Spezial: Amazon – Schnell, schneller, Same Day

Spezial: Amazon – Schnell, schneller, Same Day

Amazon bietet seit November letzten Jahres den Service Same-Day-Delivery Service an. Wer also gleich nach dem Aufstehen bemerkt, dass der Wäschetrockner nicht mehr anspringt, den neusten Roman im Kaffee ertränkt und dann beim Einkleiden noch das Hemd zerreißt, kann sich den Ersatz noch am gleichen Abend liefern lassen. Während Prime-Kunden ab 20 Euro kostenfrei beliefert werden, kostet die Option regulär 9,99 Euro. Doch hat die deutsche Kundschaft für den Dienst überhaupt Bedarf?

Neu ist der Service nicht auf dem deutschen Markt. Anbieter wie Saturn und Media Markt engagieren sich schon länger in diesem Feld. Mit Amazon ist nun aber auch ein Vertreter der Medienbranche dem Trend gefolgt und deshalb nimmt dieser Artikel ihn genauer unter die Lupe.

Der grüne Daumen zeigt nach unten

Amazon Päckchen könnten bald noch schneller da sein
© Public.Resource.Org

Ganz klar festzustellen ist, dass die Lieferung am gleichen Tag aus ökologischer Sicht sehr bedenklich ist. Schnelle Lieferzeiten bedeuten immer mehr Lieferfahrzeuge auf der Straße. Um die gesetzten Fristen einzuhalten, müssen die Fahrzeuge durchaus auch nur halbvoll beladen das Lager verlassen. Gerade in Hinblick auf die Feinstaubbelastung sowie das Verkehrsaufkommen in den deutschen Großstädten, ist eine zusätzliche Belastung kritisch zu betrachten. Des weiteren treiben die halbvollen Kofferräume auch die Kosten für die Anbieter in die Höhe.

Innovationswille von Amazon & Co. trifft auf unerfüllte Kundenwünsche

Während weitere Unternehmen wie zum Beispiel ebay die Einführung von Same-Day-Delivery planen, zeigt sich, dass die Kundenwünsche damit nicht erfüllt werden. Laut einer Studie von ibi research (Universität Regensburg), die sich mit den Erfolgsfaktoren der Versandabwicklung beschäftigt, sind nur die Hälfte der befragten Teilnehmer bereit die Versandoption zu nutzen, wenn sie kostenlos angeboten wird. Jeder Fünfte gab an, den Service auch dann nicht nutzen zu wollen, wenn ein Aufpreis entfällt. Wichtiger ist für 86% der Befragten, dass die Lieferung termingerecht eintrifft. Interessant sind aus diesem Grund Lieferzeitfenster. DHL bietet beispielsweise einen Kurierdienst an, bei dem Lieferzeiten zur Auswahl stehen. Der Kunde kann sich zwischen den Zeitfenstern 18 bis 20 Uhr sowie 20 bis 22 Uhr entscheiden. Dieser Dienst ist bereits in 50 deutschen Städten und mehr als zehn Ballungsgebieten verfügbar. Hermes kündigt das Paket mit einem zwei- bis vierstündigen Zeitfenster an. Der Kunde kann diese Information über die Paketverfolgung abrufen.

Abholen statt hinterhertragen

Während also Anbieter auf eine immer schnellere Lieferung setzen, wünschen sich Kunden, dass die Ware pünktlich angeliefert wird und beim Kunden selbst eintrifft. Gerade in Großstädten, wo in der Regel anonymer gelebt wird und man seinen Nachbarn eventuell nicht so gut kennt, sind Packstationen und die Lieferung an einen Paketshop gute Alternativen. Dadurch wird die Umwelt geschont und Kosten gesenkt, denn der Lieferwagen kann voll zu zentralen Ablageorten fahren. Ein zusätzlicher Vorteil: Das Paket kommt gleich beim ersten Lieferversuch an. Der Kunde erhält daraufhin eine Benachrichtigung und holt sein Paket, wenn der Terminplan es gerade zulässt.

Same-Day-Delivery von Amazon mag ein luxuriöser Service sein, doch mit einem Auge auf die Umwelt sollte der geneigte Käufer ihn mit Bedacht auswählen. Zum Beispiel für Last-Minute-Weihnachtsgeschenke für Mutti. Oder eben den unersätzlichen Schmöcker.

Autorin: Beatrix Dombrowski

Spezial: Papierherstellung – gar nicht mal so grün

Spezial: Papierherstellung – gar nicht mal so grün

Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Kataloge, Prospekte, Werbebeilagen, Broschüren, Flyer, Kalender, Poster und Plakate – dies alles sind so alltägliche Gebrauchsgegenstände für uns, dass wir uns meist überhaupt keine Gedanken machen, wie das materielle Trägermedium, das Papier, produziert wird. Dabei ist die Papierherstellung ein spannendes Thema, besonders der Blick hinter die Kulissen beschert einige Augenöffner, denn dort ist nicht immer alles so blütenweiß wie das Endprodukt.

Steigender Papierkonsum

Seit den 70er Jahren hat sich der weltweite Papierkonsum verdoppelt – Tendenz weiter steigend. Der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland beträgt rund 250 kg pro Jahr. Damit liegen wir nur noch hinter den Finnen und Amerikaner, aber deutlich über dem weltweiten Durchschnittsverbrauch von 58 kg pro Kopf. Mit steigendem Papierverbrauch nimmt auch die ökologische Belastung weiter zu. Da die Deutschen neben dem hohen Verbrauch, zusätzlich einer der größten Papierproduzenten sind, haben wir an den Umweltbelastungen einen nicht geringen Anteil.

Papierherstellung ist ressourcen- und energieintensiv

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Papiermanufaktur. © B.Bussard, H.Dubois – Commons Wikimedia

Rohstoffe: Über 40% (2 von 5 Bäumen) des weltweiten kommerziellen Holzeinschlags gehen in die Papierherstellung. Deutschland muss diese Rohstoffe zum Großteil importieren, besonders den sogenannten Zellstoff. Woher diese im Einzelnen kommen, ist nicht immer ersichtlich. So gelangen letztlich Papiere, deren Holz zumindest zum Teil aus Raubbau und illegalen Einschlägen stammt, in den Handel. Damit ergibt sich das Hauptproblem: Überall auf der Welt, ob in Kanada, Russland, China, Indonesien und natürlich in Südamerika wurde und wird artenreicher Urwald flächenweise abgeholzt und in leblose Baum-Monokulturen umgewandelt. Eine Untersuchung vom WWF aus dem Jahr 2010 belegt den Zusammenhang: Tropenholz aus Urwäldern wurde in 19 von 51 untersuchten deutschen Kinderbüchern nachgewiesen. Die Bücher werden von deutschen Verlagen in Asien (hauptsächlich China) produziert und nach Deutschland importiert.

Energie: Die Papierherstellung ist sehr energieintensiv. Der Wasserverbrauch ist sogar so groß wie in keiner anderen Industrie. Für die Herstellung von einem Kilogramm Papier werden 100 Liter Wasser benötigt, von denen laut deutschen Herstellern bis zu 90 % wiederverwendbar sind. In den Entwicklungsländern wird dagegen das Abwasser meist ungeklärt in die Gewässer geleitet. Das ist deshalb ein großes Problem, da in diesen Ländern giftige Chemikalien eingesetzt werden.

Angesichts der Konsequenzen unseres Papierkonsums, von denen noch mehr zu nennen wären, stellt sich die Frage, was Unternehmen und jeder Einzelne dagegen unternehmen können. Verbesserungsansätze sind:

– Möglichst oft Recyclingpapier verwenden, da dieses deutlich umweltfreundlicher hergestellt wird.

– Bei Druckerzeugnissen auf Zertifizierungen wie den Blauen Engel achten.

– Konsequente Einschränkung unnötigen Papierkonsums.

Autor: Fabian Schwab