Mythos Genie: Warum es besser ist, kein Genie zu sein

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Die meisten Menschen haben von Genies ein sehr romantisches Bild: nur wenige Menschen sind so begabt, dass sie besonders kreativ sein könnten. Noch heute sagen wir: von der Muse geküsst, also auserwählt für eine kreative Leistung. Normalsterbliche hingegen sind nichts Besonderes, nicht kreativ begabt – also kein Genie. Damit hält sich seit Jahrhunderten hartnäckig die Legende vom Genie. Während in der Wissenschaft dieses Konzept bereits ad acta gelegt wurde, scheint der Mythos in der Alltagskultur fest verankert zu sein.

Da Vinci, Shakespeare, Goethe, Schiller, Kafka, Hemingway… dies ist eine klassische Liste literarischer Genies. Zwei Dinge fallen dabei auf.  Zum ersten: Diese Schriftsteller haben sich mit Werken wie „Faust“ oder „Der Alte und das Meer“ in den literarischen Kanon eingeschrieben. Zum zweiten: Es sind männliche Genies. Fast immer, wenn von einem Genie die Rede ist, ist damit ein besonders kreativer Mann gemeint. Die lange Liste an männlichen Literaten und Künstlern beweist es immer wieder. Aber was genau ist ein Genie? Und wieso wird es fast ausschließlich zur Charakterisierung von männlicher Schöpfungskraft genutzt?

Das Wort Genie stammt im englischen Sprachraum vom lateinischen „Genius“ ab, ein Schutzgeist in der römischen Mythologie, der nur Männern innewohnte. In Deutschland und Frankreich geht das Genie zurück auf das lateinische „ingenium“, angeborenes Talent, ist aber seit der Renaissance ebenso männlich dominiert. Bis heute scheint sich daran kaum etwas geändert zu haben. Ein Blick auf den Literatur- und Kunstmarkt zeigt, wie stark immer noch in unserer Gesellschaft das Genie mit Männlichkeit verbunden ist. Aber was ist, wenn „das Genie“ nur ein Mythos ist? Eine Idee von etwas, das nicht existiert? Brauchen wir noch die Vorstellung eines männlichen Schöpfergeistes oder ist eine kreative Leistung nicht etwas, für das hart gearbeitet werden muss?

Geniestreiche kommen nicht von ungefähr

Der berühmte Heureka-Moment des Archimedes von Syrakus kann erst nach einer intensiven Auseinandersetzung mit Themen erfolgen und ist keinesfalls ein Geistesblitz. Thomas Edison formulierte es einmal sehr treffend: „Genie ist 1 Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.“ Damit funktioniert der Mythos nicht mehr, da kreative Schöpfung kognitive Arbeit voraussetzt.

Denn was ist Kreativität eigentlich und was macht sie aus? Kreativ ist etwas, was zugleich neu und brauchbar ist. Doch bevor dieses Neue da ist, schwirren so viele Ideen in unserem Kopf, die zunächst geordnet und nach ihrer Brauchbarkeit abgeklopft werden müssen. Um etwas Kreatives entstehen zu lassen, ist eine Auseinandersetzung mit vorangegangenen Ideen und Konzepten notwendig. Hierfür brauchen wir eine gewisse Entspannung, bei der instinktiv verschiedene Wissensgebiete im Gehirn miteinander verbunden werden, die beim bewussten Denken zunächst voneinander getrennt sind. Dies wird in der Kreativitätsforschung auch „Spreading Activation“ genannt.

Dafür braucht es Offenheit gegenüber den verschiedensten Themen und Erfahrungen sowie eine intensive Auseinandersetzung mit ihnen. Ein Genie kann das nicht leisten! Es bezieht Inspiration aus einem Vakuum, während Kreativität durch das kombinatorische Spiel funktioniert – wie Einstein es nannte. Freie Assoziationen formen neue Ideen, die dann gefiltert und geschliffen werden müssen. Dies erfordert Hartnäckigkeit und Anstrengung. Ganz anders also als die Vorstellung vom Genie, das von der Muse geküsst wird!

 Entmystifizieren wir das Genie

Kreative und herausragende Leistungen bekommen wir nicht einfach so, sondern wir müssen hart dafür arbeiten. Geben wir daher die Vorstellung vom Genie auf! Ein Mythos ist niemals so gut wie die Realität, denn diese Vorstellung braucht einen Glaubenssatz, eine Erklärung, dass etwas ist, wie es ist. Der Geniemythos funktioniert als Annahme, dass nur wenige Talentierte kreativ und schöpferisch tätig sein können. Doch das ist mittlerweile wissenschaftlich widerlegt! Der aktuelle Erkenntnisstand der Forschung ist, dass Kreativität eine normale menschliche Fähigkeit ist. Diese ist bereits von Geburt an vorhanden und kann jederzeit aktiviert sowie weiterentwickelt werden.

Warum wir das Genie dennoch so sehr lieben, liegt an unserer Kulturvorstellung. Deutschland, das Land der Dichter und Denker; Deutschland, das Land der Kultur und Innovation. Mit Einsetzen der Aufklärung, der Klassik und Romantik beginnen deutsche Intellektuelle einen Geniekult zu entwickeln. Dabei wird das Genie zum Schöpfer von Welten, in der Literatur wird der Dichter zum zweiten Gott. Somit wird Frauen von vornherein Schöpfungskraft versagt! Denn Gott ist ja bekanntermaßen männlich und zeugungsfähig. Da in dieser Argumentationslinie Schaffenskraft ein männlicher Part ist, sind Frauen damit niemals schöpferisch kreativ. So ist Weiblichkeit vor allem mit Tugenden wie Fleiß und Strebsamkeit verbunden, während Männlichkeit das Bild von Unabhängigkeit, Zeugungs- und Durchsetzungskraft transportiert. Das Genie muss demnach männlich sein!

Doch diese Vorstellung begrenzt uns jedoch in jeder Hinsicht. So denken wir, Männer sind fähiger als Frauen und Kreativität wäre eine besondere Gabe, die nur Auserwählte besitzen. Aber dieser Glaube ist gefährlich, denn er setzt einerseits weibliche Kreativität herab und andererseits – was vielleicht noch viel schlimmer ist – verhindert er neue Ideen.

Schaffen wir doch das Genie ab, denn wir brauchen es gar nicht

Damit wir kreativ in unserer modernen Gesellschaft tätig sein können, müssen wir demzufolge das Genie abschaffen! Denn der Glaube an es begrenzt und fesselt unsere Kreativität. Wir sind keine wartenden Sklaven der Muse, die erst zu uns kommen und uns küssen muss. Im Gegenteil: die absichtliche, aktive Kreativität kann bewusst sowie systematisch gesteuert und entwickelt werden. Dabei gibt es eine Vorbereitungs-, eine Inkubations- bzw. Reifephase, dann folgt eben jener Heureka-Moment und danach eine Bewertungs- und eine Ausarbeitungsphase. Ein langer Weg, den die Kreativität da durchläuft.

Dies ist dabei auch eine ganz andere Vorstellung als beim Mythos Genie, der darauf abzielt, Ideen als plötzliche Eingebung und Schöpfungsakt zu inszenieren. Schaffen wir diese Legende also endgültig ab, kehren wir dem Mythos den Rücken, wir brauchen ihn nicht mehr! Kreativität ist schließlich in jedem einzelnen Individuum vorhanden und lässt sich nicht nur auf ein „Genius“ oder „ingenium“ zurückführen.

Autorin: Saskia Liske

Die Grundlagen der Kreativität

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Der Ursprung menschlicher Kreativität ist seit jeher eines der Rätsel, die die Wissenschaft zu lösen versucht. Neben den Grundlagen der Hirnforschung und der Genetik zur Erforschung des Gesamtprozesses, ergeben sich zu den neuen Erkenntnissen exponentiell daraus resultierende Fragen.

Wo Kreativität entsteht

Kreativitätsforschung ist ein gewaltiges Feld. Bisher bewiesen wurde unter anderem, dass innerhalb des menschlichen Gehirns mehr als ein Bereich für den Entwurf von Innovationen zuständig ist. Neben dem Stirnhirn und den Scheitellappen, die fleißig Signale austauschen, sind weitere Teile des Großhirns und tief sitzende Strukturen unterhalb der Hirnrinde aktiv, um die Zusammenarbeit mehrerer Areale und die gefühlsmäßige Bewertung neuer Ideen zu unterstützen.
Als ein Auslöser kreativen Denkens gilt die latente Inhibition. Als Reizhemmung schränkt sie bei gesunden Menschen die Wahrnehmung ein und schützt so das Hirn vor einer Reizüberflutung. Ist dieser Schutz zu schwach ausgeprägt, ist das Hirn nicht nur für Eindrücke und Informationen offener, sondern kann für Aufgaben auch effektiver bessere Lösungen finden. Ideale Grundlagen für kreatives Denken. Problematisch hingegen sind die dadurch fehlende Filterfunktion der Betroffenen und das erhöhte Risiko für psychische Erkrankungen.

Im Kampf mit der Psyche

Schizophrenie, Depression und Persönlichkeitsstörung sind die wohl bekanntesten psychischen Erkrankungen der kreativen Elite. Aus Familienstudien ist bekannt, dass die Neigung zur Schizophrenie auch vom Erbgut beeinflusst wird. Verdächtig dafür macht sich das 2002 entdeckte Gen Neuregulin 1, das unter anderem die Hirnentwicklung und die Kommunikation der Neuronen untereinander regelt.

In der Bevölkerung sind allgemein zwei Varianten des Gens verbreitet: C und T. Menschen, die zwei T-Varianten auf den Chromosomen tragen, haben nicht nur ein deutlich höheres Risiko für Psychosen, sondern sind gleichzeitig auch kreativer als Personen mit zwei C-Varianten.
Dass die Auswirkungen psychischer Erkrankungen auf das kreative Schaffen nicht unerheblich sind, ist beachtenswert. Eine schwach ausgeprägte bipolare Störung kann unter Umständen die künstlerische Leistung fördern. Depressive Phasen ermöglichen tiefe Einsichten in das menschliche Dasein während gemäßigt manische Phasen die Umsetzung beim Komponieren, Malen oder Schreiben erlaubt.

Was nach einer bemerkenswerten Erklärung für außergewöhnlich künstlerische Leistungen klingt, hat auch eine Schattenseite. Betroffene haben während der manischen Phasen meist hohe Konzentrationsprobleme, wodurch sie zumeist nicht zu nennenswert kreativen Leistungen fähig sind. Die Antwort auf das Rätsel um die Kreativität kann also nicht allein in psychischen Erkrankungen liegen.

Innovation als Prozess

Kreativitätsforscher unterscheiden das kreative Denken in fünf Phasen: Vorbereitung, Inkubation („Brüten“), Erkenntnis, Evaluation („Auswertung“) und Elaboration („Ausarbeitung“). Spätestens bei der Evaluation ist Intelligenz gefordert, um nützliche von nutzlosen Ideen zu unterscheiden und diese zu verwerfen.

Um intelligente Wunderkinder und kreative Geister zu erziehen, ist ein Aufwachsen in einem stimulierenden Umfeld unabdingbar. Eine breite Palette von Angeboten ist nötig, um die frühzeitige Förderung aller fünf Dimensionen der geistigen Entwicklung (kognitiv – kommunikativ – musisch-ästhetisch – motorisch – sozial-emotional) zu fördern. Dabei werden im Lernprozess Fähigkeiten und Wissen aus einem Gebiet ins andere übertragen und dadurch eine bessere Vernetzung der Hirnareale zu ermöglicht.
Geistige Flexibilität gilt als Grundlage für kreative Höchstleistungen und herausragende Intelligenz. In Verbindung mit einem guten Arbeitsgedächtnis schützen diese Grundlagen laut Studien zusätzlich davor, dass die Psyche Schaden nimmt.

Die Persönlichkeit – ein Künstlerstereotyp

Die gezielte Stimulierung der Dimensionen führt zur Ausbildung einer weiteren elementaren Grundlage für Kreativität, der Persönlichkeit. Aus psychologischen Lebenslauf-Analysen erfolgreicher Künstler ergeben sich typisierte Eigenschaften wie Unabhängigkeit, Nonkonformismus, Risikobereitschaft und Flexibilität, die sich durch unkonventionelles Benehmen und eine breite Spanne an Interessen ergänzen lassen.

Als Ergebnis resultiert stets eine komplexe Persönlichkeit, die in sich große Gegensätze vereinen und leicht von einem Extrem ins andere fallen kann. Dazu gehört, dass sie paradoxer Weise höchste Disziplin mit kindlichem Spieltrieb oder auch Verantwortungsgefühl mit Ungebundenheit vereinen können, in ihrer Art und ihrem Handeln rebellisch auftreten, aber dennoch die die Regeln ihres Fachgebietes lernen, bevor sie sie umstoßen.

Von wegen Außenseiter

Wie oft angenommen, sind kreative Leistungen also zumeist nicht das Werk einsamer, etwas irrer Genies, die das Bild des Künstlers in der Öffentlichkeit prägen. Neben verschiedenen Indikatoren spielt auch das Umfeld eine entscheidende Rolle. Die gesellschaftliche Siedlungsstruktur lässt sich weltweit viel mehr in kreative und weniger kreative Regionen unterteilen, in denen sich Menschen entfalten können. Die Indikatoren für kreative Potenziale sind dabei auch innerhalb von europäischen Städten unterschiedlich, auch wenn die Ausgaben für Forschung, Entwicklung und die Arbeitsstätten berühmter Wissenschaftler scheinbar homogen in den Kulturräumen verteilt sind.

Die Unterschiede liegen im Detail der räumlichen Konzentration. Zentren der Kreativität, wie Florenz im 15. und 16. Jahrhundert oder Paris und Wien um 1900, ziehen innovative Geister fast schon magisch an. Denn Kreativität entsteht in der Interaktion mit dem Umfeld, von denen eines sowohl anregend und herausfordernd wirken kann, wie in anderen Ideen aus verschiedenen Gründen auf Unverständnis und Widerstand treffen können.

Ein kreativer Kopf braucht Mitstreiter, die ihm helfen Kapitalgeber anzulocken und neue Verfahren und Prozesse zu entwickeln oder durch die Kommunikation des Wertes der Idee andere Menschen zu überzeugen, wenn er dazu selbst gerade nicht fähig ist. Liegen diese Grundlagen nicht vor, kann sich auch die beste Idee nur schwerlich entwickeln und ihre Chance nutzen, verwirklicht zu werden.

Autorin: Frances Liebau

Die Leipziger Lerche auf der Leipziger Buchmesse 2018: Buch Voraus

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Auch wenn Leipzig gerade von Schnee und Eis bedeckt ist, findet wie jedes Jahr die Leipziger Buchmesse statt. Überall in der Stadt gibt es Lesungen und spannende Einblicke in die Welt der Bücher. Hier in Leipzig kommt zusammen, was zusammengehört: Bücher, Autoren, Verlage und Leser!

Einblicke in Rumäniens Bücherwelt auf der Leipziger Buchmesse

Obwohl das diesjährige Gastland Rumänien laut einer Eurostat-Umfrage von 2011 im EU-Vergleich zu den Ländern mit dem geringsten Bücherkonsum gehört und die Durchschnittsauflage für einheimische zeitgenössische Literatur in der Regel nur bei 1.000 bis 1.500 Exemplaren pro Buchtitel liegt, ist das Interesse an rumänischer Literatur gerade auf einem Höchststand. Zu den beliebtesten Autoren zählt Mircea Cartarescu, der in den letzten Jahren erfolgreich Romane und Kurzgeschichten veröffentlichte.

Auf der Buchmesse war es nunmehr möglich, die Facetten dieses osteuropäischen Landes kennenzulernen. Verschiedene Veranstaltungen wie beispielsweise das Forum OstSüdOst näherten sich dem Land auf charmante Art und Weise, Lesungen rumänischer Autoren wie Dana Grigorcea, Gabriela Adamesteanu und Mircea Dinescu oder der in Rumänien geborenen Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller sowie eine Diskussionsrunde rumänischer Gegenwartsliteraten zogen die Buchmessebesucher in ihren Bann.

Die Lerche auf der Leipziger Buchmesse

Auch die Leipziger Lerchen der HTWK waren auf der Buchmesse unterwegs und verteilten am Stand Studium Rund ums Buch die frisch gedruckte Leipziger Lerche #48, die von allen Seiten begeistert aufgenommen wurde. Der neugestaltete Stand des Messeteams der HTWK war Anlaufpunkt für Studieninteressierte oder ehemalige HTWK-Studenten. Mit spannenden Würfelspielen und Quizzen rund um Bücher, Literatur und den Studiengängen selbst, war es ein gelungener Messeauftritt.

Ebenso gut besucht war die AusbildBar der Gutenberg-Schule. Mit viel Liebe zum Detail haben die Auszubildenden zusammen mit der Schulleiterin der Berufsschule und der Messeleiterin ihren Stand gestaltet. Das Messeteam der AusbildBar brachte Besuchern die Ausbildungsberufe rund ums Buch näher und Interessierte ließen sich den einen oder anderen Buchtipp gleich mitgeben.

Schneechaos, Comics und Cosplay auf der Leipziger Buchmesse

Neben vielen Lesungen bekannter und noch zu entdeckenden Autoren, kamen erneut auch die Manga- und Comicfreunde auf ihre Kosten. Halle 1 war erneut Anlaufpunkt für unzählige Freunde der europäischen, japanischen und amerikanischen Comickunst. Begeisterte Cosplayer trafen sich in bunten Kostümen und eiferten ihren Idolen aus Comics, Mangas, Animes und Graphic Novels nach.

Am Wochenende kamen trotz des heftigen Schneetreibens und der daraus resultierenden schwierigen Verkehrslage bei der Deutschen Bahn und den Leipziger Verkehrsbetrieben dennoch zahlreiche Besucher, die sich die Freude an der Literatur vom Wetter nicht verderben ließen. Und wenn die Buchmesse die Tore für dieses Jahr schließt, die Besucher glücklich und beseelt nach Haus strömen, wissen wir die Leipziger Buchmesse gibt es auch wieder nächstes Frühjahr. Dann hoffentlich auch ohne Schneechaos und vereiste Schienen.

Autorin: Saskia Liske

 

Aufgeschlagen: Buch-Rezensionen

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„LSD – mein Sorgenkind“ von Albert Hofmann

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei.“ – Paracelsus

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Heute wird die Entdeckung von LSD fälschlicherweise für einen Zufall gehalten. Stattdessen stieß der Schweizer Chemiker Albert Hofmann während einer geplanten Forschungsarbeit auf dem Gebiet des „Mutterkorns“ im April 1943 auf die Wirkung des Lysergsäure-Diathylamid (LSD).

Nach diesem ersten Kontakt boomte die Forschung auf diesem Gebiet. LSD war für den medizinischen Gebrauch in der Psychotherapie äußerst vielversprechend und wurde nicht nur in Fachzeitschriften, sondern auch in der allgemeinen Presse hoch gelobt und angepriesen. Diese verharmlosenden Darstellungen hatten gefährliche Selbstexperimente zur Folge. So entwickelte sich die Innovation zum persönlichen Sorgenkind von Albert Hofmann.

Hofmann erzählt in seinem Buch die Geschichte eines Wirkstoffes der sich von einem therapeutisch wertvollen Arzneimittel zu einer „Wunderdroge“ entwickelte. Auch man selbst findet sich während des Lesens im Zwiespalt von Faszination und Entsetzen wieder. Albert Hofmann malt mit dieser Veröffentlichung weder Schwarz noch Weiß. Er klärt auf, warnt vor Missbrauch und zeigt zugleich verlorene Chancen auf, das eigene Bewusstsein zu erweitern. Mit dem Genie eines Wissenschaftlers schafft er den Wahnsinn der Gesellschaft und findet seinen Frieden im Tod.

Klett-Cotta
19,95 €
224 Seiten, Gebunden
ISBN 978-360894618

„Selbstmord“ von Édouard Levé

„Diejenigen, die alt sterben, sind ein Brocken Vergangenheit. Man denkt an sie und sieht, was sie waren.  Man denkt an dich und sieht, was du hättest sein können. Du warst und bleibst ein Brocken Möglichkeiten.“ [aus „Selbstmord“, S. 11]

© Matthes & Seitz Berlin

In dem Werk von Levé begleiten wir einen Mann, der sehr in sich gekehrt ist und vieles auf andere Art und Weise betrachtet. Er versucht immer alles unter Kontrolle zu behalten und ins kleinste Detail zu planen. Mit seiner Frau lebt er zusammen in einem einfachen Haus, Kinder haben sie keine und sein Job erfüllt ihn nicht. Von Anfang an, wirkt der Mann depressiv, nachdenklich und wie ein Mensch, der nicht über seine Gedanken redet, sondern alles mit sich selbst ausmacht. Er hat mit Mitte zwanzig schon mit einigen Problemen zu kämpfen gehabt und wählte letztlich den Freitod. Seine drastische Entscheidung ließ Familie und Freunde schockiert zurück, denn es gab nach außen hin keine offensichtlichen Anzeichen, die auf sein Vorhaben hindeuteten. Erinnerungen des Autors über den Verstorbenen, bieten einen Einblick auf dessen Leben.

Levé hat das Buch aus der Du-Sicht geschrieben und versucht mit diesem Werk den Tod eines Freundes zu verarbeiten und Antworten auf die vielen offenen Fragen zu bekommen. Es ist kein langes Werk, dafür aber eines, das lange nachklingt und zum Denken anregt.

Nachdem der Autor das Manuskript seinem Verleger zukommen ließ, erhängte er sich.  Spekulationen wurden laut, ob Levé seinen Freitod geplant und was sein Roman damit zu tun hatte. Eines ist jedoch sicher – selten gab es ein Werk, das einen Selbstmord so frei heraus behandelt und dessen Titel keinen Raum für Spekulationen lässt.

 

Matthes & Seitz Berlin
17,90 €
128 Seiten, Gebunden
ISBN 978-3882215915

 

Autorinnen: Melody Schieck und Jana Menke

Tod und Trauer im Verlag – Ein Thema über das keiner reden, aber viele lesen wollen

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Was früher nur Sache der Kirche war, übernehmen seit einiger Zeit auch Verlage: Trauerhilfe. Sie erschließen damit einen neuen Teil des Buchmarktes und fungieren als Therapeuten für Autoren und Leser.

Im Mittelalter war der Tod ein ständiger Begleiter der Menschen. Durch Seuchen und Hungersnöte starben Viele, wobei oftmals feierliche Zeremonien stattfanden. Die Fenster und Türen wurden geschlossen, Kerzen entzündet und man versammelte sich um das Bett des Sterbenden. So konnten alle Abschied nehmen und an das Leben des Verstorbenen zurückdenken. Außerdem betete der Sterbende zu Gott, um die Vergebung seiner Sünden. Nach dem Tod wurden eine Reihe von Ritualen durchgeführt. Es wurde ein Fenster geöffnet, damit die Seele des Verstorbenen entweichen konnte und alle Spiegel im Haus verhängt. Die Verwandten wuschen den Toten und bahrten ihn im Haus auf, damit jeder, der zu Besuch kam, sich noch einmal von ihm verabschieden und für ihn beten konnte. Am Tag der Beerdigung, wurde der Sarg gemeinsam zum Friedhof getragen. Der Tod traf die Menschen damals nicht so hart, da man glaubte, er sei nur ein Übergang in ein besseres Leben und da früher hauptsächlich in Gemeinschaft getrauert wurde. Man hielt noch an traditionellen Trauerritualen fest. Seitdem hat sich das Verhältnis zum Tod geändert, denn heute ist es zur individuellen Angelegenheit geworden.

Wer verlegt diese Bücher?

Da uns das Thema Tod alle irgendwann beschäftigt hat oder wird, besitzen auch viele Verlage in ihrem Sortiment einige Bücher dieser Rubrik. Es gibt jedoch wenige Verlagshäuser, die sich ausschließlich damit beschäftigen.

Ein Beispiel ist der Thomas Verlag Leipzig. Er wurde im Mai 1990 von Theologe Paul Gerlach und Thomas Blankenburg, Ingenieur für Polygrafie gegründet. Seit einigen Jahren besitzen sie ihre eigene Druckerei. Der Verlag verkauft hauptsächlich Trauerkarten und Urkunden für kirchliche Feste, wie z. B. Konfirmation und Taufe. Aber auch biblische Texte in Form von Büchern, die bei der Trauerbewältigung helfen sollen, werden verlegt. Ihnen ist es ein besonderes Anliegen, hoch qualitative und anspruchsvolle Fotos auf ihren Trauerkarten zu präsentieren, da gerade in Zeiten des Verlustes und Trauerns Bilder und Zeichen mehr sagen können als Worte.

Meistens bieten Verlage nebenbei auch Bücher zu religiösen und spirituellen Themen an, wie der Patmos Verlag beweist. Die Patmos Verlagsgruppe ist seit 2010 in Mannheim ansässig und gehört zum Cornelsen Verlag. Sie verkaufen sowohl Bücher für Trauernde, als auch Ratgeber für Trauerbegleiter neben Themen wie Meditation, Christentum und Depression.

Es existieren auch viele Ratgeber Verlage, die sich mit der Trauerbewältigung beschäftigen, wie z. B. der PAL Verlag. Er setzt sich auch damit auseinander wie man Menschen helfen kann, die sich die Schuld für den Tod eines Anderen geben oder ob man nach dem Verlust des Partners eine neue Beziehung eingehen sollte.

Wer kauft die Bücher?

Es werden natürlich vorwiegend Hinterbliebene angesprochen, die sich erhoffen, den Kummer durch die Bücher zu bewältigen. Dies sind meist Erwachsene und Senioren. Aber auch Kinderbücher zum Thema Tod kann man erwerben, wie z.B. beim Lebensweichen Verlag. Sie klären kindgerecht über den Tod und die damit verbundene Trauer auf, um Eltern in ihren Erklärungen zu unterstützen. Auch Freunde und Bekannte aus dem Umfeld des Trauernden kaufen diese Bücher, um sie entweder an das Trauerhaus zu verschenken oder sich selbst Rat zu holen, wie sie in dieser Zeit am besten helfen können. Außerdem interessieren sich gelegentlich Jugendliche und Erwachsene unabhängig von einem Trauerfall für Bücher dieser Art. Die Nachfrage wird wohl deswegen zukünftig konstant bleiben.

Wie nahe sind die Verlage am Thema?

Im letzten Jahr erwarb Christiane zu Salm den Berliner Verlag Nicolai, einer der ältesten Buchverlage Deutschlands. Sie ist gelernte Verlagsbuchhändlerin und war zuvor sowohl im Fernsehen, als auch als ehrenamtliche Sterbebegleiterin tätig. Im Jahr 2013 veröffentlichte zu Salm den Bestseller „Dieser Mensch war ich“, in dem sie Personen auf dem Sterbebett nach ihrem persönlichen Resümee fragte. Die überraschend ehrlichen Rückblicke auf das Leben dieser Menschen, berührten viele Leser. Letztes Jahr erschien die Fortsetzung „Weiterleben. Nach dem Verlust eines geliebten Menschen“. Christiane zu Salm hat selbst seit der Kindheit mit dem Tod ihres kleinen Bruders zu kämpfen und weiß daher, wie schwer das Weiterleben tatsächlich ist. Diese Bücher sind also auch eine Art an ihrer eigenen Trauer zu arbeiten. Vorwiegend möchte sie aber den Lesern Mut machen sich für ein neues Leben nach dem Verlust zu öffnen, indem sie zeigt, dass es schon Menschen vor ihnen geschafft haben. Zwischenzeitlich war zu Salm geneigt aufzuhören, da einige Schicksale sie sehr belastet haben, aber es ist ihr ein persönliches Anliegen, dass diese Geschichten erzählt werden. Am wichtigsten ist es zu akzeptieren, dass jeder anders trauert, meint sie.

Therapie für Autoren und Leser

Man hört nicht nur von Christiane zu Salm, sondern auch von einigen anderen Autoren, dass sie ein Buch geschrieben haben, um ihre Trauer zu verarbeiten. Man könnte also annehmen, dass sie gar nicht für die Leser schreiben, sondern nur für sich selbst. Aber dann würden sie ihre Bücher wohl kaum veröffentlichen. Die Autoren erhoffen sich, mit ihren niedergeschriebenen Gedanken auch anderen Menschen zu helfen. Denn meistens herrscht nach dem Trauerfall eine große Sprachlosigkeit der Betroffenen. Sie wollen lieber darüber lesen, anstatt zu reden. Natürlich beabsichtigen die Autoren nicht, dass Bücher zur dauerhaften Alternative gegenüber der Kommunikation mit anderen Menschen werden. Sie sollen lediglich dabei helfen, dass Trauernde sich Zeit für sich selbst nehmen, um sich danach leichter Anderen öffnen zu können.

Der Tod und die Trauer scheinen immer noch Tabuthemen in der Verlagsbranche zu sein. Zwar gibt es vereinzelte Bücher, die sich in den Sortimenten der Verlage finden lassen, aber dies ist kein Vergleich zu Themen wie Vampire, Liebe, Kochen usw. Es wird jedoch sichtbar, dass es sich durchaus lohnt, sowohl für Verlage, als auch für Autoren und Leser, sich mit Trauerbewältigung zu beschäftigen.

Autorin: Janka Diettrich

 

„Der Weihnachtshund“ von Daniel Glattauer

Viele lesen in der Adventszeit gern Bücher, die sie auf Weihnachten einstimmen oder davon ablenken. „Der Weihnachtshund“ kann beides. Seid gespannt auf unsere Buchvorstellung zum dritten Advent!

 

Der Autor des „Weihnachtshunds“

Daniel Glattauer ist ein österreichischer Schriftsteller. Er studierte Pädagogik und arbeitete später unter anderem als Liedermacher, Kellner, Journalist und Redakteur. Spätestens nach seinen beiden Bestsellerromanen „Gut gegen Nordwind“ (2006) und „Alle sieben Wellen“ (2009), erlangte er große Bekanntheit. Diese wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und waren außerdem als Theaterstück, Hörbuch und Hörspiel sehr erfolgreich. Im Jahr 2006 wurde Glattauer für den Deutschen Buchpreis nominiert. Sein neuester Roman „Geschenkt“ erschien 2014.

Die Handlung des „Weihnachtshunds“

Katrin ist fast dreißig und hat immer noch nicht den Mann fürs Leben gefunden. Im Gegensatz zu ihren Eltern ist sie mit der Situation aber zufrieden. Max (34) will auf die Malediven fliegen, um Weihnachten zu entfliehen. Er braucht jedoch einen Betreuer für seinen faulen Hund Kurt und schaltet deswegen eine Anzeige im Internet.

Katrin entdeckt den Suchaufruf und beschließt den Hund über die Festtage zu sich zu nehmen, um an Heiligabend, an dem gleichzeitig ihr Geburtstag ist, nicht zu ihren Eltern fahren zu müssen. Durch Kurt treffen die beiden aufeinander und kommen sich näher. Dies gestaltet sich jedoch schwieriger als gedacht, da Max seit einem traumatischen Ereignis seiner Kindheit, keine Frauen mehr küssen kann.

Unsere Empfehlung

„Der Weihnachtshund“ ist eine leichte Lektüre, die man sehr gut in der Vorweihnachtszeit lesen kann. Eine Romanze der etwas anderen Art wird durch sympathische Figuren und lustige Gespräche zur Medizin gegen jeden Weihnachtsfrust. Aufgrund der Kapiteleinteilung vom 1. bis zum 24. Dezember ist er außerdem als literarischer Adventskalender einsetzbar. Anders als der Titel vermutet, eignet sich der Roman jedoch nicht zum Vorlesen für Kinder, da der Kern des Werkes eine Liebesgeschichte darstellt und auch die Sprache für den Nachwuchs schwer verständlich ist.

Die Neuauflage des Romans kann bei Interesse, je nach Ausstattung, für 10 € oder 15,90 € bei der Verlagsgruppe Random House erworben werden.

Autorin: Janka Diettrich

Weihnachten, Julfest, Christmas Eve und Noche Buena

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Vier Bezeichnungen, ein Fest und viele unterschiedliche Bräuche

Weihnachten ist wohl eines der schönsten Feste des Jahres. Mit dem Dezember beginnt die Weihnachtszeit und die eigenen vier Wände werden mit Tannenzweigen, Kerzen und Weihnachtsschmuck dekoriert. Aber in jedem Land wird Weihnachten ein bisschen anders gefeiert… Vier Länder und ihre Weihnachtsbräuche stellen wir euch hier vor!

 

 

Weihnachten in Deutschland

Herzstück jedes Hauses ist und bleibt der Weihnachtsbaum. Dieser erstrahlt meist durch etliche Lichterketten und erhält seine besondere Note durch Christbaumkugeln, Strohsterne oder häufig auch gebastelte, individuelle Schmuckstücke. Selbstgetrocknete Orangen erfüllen das ganze Haus mit ihrem süßen Duft. Mit dem ersten Sonntag des Monats beginnt der erste Advent und die erste Kerze des reichlich verzierten Adventskranzes wird angezündet. Hierzulande ist es Brauch, dass die Familie sich an den Adventsonntagen zusammen findet, Speis und Trank teilt und den Kindern Geschichten vorliest. Vor allem Glühwein und Lebkuchen finden hier großen Anklang. Selbst gebastelte, aber auch gekaufte Adventskalender mit 24 Türchen und kleinen Überraschungen sollen die Vorfreude auf Heiligabend steigern.

Am 24. Dezember gibt es dann, nach dem Besuch der Messe, ein großes Festmahl. Ob Fisch, Entenbraten, Raclette oder Nudelsalat mit Heißwürstchen, beim Abendessen kommen alle zusammen. Gut gesättigt findet dann die Bescherung unter dem Weihnachtsbaum statt. Die Geschenke hat das Christkind oder der Weihnachtsmann unter dem Weihnachtsbaum platziert. Im Anschluss klingt der Abend im Kreise der Familie aus. Der erste und zweite Weihnachtstag sind für die Verwandtschaft reserviert. Oftmals werden Großeltern, Tanten und Onkel besucht. Mit dem 26. Dezember endet die Weihnachtszeit und es heißt wieder ein Jahr warten.

So oder so ähnlich wird hierzulande Weihnachten gefeiert. Wie aber wird in Schweden, Spanien oder England gefeiert?

 

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Weihnachten in Schweden

Die Schweden zelebrieren das Julfest, oder besser bekannt als „das Fest der Heiligen Lucia.“ Die Weihnachtszeit dauert fast zwei Wochen länger als bei uns. Sie beginnt am ersten Advent und endet am 13. Januar. Der 13. Dezember ist in Schweden ein wichtiges Datum, denn es ist der Tag der Heiligen Lucia. Die Heilige Lucia wird oft mit einem Kerzenkranz auf dem Kopf dargestellt. Ihre Aufgabe besteht darin, Licht in das Dunkel zu bringen. Der ältesten Tochter jeder Familie kommt eine besondere Aufgabe zuteil: Sie darf als Heilige Lucia verkleidet die gesamte Familie wecken. Dementsprechend tragen die ältesten Töchter ein weißes Kleid und einen Kranz auf dem Kopf. Die Eltern dürfen an diesem Tag entspannt im Bett bleiben, denn ein weiterer Brauch besteht darin, dass die Kinder ihren Eltern Gebäck an das Bett bringen.

Ein Weihnachtsbaum darf auch in Schweden nicht fehlen. Dieser wird mit Strohpuppen, Lichterketten und Gebäck geschmückt. Wie auch bei uns, ist der 24. Dezember der wichtigste Tag der Weihnachtszeit. Schweinfußsülze, Fisch in Cremesoße und Köttbullar sind beliebte Speisen für das „Julbord“, bevor die Bescherung unter dem Weihnachtsbaum stattfindet. Die Geschenke wurden liebevoll von dem „Jultomten“ platziert. Im Anschluss findet sich die ganze Familie in der Kirche zur Mitternachtsmesse ein, oder besucht am 25. Dezember die Frühmesse. Mit dem 13. Januar, dem Knutstag, an dem der gesamte Weihnachtsbaum „geplündert“ wird, endet die Weihnachtszeit.

 

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Weihnachten in Spanien

In Spanien spielt die Weihnachtslotterie, welche am 22. Dezember stattfindet, eine große Rolle. Der Hauptgewinn („El Gordo“) besteht aus einer beträchtlichen Summe Geld. Nach christlichem Glauben kamen die drei heiligen Könige am sechsten Januar nach Bethlehem und Beschenkten das Christkind. Dementsprechend geht die Weihnachtszeit in Spanien bis zum sechsten Januar. Am 24. Dezember findet sich auch in Spanien die Familie zusammen, um gemeinsam zu speisen. Am „Noche Buena“, so wird Heiligabend in Spanien genannt, wird häufig „Turron“ serviert. Eine Spezialität, bestehend aus Mandeln, Zucker, Honig und Eiern. Im Anschluss wird die Mitternachtsmesse besucht. Anders als in Deutschland und Schweden, wird in Spanien meist kein Weihnachtsbaum aufgestellt, sondern lediglich eine Krippe. Traditionell findet die Bescherung nicht an Heiligabend statt, sondern erst im neuen Jahr, am Tag der heiligen drei Könige. Am 28. Dezember wird dann der „Dia de los Santos Inocentes“ zelebriert. Vergleichbar ist dieser Tag mit unserem ersten April. Es ist der Tag der Heiligen Unschuldigen und es werden viele Streiche gespielt. Am fünften Januar findet in vielen Städten ein Umzug statt. Auf Kamelen reiten die heiligen drei Könige durch die Straßen. Spanische Kinder legen Brot und Wasser vor die Tür und bekommen als Dank am nächsten Tag Geschenke, oder im Falle von Unartigkeit ein Stück Kohle.

 

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Weihnachten in Großbritannien

Der englische Weihnachtsschmuck erinnert häufig an Dekoration für eine Geburtstagsparty. Viele bunte Girlanden und Luftschlangen werden im ganzen Haus aufgehängt. Auf dem Esstisch finden häufig sogar Partyhütchen und Tröten ihren Platz. Zur Feier des Tages wird in vielen Haushalten ein Truthahn serviert. Anschließend gibt es noch eine Kleinigkeit zu naschen – den Plumpudding. Jeden der jetzt an einen Pudding denkt, werde ich nachfolgend enttäuschen, denn es handelt sich nicht um einen Pudding, sondern um einen Kuchen, bestehend aus Rosinen und Nüssen. Das Highlight dieses Küchleins ist eine eingebackene Münze. Finder dieser Münze darf sich etwas wünschen.

Nachdem alle gut gesättigt sind, begibt sich die Familie in das Wohnzimmer, um ein Seil zu spannen, an dem sie ihre langen, weihnachtlich verzierten Socken aufhängen, die in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember von „Father Christmas“ mit Geschenken befüllt werden. Die Bescherung findet in England erst am Morgen des 25. Dezember statt. Am Nachmittag findet sich häufig die gesamte Familie im Wohnzimmer ein, um zusammen Weihnachtsfilme zu schauen. Am „Boxing Day“, dem 26. Dezember“, werden oftmals Freunde und Verwandte besucht. Mit diesem Tag findet in England die Weihnachtszeit ihr Ende.

Auch wenn jedes Land seine eigenen Bräuche und Traditionen hat, so ist eines nach dieser kurzen Einweisung in andere Bräuche klar – die Familie ist das Herzstück jedes Weihnachtsfestes!

 

Autorin: Jana Menke

Gaumenschmaus zum Literaturgenuss – Eine kulinarische Reise durch Bücherwelten

Gaumenschmaus zum Literaturgenuss – Eine kulinarische Reise durch Bücherwelten

Lesen ist ein Genuss! Aber nicht nur für den Kopf, sondern auch für den Gaumen. Um die Lektüre noch köstlicher zu gestalten, findet ihr hier einige literarische Häppchen mit dem passenden Leckerbissen aus der Küche für einen gelungenen Literaturgenuss.

Viel Spaß beim Ausprobieren, Schmökern und Genießen!

 

Die Drachenwerft (Rainer Braune)

Darum geht es:

Gilles wächst zwischen enggestellten Häusern, dem abgründigen See und unheimlichen Apfelgärten auf. In seiner Nachbarschaft leben ein musikvernarrter Metzger, die rätselhafte Zettelheim und Mitschüler, die ihm nichts Gutes wollen. Immerhin glaubt er sich unsterblich. Vor allem aber sehnt er sich danach mit seiner Geige aus dem tristen Alltag auszubrechen und den pfeifenden Herzögen zu folgen.

Zum Literaturgenuss schmeckt:

Gedeckte Apfeltorte

Foto: CC Pixabay

Zutaten

Für den Teig:

  • 300g Mehl
  • ½ Päckchen Backpulver
  • 1 Ei
  • 100g Zucker
  • 125g Butter oder Margarine
  • 2EL Milch
  • 1 Prise Salz
  • 1 Päckchen Vanillezucker

Für die Füllung:

  • 1,5kg Äpfel
  • 50g Zucker
  • 1EL Zitronensaft
  • 25g zerlassene Butter
  • 1 Messerspitze Zimt
  • 50g gestiftete Mandeln
  • 2EL Weinbrand oder Rum
  • 2 Eigelb
  • Etwas Aprikosenmarmelade

Zubereitung

Teig:

Aus allen Zutaten zügig einen Mürbeteig kneten und 30 Minuten kaltstellen. Dann den Teig teilen und dreiviertel davon in eine gut gefettete Springform drücken. Das Ganze 15 Minuten bei 250°C vorbacken und dann die Apfelfüllung hineingeben.

Füllung:

Die geschälten Äpfel in nicht zu feine Spalten schneiden. Diese dann in einen Topf geben und mit Zucker, Zimt, Zitronensaft, Butter und Rum vermischen. Im eigenen Saft einige Minuten dämpfen und dann vom Herd nehmen. Als nächstes die Mandeln unterheben und dann in die vorgebackene Teigform geben.

Den übrig gebliebenen Teig ausrollen und ein Teiggitter über die Apfelfüllung ziehen. Das Gitter mit zwei Eigelb und etwas Aprikosenmarmelade bestreichen und die Torte bei 200°C backen, bis das Gitter goldbraun ist. Mit Vanilleeis beim Schmökern genießen!

 

Das Buch, in dem die Welt verschwand (Wolfram Fleischhauer)

Darum geht es:

Im Jahr 1780 geht der junge Nürnberger Arzt Nicolai Röschlaub einer Reihe merkwürdiger Todesfälle nach. Begleitet wird er von einer rätselhaften jungen Frau. Seine Suche nach Antworten führt ihn nicht nur an die äußersten Grenzen des Landes, sondern stellt auch seine Überzeugungen in Frage. Doch er muss sich beeilen, denn die Zeit drängt und das Geheimnis ist aus einem Stoff, der ganze Welten zerstören kann.

Zum Literaturgenuss schmeckt:

Balsamicobraten

Foto: CC Pixabay

Zutaten

  • 2EL Butter
  • 800g Rindfleisch (idealerweise aus der Schulter)
  • 1EL Mehl
  • 1 große Zwiebel, geviertelt
  • 100ml Balsamico-Essig
  • 200ml Fleischbrühe
  • 300ml Sahne
  • Salz und Pfeffer

Zubereitung

Zuerst das Fleisch mit Mehl bestäuben. Dann die Butter erhitzen und das Fleisch mit den Zwiebeln von allen Seiten gut anbraten. Dabei darauf achten, dass die Zwiebeln nicht zu dunkel werden. Den Essig dazu gießen und vollständig verdampfen lassen. Dann das Fleisch mit Salz und Pfeffer bestreuen und als nächstes die Fleischbrühe sowie die Sahne dazu geben. Anschließend einen gut schließenden Deckel aufsetzen, die Hitze reduzieren und etwa drei Stunden schmoren lassen. Nach dem Ende der Garzeit das Fleisch in Stücke schneiden und mit der gebundenen Soße zu Knödeln und Rotkohl vertilgen.

 

Elefant (Martin Suter)

Darum geht es:

Ein kleiner rosa Elefant, der in der Dunkelheit leuchtet, verzaubert die Menschen. Ganz plötzlich taucht er in der Schlafhöhle des Obdachlosen Schoch auf. Woher das seltsame kleine Tier kommt und wie es entstanden ist, weiß nur einer: der Genforscher Roux. Er will daraus eine weltweite Sensation machen und sein angegriffenes Ego wiederherstellen. Doch der burmesische Elefantenflüsterer Kaung, der die Geburt des Tieres begleitete, hat ihm den kleinen Elefanten gestohlen. Er ist der Meinung, dass so etwas Besonderes versteckt und beschützt werden muss als es weltweit zu präsentieren.

Zum Literaturgenuss schmeckt:

Waldbeeren-Tiramisu

Foto: CC Pixabay

 

Zutaten

  • 250g Waldbeeren
  • 600g Joghurt
  • 2EL Zitronensaft
  • 4EL Zucker
  • 125g Biskotten
  • 100ml Orangensaft

Zubereitung

Zuerst Joghurt, Zitronensaft und Zucker zu einer Creme vermengen. Dann die Hälfte der Biskotten in Orangensaft tauchen und den Boden einer Kastenform damit auslegen. Die Hälfte der Creme darauf verteilen und anschließend die Waldbeeren darauflegen. Eine zweite Lage Biskotten darüber schichten und mit dem übrigen Orangensaft beträufeln. Die restliche Creme darauf verteilen und zum Literaturgenuss vernaschen!

 Viel Spaß beim Ausprobieren und Schlemmen!

Autorin: Frances Liebau

Medien in der Vertrauenskrise: wirklich nur dumme Konsumenten?

Medien in der Vertrauenskrise: wirklich nur dumme Konsumenten?

Die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten setzt diesem Jahr einen bitteren Abschluss und stürzte die Medien einmal mehr in Selbstzweifel: Nach dem Präsidenten-Votum in Österreich, dem Brexit und mehreren deutschen Landtagswahlen hatten sie erneut den Ausgang einer bedeutenden politischen Weichenstellung grundlegend falsch eingeschätzt. Warum nur hörten die Leser und Zuschauer nicht mehr auf die durchaus begründeten Warnungen? Wieso entzieht sich das Handeln breiter Bevölkerungsschichten zunehmend jeder Rationalität?

Da es noch relativ neu ist, hat dieses Phänomen bisher kaum Aufmerksamkeit durch die Wissenschaft erfahren, und so gleicht die Suche nach den Gründen manchmal eher einem Ratespiel. Vor allem in den USA wird gern der Kampfbegriff „White Trash“ ins Feld geführt. Demzufolge sind viele Menschen einfach zu ungebildet und egoistisch, um eine Situation aus einer anderen Perspektive als ihrer eigenen zu bewerten. Ihnen fehlt die Fähigkeit für offenes und kritisches Denken, geleitet von Fakten und nicht von Gefühlen oder Doktrinen. Hierzulande etabliert sich für diese Entwicklung gerade der Begriff einer „postfaktischen Gesellschaft“, welcher eben erst zum Wort des Jahres gewählt wurde. Doch ist das nicht eine ziemliche Milchmädchenrechnung? Kulturpessimismus hin oder her, aber mehr oder weniger die Hälfte der Einwohner jedes größeren westlichen Landes als dumm und charakterschwach zu bezeichnen, sollte zumindest in eben jenen seriösen Medien nicht ohne handfeste Beweise in Form von Zahlen vorkommen. Auch wenn es vielleicht näher an der Realität sein mag als uns lieb ist. Selbst wenn, so wäre es zumindest ein Alarmsignal über den Zustand des Bildungssystems.

Nur die Schattenseite des Informationszeitalters?

bild rachel botsman
Rachel Botsman

Es fehlen, bei all dieser Hysterie, ein wenig die Gegenpositionen. Ideen, die das Geschehen aus einem komplett anderen Blickwinkel betrachten wollen. Im Sinne der journalistischen Vielfalt daher heute einmal ein etwas philosophischer Gedanke der britischen Publizistin Rachel Botsman, die an der Universität in Oxford einen Lehrstuhl in kollaborativer Ökonomie innehat. Sie sieht die derzeitige Entwicklung lediglich als Nachteil des 21. Jahrhunderts, als andere Seite der Medaille der Informationsfreiheit. Ihr zufolge gleiche Vertrauen einer Währung, die zwischen fremden Menschen gehandelt wird, um Bedürfnisse zu erfüllen. Die Merkmale dieser Währung ändern sich gerade, hauptsächlich dank des Internets. Früher konnte Vertrauen in erster Linie außerhalb des Bekanntenkreises nur von großen Institutionen bereitgestellt werden: Unternehmen, den Medien, der Politik. Nur diese verfügten über die Ressourcen, welche erforderlich waren um Vertrauen zu jedwedem Menschen aufzubauen und sicherzustellen (wie z.B. durch einen Kundendienst, Geld für Recherchen, Sicherheit mittels Polizei etc.). Durch das Internet ist es aber jedermann möglich, sehr preiswert Vertrauen in das Unbekannte zu kreieren, und Start-Ups wie BlaBlaCar sind mit diesem Geschäftsmodell groß geworden. Dadurch ändern sich aber auch die Charakteristika von Vertrauen, alles ist schnell verfügbar, nicht mehr von vorbestimmten Routinen abhängig und transparenter. Die negativen Begleiterscheinungen: Vertrauen lässt sich z.B. mit einer hübschen Website schnell erschleichen. Die Urheber sitzen immer anonym hinter einem weit entfernten Bildschirm, einen windigen Autohändler konnte man zumindest noch „live“ einschätzen.

Der neue Informations-Marktplatz: Für jeden alles

So wird Vertrauen chaotischer und unberechenbarer. Botsmans Theorie auf die Medien angewandt bedeutet, dass jeder im Internet jedwede Nachrichten und Meinungen publizieren kann, und jeder wird ein für ihn individuell passendes Informations-Angebot finden. Unabhängig von der Qualität eines Beitrages, irgendein anderer wird ihn lesen und glauben. Dadurch entsteht eine weitaus vielfältigere Palette an Weltbildern, deren Differenzen untereinander sehr fein abgestuft sind. Anders gesagt: wo es früher zwei oder drei wichtige Tageszeitungen gab, sind nun zusätzlich noch Webmagazine, Youtubekanäle und Newsblogs dazugekommen. Die Menschen mögen vielleicht weniger die Inhalte der etablierten Medien konsumieren, aber das ist nicht automatisch ein großangelegter Vertrauensverlust. Viel gefährlicher ist zurzeit, dass jene neuen Informationsräume hauptsächlich von sinisteren Marktschreiern eingenommen wurden, die vor allem durch ihre Lautstärke auffallen. Werden diese Plätze den Demagogen überlassen, ist es nur logisch, dass die Menschen sich an ihnen orientieren – einfach, weil es dort lange Zeit keine anderen Anbieter gab. Schließlich war selbst noch vor zehn Jahren das Internet für viele alteingesessene Zeitungen und TV-Sender ziemliches Neuland, als Youtuber schon Millionen erreichten. Wenn sich jene etablierten Medien dann als einzig verlässliche Quelle inszenieren und weiterhin eine unangefochtene Führungsrolle für sich beanspruchen, vergraulen sie erst Recht all jene, die auch außerhalb bekannter Gestade nach Informationen über das Tagesgeschehen suchen.

Wenn diese Schlussfolgerungen etwas provozierend wirken – nun, dann haben sie zumindest ihr Ziel erreicht. Es wird dringend notwendig, abseits gesellschaftlicher Untergangsprophezeiungen auch unkonventionellen Erklärungen Beachtung zu schenken. Diffuse finstere Kräfte anprangern ist natürlich bequemer. Aber wir brauchen eine vielfältige Diskussion, um auch im 21. Jahrhundert eine Medienlandschaft zu formen, die Gesellschaften stützt statt sie zu zerstören.

Autor: Niklas Gaube

DIY – zwei individuelle Kaffeebecher

DIY – zwei individuelle Kaffeebecher

Die Tage werden kürzer, die Nächte länger und die Temperaturen fallen – das ideale Wetter, um sich mit einem schönen Buch (oder ganz vielen) und einer leckeren Tasse Tee/ Kaffee unter die Decke zu kuscheln. Und damit eure Tasse auch richtig was her macht, habe ich hier zwei schnelle Do-it-Yourself-Ideen für euch.

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© Maxi Pfeil

Die Tasse mit dem Nagellack

Für die erste Tasse braucht ihr – neben der weißen Tasse – einfach nur Nagellack in verschiedenen Farben und eine Plastikschüssel.

In die Schüssel gebt ihr zuerst kaltes Wasser. Der Wasserstand sollte hoch genug sein, damit ihr eine Seite der Tasse gut eintauchen könnt. Dann schüttet ihr den Nagellack in Kreisen in das Wasser. Achtet dabei darauf, dass ihr nicht zu viel Nagellack benutzt, denn dann wird das ganze nicht wirklich schön.

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© Maxi Pfeil

Wenn ihr den Lack verteilt habt, wartet am besten noch ein bis zwei Minuten, damit er sich im Wasser noch etwas verteilen kann.

Dann taucht ihr die Tasse ein und stellt sie zum Trocknen auf Küchenpapier (mit einer Unterlage, die auch dreckig werden kann) Hier seht ihr dann auch gleich, ob ihr zu viel Nagellack verwendet habt, denn dann läuft er herunter und das Muster verwischt (wegen Schwerkraft und so…).

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© Maxi Pfeil

Sollte das ganze nicht so aussehen, wie ihr euch das vorstellt, könnt ihr den Nagellack ganz simpel mit Nagellackentferner entfernen und es noch einmal versuchen.

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© Maxi Pfeil

Die getupfte Tasse

Für die zweite Tasse braucht ihr – natürlich eine Tasse – und dazu einen Schwamm, Porzellanfarbe und haftende Buchstaben, die bekommt ihr in jedem gut ausgestatteten Bastelladen.

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© Maxi Pfeil

Als erstes klebt ihr die Buchstaben auf die Tasse. Ich habe das Wort Meins daraus gebildet. Als nächstes tupft ihr mit dem Schwamm bunte Punkte auf die Tasse – auch über die Buchstaben.

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© Maxi Pfeil

Wenn die Farbe trocken ist, könnt ihr die Buchstaben vorsichtig abziehen und euer Wort erscheint weiß zwischen den bunten Tupfen.

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© Maxi Pfeil

Und das war’s schon. So schnell habt ihr euch zwei hübsche, individuelle Tassen gestaltet, die ihr natürlich auch gerne variieren könnt, wenn ihr zum Beispiel lieber eine Blume oder eine bestimmte Form bei der getupften Tasse haben wollt.

 

Autorin: Maxi Pfeil