Crowd-Publishing: Self-Publishing 2.0?

Crowd-Publishing: Self-Publishing 2.0?

Crowd-Publishing stellt sich als neue Publishing-Methode heraus, die noch eine nähere Beziehung zwischen Autor und Leser als Self-Publishing bietet, da der Leser maßgeblich für die Veröffentlichung des Werkes ist. 

Self-Publishing ermöglicht dem Autor unabhängig von einem Verlag sein Buch zu veröffentlichen und dabei die Urheberrechte zu behalten. Dies geschieht allerdings selten vollständig autonom, da die geschriebenen Werke meist über Self-Publishing-Plattformen wie Amazons Kindle Direct Publishing oder neobooks der Verlagsgruppe Droemer Knaur als ebooks vertrieben werden.

Dadurch gehört schlussendlich ein Anteil von bis zu 70% des Gewinns dem Autor, eine ausgesprochene Steigerung zu dem üblichen Honorar bei einer Verlagsveröffentlichung, auch wenn unterschiedlichen Nettoverkaufspreise in Betracht gezogen werden. Crowd-Publishing scheint eine Methode zu sein, das Autorenhonorar mithilfe von Direktvermarktung zu steigern.

Crowd-Publishing: Crowdfunding für Bücher

Schon seit mehreren Jahren besteht für Projekte und Ideen die Möglichkeit, sich durch zukünftige Kunden selbst zu finanzieren. So präsentiert der Urheber seine Idee und hofft darauf, Unterstützung von der Crowd (dt.: das gemeine Volk), zu erreichen und sich nicht auf das Interesse großer Investoren verlassen zu müssen.  Dieser Prozess nennt sich Crowdfunding. Die Plattformen Kickstarter und indiegogo gehören zu den größten internationalen Crowdfunding-Plattformen. Dort gibt es unter vielen anderen auch die Kategorie „Publishing“ (Kickstarter) bzw. „Schreiben“ (indiegogo), in dem Autoren ihre Bücher darbieten, um ihre Veröffentlichung durch Leser zu finanzieren und zu vermarkten.

Leser übernehmen dabei einerseits die Rolle des Verlages und haben die Entscheidungskraft,  Bücher auf den Markt zu bringen, andererseits sind sie auch die Käufer und erhalten das Buch nach Beendigung der Kampagne. So wird aus Self-Publishing Crowd-Publishing. Die Gebühren der Plattformen betragen jeweils 5%, ausschließlich der Gebühren der Zahlungsabwicklung, und liegen damit weit unter den Gebühren meister Self-Publishing-Plattformen.

Monatliches Gehalt mithilfe von Patreon

© Rocío Lara/Flickr
© Rocío Lara/Flickr

Crowdfunding-Kampagnen zeichnen sich dadurch aus, dass sie einmalig Projekte unterstützen und finanzieren, doch einige Content Creators geben ihre Inhalte kostenlos und regelmäßig zur Verfügung und haben dadurch Schwierigkeiten, sich den Lebensunterhalt zu verdienen.

Die Crowdfunding-Plattform Patreon möchte dieses Problem umgehen, in dem sie den finanziellen Trägern, sogenannte Patrons, die Möglichkeit anbietet, in Form von regelmäßigen Spenden den Autoren oder Künstler zu unterstützen.

Dies basiert darauf, dass Patrons mit Patreon den Content Creator für die Zukunft unterstützt und gleichzeitig Zugriff auf exklusive Premium-Inhalte erlangen.

Ein erfolgreiches Beispiel für Crowd-Publishing ist der Webcomic Wormworld Saga von Daniel Lieske. Mithilfe von Patreon erreicht Daniel Lieske einen monatlichen Betrag von mittlerweile über 250 Dollar zur Unterstützung des Webcomics. Auf Kickstarter startete er schon mehrere erfolgreiche Kampagnen für die Vermarktung und Finanzierung der Reihe als physisches Produkt.

Autorin: Eva Goetzke

PAN: Phantastik-Autoren bekommen eine Stimme!

PAN: Phantastik-Autoren bekommen eine Stimme!

Zu fast jedem Buchgenre existiert in Deutschland eine entsprechende Autorenvereinigung, die ihre Mitglieder und ihr Genre öffentlich vertreten.  Dass es dabei sehr lang keine Autorenvereinigung für den Bereich Fantasy gab, ist schon eine Überraschung.  Ausgerechnet das Genre, welches bei den Deutschen an dritte Stelle der Rangliste steht, sollte keine Stimme in der Öffentlichkeit haben?  Genau diesen Umstand plante Diana Menschig zu ändern und gründete am 15. November 2015 mit zwölf weiteren Autoren, sowie einem Buchhändler und einem Lektor den gemeinnützigen Phantastik-Autoren-Netzwerk e. V., kurz: PAN.  Inzwischen zählt der Verein 70 Mitglieder (Stand: April 2016) und tagte am 21.04. und 22.04. zu seinem ersten offiziellen Branchentreffen in Köln.

Nachdem sich das SYNDIKAT – die nunmehr seit 30 Jahren bestehende Vereinigung deutscher Krimiautoren – im August 2014 mit einem offenen Brief erfolgreich in den Machtkampf zwischen amazon und der Bonnier-Verlagsgruppe eingemischt hatte, erkannte Diana Menschig, das ein solcher Zusammenschluss von Autoren der deutschen Phantastik längst überfällig war: »Ich finde es wichtig, dass wir als Phantastik-Autoren eine Stimme im Markt haben, um den Veränderungen der Buchbranche gemeinsam begegnen und gegebenenfalls gemeinsam auf sie reagieren zu können.  Das Ansehen der Phantastik hat sich in den letzten Jahren stark verbessert, aber gerade für deutschsprachig veröffentlichende Autoren ist noch viel Luft nach oben, was die Anerkennung innerhalb des Literaturbetriebs anbelangt.«

In diesem Sinne lud der PAN e. V. am 21.04. und 22.04. im Kölner Odysseum zum Ersten PAN-Branchentreffen der Phantastik ein.  Das zentrale Thema:  »Die deutschsprachige Phantastik – Kulturgut oder doch nur gut?«  Das Ziel:  »Wir wollen alle dasselbe, nämlich die Phantastik voranbringen!«  (Lars Schmeink, Gesellschaft für Fantastikforschung)

Erstes Branchentreffen der deutschen Phantastik-Autoren:  Tag 1

»Es ist ein Fehler, Elemente der Phantastik wegen ihrer Irrealität als belanglos abzutun!«
Dr. phil. Frank Weinreich

Nach der Begrüßung durch PAN-Gründerin Diana Menschig geht es sogleich mit Dr. phil. Frank Weinreich (freier Lektor und Literaturscout) in die erste Runde:  »Ausbruch aus Wolkenkuckucksheim – Gedanken über die Rolle der Phantastik in der Gesellschaft.«  Zu oft werde die Sinnhaftigkeit der Phantastik in Frage gestellt, so Weinreich.  Zu oft werde sie als Zeitverschwendung angesehen.  Kritisiert werden hierbei meist noch nicht einmal die Qualität phantastischer Texte, sondern ihre Inhalte.

Doch seien die Inhalte phantastischer Literatur keinesfalls belanglos, findet Weinreich.  Sie sei der Spiegel der Umstände, unter denen sie erfasst werde und spiegle die Welt sowohl politisch und philosophisch als auch ethisch und moralisch wider.  Weinrich blickt positiv in die Zukunft der deutschen Phantastik:  »Die fehlende Anerkennung kann sicher bald zu Grabe getragen werden.«  Schließlich vergleichen Medien bereits Landschaften mit Mordor und Politiker mit Sauron oder Voldemort.

»Das Feuilleton arbeitet seit fast zehn Jahren an seiner Selbstabschaffung!«

– Bernhard Hennen

Diskussionsrunde - Muss mehr deutsche Phantastik ins Feuilleton? © PAN e.V.
Diskussionsrunde – Muss mehr deutsche Phantastik ins Feuilleton? © PAN e.V.

Es folgt eine Diskussionsrunde zum Thema:  »Muss mehr deutsche Phantastik ins Feuilleton?« mit den Autoren Christoph Hardebusch und Bernhard Hennen, sowie der Bloggerin und ARD Literaturexpertin Karla Paul, der FAZ.net-Feuilleton-Journalistin Andrea Diener und Tilman Strasser vom Literaturhaus Köln.  Die Rede ist von den Feuilletons großer Tageszeitungen.  Kritisiert wird, dass wenig über Bücher – besonders aus dem Bereich der deutschsprachigen Phantastik – und noch weniger über Computer-Spiele gesprochen wird.  Wenn doch, dann bestehe eine Überpräsenz englischer Werke und dem, was als »hochrangige Literatur« angesehen werde.  Diener erklärt daraufhin, dass Tageszeitungen schließlich schreiben, was die Zielgruppe lesen wolle und was die Feuilletonisten, die sehr frei in ihrer Arbeit seien, interessiere.

Dies hatte eine Diskussion zufolge, warum Autoren unbedingt im Feuilleton erscheinen wöllten und wie innovativ bzw. eher wie veraltet und konservativ unsere heutigen Tageszeitungen seien.  Kritik kommt auch von Hannes Riffel, Programmleiter von Fischer TOR (Science Fiction und Fantasy) des S. Fischer Verlags:  Die allgemeine Presse sei zu stark spezialisiert.  Damit bedient sie zwar ältere Generation, die auch als Zielgruppe verstanden werden, haben aber die jüngeren bereits verloren und laufen Gefahr, sich so ihr eigenes Grab zu schaufeln.

»Der Normvertag des VS* benachteiligt Autoren und muss geändert werden!«

– Alanna Falk

Es folgt ein Vortrag zur Frage »Was kann ein Zusammenschluss von Autorenverbänden leisten?« von Hans Peter Roentgen von Aktion fairer Buchmarkt.  Besprochen werden die Themen Urheber- und Verwertungsrechte, Rechtrückforderungen und aktuelle Entwicklungen zu den Fällen der VGWort und den Urheberrechtsänderungen sowie die unvorteilhaften (Verlags-)Normverträge des *Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller.

Im Anschluss schlägt Ulrich Kelber – parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz mit »Raubkopien und illegalen Downloads« in eine ähnliche Richtung ein und beschreibt u. a. das Problem der sich zu schnell ändernden Technologien, die neuen Gesetzen  gegenüberstehen.  Nichtsdestotrotz:  »Die Rechte von Urhebern und Verlagen müssen durchgesetzt werden!«, findet Oliver Graute, Vorstandsvorsitzender der Phantastischen Akademie.

Nach einer kurzen Pause stellt Klaudia Seibel von der Phantastischen Bibliothek Wetzlar in ihrem Beitrag »Wo die Ideen aus den Büchern kriechen:  Ein Streifzug durch die Phantastische Bibliothek und ein bisschen Libriomantik« Aufgaben, Projekte und Besonderheiten der Phantastischen Bibliothek der Stadt Wetzler vor, die mit einem Bestand von ca. 260 000 phantastischen Werken die wohl weltweit umfassendste Einrichtung ihrer Art ist und als einzige Heftromane sammelt – Perry Rhodan-Fans aufgepasst!

»Schreiben ist harte Arbeit und muss auch beim Nachwuchs anerkannt werden!«

– Ingrid Pointecker

Letzter Programmpunkt des ersten Tages ist die Diskussion »Schreiben kann doch jeder – Warum sollen wir Nachwuchs fördern?« mit der Autorin und Initiatorin des Tintenzirkels Maja Ilisch, dem Autor Markus Heitz, der Chefin des ohneohren Verlags Ingrid Pointecker und Oliver Graute, dem Vorstandsvorsitzenden der Phantastischen Akademie.  Bei der richtigen Form der Nachwuchsförderung gehen die Meinungen auseinander.  »Junge Autoren müssen sich mehr trauen, die eigenen Geschichten umzusetzen«, betont Markus Heitz.  Am Schluss sind sich jedoch alle Beteiligten dahin einig:  Schreiben braucht vor allem Zeit, Ausdauer, Willen und das entsprechende Handwerk.

Ausklang des ersten Tages ist das auch öffentlich zugängliche »Phantastische Gipfeltreffen« mit den drei Giganten der deutschen Phantastik!  Bernhard Hennen, Markus Heitz und Kai Meyer aus ihren aktuellen Werken lesend und im Gespräch moderiert von Karla Paul.  Einfach episch!

Phantastisches Gipfeltreffen - Heitz, Meyer, Hennen © PAN e.V.
Phantastisches Gipfeltreffen – Heitz, Meyer, Hennen © PAN e.V.

Erstes Branchentreffen der deutschen Phantastik-Autoren:  Tag 2

»Du! Sollst! Nicht! Langweilen!«

– Tommy Krappweis

Der Freitag startet mit der Diskussion »Was bringen Leserunden und Lovelybooks, Conventions und Lesungen?«, wofür knapp zwei Stunden nicht ausreichen, findet Autor Tommy Krappweis, der zusammen mit Autorenkollegin Jennifer Benkau, Susanne Kasper von literaturschock.de, Karsten Wolter von der Buchhandlung Drachenwinkel und Jürgen Eglseer vom Amrûn Verlag auf der »Couch« sitzt.  .»Inzwischen ist der Autor in der Rolle des Entertainers«, äußert sich Wolter zur Entwicklung des Berufes »Autor« allgemein und alle sind sich einig, dass Social Media auch in der Buch- und Verlagsbranche ein wichtiger Bestandteil sei.

»Für kleine Verlage ist Facebook extrem wichtig«, meint Eglseer.  Auch Festivals und Conventions seien gute Plattformen für Fantasy-Autoren, finden Krappweis und Wolter.  Vor allem Krappweis und Benkau konnten über ihre positiven Erfahrungen mit Leserunden berichten, jedoch hält Kai Meyer – dieses Mal aus dem Publikum – dagegen.  Mit Leserunden und Beta-Lesern könne er sich nicht anfreunden.  »Als Autor will ich die Stimme des Autors hören, sonst müsste ich ja u. U. nur noch über Katzen schreiben«, argumentiert er.

»Bei Oetinger 34 ist ein Buch Teamarbeit.«

– Katrin Weller

Im Anschluss stellt Katrin Weller, Programmleiterin von Oetinger34, in ihrem Vortrag »Neue Formen der Entstehung von Büchern« die Plattform bzw. das Projekt Oetinger34 vor, wobei sie gemeinsam mit Bernhard Hennen besonders auf die erfolgreiche Reihe Kings & Fools der beiden Oetinger34-Nachwuchsautoren Silas Matthes und Natalie Matt eingeht, deren Pate Hennen war.

Mit »Magische Hörwelten:  Phantastik vertont« präsentiert Torsten Surberg, Director in Program Development bei Audible in einem eindrucksvollen Vortrag mit vielen Hörproben das Tochterunternehmen von amazon.  Gerade mit einem »Dolby-Surround-Schnipsel« aus 50 Shades of Grey plättet Surberg mehr oder weniger seine Zuhörer.  »Audible hat bereits mehr als 30 Millionen Fantasy-Hörstunden verkauft«, berichtet Surberg.  Audible sähe großes Potenzial für vertonte Phantastik, auch bei weniger bekannten Titeln.

»Die Phantastik ist endlich in der Allgemeinheit angekommen.«

– Hannes Riffel

Abschließend diskutieren Branchen- bzw. Autorengrößen wie Kai Meyer, Droemer Knaur Programmleiterin Natalja Schmidt, cbt Verlagslektorin Michelle Gyo, Literaturagent Michael Meller und Hannes Riffel von Fischer TOR über »Die Zukunft der deutschen Phantastik«.  Dabei betont Michael Meller, der sich selbst einen »Dinosaurier der Branche« nennt:  »Werbung allein macht keine Bestseller.«  Aktuell bestehe die phantastische Literatur aus drei Säulen, erklärt er:  Rollenspiel, Tolkien und George R. R. Martin.  Ihm fehle vor allem etwas »Neues«, z. B. politische oder gesellschaftliche Fantasy.

Viele (Nachwuchs-)Autoren würden zu viel nachahmen und sich auf Stoffe fokussieren, die sich insbesondere auf dem amerikanischen Markt verkaufen könnten.  Hierzu Kai Meyer:  »Schreibt für den deutschen Markt.  Schielt nicht den internationalen Markt.«  Zumal der deutsche Buchmarkt einer der größten der Welt sei.  Als letztes sollen die Diskussionsteilnehmer die Zukunft der deutschen Phantastik in drei Worten beschreiben.  Das aussagekräftigste Schlusswort dieses erfolgreichen ersten PAN-Treffens gibt damit Natalja Schmidt:  »Das wird geil!«

PAN Logo © Christin Fetzer
PAN Logo © Christin Fetzer

Wer sich weiterhin für PAN interessiert oder sogar Mitglied werden will, kann sich auf http://www.phantastik-autoren.net umsehen.  Auch auf Twitter und Facebook ist die Autorenvereinigung vertreten.  Hier können u. a. Bilder und Interviews (in Form von Videos) zum Branchentreffen angesehen werden.

Das 2. Phantastik-Autoren-Netzwerk Branchentreffen wird voraussichtlich Mitte Mai 2017 stattfinden.

 

 

Autorin:  Christin Fetzer