Dangerous Minds in Literature – Charles Bukowski

Dangerous Minds in Literature – Charles Bukowski

Henry Charles Bukowski umschreiben die Worte unbeugsam und unbequem wohl am besten. Manche lieben und manche hassen ihn, das ist wohl der Lauf der Dinge. Er war ein Autor, welcher ohne jeglichen Schnick Schnack innerhalb seiner Werke auskam. Es war gerade heraus, direkt und schroff, was wohl auch der Grund ist, wieso manche ihn nicht ertragen konnten.

Der Dirty Old Man

hqdefaultGeboren 1920 in Andernach, zog seine Familie mit ihm im Alter von 3 Jahren nach Los Angeles. Er hatte ein bewegendes Leben ohne Fixpunkte. Bukowski versuchte sich an einem Journalismus Studium und währenddessen auch schon als Schriftsteller. Viele Jahre lebte er in immer neuen Umfeldern ohne wirklich sesshaft zu werden. Seinen Unterhalt verdiente Bukowski meist durch Hilfs- oder Tagesjobs, unter anderem bei der Post. Im Alter von 33 Jahren wäre er fast an einem aufgeplatzten Magengeschwür gestorben, aber er konnte dem Tod noch gerade so eine Schippe schlagen. 1970 gelang es dann Bukowski ausschließlich von seinen schriftstellerischen Einnahmen zu leben, wodurch er endlich seinen Job bei der Poststelle kündigen konnte. Henry Charles Bukowski starb aber schließlich im Alter von 73 an Blutkrebs in San Pedro.

Dieses wilde und wechselhafte Leben machten Bukowski zu der Person, welche manche lieben und andere hassen gelernt hatten. Zu einer unbequemen, schroffen und unbeugsamen Person.

Der Charakter des Dirty Old Man

Ein von Zigaretten und Alkohol umhüllender Rauch umgibt die Person des Charles Bukowski. Die Sinne benebelt und der Körper berauscht, aber keineswegs getrübt. Er hatte seine eigenen und zuweilen einzigartigen Ansichten und scheute sich auch niemals davor sie auszusprechen. Mag dies dem Alkohol geschuldet sein? Wer weiß vielleicht, aber ist dies nicht unwichtig an dieser Stelle? Nicht von der Hand zu weisen ist jedoch, dass er gerne trank.

„Das ist das Problem am Trinken, dachte ich mir, während ich mir einen Drink einschüttete. Wenn etwas Schlechtes passiert, trinkt man um zu vergessen; wenn etwas Gutes passiert, trinkt man um zu feiern; und wenn gar nichts passiert, trinkt man, damit etwas passiert.“

Bukowski lebte und liebte sozusagen den Exzess, sei es der Alkohol, die Zigaretten oder auch die Frauen. Meist begann währenddessen seine Schaffensphase. Er schrieb und schrieb, machte sich Gedanken über vergangene Erlebnisse, Liebe, Gesellschaft, Politik, Literatur und Kunst.

Die Gedanken des Dirty Old Man

Die Gedanken des Charles Bukowski lassen sich grob mit diesem Zitat zusammenfassen:

„Understand me. I’m not like an ordinary world. I have my own madness, I live in another dimension and I do not have time for things that have no soul.“

Er machte keinen Hehl daraus, dass er anders dachte und sich auch so verhielt. Ihm war ein Großteil der Gesellschaft zu bieder, er bezeichnete diese gerne als „tote Massen“. Bukowski meinte meist mit diesen „toten Massen“ Personen, welche sich ohne nachzudenken jeden Morgen aufraffen und in den Verkehr zwängen, nur um zu einem lieblosen Job zu kommen. Er ließ aber auch kein gutes Haar an der Politik, indem er die Oberhäupter eines Landes als gemein, engstirnig und dumm charakterisierte und mit dem folgenden Ausspruch die Demokratie abstraft:

„Der Unterschied zwischen einer Demokratie und einer Diktatur liegt darin, dass du in der Demokratie wählen darfst, bevor du den Befehlen gehorchst.“

Im Bezug auf Literatur mochte Bukowski jene Schriftsteller, welche auch gerade heraus schrieben, ohne viel Aufhübschen und Beschönigung des Textes. Einer der in diese Kategorie einstach, war Antonin Artraud, denn auch dieser schrieb was er dachte, ohne künstlich etwas aufzubessern. Doch gibt es nicht nur diese Art der Schriftsteller, sondern auch jene, welche künstlich hochstilisieren und mit ihren gut gewählten Worten die Szenarien besonders bunt ausmalen. Die Gedichte dieser Personen beschreibt Bukowski als „feinsinnig mit Nichtigkeiten“ oder auch als „ödes, schmutziges Spielchen“.

Bukowski trieb auch so einige schmutzige Spielchen, aber nicht in seinen Gedichten, sondern viel mehr mit Frauen. Somit war er auch nicht vor Liebe gefreit, wobei er in diesem Bereich wieder seine ganz eigenen Ansichten hatte. Er meinte, dass Liebe nur ein Vorurteil sei und er nicht einer verblendenden Illusion einer Traumfrau hinterherlaufen wolle, sondern nur eine Frau wollte, die kein Albtraum war.

Henry Charles Bukowski war mit Sicherheit kein einfacher Zeitgenosse. Weder für Verleger, Schriftsteller, seine Frauen oder die Gesellschaft. Er war unbequem, unbeugsam und schroff.

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„Das Leben ist eine Illusion, hervorgerufen durch Alkoholmangel.“

Cheers Mr. Bukowski.

Autor: M. Kroschwald

Philip K. Dick – Nur weil ich paranoid bin, …

Philip K. Dick – Nur weil ich paranoid bin, …

… heißt das nicht, dass sie mich nicht verfolgen.

Dieser Spruch, der auf einem Plakat in Philip K. Dicks Wohnung zu finden war, ist bezeichnend für das Leben eines der größten Science Fiction Autoren der Welt. Getrieben von seinen eigenen Ängsten und wiederholten Panikattacken schuf Philip K. Dick (kurz PKD genannt) sich durch seine Bücher eine eigene Realität, die zunehmend mit seiner Wahrnehmung der Wirklichkeit verschmolz.

Bedeutung für das ganze Genre

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PKD als Siebdruck © Pete Welsch

Philip K. Dick half durch sein Schaffen mit, das Genre der Science Fiction aus der pulp era in das goldene Zeitalter zu führen. So wurden Science Fiction Geschichten davor eher als Schund (engl. pulp) betrachtet, was sich auch in der billigen Verarbeitung und den trashigen Covern bemerkbar machte.

Die Protagonisten in seinen Romanen sehen sich meist wandelnden Realitäten gegenüber, die nur schwer von der Wirklichkeit zu unterscheiden sind. So wissen sowohl die handelnden Personen als auch der Leser selbst am Schluss häufig nicht, ob er seiner Wahrnehmung, bzw. dem Gelesenen, trauen kann. Ebendiese Mehrschichtigkeit und die oftmals ungeklärten Enden seiner Geschichten machen für viele Leser den Reiz aus.

Das isolierte Leben des Philip K. Dick

PKD widmete sich nach einer Panikattacke komplett dem Schreiben und zog sich immer weiter aus der Gesellschaft zurück. So bereiteten ihm alltägliche Dinge, wie ein Essen in einem Restaurant oder die Fahrt mit dem Bus, zunehmend Probleme. Seine Wohnung wurde zu seinem Rückzugsort, den er zunehmend seltener verließ. Er sah sich von nun an eher als ein außenstehender Beobachter des Lebens als ein teilnehmender Akteur. So konzentrierte er all seine Energie, die vor allem durch die Einnahme von Medikamenten und Amphetaminen bedeutend verstärkt wurde, auf das Schreiben von Science Fiction Geschichten. Die Mischung aus verschriebenen Pharmazeutika und Drogen verursachte bei ihm zunehmend Halluzinationen, die er in seine Geschichten einflocht.

Der Drogenkonsum sowie die Überwachung durch CIA und FBI, ausgelöst durch ein Treffen mit Drogensüchtigen, Linken und Black Panther in seinem Haus, und ein Einbruch in seine Wohnung verstärkten seine Paranoia. Dies führte dazu, dass er sowohl der Regierung als auch allen Menschen in seinem Umfeld anfing zu misstrauen.

Orthogonaler Zeitstrom

PKD glaubte an die Existenz einer orthogonalen Zeitachse, die im rechten Winkel zu unserer horizontalen Zeitachse verläuft. Aus den Schnittpunkten dieser Zeitachsen, die Philip K. Dick glaubte wahrzunehmen, bezog er seine Informationen über die Zukunft. So meinte er seinen eigenen Tod bereits zu Lebzeiten deutlich vor sich sehen. In einem Brief an eine Freundin beschrieb er, dass er in einer Art traumartigen Zustand seine eigene Leiche zwischen Couchtisch und Sessel mit dem Gesicht zum Boden erblickt hatte. In ebendiesem Zustand fand man ihn acht Jahre nach dem Versenden des Briefes tot in seiner Wohnung.

Viele Fans sehen darin einen Beweis, dass Philip K. Dick zukünftige Dinge wahrnahm, die sonst niemand sehen konnte. Anderseits ist anzumerken, dass er den ganzen Tag in diesem Sessel an der Schreibmaschine verbrachte und somit sein Tod in dieser Position durchaus wahrscheinlich war.

Autor: Robert Rebbe

Terry Pratchett: Einfach göttlicher Humor

Terry Pratchett: Einfach göttlicher Humor

Groß A’Tuin, die Riesenschildkröte, schwebt durch das Universum. Auf ihr stehen vier Elefanten und auf deren Rücken ruht die Scheibenwelt.
Viele Leser, Hörer und Zuschauer hat Sir Terry Pratchett mit dem Leben auf dieser kleinen Welt begeistert. Auch mich.

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© wikipedia

Im Alter von 17 Jahren veröffentlichte Pratchett sein erstes Buch, „Die Teppichvölker“. Damals war er als Journalist bei einer Lokalzeitung tätig. Schon in diesem Werk wird Pratchetts außergewöhnliche Fantasie deutlich. Es gibt keine Helden, die gegen Drachen kämpfen um eine Königin zu befreien. Pratchetts Figuren sind dicke Hexen, abgedrehte, aber liebenswerte Zauberer und viele andere Persönlichkeiten, die eins gemeinsam haben: sie sind überaus originell. Viele dieser Figuren treffen sich in Ankh Morpork, der größten Stadt der Scheibenwelt. Durch sie fließt der Fluss Ankh, der so verschmutzt ist, dass man beinahe auf ihm laufen kann.
Pratchett schafft es auf humorvolle und manchmal hintergründige Weise die Klischees des Fantasy-Genre gekonnt auf die Schippe zu nehmen.

 

Die flache Welt im Universum

Auch wenn seine Scheibenwelt komplex ist, verliert der Leser nie den Überblick. Jedes Buch zeigt nur einen Ausschnitt des geschaffenen Universums. In einem steht die Stadtwache im Vordergrund, in einem anderen die Hexen Nanny Ogg und Oma Wetterwachs oder Gevatter Tod. Keiner der Figuren ist wirklich böse. Selbst der Sensenmann hat eine Menge Humor, wenn auch meist ziemlich schwarzen.

Einige Romane von Pratchett wurden auch verfilmt. Wer also zu faul zum Lesen ist, kann sich mit „The Colour of Magic“, „Hogfather“ oder „Ab die Post“ einen Vorgeschmack auf die Scheibenwelt holen. Mehr als 60 Romane hat Terry Pratchett herausgebracht, davon satte 41 über die Scheibenwelt. Er gilt nach J.K. Rowling als einer der erfolgreichsten Autoren Großbritanniens.

Pratchett und sein Ableben

Am 12. März 2015 starb Sir Terence David John Pratchett, Order of the British Empire im Alter von 66 Jahren. Ursache war das Benson-Syndrom, das einer Demenz sehr ähnlich ist. Schon 2007 gab Pratchett seine Krankheit bekannt, in den folgenden Jahren spendete er eine Million Dollar für die Erforschung von Alzheimer. Seine letzten Bücher verfasste er mit einer Spracherkennungssoftware. Sein letzter Scheibenwelt-Roman „Die Krone des Schäfers“ erschien im November 2015.

Für all seine Fans und Bewunderer wird Sir Terry Pratchett für immer im Herzen und vor allem im Bücherregal bleiben.

Autor: Melanie Uhlig

J. R. R. Tolkien: Urvater der Phantastik.

J. R. R. Tolkien: Urvater der Phantastik.

In a hole in the ground there lived a hobbit. So beginnt der erste Roman von John Ronald Reuel Tolkien (1892 – 1973). 1937 legte der britische Schriftsteller, Philologe und Professor für Englische Sprache mit Der Hobbit nicht nur den Grundstein für die einzigartige Welt Mittelerde, sondern auch für die moderne Phantastikliteratur.

Sprachen erfinden – Geschichten entdecken

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Dabei waren The Hobbit und die Trilogie des Herrn der Ringe nicht seine einzigen Werke im Schauplatz Mittelerde. Mit The Silmarillion schuf er seinen Werken ihre eigene Mythologie. Bereits in seiner Jugend zeigte Tolkien eine ausgesprochene Affinität zu Literatur und verschiedensten Sprachen. So gründete er 1911 mit Freunden seinen ganz eigenen Club der toten Dichter: den Tea Club – Barrovian Society, eine informelle Gemeinschaft, die sich regelmäßig traf, um über Literatur zu diskutieren. Hier begann Tolkien ernsthaft eigene Gedichte zu schreiben. Aus seinen Lieblingssprachen – darunter Gotisch, Walisisch und Finnisch – wob er schließlich das, was uns später als Quenya, die Sprache der Hochelben, bekannt werden sollte. Am Institut für englische Sprache und Literatur beschäftigte er sich mit anspruchsvollen, altenglischen Werken. Die ersten zwei Zeilen von Crist – einer Sammlung religiöser Dichtungen aus dem frühen 9. Jahrhundert – des Angelsachsen Cynewulf schienen Tolkien nachhaltig zu beeinflussen:

© Haywood Magee/Picture Post/Getty Images
© Haywood Magee/Picture Post/Getty Images

Eala Earendel engla beorhtast

ofer middangeard monnum sended.

(Heil dir Earendel, strahlendster Engel,

über Mittelerde den Menschen gesandt.)

1917 verfasste er daraufhin das Gedicht The Voyage of Earendel the Evening Star. Doch seine Geschichten verfasste Tolkien nicht als Ganzes, wie wir uns die Arbeit eines Autors heute vorstellen, sondern er entdeckte sie. Auf die Frage eines Freundes Geoffrey Bache Smith hin, was denn der Hintergrund dieses Gedichts sei, antwortete Tolkien: „I don’t know. I’ll try to find out.“ Das Schreiben als Entdeckungsreise und nicht als Prozess der Neuschöpfung zu verstehen, prägte seine späteren Werke.

Mittelerde entsteht

Im Sommer 1916 wurde Tolkien zum Offizier für Fernmeldewesen einberufen. Am eigenen Leib erfuhr er die Schrecken des Ersten Weltkriegs. Vom Schützengraben in den Genesungsurlaub geschickt erfährt Tolkien schließlich vom Tod seines Freundes Smith und nimmt sich die abschließenden Worte eines letzten Briefes zu Herzen:

„May God bless you, my dear John Ronald, and may you say the things I have tried to say long after I am not there to say them, if such be my lot.“

Tolkien beginnt mit der Erschaffung einer neuen – seiner ganz eigenen – Welt und dem damit verbundenen Sagenzyklus. Seine Erfahrungen aus dem Krieg – der Einbruch des Bösen in eine friedvolle Welt – wird zum Grundthema seiner späteren Werke. Mit The Book of Lost Tales schrieb Tolkien die ersten Teile aus denen später sein mythologisches Werk The Silmarillion entsteht. Mittelpunkt dieses Werkes sind die Schöpfung Mittelerdes durch das gottgleiche Wesen Ilúvatar und die Liebesgeschichte zwischen dem Menschen Beren und der unsterblichen Elbenprinzessin Lúthien. Hier nutzt er nun konsequent seine erfundenen Elbensprachen Quenya und Sindarin.

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In den 1930er Jahren legte Tolkien mit seinem vielbeachteten Vortrag On Fairy-Stories die Grundsätze des später entstehenden Fantasy-Genres fest und machte an die Erschaffung der mit erfolgreichsten Werke des 20. Jahrhunderts: The Hobbit und The Lord of the Rings. Letzteres wurde erst 1954, was zu großen Teilen an Tolkiens – inzwischen Professor für Anglistik – eigenem Perfektionismus lag. Dennoch löste The Lord of the Rings eine richtige Kulturbewegung unter Studenten aus. Tolkien begann an einer Fortsetzung des beliebten Epos zu arbeiten, stellte sie jedoch nicht fertig.

Nach seinem Tod 1973 widmet sich in Deutschland seit 1997 die Deutsche Tolkien Gesellschaft seinen Werken.

 

 

Autorin: Christin Fetzer