Essen: Game Of Foods

In der Welt der Kochbücher und Foodblogs geht es nicht nur darum, dass der Mensch Rezepte erfindet bzw. ausprobiert und diese anschließend in einem Kochbuch zusammenfasst oder in einem Blogbeitrag veröffentlicht. Oft sind es ebenso die Autoren unserer Lieblingsbücher, besonders im Fantasy-Bereich, die sich regionsspezifische Rezepte einfallen lassen, sich dann oftmals in der Beschreibung dieser verlieren und ihre Leser hungrig zurücklassen.

Ob nun eine Parodie in Form von Fifty Shades vom Huhn (F. L. Fowler), Nanny Oggs Kochbuch angereichert mit zahlreichen Scheibenwelt-Spezialitäten (Terry Prachett) oder das dritte Frühstück der Hobbits in Rezepte aus dem Auenland (Beregil von Gondor): Essen muss der Mensch. Auch der Fiktive.

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Nicht nur in Hogsmeade beliebt: Butterbier © bakingdom.com

Sicher sind wir uns einig, dass Kürbispastete, Kesselkuchen, Schokofrösche, das berühmte Butterbier und Bertie Botts Bohnen in sämtlichen Geschmacksrichtungen (Dinah Bucholz: The Unofficial Harry Potter Cookbook) immer noch am besten schmecken. Doch bleibt G. R. R. Martin wohl der unangefochtene König, was die Beschreibung von Essbaren innerhalb der Fantasy-Bücherwelt betrifft. Das Essen ist ein wichtiger Bestandteil im Lied von Eis und Feuer. Ob Hammel in einem Zwiebel-Bier-Sud, Honighuhn, Forelle im Speckmantel oder Taubenkuchen. Mit detaillierten Beschreibungen von üppigen Gelagen, exotischen Köstlichkeiten oder dem täglich Brot lassen Autoren, wie Martin ihre Welten nur umso lebendiger werden.

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Game Of Thrones Merchandise © radbag.de

 

In A Feast of Ice and FireThe Official Companion Cookbook geben die Bloggerinnen Chelsea Monroe-Cassel und Sariann Lehrer genauste Anweisungen zur Zubereitung gängiger Gerichte aus dem Norden und von der Mauer, Dorne, Königsmund und jenseits der Meerenge. Wer es jedoch Dothrakisch mag, sollte sich einfach ein rohes Pferdeherz besorgen.
Besorgt euch die nötigen Zutaten: Dinner is coming!

Autorin: Christin Fetzer

Gastbeitrag: Aus dem Alltag eines Foodbloggers

Kochen hat mich schon immer begeistert. Es hat mir stets Spaß gemacht mit meiner Mama oder Oma in der Küche zu stehen und später dann Freunde und Familie mit Selbstgekochtem zu verwöhnen. Als „Digital Native“ hab ich aber auch viel Spaß an „diesem Internet“, sodass es irgendwann recht nah lag, diese beiden Interessen zu verbinden und daraus einen Foodblog zu machen. So entstand mein Blog marsmaedchen.net, auf dem ich über gesunde Ernährung, Sport und Nachhaltigkeit blogge.

Anfangs gab es auf meinem Blog nur Rezepte, die aber nach und nach durch andere Themen ergänzt wurden. Mein Blog spiegelt meine Interessen und Leidenschaften wieder und dazu gehört mehr als nur Kochen. Die freie Themengestaltung ist gerade das Schöne an einem Blog.

© Melanie Fankhänel

Jede Woche erscheint mindestens ein neuer Beitrag – so zumindest die Theorie. Manchmal kommen mein Job, die Uni oder andere Projekte, wie das von mir organisierte FoodBloggerCamp, dazwischen. Ein Blog ist ein zeitintensives Hobby und bis ein fertiger Beitrag online geht, muss erst einmal eine Menge passieren: Zuerst erstelle ich mir eine Art „Redaktionsplan“ mit den Artikeln, die ich in den nächsten Wochen veröffentlichen möchte und versuche diese Themen dann zu ordnen und zu strukturieren, damit auf dem Blog Abwechslung herrscht.

Dann geht es ab in die Küche, denn ein Foodblog braucht entsprechende Rezepte. Meine Inspiration ziehe ich aus Kochbüchern oder anderen Blogs. Da ich aber oft vergesse, wo ich das entsprechende Rezept gesehen habe, muss ich fast immer experimentieren. Bis das Rezept „blogreif“ ist, braucht es manchmal zwei bis drei Versuche. Gerade bei Backwerken muss an den Rezepte gefeilt werden, bis mir alles gefällt, denn Rezepte, die nicht funktionieren oder schmecken, werden bei mir nicht veröffentlicht. Das fertige Gericht fotografiere ich dann. Manche Foodblogs sind super durchgestylt und die Bilder könnten so in jedem Kochbuch stehen. Ich mag es jedoch lieber puristisch und schlicht.

Anschließend muss der Blogpost noch verfasst werden. Hierfür suche ich erst einmal panisch nach meinen Notizen mit dem Rezept – die gehen nämlich auch gern einmal verloren.

Hummus mit Kräutern © Melanie Fankhänel
Hummus mit Kräutern © Melanie Fankhänel

Aber Bloggen ist nicht nur Arbeit. Ein Blog ist vor allem ein tolles Medium, um sich auszutauschen und der schönste Blogger-Moment ist, wenn man eine Nachricht von einem Leser bekommt, der von einem Rezept begeistert ist. Ein weiterer schöner Nebeneffekt sind Kooperationen mit Unternehmen. Fast täglich trudeln in der Marsmädchen-Zentrale Anfragen von Firmen ein, die sich auf meinem Blog präsentieren wollen. Die wenigsten passen aber wirklich zum Inhalt des Blogs, sodass ich im Schnitt mit nur etwa ein bis zwei Firmen pro Monat kooperiere. Dabei sind aber schon tolle Erlebnisse entstanden: Beispielsweise eine kulinarische Tour durch München mit einem Knödel-Hersteller.

Ich hoffe, ich konnte einen kleinen Einblick in das Leben als Foodblogger geben und vielleicht kocht der ein oder andere Lerchen-Leser ja eines meiner Rezepte nach.

Autorin: Melanie Fankhänel von marsmaedchen.net

Essen: Alternative Foodblogs

„Und was kann ich dann noch essen?“

Diese Frage habe ich mir gestellt, als ich erfuhr, dass ich an Fruktosemalabsorbtion erkrankt bin. Bei dieser Nahrungsmittelunverträglichkeit kann der Darm nur mit einer geringen Menge Fruktosezucker umgehen. Ein echtes Problem, denn in der deutschen Küche sind Äpfel und Tomaten omnipräsent, zwei fruktosereiche Nahrungsmittel.

KochTrotz

Foodblogs als Antwort! © Cindy Schulze
Foodblogs als Antwort! © Cindy Schulze
Während zur Zeit meiner Diagnose Foodblogs noch nicht in der Mitte der Internetcommunity angekommen waren, bieten sie heute eine einfache Möglichkeit, um Tipps rund um das Thema Nahrungsmittelunverträglichkeiten und -allergien zu finden.

Der wohl bekannteste Foodblog in dieser Kategorie heißt kochtrotz.de und wird seit September 2010 von Stefanie Grauer-Stojanovic betrieben. Mit einer Vielzahl an Intoleranzen und Allergien ausgestattet kreiert sie abwechslungsreiche Gerichte und legt Altbekanntes neu auf. Rezepte wie schwarzer Sesamkuchen und Kokosmuß helfen schnell über den Verlust von herkömmlichen Leckereien hinweg.

Seit die Autorin ihre Ernährung 2013 vegetarisch und vegan umgestellt hat, findet der Blog auch in dieser Zielgruppe großen Anklang. Laut eigener Aussage rangiert die Seite unter den 20 beliebtesten deutschen Foodblogs.

Im April 2015 erschien das erste Kochbuch zum Blog unter dem Namen „KochTrotz – Kreativ genießen trotz Einschränkungen, Intoleranzen und Allergien“ im foodhacker Verlag. Vorgestellt werden 70 Rezepte, welche je nach Bedarf variiert werden können.

Lecker Ohne

Mein erster Anlaufpunkt war jedoch lecker-ohne.de. Die Seite setzt sich aus einer Koch-Community im Stile von Chefkoch und einer Einführung in die Besonderheiten der Intoleranzen, Allergien und Einschränkungen zusammen. Auch Patientien mit Beschwerden wie Mukoviszidose, Rheuma und Mangelernährung finden hier Anregungen für ihren Ernährungsplan.

Gegründet wurde die Seite von Alexandra Hirschfelder und Sabine Offenborn, beide zertifizierte Diätassistentinnen.

Durch einerseits professionell untersuchte und mit Gütesiegel ausgestattete Rezepte, welche die Verträglichkeit garantieren, und anderseits abwechslungsreiche Beiträge von Nutzern, ist eine umfangreiche Datenbank für jegliche Einschränkung entstanden. Mein persönlicher Favorit ist der supercremige fruktosefreie Schokoaufstrich, der auch häufig von meiner gesunden Bekanntschaft nachgefragt wird.

Im Februar 2015 erschien das Buch „Lecker ohne… Fruktose: Genussvoll essen trotz Fruktoseunverträglichkeit.“ in der Schlüterschen Verlagsgesellschaft. Es gibt einen Überblick über die Beschwerden und zeigt die Verträglichkeit von Nahrungsmittel auf. Daneben werden die besten Rezepte für jede Mahlzeit vorgestellt.

Ein Leben ohne Rezepte aus dem Internet? Nein danke!

Fest steht: Ohne Projekte wie KochTrotz oder Lecker Ohne kann man als Betroffener ganz schön ratlos sein, wenn Allergien und Intoleranzen diagnostiziert werden. Viele Fachärzte können zwar eine Diagnose stellen, kennen sich aber mit der Umsetzung der nötigen Diät nicht aus. Helfen können Diätassistenten und Ernährungsberater, welche gerade im Zusammenhang mit Kreuzallergien (mehrere Einschränkungen treffen aufeinander) wichtig sind. Wohnt man aber weit ab vom Schuss, ist das Internet meist die einzige Informationsquelle. Foodblogs und Koch-Communities helfen den Betroffenen sich gegenseitig zu unterstützen, schüren die Kreativität und verhindern Verzagen, auch wenn die neuste Leckerei mal wieder auf den Magen schlägt.

Autorin: Beatrix Dombrowski