Wenn Bloggen, dann professionell.

Wenn Bloggen, dann professionell.

Am letzten Tag der Leipziger Buchmesse 2016 fand eine Premiere für die bloggenden Besucher statt: Die erste Konferenz buchmesse:blogger sessions. Auf dem Programm standen Themen, die Neuankömmlingen den Einstieg in die Blogosphäre erleichtern sollten und Diskussionen über Blogkonzepte sowie mögliche Professionalisierung. 

Regeln, Regeln, nichts als Regeln

Nach einer euphorisierenden Keynote, bei der es mir als Neulingsblogger sofort in den Fingern juckte gleich in die Tasten zu hauen, kam die Ernüchterung. Bloggen ist nicht nur Spiel, Spaß und freie Leseexemplare, denn es gibt jede Menge gesetzliche Vorschriften. Diese wurden von Dr. Stefan Haupt (Haupt Rechtsanwälte) und Rainer Dresen (Random House Bertelsmann) vorgestellt. Während mir das Urheberrecht bereits in Ausbildung und Studium begegnet war, hatte ich mir bis jetzt noch darüber Gedanken gemacht, ob ein Impressum überhaupt nötig ist. (Spoiler: Ist es. Und zwar vollständig mit Namen, Anschrift und Emailadresse.) Darüber hinaus bereitet vor allem die Nutzung von Bildern und Zitaten vielen Bloggern Kopfzerbrechen. Ähnlich wie das Zitatrecht ist das Gesetz für die Nutzung von Bildern schwammig und vielseitig auslegbar. Die Kurzfassung: Zitate nur verwenden, um einen Sachverhalt zu untermauern und auch dann nur im angemessenen Umfang. Cover von Büchern dürfen in der Regel genutzt werden, ansonsten hübsch mit Katze und Teetasse arrangieren. Im Zweifelsfall aber lieber den Verlag kontaktieren, denn bei Verstößen drohen Geldstrafen im vier- oder fünfstelligen Bereich.

© Beatrix Dombrowski
© Beatrix Dombrowski

Planet das Chaos

Nach einer kurzen Mittagspause mit Schnittchen, Kürbis-Ingwer-Süppchen und Teechen ging es weiter mit einer Einführung in die Kunst des Redaktionsplans. Tina Lurz (Lovelybooks.de) beantwortete uns in gemütlicher Runde zahlreiche Fragen. Gerade für blutige Anfänger wie mich ist ein Redaktionsplan eine große Hilfe. Sich zu visualisieren, wann welcher Content auf welchem Kanal geladen wird, bietet die Möglichkeit konstant Inhalte für Leser zu erstellen. Mittel um einen solchen Plan zu erstellen gibt es sowohl in digitaler Form als auch gedruckt. Ein umfangreiches Exemplar findet man zum Beispiel auf kreavida.de. Die Bloggerin Katja Frontzek bietet ihren Blogplaner in beiden Formen an. Hier finden sich neben Planungshilfen für Content auch Übersichten zur Blogpflege und Monetarisierung. Wichtig ist es aber laut der Referentin neben aller Planung und Organisation aber spontan zu bleiben und die eigene Persönlichkeit einfließen zu lassen.

Buchblogger vereinigt euch

Monetarisierung war auch im letzten Teil der Konferenz ein wichtiges Stichwort. Schon während ihrer Keynote hatte Karla Paul (edel ebooks) gefordet, dass Buchblogger endlich aus der „Flauschzone“ ausbrechen sollen. Bei der abschließenden Podiumsdiskussion fand dann ein hitziges Gespräch über die Professionalisierung von Buchblogs statt. Während vor allem Ute Nöth (Carlsen Verlag) zwar daran festhielt, dass Buchblogger für bloße Rezensionen nicht bezahlt werden sollen, war sie einer kreative Zusammenarbeit nicht abgeneigt. Auch Leander Wattig (Orbanism) und Susanne Kasper (Literaturschock) waren der Meinung, dass sich noch einiges tun muss in der Szene, denn Herzblut allein bezahlt die Rechnungen nicht. Professionalisierung in Form von juristischer Sicherheit und einer nachweisbaren Reichweite sollten Buchblogger, die für ihre Dienste entlohnt werden wollen, vorweisen können. An ihnen liegt es auch die Bezahlung einzufordern, die Fashionblogger bereits erhalten.

Mein Fazit

Auch wenn nach dem Verdauen all dieser Informationen, ein Buchblog eher nach einer Vollzeitstelle als nach einem Hobby klingt, lohnt sich die Arbeit. Die einheitliche Grundtenor bleibt: Bücher brauchen eine Lobby und die können wir Leser ihr in der Blogosphäre bieten. Auf diese Weise inspiriert, bereite ich mich auf eine Woche Buchmesse-Depression vor und freue mich bereits jetzt auf die buchmesse:blogger sessions 2017!

Autorin: Beatrix Dombrowski

Leipziger Buchmesse 2016 – Mehr als Lesebühnen

Leipziger Buchmesse 2016 – Mehr als Lesebühnen

Wenn Buchhändler im ganzen Land ungeduldig mit den Seiten rascheln, das aufgeregte Knistern der  Bücherwürmer nicht mehr zu überhören ist und die druckfrischen Leipziger Lerchen wieder ihren bundesweiten Frühlingsausflug antreten, dann besteht kein Zweifel: Es ruft die Leipziger Buchmesse!

Země potřebuje překladatele!

Während sich in ganz Deutschland CosplayerInnen für die kontemporär stattfindende Manga-Comic-Con rüsten und in die Schale ihre Helden und Idole werfen, bereiten sich auf die diesjährige Leipziger Buchmesse auch wahre Alltagshelden vor: Übersetzer. Wem nun nicht ganz klar ist, wo der alltägliche Heroismus im Übersetzertum verwurzelt sein soll, dem sei ein Besuch bei dem dieses Jahr auf der Messe vertretenem, südosteuropäischen Übersetzernetzwerk TRADUKI wärmstens empfohlen. Der Kern der translatorischen Kompetenz, lässt sich schon vom eigentlichen Terminus ableiten: Übersetzer. So wird die innerste Funktion, das Übersetzen, oft nicht als das Übersetzen von einem kulturellen Ufer zum nächsten, sondern lediglich als das Umsetzen einer codierten Information in eine differente Codierung verstanden. Doch jene Überbrückungsfunktion stiftet, vermittelt und verbreitet unterschiedlichste kulturelle Inhalte und schafft somit die Grundlage für gegenseitiges Kulturverständnis. Darum lohnt sich auch ein Besuch im dieses Jahr in Halle 4 beraumten Übersetzerzentrums.

© dpa
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Sonnig, mit Aussicht auf Belletristik

Wem dies noch nicht genug Sprachvielfalt war, der kann sich auf den ersten Internationalen Book Pitch zur Leipziger Buchmesse 2016 freuen. Dieser gibt ausländischen Autoren die Chance, ihre Machwerke den lokalen Agenten und Lektoren vorzustellen und somit neue Märkte zu erschließen und unentdecktes Potential zu verbreiten. Auch die längst etablieren Prosa Prognosen des  Literarischen Colloquiums Berlin, sollte man nicht verpassen. Ausgewählte Jungautoren können hier ihre, zuvor in der Autorenwerkstatt zu Berlin gefertigten, potentiellen Erstveröffentlichungen vorstellen. Die Lesungen finden am 18.03. um 15 Uhr in Halle 5 statt.

Die Start-Up Area der Buchmesse

Ganz im Zeichen der Innovation und Neuerung steht außerdem die Ausstellung Neuland 2.0, welche am 18. und 19. März in Halle 5 vertreten sein wird. Dort werden 14 verschiedene, bereits von einer Jury vorausgewählte, Start-Ups präsentiert, welche einen frischen Wind in die Verlags- und Medienbranche tragen sollen. Die aus aller Welt stammenden Newcomer-Projekte sind zumeist Apps, Medienserver oder und Online-Plattformen, welche zumeist unterstützende Funktionen für Autoren, Lektoren, Kleinverlage oder anderen Medienunternehmen bereitstellen. Der digitale Trend ist dabei nicht von der Hand zu weisen und erwünscht, so auch bei dem diesjährigen Fachprogramm für Blogger, den buchmesse: blogger sessions 2016. Die Fachkonferenz dieser jungen Zielgruppe der Verlagsbranche findet im Congress Center Leipzig statt, bedarf allerdings einer zusätzlichen Anmeldung.

Autor: Tankred Hielscher

FBM: Geschichte der Frankfurter Buchmesse 

FBM: Geschichte der Frankfurter Buchmesse 

Logo der FBM 2015 © neureuter.de
Logo der FBM 2015 © neureuter.de

Vom 14. bis 18. Oktober 2015 zog es, wie jedes Jahr, Büchermenschen aus allen Ecken der Welt an. Ob zum Lesen, Informieren, Kontakteknüpfen, zur Marktbeobachtung oder zum Erleben ist die Frankfurter Buchmesse der weltweit wichtigste Ort der Branche. Zeit, einen Blick auf die Geschichte zu werfen.

Im 15. Jahrhundert erfand Gutenberg in Mainz, in unmittelbarer Nähe zu Frankfurt, den Buchdruck. Die Geburtsstunde eines neuen, weltbewegenden Wirtschaftszweiges und einer inzwischen 500 Jahre alten Tradition. Ein Highlight bilden jedes Jahr wieder die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels und der Deutsche Jugendliteraturpreis. Seit 1964 wird die Frankfurter Buchmesse von der Ausstellungs- und Messe-GmbH ausgerichtet.

Meilensteine

Seit der Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert ist die Frankfurter Buchmesse der Umschlagplatz der Branche, bis in 17. Jahrhundert hinein, wo ihr die Kaiserliche Bücherkommission zum Verhängnis wurde. Somit war zur Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert Leipzig die zentrale Buchmessestadt, hier ist es jedoch der 2. Weltkrieg, der den Buchhandel zum Erliegen bringt.

© jugendliteratur.org
© jugendliteratur.org

Einen Neuanfang bildet 1949 die offizielle Gründung der Frankfurter Buchmesse durch den Deutschen Börsenverein mit 205 Ausstellern. Seit 2003 entwickelt sich die Buchmesse zunehmend zur Marketing-Plattform, denn sie ist nur in zweiter Linie für das allgemeine Publikum gedacht. Von insgesamt 269 534 Besuchern zur Frankfurter Buchmesse 2014, waren 167 654 Fachbesucher aus 132 Ländern. Der jährliche Fokus auf ein Gastland besteht hierbei offiziell seit 1988.

Liste der bisherigen Gastländer:

* 1986 Indien – Wandel in Tradition

* 1988: Italien – Italienisches Tagebuch

* 1989: Frankreich – L’Automne français

* 1990: Japan – Then and Now

* 1991: Spanien – La Hora de España

* 1992: Mexiko – Offenes Buch

* 1993: Flandern und Niederlande – Weltoffen

* 1994: Brasilien – Begegnung von Kulturen

* 1995: Österreich

* 1996: Irland – Und seine Diaspora

* 1997: Portugal – Wege in die Welt

* 1998: Schweiz – Hoher Himmel – Enges Tal

* 1999: Ungarn – Unbegrenzt

* 2000: Polen – ©Poland

* 2001: Griechenland – Neue Wege nach Ithaka

* 2002: Litauen – Fortsetzung folgt

* 2003: Russland – Neue Seiten

* 2004: Arabische Welt – Arabische Welt – Blick in die Zukunft

* 2005: Südkorea – Enter Korea

* 2006: Indien – Today’s India

* 2007: Katalanische Länder – Singular i Universal

* 2008: Türkei – Faszinierend farbig

* 2009: Volksrepublik China – Tradition und Innovation

* 2010: Argentinien – Kultur in Bewegung

* 2011: Island – Sagenhaftes Island

* 2012: Neuseeland – Bevor es bei euch hell wird

* 2013: Brasilien – Ein Land voller Stimmen

* 2014: Finnland – Finnland. Lesen.

* 2015: Indonesien – 17.000 Inseln der Imagination

Ob zum Hobby oder als Fachbesucher, die Frankfurter Buchmesse ist in jedem Fall immer einen Besuch wert.

Autorin: Christin Fetzer