Eine sprachliche Reise durch Deutschland

© pixabay

Neue Redaktion, neues Glück! Aber worüber schreiben? Die Frage hat sich bereits bei unserem ersten Redaktionstreffen gestellt. Dabei ging es nicht nur um die 48. Ausgabe der Leipziger Lerche, sondern auch um unseren Blog. In den Semesterferien wurden bereits Ideen gesammelt, welche wir dann diskutiert und weiterentwickelt haben. Mit dem Ergebnis, dass wir heute eine neue Rubrik auf unserem Blog vorstellen: Lerche Dialekt.

Bei Lerche Dialekt fühlen wir einigen der (schrecklich-)schönen Mundarten, die sich in jeder Ecke Deutschlands finden, auf den Zahn. Es werden Ursprünge und Eigenheiten ergründet. Wir stellen Autoren und Werke vor. Den Beginn macht der Dialekt, der in Deutschland als einer der unbeliebtesten gilt: sächsisch.

Vorne weg: sächsisch ist natürlich nicht gleich sächsisch! Ein Leipziger klingt deutlich anders als ein Voigtländer. Die Analyse der feinen Unterschiede der Dialekte ist aber nicht das Ziel des Artikels. Nein, Ziel ist es, dass wir am Ende nicht nur über, sondern auch mit den Sachsen und ihrem Dialekt lachen. Vor nicht mal einem Monat wurde groß 500 Jahre Reformation gefeiert. Kaum beachtet dabei wurde in welches Deutsch Luther seine Bibel übersetzte. Bei der Übersetzung orientierte sich Martin Luther nämlich an der sächsischen Amtssprache. Sächseln war früher sogar schick! Bis zum 18. Jahrhundert war sächsisch, in Schrift und Grammatik, die Modesprache der preußischen Oberschicht.

Vielleicht sollten wir auch alle öfter daran denken, wie viele Personen und Persönlichkeiten, die heute für ihr Schaffen bewundert werden ins sächsische oder obersächsische geboren wurden. Um nur ein paar aufzuzählen: Martin Luther, Johann Sebastian Bach, Richard Wagner, Joachim Ringelnatz, Erich Kästner, Friedrich Nietzsche, Karl May und viele mehr. Und jetzt stelle man sich doch mal vor, dass all diese Leute mit einem (ober-)sächsischen Dialekt aufgewachsen sind und diesen vielleicht sogar zeitlebens gesprochen haben. Nach dieser Schocktherapie zur Wertschätzung des Sächsischen, hat man jetzt aber auch was zu lachen. Die Sachsen besitzen nämlich auch Humor. Denn bei sächsischen Witzen in sächsischer Mundart gibt es auf jeden Fall was zu lachen. Vielleicht erst mehr über den Klang als über den Witz an sich (aber was soll’s). Zum Verständnis erzählt der Sachse seinen Witz auch gern drei mal.

Bernd-Lutz Lange ist freiberuflich Kabarettist und Buchautor und seines Zeichens auch studierter Buchhändler. In seinen Bühnenprogrammen beschäftigt er sich stark mit dem Humor seiner Heimat. 2015 zog er nach damals fast 50 Jahren als Kabarettist ein erstes Resümee und veröffentlichte ein Buch mit seinen Lieblingswitzen „Teekessel und Othello“ (Aufbau-Verlag, 9783351036386, 10€), welches als Live-Mitschnitt einer Lesung auch als Hörbuch erhältlich ist.

In dieser Lesung stellt Lange seine Bühnentalente zur Schau und verleiht den Situationen und Figuren seiner Witze extra Charme. Die erzählten Witze sind dabei in verschiedene Rubriken unterteilt. So setzt man sich in der einstündigen Laufzeit mit Alltag, Romanzen, Kunst und u.a. der DDR humoristisch auseinander. Bernd-Lutz Lange hat in dieser Sammlung den Wahn- und Unsinn der Sachsen wunderbar auf die Spitze getrieben. So ist auch sein abschließender Ratschlag an jene, die sich ihres Dialektes schämen, so instruktiv wie aberwitzig:

„Erzählen Sie lieber ein paar Witz (..) und denken Sie daran, dass es in den alten Bundesländern einen riesigen Nachholbedarf für sächsischen Humor gibt. 60 Millionen Verbraucher und wir sind bei diesen Produkten nun wirklich die alleinigen Marktführer.“

Autorin: Annekatrin Franke