Dangerous Minds in Literature Vol.2 – Hunter S. Thompson

Dangerous Minds in Literature Vol.2 – Hunter S. Thompson

Hunter S. Thompson, geboren im guten und hochgebildeten Hause einer Südstaatenfamilie, war zwar gebildet, pflegte bei weitem aber nicht das Leben, welches man in seinen Kreisen üblicherweise einschlug. Thompson lebte auf der Überholspur –  sein ewiger Begleiter „Geschwindigkeit“. Einer seiner Leitsprüche: „Ich muss mich massiv zuknallen“. Er liebte Drogen, Alkohol, Football und das Schreiben, wobei man letzteres auch ab und zu als Hassliebe von Thompson ansehen kann.

„Einzig wichtig ist jetzt noch zu Fear and Loathing anzumerken, dass das Schreiben Spaß machte, und das ist selten – zumindest bei mir, denn ich habe die Schreiberei schon immer als den hassenswertesten aller Jobs angesehen. Vielleicht gleicht es darin dem Ficken – es macht nur den Amateuren Spaß. Alte Huren haben nicht viel zu kichern.“

– Hunter S. Thompson

 

Thompson der Schriftsteller

Pic Hunter S. Thompson
Hunter S. Thompson in Aktion. © wikimedia commons

Der junge Hunter begeisterte sich schon früh für Literatur und engagierte sich unter anderem bei seiner eigenen kleinen Zeitung und einer Literatur-Vereinigung, von welcher er jedoch wegen einer 60-tägigen Haft ausgeschlossen wurde. Er arbeitete danach überwiegend als Sportreporter, unter anderem für seine Kasernenzeitung, die El Sportivo und als Korrespondent für den National Observer.

Im Jahr 1965 kontaktierte der Herausgeber der Zeitschrift The Nation Thompson, um ihn für eine Reportage über die Hells Angels zu begeistern. Thompson verfasste diesen in einer bewusst subjektiven und direkten Art und Weise, woraufhin mehrere Verlage auf ihn aufmerksam wurden und Interesse an dem Buch über die Hells Angels zeigten. Daraufhin verbrachte er fast ein Jahr mit dem Motorradclub. Das daraus resultierende Buch erschien 1966 bei Random House und wurde zum Sprungbrett für Thomspson, denn nun druckten mehrere Zeitungen und Zeitschriften seine Artikel und er konnte endlich vom Schreiben leben.

Eine seiner womöglich wichtigsten und interessantesten Stationen verbrachte er beim Rolling Stone Magazine. Thomspon gehörte schon frühzeitig zu den Autoren des Magazins und entwickelte seinen eigene Art zu schreiben. Der Gonzo–Journalismus war geboren. Weitere wichtige Werke Thompsons waren unter anderem Fear and Loathing in Las Vegas oder The Rum Diary.

Pic Las Vegas Sign
Fear and Loathing in Las Vegas © Pexels/pixabay

Das Leben des Hunter S. Thompson

Das Leben des Hunter S. Thompson lässt sich als eine Aneinanderreihung von Höhen und Tiefen beschreiben, eine Verkettung von Euphorie und Depression, eine Paarung aus Verzweiflung und Zufriedenheit.

Er nahm sein Leben selbst in die Hand und wollte „richtig leben“. Er blieb sich und seiner Linie treu, selbst zum Zeitpunkt seines Todes. Thompson war kein einfacher Zeitgenosse, pflegte aber viele Freundschaften unter anderem zu Keith Richards, Bob Dylan, Jack Nicholson und Johnny Depp.

Er nahm bis zuletzt selbstbestimmt sein Leben in die Hand. So auch am 20.2.2005, als er sich an seinem Schreibtisch in Woody Creek durch einen Kopfschuss das Leben nahm. Dies geschah weder aus Verzweiflung noch Depressionen oder Schwierigkeiten. Er wollte einfach zum richtigen Zeitpunkt, seiner Meinung nach, abtreten. Es grenzt an ein medizinisches Wunder, dass Thompson nicht schon früher gestorben ist, bedenkt man die Unmengen an Alkohol und Drogen, die er sich allein innerhalb eines Tages einverleibt hatte. Hier ein Tag aus dem Leben des Hunter S. Thompson:

3:00 p.m.: Rise

3:05 p.m.: Chivas Regal with the morning paper, Dunhills

3:45 p.m.: Cocaine

3:50 p.m.: Another glass of Chivas, More Dunhills

4:05 p.m.: First cup of coffee, Dunhill

4:15 p.m.: Cocaine

4:16 p.m.: Orange juice, Dunhill

4:30 p.m.: Cocaine

4:54 p.m.: Cocaine

5:05 p.m.: Cocaine

5:11 p.m.: Coffee, Dunhills

5:30 p.m.: More ice in the Chivas

5:45 p.m.: Cocaine, etc.

6:00 p.m.: Weed to take the edge off

7:05 p.m.: Lunch of Heineken, two margaritas, coleslaw, taco salad, double order of fried onion rings, carrot cake, ice cream, a bean fritter, Dunhills, another Heineken, cocaine, and a snow cone for the ride home (a glass of shredded ice with Chivas poured on top).

9:00 p.m.: Starts snorting cocaine seriously

10:00 p.m.: Drops acid

11:00 p.m.: Chartreuse, cocaine, and weed

11:30 p.m.: Cocaine, etc.

12:00 a.m.: Time to write

12:05-6:00 a.m.: Chartreuse, cocaine, weed, Chivas, coffee, Heineken, clove cigarettes, grapefruit, Dunhills, orange juice, gin, and porn watching

6:00 a.m.: In the hot tub, champagne, Dove bars, and fettuccine alfredo

8:00 a.m.: Halcyon

8:20 a.m.: Sleep

Quelle: Carroll, E. Jean (2011-10-04). Hunter: The Strange and Savage Life of Hunter S. Thompson (Kindle Locations 196-221).

Keine letzten Worte. Kein letztes Lebewohl. Er ging, wie er gekommen war: Mit einem Knall. Das ist sehr wörtlich zu nehmen. Thompson wurde nämlich, so wie er es wollte, auf seinem Anwesen in Woody Creek bestattet. Die Beerdigung war jedoch nicht wie jede andere, sonst wäre es auch nicht die Beerdigung des Hunter S. Thompson gewesen. Denn seine Asche wurde weder verstreut, noch in einer Urne beigesetzt. Sie wurde durch eine Kanone in alle Himmelsrichtungen gefeufert.

Sieben Monate nach seinem Tod erhielten dann doch seine Frau und alle Leser des Rolling Stone Magazins unerwartet die letzten Worte des Hunter S. Thompson:

„Keine Spiele mehr. Keine Bomben mehr. Kein Laufen mehr. Kein Spaß mehr. Kein Schwimmen mehr. 67. Das ist 17 Jahre nach 50. 17 mehr als ich brauchte oder wollte. Langweilig. Ich bin nur noch gehässig. Kein Spaß – für niemanden. 67. Du wirst gierig. Benimm dich deinem hohen Alter entsprechend. Entspann` dich – dies wird nicht wehtun.“

 

Autor: MK