Poetry Slam – aufblühender Trend in Leipzig?

Poetry Slam – aufblühender Trend in Leipzig?

In Veranstaltungsplanern findet man immer häufiger Poetry-Slam-Events. Woran das liegt, wie man zum Slammen kommt und wie das aus der Sicht eines Slammers ist, habe ich mit Karl-Georg Gräfe besprochen. Er schreibt Texte und trägt sie vor, früher in Delitzsch, heute in Leipzig. 

Karl-Georg Gräfe im Interview
Karl-Georg Gräfe im Interview

Stell dich kurz einmal vor.

Ich bin Karl. Ich arbeite hauptberuflich im BFW Bau und schreibe nebenbei. Inzwischen bin ich 26, habe Anglistik studiert, bei Amazon Päckchen gepackt, als Küchenhilfe gejobbt, auf dem Bau gearbeitet und keinen Wehrdienst ableisten müssen. (lacht)

Wie hast du mit dem Slammen angefangen?

Zum Schreiben an sich bin ich durch Musik gekommen – Rap. Mit 13/14 habe ich angefangen selber zu schreiben und weil ich kein Taktgefühl habe, habe ich dann nur noch geschrieben ohne die Musik ringsum. Dann ist dieses Phänomen Poetry Slam aufgetaucht.

Wann war das?

Schon eine ganze Weile her. Aber ich habe erst vor 2 Jahren angefangen und den Schritt gemacht auf der Bühne zu erzählen. Ich habe vorher schon ein Weilchen darüber nachgedacht und es ist einfach der leichteste Weg seinen Quatsch unters Volk zu bringen. Wenn man versuchen wollen würde ein Buch rauszubringen, ist das auf dem Lyrikmarkt sehr schwierig. Hinzukommt, dass es echt Arbeit ist einen Verlag zu finden. Man könnte es zwar auch selbst bezahlen, aber das ist echt teuer. Deswegen habe ich Poetry Slam als mein Sprachrohr entdeckt.

Wie ist es vor versammelter Mannschaft zu sprechen? Warst du das erste Mal sehr nervös und aufgeregt?

Mein erster Slam war in Torgau im Oktober 2014 glaube ich. Da stand etwas in der Zeitung, dass die sowas machen. Da hat es sich angeboten da hin zu fahren und einfach mitzumachen. Nervös war ich schon, aber dadurch, dass man sich durchaus an seinem Zettel festhalten kann, ging das schon.

Ich habe noch nie einen Poetry Slammer mit Zettel gesehen.

Doch gibt es. Wenn ich das ganze schon schreibe, dann lern ich das doch nicht noch auswendig. Das war noch nie meine Stärke Gedichte auswendig zu lernen. Selbst wenn es meine eigenen Texte sind, macht es das nicht einfacher. Passagenweise kenn ich meine Texte schon, aber so hat man nochmal eher die Möglichkeit auf den Ausdruck zu achten und es nicht gerade runter zu leiern wie in der Schule.

Gibt es beim Poetry Slam Regeln die man beachten muss?

Grundsätzlich ist es ein Dichterwettstreit, wo man sich vergleichend gegenübertritt. Poetry Slam ist in in den 50er, 60er Jahren in New York zum ersten Mal aufgetreten, damals noch als Spoken Word tituliert. Es gibt eine Zeitbegrenzung von 7-10 min. Es darf nicht gesungen und keine Requisiten benutzt werden. Es geht um den Vortrag und den Text an sich, dass das eben im Mittelpunkt steht.

Was glaubst du wer meistens bei den Contests gewinnt? Eher die lustigen Beiträge oder die ernsthaften?

Ich glaube was am meisten Aufmerksamkeit am Ende bekommt, ist das was lustig ist. Die Leute gehen dahin um unterhalten zu werden und nicht um ihr Weltbild umstoßen zu lassen. Das ist ja auch okay so. Aber wer am Ende gewinnt, ist immer unterschiedlich, weil es ja auch immer ein wechselndes Publikum und am Ende Massenentscheid ist. Wenn über Applausometer entschieden wird, ist das eh ein bisschen schwammig, da es dann im Ohr des Moderators liegt. Tendenzen würde ich da nicht festmachen wollen.

Welche Themen interessieren dich? Worüber schreibst du selber?

Ich bilde mir ein, zumindest einen gewissen Humor mit reinzubringen, aber ich versuche schon die Themen die mich am ehesten bewegen abzuarbeiten mit einem ernsten Hintergedanken und einem Anliegen. Ich habe einen Text der heißt Generation Copy &Paste. Das ist mein Blick auf meine Generation. Es gibt einfach wichtigere Dinge für unsere Altersgruppe als Arbeit und Karriere. Damit mein ich mehr Leben als Leistung bringen. Dann habe ich noch einen anderen Text den ich sehr mag – Diptychon, wie das zweiteilige Heiligenbild. Da geht es um die Rolle der Frau heutzutage und auch die der Männer. Was ist männlich, was ist weiblich? Und macht das Sinn das so einzuteilen? Das ist ein Thema, dass mich persönlich sehr interessiert. Das sind auch durchaus Themen die ernster Natur sein können, da bring ich halt lieber noch ein bisschen Situationskomik mit rein, anstatt das wissenschaftlich abzuarbeiten.

Warum zeigen zurzeit so viele Leute Interesse an Poetry Slams? Das gibt es ja schon länger.

Ich glaube es ist eine relativ kostengünstige Variante sich einen Abend lang unterhalten zu lassen und viele verschiedene Themen geboten zu bekommen. Und dann natürlich auch durch sowas was sehr große Aufmersamkeit erregt wie Julia Engelmann mit ihrem Text „Eines Tages werden wir alt sein“. Was punktuell eine recht große Aufmerksamkeit bekommt, da entsteht auch ein allgemeines Interesse.

Wer verdient bei den Poetry Slam Veranstaltungen oder ist es eine Ehrensache?

Daran verdienen die die Location bieten, zum Beispiel das Westwerk hier in Leipzig. Die verdienen natürlich an den Getränken an dem Abend. Diejenigen die das selbst veranstalten, kriegen ein bisschen mehr rein als die Kosten durch die Eintrittsgelder. Die Künstler an sich bekommen vielleicht ihre Fahrtkosten wieder aber machen das im Großen und Ganzen aus Spaß an der Freude und für die Sache. Dann hat man ja noch ein paar Bekanntere wie Julia Engelmann und Sebastian 23, die vielleicht davon leben können.

Kannst du mir abschließend eine Anekdote erzählen?

Beim Westslam wo ich war, war einer der für „Die Partei“ tätig ist, der sehr viel von Zahlen gesprochen was Schwarzverschuldung und EZB Bankenrettung betrifft. War durchaus auch amüsant. Er musste von der Bühne getragen werden, weil er sein Zeitlimit rigoros überschritten hat und sich auch davon nicht abhalten lassen hat, als das Mikro abgestellt wurde. Der war voll bei der Sache, der wollte erzählen. Manchmal ist einer auch mal betrunken der vorträgt, aber die meisten sind relativ gut erzogene Mittelstandskinder. Die Zeiten von nackt über die Bühne rennen sind vorbei.

Karl, vielen Dank für das Gespräch.

Autorin: Viktoria Gamagina

Dangerous Minds in Literature – Charles Bukowski

Dangerous Minds in Literature – Charles Bukowski

Henry Charles Bukowski umschreiben die Worte unbeugsam und unbequem wohl am besten. Manche lieben und manche hassen ihn, das ist wohl der Lauf der Dinge. Er war ein Autor, welcher ohne jeglichen Schnick Schnack innerhalb seiner Werke auskam. Es war gerade heraus, direkt und schroff, was wohl auch der Grund ist, wieso manche ihn nicht ertragen konnten.

Der Dirty Old Man

hqdefaultGeboren 1920 in Andernach, zog seine Familie mit ihm im Alter von 3 Jahren nach Los Angeles. Er hatte ein bewegendes Leben ohne Fixpunkte. Bukowski versuchte sich an einem Journalismus Studium und währenddessen auch schon als Schriftsteller. Viele Jahre lebte er in immer neuen Umfeldern ohne wirklich sesshaft zu werden. Seinen Unterhalt verdiente Bukowski meist durch Hilfs- oder Tagesjobs, unter anderem bei der Post. Im Alter von 33 Jahren wäre er fast an einem aufgeplatzten Magengeschwür gestorben, aber er konnte dem Tod noch gerade so eine Schippe schlagen. 1970 gelang es dann Bukowski ausschließlich von seinen schriftstellerischen Einnahmen zu leben, wodurch er endlich seinen Job bei der Poststelle kündigen konnte. Henry Charles Bukowski starb aber schließlich im Alter von 73 an Blutkrebs in San Pedro.

Dieses wilde und wechselhafte Leben machten Bukowski zu der Person, welche manche lieben und andere hassen gelernt hatten. Zu einer unbequemen, schroffen und unbeugsamen Person.

Der Charakter des Dirty Old Man

Ein von Zigaretten und Alkohol umhüllender Rauch umgibt die Person des Charles Bukowski. Die Sinne benebelt und der Körper berauscht, aber keineswegs getrübt. Er hatte seine eigenen und zuweilen einzigartigen Ansichten und scheute sich auch niemals davor sie auszusprechen. Mag dies dem Alkohol geschuldet sein? Wer weiß vielleicht, aber ist dies nicht unwichtig an dieser Stelle? Nicht von der Hand zu weisen ist jedoch, dass er gerne trank.

„Das ist das Problem am Trinken, dachte ich mir, während ich mir einen Drink einschüttete. Wenn etwas Schlechtes passiert, trinkt man um zu vergessen; wenn etwas Gutes passiert, trinkt man um zu feiern; und wenn gar nichts passiert, trinkt man, damit etwas passiert.“

Bukowski lebte und liebte sozusagen den Exzess, sei es der Alkohol, die Zigaretten oder auch die Frauen. Meist begann währenddessen seine Schaffensphase. Er schrieb und schrieb, machte sich Gedanken über vergangene Erlebnisse, Liebe, Gesellschaft, Politik, Literatur und Kunst.

Die Gedanken des Dirty Old Man

Die Gedanken des Charles Bukowski lassen sich grob mit diesem Zitat zusammenfassen:

„Understand me. I’m not like an ordinary world. I have my own madness, I live in another dimension and I do not have time for things that have no soul.“

Er machte keinen Hehl daraus, dass er anders dachte und sich auch so verhielt. Ihm war ein Großteil der Gesellschaft zu bieder, er bezeichnete diese gerne als „tote Massen“. Bukowski meinte meist mit diesen „toten Massen“ Personen, welche sich ohne nachzudenken jeden Morgen aufraffen und in den Verkehr zwängen, nur um zu einem lieblosen Job zu kommen. Er ließ aber auch kein gutes Haar an der Politik, indem er die Oberhäupter eines Landes als gemein, engstirnig und dumm charakterisierte und mit dem folgenden Ausspruch die Demokratie abstraft:

„Der Unterschied zwischen einer Demokratie und einer Diktatur liegt darin, dass du in der Demokratie wählen darfst, bevor du den Befehlen gehorchst.“

Im Bezug auf Literatur mochte Bukowski jene Schriftsteller, welche auch gerade heraus schrieben, ohne viel Aufhübschen und Beschönigung des Textes. Einer der in diese Kategorie einstach, war Antonin Artraud, denn auch dieser schrieb was er dachte, ohne künstlich etwas aufzubessern. Doch gibt es nicht nur diese Art der Schriftsteller, sondern auch jene, welche künstlich hochstilisieren und mit ihren gut gewählten Worten die Szenarien besonders bunt ausmalen. Die Gedichte dieser Personen beschreibt Bukowski als „feinsinnig mit Nichtigkeiten“ oder auch als „ödes, schmutziges Spielchen“.

Bukowski trieb auch so einige schmutzige Spielchen, aber nicht in seinen Gedichten, sondern viel mehr mit Frauen. Somit war er auch nicht vor Liebe gefreit, wobei er in diesem Bereich wieder seine ganz eigenen Ansichten hatte. Er meinte, dass Liebe nur ein Vorurteil sei und er nicht einer verblendenden Illusion einer Traumfrau hinterherlaufen wolle, sondern nur eine Frau wollte, die kein Albtraum war.

Henry Charles Bukowski war mit Sicherheit kein einfacher Zeitgenosse. Weder für Verleger, Schriftsteller, seine Frauen oder die Gesellschaft. Er war unbequem, unbeugsam und schroff.

buk

„Das Leben ist eine Illusion, hervorgerufen durch Alkoholmangel.“

Cheers Mr. Bukowski.

Autor: M. Kroschwald

Literatur & Rock ’n’ Roll – Eine Playlist aus zwei Welten

Literatur & Rock ’n’ Roll – Eine Playlist aus zwei Welten

Musik und Lesen – auf den ersten Blick ein Gegensatz wie laut und leise. Unsere Playlist soll jedoch zeigen, dass sich viele Bands und Künstler des Rock von den großen Werken der Literatur inspirieren ließen und deren Inhalte für ihre Fans zugänglich machten.

Obwohl im Allgemeinen das Genre der Rockmusik nicht mit Eigenschaften wie Intellektualität, Anspruch und Komplexität assoziiert wird, findet sich gerade hier eine erstaunlich hohe Anzahl an Songs, die sich auf Bücher und Erzählungen beziehen und deren Geschichten musikalisch interpretieren. Zur groben Orientierung haben wir eine Playlist zusammengestellt, die euch einen Überblick über die Symbiose aus Literatur und Rock ’n’ Roll im Laufe der Jahrzehnte geben soll.

1967: Jefferson Airplane – White Rabbit

Im Kontext der aufblühenden Flower Power-Bewegung und der Verwendung in der Popkultur wird der Song oft als reine LSD-Hymne interpretiert. Sängerin Grace Slick ließ sich beim Schreiben des Liedes eigenen Angaben zufolge jedoch primär von den Kinderbüchern „Alice im Wunderland“ und „Alice hinter den Spiegeln“ des britischen Schriftstellers Lewis Carroll inspirieren und greift viele Figuren der Buchvorlage im Text auf.

1969: Led Zeppelin – Ramble On

Als eine der größten Hardrock-Bands aller Zeiten ließ sich auch Led Zeppelin von der Welt der Bücher inspirieren. Besonders die Fantasy-Geschichten von J. R. R. Tolkien hatten es Sänger und Texter Robert Plant angetan und somit finden sich gleich mehrere Stücke im Katalog der Band, die sich auf „Der Herr der Ringe“ beziehen. Im Text von „Ramble On“ vom Album „Led Zeppelin II“ werden mit „Mordor“ und „Gollum“ sowohl ein Schauplatz als auch eine Figur aus dem Mittelerde-Kosmos direkt benannt. Weitere Referenzen auf Tolkiens Werk finden sich in späteren Songs wie „Misty Mountain Hop“ und „The Battle of Evermore“.

1974: David Bowie – 1984

Der 1949 erschienene Dystopie-Roman „1984“ von George Orwell gilt als eines der wichtigsten Werke der modernen Literatur und hat nachhaltige Wirkung hinterlassen. So wird das Buch regelmäßig zitiert, wenn es um das Aufkommen eines Überwachungsstaates geht. Dies war bereits in den Siebziger Jahren ein besorgniserregendes Thema, weshalb sich David Bowie dazu entschloss, dem Titel ein Musical zu widmen. Jedoch stellte sich während des Schreibprozesses heraus, dass die Witwe Orwells die Rechte nicht einräumen würde und somit musste der Plan verworfen werden. Stattdessen finden sich die Songs auf dem 1974er Album „Diamond Dogs“.

1976: The Alan Parsons Project – The Raven

Edgar Allan Poe prägte mit seinen Erzählungen und Dichtungen gleich drei Genres der Literatur: Krimi, Science-Fiction und Horror. Andere berühmte Autoren geben ihn als Inspirationsquelle an, unter ihnen sind etwa Jules Verne, Arthur Conan Doyle oder H. P. Lovecraft. So ist es nicht verwunderlich, dass sich auch Musiker intensiv mit seinen Werken auseinandersetzten. Die 1975 gegründete Progressive-Rock-Band um den ehemaligen Toningenieur von Pink Floyd, Alan Parsons, konzipierte ihr Debütalbum um die schaurigen Erzählungen Poes. Die Songs auf „Tales of Mystery and Imagination“ beziehen sich inhaltlich auf Geschichten aus dem gleichnamigen Sammelband von 1908.

1984: Metallica – For Whom The Bell Tolls

Die Achtziger stehen nicht nur für den Siegeszug der Popmusik, sondern auch für das Aufkommen von Metal als härtere und schnellere Variante des Hard Rock. Doch trotz aller Aggressivität waren die Inhalte der Lieder oftmals nachdenklich, kritisch und intelligent. So nahmen sich Metallica für „For Whom The Bell Tolls“ vom Album „Ride The Lightning“ den Stoff von Ernest Hemingways Antikriegsroman „Wem die Stunde schlägt“ vor, welcher im Spanischen Bürgerkrieg angesiedelt ist und prangern die Sinnlosigkeit des Krieges an.

1993: Nirvana – Scentless Apprentice

Kreativer Genius und Einzelgängertum gehen in der Kunst oft Hand in Hand. So ist es nur passend das Kurt Cobain, Frontmann der Grunge-Band Nirvana und selbst geplagt von Selbstzweifeln, körperlichen Problemen und einer schwierigen Jugend, sich mit dem Protagonisten Jean-Baptiste Grenouille aus Patrick Süskinds Erfolgsroman „Das Parfüm“ identifizieren konnte. Der Song „Scentless Apprentice“ vom letzten Studioalbum der Band vor Cobains Suizid im Jahr 1994 beschreibt den Werdegang Jeans und untermalt diesen mit verstörenden Gitarrenklängen.

2004: Mastodon – Seabeast

Es gibt zeitlose Literaturklassiker, welche auch nach vielen Jahrzehnten nichts an ihrer Faszination eingebüßt haben. Herman Melvilles 1851 erstmals erschienenes Walfänger-Epos „Moby Dick“ zählt ohne Zweifel dazu. Die Geschichte von Kapitän Ahab und seiner Besatzung, die Jagd auf den legendären weißen Wal macht, wurde bereits mehrfach verfilmt, als Comic umgesetzt, zum Hörspiel gemacht und auch musikalisch vertont. Das Konzeptalbum „Leviathan“ der amerikanischen Metalband Mastodon basiert auf den Roman greift zentrale Motive in den Songs auf.

Anmerkung des Autors: Diese Playlist erhebt selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Dies ist im Rahmen des Blogs auch gar nicht möglich. Die Liste soll einen Startpunkt bieten und euch ermutigen, selbst zu entdecken. Natürlich auch gerne in anderen Musikgenres!

Autor: N. Zwanzig

Crowd-Publishing: Self-Publishing 2.0?

Crowd-Publishing: Self-Publishing 2.0?

Crowd-Publishing stellt sich als neue Publishing-Methode heraus, die noch eine nähere Beziehung zwischen Autor und Leser als Self-Publishing bietet, da der Leser maßgeblich für die Veröffentlichung des Werkes ist. 

Self-Publishing ermöglicht dem Autor unabhängig von einem Verlag sein Buch zu veröffentlichen und dabei die Urheberrechte zu behalten. Dies geschieht allerdings selten vollständig autonom, da die geschriebenen Werke meist über Self-Publishing-Plattformen wie Amazons Kindle Direct Publishing oder neobooks der Verlagsgruppe Droemer Knaur als ebooks vertrieben werden.

Dadurch gehört schlussendlich ein Anteil von bis zu 70% des Gewinns dem Autor, eine ausgesprochene Steigerung zu dem üblichen Honorar bei einer Verlagsveröffentlichung, auch wenn unterschiedlichen Nettoverkaufspreise in Betracht gezogen werden. Crowd-Publishing scheint eine Methode zu sein, das Autorenhonorar mithilfe von Direktvermarktung zu steigern.

Crowd-Publishing: Crowdfunding für Bücher

Schon seit mehreren Jahren besteht für Projekte und Ideen die Möglichkeit, sich durch zukünftige Kunden selbst zu finanzieren. So präsentiert der Urheber seine Idee und hofft darauf, Unterstützung von der Crowd (dt.: das gemeine Volk), zu erreichen und sich nicht auf das Interesse großer Investoren verlassen zu müssen.  Dieser Prozess nennt sich Crowdfunding. Die Plattformen Kickstarter und indiegogo gehören zu den größten internationalen Crowdfunding-Plattformen. Dort gibt es unter vielen anderen auch die Kategorie „Publishing“ (Kickstarter) bzw. „Schreiben“ (indiegogo), in dem Autoren ihre Bücher darbieten, um ihre Veröffentlichung durch Leser zu finanzieren und zu vermarkten.

Leser übernehmen dabei einerseits die Rolle des Verlages und haben die Entscheidungskraft,  Bücher auf den Markt zu bringen, andererseits sind sie auch die Käufer und erhalten das Buch nach Beendigung der Kampagne. So wird aus Self-Publishing Crowd-Publishing. Die Gebühren der Plattformen betragen jeweils 5%, ausschließlich der Gebühren der Zahlungsabwicklung, und liegen damit weit unter den Gebühren meister Self-Publishing-Plattformen.

Monatliches Gehalt mithilfe von Patreon

© Rocío Lara/Flickr
© Rocío Lara/Flickr

Crowdfunding-Kampagnen zeichnen sich dadurch aus, dass sie einmalig Projekte unterstützen und finanzieren, doch einige Content Creators geben ihre Inhalte kostenlos und regelmäßig zur Verfügung und haben dadurch Schwierigkeiten, sich den Lebensunterhalt zu verdienen.

Die Crowdfunding-Plattform Patreon möchte dieses Problem umgehen, in dem sie den finanziellen Trägern, sogenannte Patrons, die Möglichkeit anbietet, in Form von regelmäßigen Spenden den Autoren oder Künstler zu unterstützen.

Dies basiert darauf, dass Patrons mit Patreon den Content Creator für die Zukunft unterstützt und gleichzeitig Zugriff auf exklusive Premium-Inhalte erlangen.

Ein erfolgreiches Beispiel für Crowd-Publishing ist der Webcomic Wormworld Saga von Daniel Lieske. Mithilfe von Patreon erreicht Daniel Lieske einen monatlichen Betrag von mittlerweile über 250 Dollar zur Unterstützung des Webcomics. Auf Kickstarter startete er schon mehrere erfolgreiche Kampagnen für die Vermarktung und Finanzierung der Reihe als physisches Produkt.

Autorin: Eva Goetzke

Philip K. Dick – Nur weil ich paranoid bin, …

Philip K. Dick – Nur weil ich paranoid bin, …

… heißt das nicht, dass sie mich nicht verfolgen.

Dieser Spruch, der auf einem Plakat in Philip K. Dicks Wohnung zu finden war, ist bezeichnend für das Leben eines der größten Science Fiction Autoren der Welt. Getrieben von seinen eigenen Ängsten und wiederholten Panikattacken schuf Philip K. Dick (kurz PKD genannt) sich durch seine Bücher eine eigene Realität, die zunehmend mit seiner Wahrnehmung der Wirklichkeit verschmolz.

Bedeutung für das ganze Genre

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PKD als Siebdruck © Pete Welsch

Philip K. Dick half durch sein Schaffen mit, das Genre der Science Fiction aus der pulp era in das goldene Zeitalter zu führen. So wurden Science Fiction Geschichten davor eher als Schund (engl. pulp) betrachtet, was sich auch in der billigen Verarbeitung und den trashigen Covern bemerkbar machte.

Die Protagonisten in seinen Romanen sehen sich meist wandelnden Realitäten gegenüber, die nur schwer von der Wirklichkeit zu unterscheiden sind. So wissen sowohl die handelnden Personen als auch der Leser selbst am Schluss häufig nicht, ob er seiner Wahrnehmung, bzw. dem Gelesenen, trauen kann. Ebendiese Mehrschichtigkeit und die oftmals ungeklärten Enden seiner Geschichten machen für viele Leser den Reiz aus.

Das isolierte Leben des Philip K. Dick

PKD widmete sich nach einer Panikattacke komplett dem Schreiben und zog sich immer weiter aus der Gesellschaft zurück. So bereiteten ihm alltägliche Dinge, wie ein Essen in einem Restaurant oder die Fahrt mit dem Bus, zunehmend Probleme. Seine Wohnung wurde zu seinem Rückzugsort, den er zunehmend seltener verließ. Er sah sich von nun an eher als ein außenstehender Beobachter des Lebens als ein teilnehmender Akteur. So konzentrierte er all seine Energie, die vor allem durch die Einnahme von Medikamenten und Amphetaminen bedeutend verstärkt wurde, auf das Schreiben von Science Fiction Geschichten. Die Mischung aus verschriebenen Pharmazeutika und Drogen verursachte bei ihm zunehmend Halluzinationen, die er in seine Geschichten einflocht.

Der Drogenkonsum sowie die Überwachung durch CIA und FBI, ausgelöst durch ein Treffen mit Drogensüchtigen, Linken und Black Panther in seinem Haus, und ein Einbruch in seine Wohnung verstärkten seine Paranoia. Dies führte dazu, dass er sowohl der Regierung als auch allen Menschen in seinem Umfeld anfing zu misstrauen.

Orthogonaler Zeitstrom

PKD glaubte an die Existenz einer orthogonalen Zeitachse, die im rechten Winkel zu unserer horizontalen Zeitachse verläuft. Aus den Schnittpunkten dieser Zeitachsen, die Philip K. Dick glaubte wahrzunehmen, bezog er seine Informationen über die Zukunft. So meinte er seinen eigenen Tod bereits zu Lebzeiten deutlich vor sich sehen. In einem Brief an eine Freundin beschrieb er, dass er in einer Art traumartigen Zustand seine eigene Leiche zwischen Couchtisch und Sessel mit dem Gesicht zum Boden erblickt hatte. In ebendiesem Zustand fand man ihn acht Jahre nach dem Versenden des Briefes tot in seiner Wohnung.

Viele Fans sehen darin einen Beweis, dass Philip K. Dick zukünftige Dinge wahrnahm, die sonst niemand sehen konnte. Anderseits ist anzumerken, dass er den ganzen Tag in diesem Sessel an der Schreibmaschine verbrachte und somit sein Tod in dieser Position durchaus wahrscheinlich war.

Autor: Robert Rebbe

PAN: Phantastik-Autoren bekommen eine Stimme!

PAN: Phantastik-Autoren bekommen eine Stimme!

Zu fast jedem Buchgenre existiert in Deutschland eine entsprechende Autorenvereinigung, die ihre Mitglieder und ihr Genre öffentlich vertreten.  Dass es dabei sehr lang keine Autorenvereinigung für den Bereich Fantasy gab, ist schon eine Überraschung.  Ausgerechnet das Genre, welches bei den Deutschen an dritte Stelle der Rangliste steht, sollte keine Stimme in der Öffentlichkeit haben?  Genau diesen Umstand plante Diana Menschig zu ändern und gründete am 15. November 2015 mit zwölf weiteren Autoren, sowie einem Buchhändler und einem Lektor den gemeinnützigen Phantastik-Autoren-Netzwerk e. V., kurz: PAN.  Inzwischen zählt der Verein 70 Mitglieder (Stand: April 2016) und tagte am 21.04. und 22.04. zu seinem ersten offiziellen Branchentreffen in Köln.

Nachdem sich das SYNDIKAT – die nunmehr seit 30 Jahren bestehende Vereinigung deutscher Krimiautoren – im August 2014 mit einem offenen Brief erfolgreich in den Machtkampf zwischen amazon und der Bonnier-Verlagsgruppe eingemischt hatte, erkannte Diana Menschig, das ein solcher Zusammenschluss von Autoren der deutschen Phantastik längst überfällig war: »Ich finde es wichtig, dass wir als Phantastik-Autoren eine Stimme im Markt haben, um den Veränderungen der Buchbranche gemeinsam begegnen und gegebenenfalls gemeinsam auf sie reagieren zu können.  Das Ansehen der Phantastik hat sich in den letzten Jahren stark verbessert, aber gerade für deutschsprachig veröffentlichende Autoren ist noch viel Luft nach oben, was die Anerkennung innerhalb des Literaturbetriebs anbelangt.«

In diesem Sinne lud der PAN e. V. am 21.04. und 22.04. im Kölner Odysseum zum Ersten PAN-Branchentreffen der Phantastik ein.  Das zentrale Thema:  »Die deutschsprachige Phantastik – Kulturgut oder doch nur gut?«  Das Ziel:  »Wir wollen alle dasselbe, nämlich die Phantastik voranbringen!«  (Lars Schmeink, Gesellschaft für Fantastikforschung)

Erstes Branchentreffen der deutschen Phantastik-Autoren:  Tag 1

»Es ist ein Fehler, Elemente der Phantastik wegen ihrer Irrealität als belanglos abzutun!«
Dr. phil. Frank Weinreich

Nach der Begrüßung durch PAN-Gründerin Diana Menschig geht es sogleich mit Dr. phil. Frank Weinreich (freier Lektor und Literaturscout) in die erste Runde:  »Ausbruch aus Wolkenkuckucksheim – Gedanken über die Rolle der Phantastik in der Gesellschaft.«  Zu oft werde die Sinnhaftigkeit der Phantastik in Frage gestellt, so Weinreich.  Zu oft werde sie als Zeitverschwendung angesehen.  Kritisiert werden hierbei meist noch nicht einmal die Qualität phantastischer Texte, sondern ihre Inhalte.

Doch seien die Inhalte phantastischer Literatur keinesfalls belanglos, findet Weinreich.  Sie sei der Spiegel der Umstände, unter denen sie erfasst werde und spiegle die Welt sowohl politisch und philosophisch als auch ethisch und moralisch wider.  Weinrich blickt positiv in die Zukunft der deutschen Phantastik:  »Die fehlende Anerkennung kann sicher bald zu Grabe getragen werden.«  Schließlich vergleichen Medien bereits Landschaften mit Mordor und Politiker mit Sauron oder Voldemort.

»Das Feuilleton arbeitet seit fast zehn Jahren an seiner Selbstabschaffung!«

– Bernhard Hennen

Diskussionsrunde - Muss mehr deutsche Phantastik ins Feuilleton? © PAN e.V.
Diskussionsrunde – Muss mehr deutsche Phantastik ins Feuilleton? © PAN e.V.

Es folgt eine Diskussionsrunde zum Thema:  »Muss mehr deutsche Phantastik ins Feuilleton?« mit den Autoren Christoph Hardebusch und Bernhard Hennen, sowie der Bloggerin und ARD Literaturexpertin Karla Paul, der FAZ.net-Feuilleton-Journalistin Andrea Diener und Tilman Strasser vom Literaturhaus Köln.  Die Rede ist von den Feuilletons großer Tageszeitungen.  Kritisiert wird, dass wenig über Bücher – besonders aus dem Bereich der deutschsprachigen Phantastik – und noch weniger über Computer-Spiele gesprochen wird.  Wenn doch, dann bestehe eine Überpräsenz englischer Werke und dem, was als »hochrangige Literatur« angesehen werde.  Diener erklärt daraufhin, dass Tageszeitungen schließlich schreiben, was die Zielgruppe lesen wolle und was die Feuilletonisten, die sehr frei in ihrer Arbeit seien, interessiere.

Dies hatte eine Diskussion zufolge, warum Autoren unbedingt im Feuilleton erscheinen wöllten und wie innovativ bzw. eher wie veraltet und konservativ unsere heutigen Tageszeitungen seien.  Kritik kommt auch von Hannes Riffel, Programmleiter von Fischer TOR (Science Fiction und Fantasy) des S. Fischer Verlags:  Die allgemeine Presse sei zu stark spezialisiert.  Damit bedient sie zwar ältere Generation, die auch als Zielgruppe verstanden werden, haben aber die jüngeren bereits verloren und laufen Gefahr, sich so ihr eigenes Grab zu schaufeln.

»Der Normvertag des VS* benachteiligt Autoren und muss geändert werden!«

– Alanna Falk

Es folgt ein Vortrag zur Frage »Was kann ein Zusammenschluss von Autorenverbänden leisten?« von Hans Peter Roentgen von Aktion fairer Buchmarkt.  Besprochen werden die Themen Urheber- und Verwertungsrechte, Rechtrückforderungen und aktuelle Entwicklungen zu den Fällen der VGWort und den Urheberrechtsänderungen sowie die unvorteilhaften (Verlags-)Normverträge des *Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller.

Im Anschluss schlägt Ulrich Kelber – parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz mit »Raubkopien und illegalen Downloads« in eine ähnliche Richtung ein und beschreibt u. a. das Problem der sich zu schnell ändernden Technologien, die neuen Gesetzen  gegenüberstehen.  Nichtsdestotrotz:  »Die Rechte von Urhebern und Verlagen müssen durchgesetzt werden!«, findet Oliver Graute, Vorstandsvorsitzender der Phantastischen Akademie.

Nach einer kurzen Pause stellt Klaudia Seibel von der Phantastischen Bibliothek Wetzlar in ihrem Beitrag »Wo die Ideen aus den Büchern kriechen:  Ein Streifzug durch die Phantastische Bibliothek und ein bisschen Libriomantik« Aufgaben, Projekte und Besonderheiten der Phantastischen Bibliothek der Stadt Wetzler vor, die mit einem Bestand von ca. 260 000 phantastischen Werken die wohl weltweit umfassendste Einrichtung ihrer Art ist und als einzige Heftromane sammelt – Perry Rhodan-Fans aufgepasst!

»Schreiben ist harte Arbeit und muss auch beim Nachwuchs anerkannt werden!«

– Ingrid Pointecker

Letzter Programmpunkt des ersten Tages ist die Diskussion »Schreiben kann doch jeder – Warum sollen wir Nachwuchs fördern?« mit der Autorin und Initiatorin des Tintenzirkels Maja Ilisch, dem Autor Markus Heitz, der Chefin des ohneohren Verlags Ingrid Pointecker und Oliver Graute, dem Vorstandsvorsitzenden der Phantastischen Akademie.  Bei der richtigen Form der Nachwuchsförderung gehen die Meinungen auseinander.  »Junge Autoren müssen sich mehr trauen, die eigenen Geschichten umzusetzen«, betont Markus Heitz.  Am Schluss sind sich jedoch alle Beteiligten dahin einig:  Schreiben braucht vor allem Zeit, Ausdauer, Willen und das entsprechende Handwerk.

Ausklang des ersten Tages ist das auch öffentlich zugängliche »Phantastische Gipfeltreffen« mit den drei Giganten der deutschen Phantastik!  Bernhard Hennen, Markus Heitz und Kai Meyer aus ihren aktuellen Werken lesend und im Gespräch moderiert von Karla Paul.  Einfach episch!

Phantastisches Gipfeltreffen - Heitz, Meyer, Hennen © PAN e.V.
Phantastisches Gipfeltreffen – Heitz, Meyer, Hennen © PAN e.V.

Erstes Branchentreffen der deutschen Phantastik-Autoren:  Tag 2

»Du! Sollst! Nicht! Langweilen!«

– Tommy Krappweis

Der Freitag startet mit der Diskussion »Was bringen Leserunden und Lovelybooks, Conventions und Lesungen?«, wofür knapp zwei Stunden nicht ausreichen, findet Autor Tommy Krappweis, der zusammen mit Autorenkollegin Jennifer Benkau, Susanne Kasper von literaturschock.de, Karsten Wolter von der Buchhandlung Drachenwinkel und Jürgen Eglseer vom Amrûn Verlag auf der »Couch« sitzt.  .»Inzwischen ist der Autor in der Rolle des Entertainers«, äußert sich Wolter zur Entwicklung des Berufes »Autor« allgemein und alle sind sich einig, dass Social Media auch in der Buch- und Verlagsbranche ein wichtiger Bestandteil sei.

»Für kleine Verlage ist Facebook extrem wichtig«, meint Eglseer.  Auch Festivals und Conventions seien gute Plattformen für Fantasy-Autoren, finden Krappweis und Wolter.  Vor allem Krappweis und Benkau konnten über ihre positiven Erfahrungen mit Leserunden berichten, jedoch hält Kai Meyer – dieses Mal aus dem Publikum – dagegen.  Mit Leserunden und Beta-Lesern könne er sich nicht anfreunden.  »Als Autor will ich die Stimme des Autors hören, sonst müsste ich ja u. U. nur noch über Katzen schreiben«, argumentiert er.

»Bei Oetinger 34 ist ein Buch Teamarbeit.«

– Katrin Weller

Im Anschluss stellt Katrin Weller, Programmleiterin von Oetinger34, in ihrem Vortrag »Neue Formen der Entstehung von Büchern« die Plattform bzw. das Projekt Oetinger34 vor, wobei sie gemeinsam mit Bernhard Hennen besonders auf die erfolgreiche Reihe Kings & Fools der beiden Oetinger34-Nachwuchsautoren Silas Matthes und Natalie Matt eingeht, deren Pate Hennen war.

Mit »Magische Hörwelten:  Phantastik vertont« präsentiert Torsten Surberg, Director in Program Development bei Audible in einem eindrucksvollen Vortrag mit vielen Hörproben das Tochterunternehmen von amazon.  Gerade mit einem »Dolby-Surround-Schnipsel« aus 50 Shades of Grey plättet Surberg mehr oder weniger seine Zuhörer.  »Audible hat bereits mehr als 30 Millionen Fantasy-Hörstunden verkauft«, berichtet Surberg.  Audible sähe großes Potenzial für vertonte Phantastik, auch bei weniger bekannten Titeln.

»Die Phantastik ist endlich in der Allgemeinheit angekommen.«

– Hannes Riffel

Abschließend diskutieren Branchen- bzw. Autorengrößen wie Kai Meyer, Droemer Knaur Programmleiterin Natalja Schmidt, cbt Verlagslektorin Michelle Gyo, Literaturagent Michael Meller und Hannes Riffel von Fischer TOR über »Die Zukunft der deutschen Phantastik«.  Dabei betont Michael Meller, der sich selbst einen »Dinosaurier der Branche« nennt:  »Werbung allein macht keine Bestseller.«  Aktuell bestehe die phantastische Literatur aus drei Säulen, erklärt er:  Rollenspiel, Tolkien und George R. R. Martin.  Ihm fehle vor allem etwas »Neues«, z. B. politische oder gesellschaftliche Fantasy.

Viele (Nachwuchs-)Autoren würden zu viel nachahmen und sich auf Stoffe fokussieren, die sich insbesondere auf dem amerikanischen Markt verkaufen könnten.  Hierzu Kai Meyer:  »Schreibt für den deutschen Markt.  Schielt nicht den internationalen Markt.«  Zumal der deutsche Buchmarkt einer der größten der Welt sei.  Als letztes sollen die Diskussionsteilnehmer die Zukunft der deutschen Phantastik in drei Worten beschreiben.  Das aussagekräftigste Schlusswort dieses erfolgreichen ersten PAN-Treffens gibt damit Natalja Schmidt:  »Das wird geil!«

PAN Logo © Christin Fetzer
PAN Logo © Christin Fetzer

Wer sich weiterhin für PAN interessiert oder sogar Mitglied werden will, kann sich auf http://www.phantastik-autoren.net umsehen.  Auch auf Twitter und Facebook ist die Autorenvereinigung vertreten.  Hier können u. a. Bilder und Interviews (in Form von Videos) zum Branchentreffen angesehen werden.

Das 2. Phantastik-Autoren-Netzwerk Branchentreffen wird voraussichtlich Mitte Mai 2017 stattfinden.

 

 

Autorin:  Christin Fetzer

London Book Fair: Making Words Go Further

London Book Fair: Making Words Go Further

Auch in diesem Jahr ist eine kleine Auswahl an HTWKlern zur London Book Fair geflogen. Die Buchmesse, die bereits ihr 45-jähriges Jubiläum erlebt, ist ein Mekka für Lizenzkäufe und Gespräche über die neusten Trends der Branche. Wichtiger Teil der drei Tage sind die zahlreichen Seminare. Hier ein paar Tipps von Will Rycroft (Community Manager bei Vintage, Penguin) sowie Simon Appleby (Bookswarm) aus einem Panel über Erfolgreiche Social Media Strategien.

© Anne Wimmer
© Anne Wimmer

Content, Content, Content

Fest steht: Ein Webauftritt ist nur so gut wie sein Inhalt. Wenn eine Seite verspricht, Hintergrundinformationen zu einem Roman zu liefern, dann muss dieses Versprechen eingehalten werden. Andernfalls verliert der Auftritt (und sein Betreiber) an Glaubwürdigkeit und Lesern. Darüber hinaus hilft eine gewisse Regelmäßigkeit bei den Posts, den Leser immer wieder auf den eigenen Kanal zu locken.

Wissen ist auch im Web Macht

Zum anderen sollten Social Media Accounts nur erstellt werden, wenn sie wirklich bespielt werden. Dabei ist ein bisschen Grundwissen im Umgang mit den unterschiedlichen Plattformen nötig. Während auf Instagram das berühmte Foto von Buch und Tee- oder Kaffeetasse für Follower sorgt, ist es auf Twitter bissiger Humor und die Fähigkeit, Hashtag-Trends zu finden und klug zu reagieren.

Vernetzen statt Follower sammeln

Gerade in der Medienbranche ist Feedback wichtig fürs Geschäft. Der Handel mit Erfahrungs- und Vertrauensgütern zieht einen hohen Bedarf an Marktstudien mit sich. Aus diesem Grund ist Social Media eine wichtige und preiswerte Informationsquelle. Dabei sollte der Wert einer Plattform nicht an der Zahl der Follower und Likes festgemacht werden, sondern an der Intensität der Interaktion. Schließlich lassen sich aus einem ausführlichen Review mehr Schlüsse ziehen als aus einem vielgeteilten Katzenvideo.

Der Wohlfühlfaktor zählt

Bei der Wahl des Social Media-Kanals spielt die Zielgruppe eine große Rolle. Die Altersgruppe Unter 18 wandert immer mehr von Facebook ab und nutzt lieber Instagram sowie Youtube. Doch letztendlich gilt: Wo du dich wohl fühlst, solltest du auch surfen. Wenn die Möglichkeiten einer Social Media-Plattform den eigenen Vorlieben widersprechen und jeder hochgeladene Post eine Qual ist, wird ein Wechsel bitter nötig.

Autorin: Beatrix Dombrowski

Die Buchhandlung der Zukunft

Die Buchhandlung der Zukunft

Bücher wird es in einer Buchhandlung in naher Zukunft nicht mehr geben. Dieser Meinung sind viele Leute. Ich hingegen denke, dass zwar E-Books wesentlich gefragter sein werden, das haptische Buch allerdings nicht aussterben, sondern sich nur verändern wird. Auch Buchhandlungen werden sich einem Wandel vollziehen. Hier nun meine Meinung, wie diese Transformation aussehen könnte. 

Dabei meine ich mit Zukunft nicht 5,10 oder 15 Jahre, sondern schon etwas ferner.

© pixabay
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Viele Leute versuchen sich mithilfe von Büchern in eine andere Zeit, an einen anderen Ort und in eine andere Stimmung zu versetzen. Ich denke die Buchhandlungen greifen diese Vorlieben auf und versuchen dank Virtual Reality den Kunden noch mehr das Gefühl zu geben weit weg zu sein. Ich stelle mir das so vor, dass Buchhandlungen Räume besitzen, in denen sich der Kunde an einen anderen Ort versetzen kann, beispielsweise an einen See im Grünen. Dort würde er dann virtuell sein Buch lesen. Oder aber er lässt sich direkt in die Handlung des Buches „beamen“. Allerdings wäre das für die Buchhandlungen vielleicht eher kontraproduktiv, weil das Lesen nicht mehr im Vordergrund stünde, sondern nur noch die Handlung des Buches. Es wäre also eher, wie als würde der Kunde in einem Film stecken.

Der zukünftige Service einer Buchhandlung

In der Buchhandlung wird es vermutlich auch kein Personal mehr geben, sondern softwaregesteuerte Berater, die anhand von Feedback aus dem Internet ein Buch empfehlen, was zu den Vorlieben des Kunden passt. Vermutlich würde dieser Service aber etwas kosten um die Instandhaltung der Berater zu finanzieren. Auch der E-Book-Service würde weiter ausgebaut werden.

Vielleicht gibt es zukünftig große Bildschirme, damit der Kunde schnell in ein Buch lesen kann um zu entscheiden, ob er das E-Book kaufen will. Alles in allem wird die Buchhandlung der Zukunft sehr viel technischer aufgebaut sein. Kleine süße Buchhandlungen, wie es sie heutzutage schon immer seltener gibt, werden fast ganz verschwinden oder zu Lesecafés umgebaut werden. Das Lesen von Büchern oder E-Books wird in Zukunft kein Nebenbei-Lesen mehr sein, es sei denn, man ist unterwegs. Ich glaube nicht, dass die Technik so weit voranschreitet, dass man sich auf dem Weg zur Arbeit kurz an seinen Lieblingsplatz beamen und lesen kann. Dazu wird mehr Equipment genötigt. Die Technik dafür werden sich nur die wenigstens leisten können.

Die zukünftige Vielfalt einer Buchhandlung

Das wird die Buchhandlung ausnutzen und ihren Service nicht mehr darin sehen Bücher zu verkaufen, sondern vor allem einen Platz der Ruhe und Zufriedenheit um ein Buch zu lesen. Die Welt wird immer stressiger werden mit immer mehr Zeitdruck und Terminen, so dass die Buchhandlung eine sanfte Oase in dem ganzen Chaos sein wird. Jedoch wird der Kundenkontakt von Mensch zu Mensch fehlen oder kaum noch vorhanden sein. Es gibt jetzt schon wenige Menschen, die sich in einer Buchhandlung wirklich beraten lassen. Die meisten wollen eine große Auswahl – und ihre Ruhe.

Der Buchhändler des Vertrauens ist schon seit einiger Zeit in der Liste der bedrohten Arten zu finden und immer mehr Buchhandlungen schließen, weil sie den Druck der großen Giganten der Buchhandelsbranche nicht mehr Stand halten können. Und so werden in Zukunft nur noch diese Riesen die Buchhandlungen führen. Das Abstrakte daran wird sein, dass es in Zukunft bestimmt einige Kunden geben wird, die sich kleine, süße Geschäfte zurückwünschen. Aber dank Virtual Reality ist das dann auch kein Problem mehr.

Autorin: Melanie Uhlig

Kopierschutz, aber wie?

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Immer mehr meiner Freunde schreiben Bücher. Fast alle von ihnen verkaufen diese online. Für Selfpublisher gehören E-Books zum Tagesgeschäft. Sie leben davon und sie leben damit. Doch wie gehen eigentlich etablierte Verlage mit E-Books um? Wie kann man verhindern, dass die eigenen Inhalte frei, unbeschränkt und unmarkiert im Internet verfügbar sind? Wie funktioniert Kopierschutz im Internet?

Nach der Musikbranche und der Film- und Fernsehwelt, sieht sich nun letzten Endes auch die Buchbranche mit dem Problem der Handhabung von digitalen Inhalten und deren Nutzungsrechten im Internet konfrontiert.

Eine naheliegende Methode um sich vor unrechtmäßiger Content Nutzung zu schützen, ist die Belegung der Daten mit einem Kopierschutz. Ob sich diese Schutzmechanismen von Verlagsseite jedoch lohnen und welche Konsequenzen ihre Abschaffung hätte, steht branchenintern zur Diskussion.

Die meisten Verlage versahen ihre E-Books in den vergangenen Jahren mit Kopierschutz. Dabei handelte es sich jedoch meist um weichen Kopierschutz, d.h. ein Versehen der Dateien mit Wasserzeichen. Dies verhindert jedoch keineswegs die unerlaubte Weiterverbreitung. Trotz der insgesamt positiven Markttendenz sind, wie andere digitale Medien (z.B. Musik, TV-Serien, Filme,…), auch E-Books von Piraterie betroffen. Genaue Zahlen gibt es natürlich nicht und Schätzungen wie die 1:10 Quote von legalen zu illegalen Downloads  sind zwar kontrovers, scheinen allerdings realistisch zu sein.

Was tun?

Vielen Verlagen drängt sich durch solche Zahlen die Frage nach dem Mehrwert des Kopierschutzes auf. Es war 2014 zu beobachten, dass der Trend hin zum Kopierschutz (von 53% in 2013 zu 62% in 2014), aber gleichzeitig weg vom harten Kopierschutz durch DRM-Systeme geht. Über die Hälfte der E-Books auf dem deutschen Markt werden heute mit sog. Wasserzeichen geschützt. Diese zählen als weicher Kopierschutz und sind das digitale Äquivalent zu ihren historischen Namesgebern. Sie machen es möglich den ursprünglichen Käufer eines E-Books zu identifizieren, sollte es kostenfrei im Internet auftauchen. Mehr lesen

Big Data – Potenzial für Verlage?

Big Data – Potenzial für Verlage?

Riesige Mengen an unstrukturierten, komplexen, sich schnell verändernden Daten und der Versuch daraus Erkenntnisse und Nutzen zu ziehen – das ist Big Data. Big Data gilt als innovativ und Daten werden sogar als „Rohstoff des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet. Ist der Hype gerechtfertigt, welche Gefahren ergeben sich und was bedeutet das für Verlage?

Big Data ist längst Realität. Die bekannten Internetkonzerne, andere große Unternehmen und auch Regierungsorganisationen setzen entsprechende Technologien ein. Die Gefahr: Von Big Data zu Big Brother ist der Schritt nicht allzu groß. Der Datenschutz von Privatpersonen, aber auch von Unternehmen, ist längst nicht mehr gewährleistet – niemand weiß, wie viele und welche Daten bereits gesammelt wurden. Was mit unseren digitalen Fußspuren passieren kann, lässt sich für jeden Amazon-Nutzer leicht nachvollziehen. Mit jedem Besuch, mit jedem Klick füttern wir unsere persönliche Datenbank. Algorithmen machen aus diesen Daten auf unsere Interessen zugeschnitte Produktempfehlungen und Werbemails. Um die 30 Prozent des Umsatzes soll Amazon über diese Produktempfehlungen erwirtschaften. Dass man mit Big Data mehr Bücher verkaufen kann, hat der Online-Riese somit schon lange bewiesen.

Big Data - Leipziger Lerche © Finding Footage
© Finding Footage

Relevanz von Big Data in Verlagen

Bei den Datenmengen der Medienunternehmen und Verlage handelt es sich eher um Small bzw. Smart Data, wie Marcello Vena, ehemals Digitalchef der Mediengruppe RCS in Italien, sie definiert. Big-Data-Lösungen werden bisher fast ausschließlich von großen Verlagshäusern eingesetzt, die sich die IT leisten können und über relevante Datenmengen verfügen. Vielen Verlagen fehlt eine Digitalstrategie jedoch komplett. Dabei könnten diese deutlich mehr  von Big-Data-Lösungen profitieren. Stichwörter sind hier: Traffic-Analyse des Web-Auftritts, Echtzeitinformationen aus den sozialen Netzwerken, Analyse des Kauf- und Nutzungsverhaltens von E-Books. Verlage können mit solchen Methoden die Vorlieben ihrer Zielgruppe systematisch studieren, ihre Inhalte und Prozesse optimieren und ihren Autoren wichtiges Feedback geben.

Beispiele für Big-Data-Lösungen 

Bookmetrix ist eine Analyse-Plattform, die von dem Wissenschaftsverlag Springer und dem Unternehmen Altmetric auf der London Book Fair 2015 vorgestellt wurde. Diese Plattform ermöglicht es Springer, umfangreiche Kennzahlen zu einzelnen Büchern und Kapiteln ihres gesamten Online-Buchbestandes zu liefern. Anhand der Daten kann z. B. nachvollzogen werden, wie oft ein E-Book oder ein einzelnes Kapitel gelesen, heruntergeladen, rezensiert oder im Internet zitiert wurde. Somit kann eine genaue Auskunft über die wissenschaftliche Bedeutung eines Werkes gegeben werden. Die Daten werden in Echtzeit erhoben und sind auf der Plattform SpringerLink sowie auf der Plattform des Verwaltungssystems Papers für jeden Nutzer verfügbar.

Celera One ist ein weiterer Big-Data-Lösungsanbieter, dessen Technologien von großen Zeitungsverlagen eingesetzt werden. Beispielsweise werden Paid-Content-Lösungen in die Online-Nachrichtenportale integriert. Daten aus verschiedenen Quellen können zusammengeführt werden, sodass das Online-Angebot und die Kundenansprache gezielt optimiert werden können. Das erleichtert die Neukundengewinnung der Zeitungshäuser, die heute fast ausschließlich digital erfolgt.

Big Data – weniger ist mehr

Bisher werden Big Data-Lösungen vor allem von den Großen der Branche eingesetzt. Für kleinere Unternehmen sind einzelne Angebote interessant, z. B. Google Analytics für die eigene Website. Inwieweit Big bzw. Smart Data eine Entscheidungshilfe für Medienunternehmen sein kann, hängt davon ab, ob die Technologien wirklich nützliche Informationen liefern können. Ein Konsens scheint noch nicht gefunden, auch weil mit Big Data bisher noch viele Unwägbarkeiten verbunden sind.

Autor: Fabian Schwab