Besuch der Londoner Buchmesse 2018

Besuch der Londoner Buchmesse 2018

© Anne Geßner

Im Rahmen des Faches Bookselling und Publishing begaben wir, Studierende der Studiengänge Bibliothekswissenschaften und Buchhandel / Verlagswirtschaft, uns vom 7. bis 14. April in Großbritanniens Hauptstadt auf Augenhöhe mit dem britischen Buchmarkt.

 

Die Londoner Buchmesse: Geschäfts- und Kontaktmesse der Buchbranche

Im Zentrum unserer Reise stand der Besuch der Londoner Buchmesse. Das jährlich im Frühling in der Olympia Hall von London stattfindende Event, zieht während drei Messetagen rund  2300 Aussteller aus 56 Ländern und Vertreter der sowohl britischen als auch internationalen Buchbranche an. Auch deutsche Stände wie zum Beispiel der Börsenverein des deutschen Buchhandels waren hier anzutreffen. Einen Unterschied zur Leipziger Buchmesse konnten wir sogleich am Anfang feststellen. Statt publikumswirksamer Veranstaltungen wie Lesungen und Signierstunden standen hier das Geschäft wie Lizenzverkäufe im Vordergrund.

Aber auch für uns Studenten hielt die Londoner Buchmesse zahlreiche spannende Seminare und Vorträge in lebhafter Messe-Atmosphäre bereit. Insbesondere die Präsentation neuer Geschäftsmodelle sowie innovativer Buchkonzepte unter dem Motto des Disruptive Publishing, wie zum Beispiel Publikationen des Verlages „One Third Stories“ oder das Konzept personalisierter Bücher durch das Unternehmen Wonderbly weckten unser Interesse.

Kreativität und Professionalität gehen Hand in Hand auf der Londoner Buchmesse

Neben der Präsentation interessanter aktueller Projekte wie der internationalen Kooperation „Pop Up Creators“ als Austausch zwischen jungen Künstlern und Verlegern, durften wir Gesprächen mit kreativen Köpfen der Buchbranche beiwohnen. Bestsellerautorin Jojo Moyes und Illustrator Alex T. Smith sprachen in Interviews über ihren kreativen Schaffensprozess.

Verleger und Lektoren beleuchteten aktuelle Trends und die Zukunft des Young Adult Genres. Auch das Kauf- und Leseverhalten, insbesondere junger Buchliebhaber, wurde unter die Lupe genommen. Allision David, Consumer Insights Director bei Egmont, referierte diesbezüglich über das Mediennutzungverhalten von Kindern und verwies auf mögliche Maßnahmen der Leseförderung, wie eine Kooperation mit der Londoner Buchhandlung Foyles.

Abseits der Pfade auf der Londoner Buchmesse: auf in die Kulturstadt London

Natürlich blieb abseits der Messezeiten freie Zeit zum Erkunden der Kulturstadt London. Neben Besichtigungen der National Gallery, St  Pauls Cathedral und Westminster Abbey fand sich stets eine Gelegenheit zum gemeinsamen Schmökern in einer der zahlreichen Londoner Buchhandlungen. Vor allem der Besuch der größten Buchhandlung Europas – der Flagship Store des in Großbritannien führenden Filial-Buchhändlers Waterstones – war für Studenten des Buchhandels ein Muss und ermöglichte es uns erneut, einen Blick auf die Novitäten des britischen Buchmarktes zu werfen.

Insbesondere für die Bibliothekswissenschaftler unter uns stellte die Führung durch die British Library ein weiteres Highlight der Studienreise dar. Mit einem Medienbestand von über 170 Millionen Werken gilt sie als eine der bedeutendsten und größten Forschungsbibliotheken weltweit. Im Buchbestand der Nationalbibliothek finden sich Ausgaben, welche bis ins Jahr 1600 vor Christus zurückreichen. Als krönenden Abschluss besichtigten wir die Warner Brothers Harry Potter Studios.

Autorin: Anne Geßner

Jahresrückblick: 2015

Jahresrückblick: 2015

Das Wichtigste aus dem Jahr 2015 in einem Jahresrückblick.

Amazon:  Schlagzeilen machte der Megakonzern Amazon mit der am 25. August durch den Börsenverein des Deutschen Buchhandels eingereichten  Kartellbeschwerde gegen Audible.  Bei diesem Hörbuch-Flatrate-Modell habe Amazon seine marktbeherrschende Stellung (rund 90 Prozent Marktanteil bei digitalen Hörbüchern) benutzt, um Verlagen seine Konditionen aufzuzwingen oder sie – sollten die Verlage nicht mitziehen – auszulisten.  Seit Dezember druckt Amazon nun auch in Kooperation mit BILD seine eigene Bestseller-Liste.

Bertelsmann:  Am 31. März ging eine Ära zu Ende.  Die letzten beiden Bertelsmann-Club-Filialen wurden geschlossen.  Das Ende eines Geschäftsmodells, welches Bertelsmann seit Jahrzehnten geprägt hatte.

Buchmarktforschung:  Media Control und GfK Entertainment konkurrieren um die Vorherrschaft im Bereich der Buchmarktforschung.  Und schließen Exklusivvereinbarungen, wonach z. B. KNV und Thalia Buchverkaufsdaten nur an Media Control liefern und Osiander beispielsweise an GfK.

Charlie Hebdo und 13. November:  Nach dem Leitmotiv »Für das Wort und die Freiheit« besinnt sich die Buchbranche auf ihre Funktion zur Wahrung von Meinungs- und Pressefreiheit.

Reprobel-Urteil:  Eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg, die der Börsenverein als Gefährdung des »Miteinander von Autoren und Verlagen in VG Wort« wertet.  Um Verlage für ihre Leistungen zu honorieren, werden die Ausschüttungen von Verwertungsgesellschaften seit dem frühen 19. Jahrhundert zwischen Verlagen und Autoren aufgeteilt.  Doch nun hat der EuGH entschieden, dass Verlage an Ausschüttungen durch Verwertungsgesellschaften, wie z. B. die VG Wort, nicht weiter beteiligt werden können, da Verlage keine formalen Rechteinhaber im Sinne der europäischen Urheberrechtsrichtlinie InfoSoc (2001/29/EG) seien.  Verlagsvergütung auf Kosten der Autoren ist damit unzulässig.  Die Antwort des EuGH kam im November, den Verlagen drohen nun hohe Rückzahlungen.

12436201_956384704451293_1985021760_oTolino-Allianz:  2013 gründeten Club Bertelsmann, Hugendubel, Thalia und Weltbild zusammen mit der Deutschen Telekom einen Bund zum Angriff auf Amazons Vorherrschaft auf dem deutschen E-Book-Markt.  Als neue, starke Partner kamen 2015 Osiander und Mayersche hinzu.

 

Verbandsreform Börsenblatt:  Während der Berliner Hauptversammlung im Juni 2015 wurde die Umstrukturierung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels beschlossen.  Die Umstrukturierung soll Schritt für Schritt erfolgen, um den Börsenverein »weniger und flexibler« zu gestalten.  Wie die Reform konkret aussehen soll, zeigt der Börsenverein in einem Video:

Weltbild:  Insolvent oder nicht insolvent?  Das ist hier die Frage.  Seit 2014 geht es für den Konzern auf und ab.  Über 400 Mitarbeiter verloren hier ihre Jobs und ein Ende der Krise ist immer noch nicht in Sicht.

Autorin: Christin Fetzer