergegangenen Verlage setzt Buchfunk seit seiner Gründung auf den digitalen Vertrieb über Abonnements und Downloads. Erst seit 2008 erscheinen ausgewählte Titel auch als CD. Im hauseigenen Tonstudio werden als zusätzliche Einnahmequelle auch fremde Produktionen aufgenommen. Der Verlag nimmt sich gerne Mammutprojekten wie der Vertonung der Bibel und des Korans an.

Podiumsdiskussion über Alltag, Sprecherwahl und Social Media

Nach einer ausgedehnten Mittagspause folgte mit der Podiumsdiskussion der zweite Teil des Kleinverlegertags.

Die Gäste waren sich bei der Frage nach der Auswahl der Sprecher einig, dass vor allem gestalterische Aspekte eine Rolle spielen und der Sprecher vor allem zum Text passen müsse. Die Frage nach Absatzkanälen führte zu unterschiedlicher Resonanz. Während die Hörcompany mit Verlagsvertretern zusammenarbeitet, hatte Ute Kleeberg weniger gute Erfahrungen mit dieser Methode. Sie bietet wiederum ganz anders als der Buchfunk Verlag generell keine digitalen Versionen ihrer Titel an. Kilian Kissling, welcher sich zur Diskussion dazugesellt hatte, berichtete, dass Argon grundsätzlich jeden Absatzweg nutzt um das Produkt an den Kunden zu bringen. Er wies darauf hin, dass für den Hörbuchvertrieb auch Tankstellen und der Spielwarenhandel keine untergeordnete Rolle spielen.

Besonders umstritten war das Thema der Digitalisierung von Hörbüchern. Gerade für Ute Kleeberg ist es unvorstellbar, ihre Produkte im Internet anzubieten. Ihrer Meinung nach würden sie dadurch ein Stück ihrer Seele (und Qualität) verlieren.

Auf die Frage hin, ob sich durch Streaming und Abonnements Geld verdienen ließe, antwortete Johannes Ackner. Er rechnete vor, dass durch ein Abo mit einem monatlichen Beitrag von 10€ jährlich mehr Geld für Hörbücher ausgegeben wird als durch den Kauf von physischen Produkten.

Diese und mehr Themen wurden beim diesjährigen Kleinverlegertag erörtert.

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Wir möchten uns noch einmal bei den KommilitonInnen des Schwerpunkts Kommunikationsmanagement für dieses spannende Event bedanken!

Autorin: Beatrix Dombrowski

 

 

Ausstellung: LEIPZIG beeinDRUCKT

Ausstellung: LEIPZIG beeinDRUCKT

Exponat der Ausstellung © Museum für Druckkunst Leipzig
Exponat der Ausstellung © Museum für Druckkunst Leipzig

Im Rahmen des 1 000-jährigen Jubiläums der Stadt Leipzig präsentiert das ansässige Museum für Druckkunst eine umfassende Ausstellung, welche die Industriekultur des historischen Druck- und Verlagsstandorts detailliert und beispiellos darstellt.

Im Jahre 1918 wurde etwa jedes zweite in Deutschland angebotene Buch in Leipzig gefertigt. Ein Fakt, der keineswegs spurenlos an der Großstadt an der Elster vorbeigegangen ist, denn 500 Jahre Druckgeschichte prägen diese bis heute. Doch wie kam es zu dieser Entwicklung, und welche Innovationen und Persönlichkeiten waren die treibenden Zahnräder im Gewerbe der Bütten und Lettern? Wen die Neugier gepackt hat, kann diese in der Ausstellung LEIPZIG beeinDRUCKT – 500 Jahre Druck- und Verlagsstandort stillen.

Industriekultur zum Anfassen

Das im populären Trendbezirk Plagwitz befindliche Museum dokumentiert auf vier Etagen zahlreiche Facetten der hiesigen Druckkultur. Den interessierten Besucher erwartet ein historischer Rundgang, der die wichtigsten Etappen der Leipziger Druckindustrie exemplarisch charakterisiert. Dabei haben die Aussteller keinesfalls mit Exponaten gegeizt: Vom einfachen Büttenpapier über wertvolle Drucke bis hin zu verschiedenen, voll funktionsfähigen Geräten und Maschinen der Buch- und Druckindustrie ist alles vorhanden. Durch tägliche Vorführungen von Fachpersonal sind Teilnehmer einer Führung dazu eingeladen, sich selbst von der Funktionalität der Geräte zu überzeugen – Industriegeschichte zum Anfassen in einer authentischen Atmosphäre. Diese wird über den, großteilig chronologischen, Leitfaden durch das Industriedenkmal erzeugt, welcher den Zeitraum von 1408 bis ins 19. Jahrhundert beleuchtet und ein nie dagewesenes Gesamtbild zur Entwicklung der Leipziger Druck- und Buchindustrie schafft.

Ausstellungsstücke aus Archieven und Sammlungen

Druckmaschine © Museum für Druckkunst Leipzig
Druckmaschine © Museum für Druckkunst Leipzig

Die Exposition besteht zu Teilen aus den jahrelangen Sammlungen des Druckmuseums, wurde allerdings durch zahlreiche Leihgaben aus dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum, sowie der Universitätsbibliothek Leipzig ergänzt. Auch das Sächsische Staatsarchiv und das Sächsische Wirtschaftsarchiv haben einige, bisher ungesehene Kostbarkeiten beigesteuert. Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann sich nun bis zum 4. Oktober diesen Jahres beeindrucken lassen. Weitere Informationen sowie Termine zu Vorträgen und Führungen finden Sie auf: www.druckkunst-museum.de.

Autor: Tankred Hielscher