Meine Messe-Erkenntnisse 2017

Meine Messe-Erkenntnisse 2017

Die Leipziger Buchmesse 2017 ist seit 14 Tagen Geschichte. Mit etwas zeitlichem Abstand zum reflektieren und auswerten der Eindrücke, hier nun meine persönlichen vier Frühlings-Trends im Messe-Report.

 

1. Ich sehe die Messe vor lauter Menschen nicht

Im Laufe eines Bücherwurm-Lebens sammelt sich ein ganzer Stapel Kontakte an, aus der Branche, dem Studium, der Ausbildung… Und natürlich stolpere ich alle paar Meter über eine Bekannte. Man quatscht, bringt sich auf den neuesten Stand, klagt über den Stress – und schon wieder ist eine halbe Stunde verstrichen, in der ich auch eine Lesung besuchen oder unter neuen Büchern hätte stöbern können. Tatsächlich ist dieses schöne Kontakt-Netz sogar daran schuld, dass ich diesmal das Exzessive Merch-Shopping in Halle 1 extrem einschränken musste – immerhin, den Geldbeutel freut’s. Im Rückblick betrachtet, ist es mir aber trotz allem deutlich lieber, die Messe mit anderen, und sei es im Gespräch, als allein auf einer Lesung zu erleben.

 

 

2. Die Alten werden enttäuscht sein

Wie das so ist, versammelt man sich mit seinen anderen Kommilitonen am Abend, um den Messetag ausklingen zu lassen. Eins kommt zum anderen, und ehe wir’s uns versehen, landen wir zu einem Absacker in der Stamm-Bar. Was dann folgt, sollte kein zukünftiger Chef je zu Gesicht bekommen: Restadrenalin, Alkohol und Nerdtum vermischen sich im Nuh zu einem rasanten Cocktail voller Coldmirror-Zitate, zweideutiger Einwürfe und enthusiastischer Planungen für die Gamescom. Oh, die Begeisterung für „gehobene Literatur“ ist bei uns Nachwüchslern denkbar gering, dafür schlägt unser Herz umso höher für Comics, Manga und Computerspiele. Obwohl mich der Verdacht beschleicht, dass auch die Altvorderen abseits des Blauen Sofas schockierend unkultiviert sein können, wenn erst der dritte Sektempfang durch ihre Kehlen rinnt.

 

 

3. Meine Füße werden mich hassen

Wenn ich in ein paar Jahren erstmal beruflich mit Büchern zu tun habe, werde auch ich mich auf der Messe vermutlich in Schlips und Sakko präsentieren müssen – und in den dazugehörigen Schuhen. Einen Vorgeschmack darauf konnte ich bereits am Freitag sammeln, als das Speedmeeting von „Verlage der Zukunft“ etwas förmlichere Kluft erforderte. Zwei dicke Blasen waren der Lohn für stundenlanges herumlaufen – an lediglich einem Tag! Das wird mich also in Zukunft erwarten? Ich verstehe, warum manche Menschen solch horrende Summen für adäquates Schuhwerk ausgeben.

 

 

4. Die Literaten sitzen (mal wieder) im Elfenbeinturm

Samstags wird die Messe traditionell von Cosplayern und Nerds überflutet. Halle 1 ist komplett diesen Künsten vorbehalten, und ich mag nur erahnen, welchen Anteil die Buntgewandeten am jährlichen Erfolg der Buchmesse und vor allem am Gesamtumsatz des Buch- und Comicmarktes haben. Wir, die jungen Eskapismus-Experten, sind die Nachwuchs-Vielleser, die Content-Konsumenten und Medienprofis. Leider sehen das anscheinend viele im etablierten Literaturbetrieb nicht so. Die Berichterstattung der großen Medien tut die Comciszene immer noch als liebenswertes, aber nischiges Kellerkind ab und freut sich lieber ausgiebig über Preisverleihungen an „künstlerisch hochwertigere“ Autoren mit mindestens genauso nischiger Vita.

Dabei habe ich zusehends den Eindruck, die deutsche Literaturlandschaft dämmert im eigenen Saft ihrer Frühverrentung entgegen. Die Tage eines Martin Walser als Massenphänomen sind vorbei, die neuen Stars in der multimedialen Manege heißen Marvin Clifford, Bernhard Hennen oder Jan Böhmermann. Da ändern auch wütende Tiraden eines Carsten Otte im Öffentlich-Rechtlichen über die unpassende Fröhlichkeit der Cosplayer angesichts der politischen Weltlage nichts. Aber wen juckt’s, wenn wir mit den sympathischen Verrückten von Nerdzig den drittgrößten Fernseh-Berichterstatter am Start haben! Bücher können nicht länger ausschließlich als hehres Kulturgut gepachtet werden, dennoch schmerzt mich der Zaun, welcher hier von den so toleranzbedachten Buch-Eliten errichtet wird. Auch wenn Mauerbau grad DER Trend des Jahres ist – Ich will keinen Krieg, sondern friedliche Koexistenz!

 

Autor: Niklas Gaube

Der Lerche-Veranstaltungsplaner für die Leipziger Buchmesse 2017

Der Lerche-Veranstaltungsplaner für die Leipziger Buchmesse 2017

Wenn beinahe 200.000 Menschen nach Leipzig strömen, dann ist Buchmesse-Zeit. Man verliert schnell den Überblick bei so vielen Veranstaltungen die zur Leipziger Buchmesse stattfinden. Doch nicht verzagen – die Leipziger Lerche fragen! Wir haben einen besonderen Blick auf Locations außerhalb des Messegeländes geworfen und einen Masterplan mit Spaß-Garantie für euch erstellt.

 

23.03.2017

Mein Vater, das Kondom und andere nicht ganz dichte Sachen

Schon bei dem Titel muss man ein bisschen schmunzeln. Bei der Lesung mit Sicherheit erst recht. Darum geht’s: Anton ist klein, bebrillt, hat zwei zu große Ohren und nur ein Haar an einer ganz bestimmten Stelle. Jetzt erfährt er auch noch, dass er das Ergebnis eines Kondomunfalls ist. Das hebt seine Laune kein bisschen. Um seinem Leben doch noch Sinn zu geben, beschließt Anton, eine neue Frau für seinen Vater zu finden. Zusammen mit Ine, der besten Freundin der Welt. Doch wo sollen die zwei jemanden auftun, der sich für einen Klohäuschenvertreter interessiert? Na klar, im örtlichen Strickverein…

Monetos:           keine, ist kostenlos

Beginn:              10.00 Uhr

Spot:                   OrtJobClub Leipzig – Axis Passage, Georg-Schumann-Straße 171–175, 04159

 

 

23.03.2017

„Leipzig liest“: Lesung Jan Mohnhaupt – Der Zoo der Anderen

Als sich der Kalte Krieg Anfang der sechziger Jahre auf seinem Höhepunkt befindet, beginnt auch ein tierisches Wettrüsten in Berlin, das sinnbildlich für das geteilte Deutschland steht. Dessen Geschichte lässt Jan Mohnhaupt anhand der beiden Berliner Zoos und deren Bewohner auf einzigartige Weise aufleben. Ob Brillenbär-Spende durch die Stasi, Schlagzeilen wie Westesel gegen Ostschwein oder der regelmäßige Schlagabtausch der beiden charakterstarken Direktoren – die Zoos verraten mehr über das Verhältnis zwischen Ost und West als so manche Regierungserklärung. Mit großer Sympathie für Tier und Mensch erzählt Jan Mohnhaupt erstmals ihre gemeinsame Geschichte.

Monetos:           9€

Beginn:               18.30 Uhr

Spot:                    Zoo Leipzig, Pfaffendorfer Str. 29, 04105 Leipzig

Web:                    http://www.leipziger-buchmesse.de/ll/veranstaltungen/23111

 

23.03.2017

L3 – Lange Leipziger Lesenacht 2017 – „Es gilt das gesprochene Wort“

Seit 2005 präsentiert die Lange Leipziger Lesenacht, kurz L3, auf den vier Bühnen der Moritzbastei die Vielfalt der jungen deutschsprachigen Literatur. Um die besten Sitzplätze kann man ab 18 Uhr wetteifern, dann beginnt der Einlass. Von 19 Uhr bis nach Mitternacht geht dann das Programm. Bei der L3 geben sich unbedingt zu entdeckende und bereits entdeckte Autoren in den Kellergewölben der MB die Klinke in die Hand. Einer DER Pflichttermine zur Buchmesse!

Monetos:           14€ AK/ 10€ VVK

Beginn:              19.00 Uhr

Spot:                   Moritzbastei, Universitätsstraße 9, 04109 Leipzig

Web:                   https://www.ldrei.de/

 

24.03.2017

Auch dieser Raum entsteht durch Gebrauch – Lyriknacht zur Leipziger Buchmesse

Zur Buchmesse strömen Lyriker aus allen Teilen des deutschsprachigen Raums nach Leipzig, zwölf der spannendsten sind an diesem Abend zu hören: Autoren, die sich schon einen Namen gemacht haben, genauso wie solche, die es zu entdecken gilt. Die Lyriknacht, die zum zweiten Mal stattfindet, wird vielsprachig, konzentriert und wild, einen „Karneval der Worte“ nannte die Süddeutsche Zeitung die erste Ausgabe. In diesem Jahr gilt wieder: Auch dieser Raum entsteht durch Gebrauch.

Monetos:           keine, ist kostenlos

Beginn:              21.00 Uhr

Spot:                   Noch Besser Leben, Merseburger Str. 25, 04229 Leipzig

Web:                  https://de.eventbu.com/leipzig-plagwitz/auch-dieser-raum-entsteht-durch-gebrauch/1670554

 

24.03.2017

Livelyrix Buchmessenslam 2017

Was darf auch zur Buchmesse nicht fehlen? Ein Poetry Slam natürlich und, zwar das Kronjuwel der Slam- Saison. Denn wenn sich in Leipzig schon einmal einige der besten Poeten des Landes aufhalten, dann wollen wir sie auch auf die Bühne sehen. Mit dabei sind unter anderem Kirsten Fuchs, Sven Hensel und Volker Surmann –  um nur einige zu nennen!

Monetos:           10€ VVK / 14€ AK

Beginn:              19.00 Uhr

Spot:                   Schauspiel Leipzig, Bosestraße 1, 04109 Leipzig

Web:                   http://www.livelyrix.de/veranstaltung/livelyrix-buchmessenslam-2017-im-schauspiel-leipzig/

 

 

25.03.2017

Leipziger Verlage stellen sich vor

Hugendubel lädt ein zur großen Jubiläumsveranstaltung in seiner Buchhandlung. Auf diesem Event bekommt man die einzigartige Möglichkeit, die bunte Leipziger Verlagswelt kennen zulernen und einen exklusiven Blick auf deren Themenvielfalt zu werfen. Kommt vorbei und feiert mit – das Ganze natürlich kostenlos. Mit dabei ist zum Beispiel der Verlag Voland & Quist.

Monetos:           kostenlos

Beginn:              10.30 Uhr

Ende:                  20.00 Uhr

Spot:                   Hugendubel, Leipzig Petersstraße 12, 04109 Leipzig

Web:                   http://www.hugendubel.de/de/event;jsessionid=29F87E4C9AD6CFFFAA0814D74DFA3485.www03?eventId=8741

 

25.03.2017

MDR SPUTNIK LitPop X

Zum zehnjährigen Jubiläum freut sich Leipzig auf Lesungen mit mehr als 25 Autoren und Slammern, auf Konzerte in den „heiligen“ Wandelhallen und Tanzmusik bis in die frühen Morgenstunden, umrahmt mit Stars und Sternchen der deutschen Medienlandschaft auf vier Lese- und Konzertbühnen. Musikalisch sorgen Dead Disco, Preller & Mr. Olsen, Kid Simius, Fil Bo Riva und Mighty Oaks für die richtige Untermalung.

Monetos:           14€ VVK / 16€ AK

Beginn:              18.00 Uhr

Spot:                   Neues Rathaus, Martin-Luther-Ring 4-6, 04109

Web:                   http://www.litpop.de/

 

26.03.2017

Der Miesepups – Lesung

In einer dunklen Baumhöhle im Mooswald wohnt der Miesepups. Er macht nicht viel: schlafen, herumrumpeln, über seine Unordnung stolpern, schimpfen und wieder schlafen. Raus geht er nicht, Besuch kriegt er nicht, und andere Leute kann er schon mal gar nicht leiden. Autorin Kirsten Fuchs liest für alle, die einen Miesepups kennen oder selbst manchmal ein Miesepups sind.

Monetos:           keine, ist kostenlos

Beginn:              11 Uhr

Spot:                   Kinderbuchladen Serifee, Karl-Liebknecht-Str. 36 / Feinkosthof, 04107

Web:                   www.kinderbuchladen-serifee.de

 

 

Autorin: Viktoria Gamagina

Buchmesse im Ohr – Interview mit „Leipzig lauscht“

Buchmesse im Ohr – Interview mit „Leipzig lauscht“

Die Leipziger Buchmesse, DAS Event des Jahres für alle Bibliophilen Mitteldeutschlands, steht wieder vor der Tür. Auch das Team von Leipzig lauscht ist wieder auf der LBM17 unterwegs und nimmt euch mit zu allen wichtigen Veranstaltungen und Lesungen auf der Messe. Ihr kennt Leipzig lauscht noch nicht? Wir haben für euch Patricia Blume, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Buchwissenschaft der Universität Leipzig, Organisatorin von Leipzig lauscht und Redaktionsleiterin, mit unseren Fragen gelöchert.

 

Wie und warum ist Leipzig lauscht entstanden?

Patricia Blume: Die Idee hatte Siegfried Lokatis, Professor für Buchwissenschaft an der Uni Leipzig. Zur Buchmesse kam immer wieder die Frage auf, ob sich der Besuch dieser oder jener Veranstaltung denn gelohnt habe. Und so entstand der Gedanke, dass es einen Ort geben müsste, wo man genau das nachlesen kann. Es passiert ja ziemlich häufig, dass der Leipzig liest-Besucher es nicht pünktlich zum Veranstaltungsbeginn schafft, die Lesung schon proppenvoll ist oder er oder sie sich für doch für eine andere Priorität entschieden hat. Es bleibt das Gefühl, etwas verpasst zu haben.

Und www.leipziglauscht.de ist eine sichere Quelle, aus der der Messebesucher die Ereignisse der Veranstaltung nachvollziehen kann: Hat sich der Moderator peinlicherweise in der Aussprache des Namens vertan, fühlte sich der Autor verkannt und beleidigte das Publikum? Ist der neue Roman wirklich so überragend, aber der Dialekt des Autors macht ihn trotzdem unerträglich? Die Bandbreite an Vorkommnissen ist groß, wie wir mindestens aus Loriots Krawehl-Lesung wissen. Aber es geht Leipzig lauscht natürlich nicht allein um Missgeschicke, es geht um einen Eindruck von der Lesung, der Atmosphäre, vom Publikum, von der Autorenpersönlichkeit und natürlich vom Stoff des Buches. Dafür bilden wir die Leute ein Semester lang aus.

 

Wie setzt sich euer Team zusammen und worauf dürfen wir uns zur LBM 2017 freuen?

Das Team von Leipzig lauscht besteht immer aus etwa 70 Personen, die mehrere Lesungen von Leipzig liest besuchen. Dementsprechend viele Veranstaltungen können wir auf dem Blog abbilden. Auch wenn das immer noch nur ein Bruchteil aller Lesungen insgesamt ist, halten wir doch ein gutes Stück Vielfalt und Buntheit des literarischen Frühlings in Leipzig fest. Vielfältig geht es bei uns allemal zu, denn die Hoheit beim Aussuchen der Bücher und Veranstaltungen liegt bei den Rezensenten. Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen und haben ganz unterschiedliche literarische Interessen.

So sind in diesem Jahr die Veranstaltungen mit Jussi Adler Olsen dabei und mit Lukas Bärfuss, der mit Hagard für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert ist; oder die neuen Romane von Clemens Meyer und Feridun Zaimoglu, aber auch passend zu den diesjährigen Schwerpunktthemen ein Band mit jungen litauischen Erzählungen aus dem Mitteldeutschen Verlag und ein Buch über den Lutherweg in Sachsen aus der Evangelischen Verlagsanstalt. Außerdem einiges an Fantasy und aus der Poetry-Slam-Szene, daneben aktuelle Sachbücher wie von Orell Füssli über Deutschlands neue rechte Mitte, dazu vieles aus unbekannteren Verlagen wie der gesunde Menschenverstand oder CulturBooks. Es sind auf jeden Fall vielversprechende Titel dabei: Milchschaumschläger, Elfenwächter und Miesepups; die Krankheitensammlerin, Bulettenbetti und die Wanderapothekerin; Kaltland, Zuckersand und Ætherhertz.

 

Haben sich durch eure Arbeit an dem Projekt Begegnungen/ Treffen ergeben, mit denen ihr nicht gerechnet habt?

Manchmal halten Veranstaltungstitel nicht, was sie versprechen, und umgekehrt ist manchmal eine Lesung viel grandioser als ihre bescheidene Ankündigung. Interessant wird es oft, wenn unvorhergesehene Dinge passieren. Immer mal wieder fallen Veranstaltungen aus, weil der Autor erkrankt etc. Deswegen musste einer unserer Rezensenten im letzten Jahr auf Thea Dorn verzichten, entdeckte dafür aber den US-amerikanischen Autor Alexander Hemon. Überraschend sind auch besondere Formate, also alles, was mal nicht eine normale Lesung ist. Autoren vom Aufbau Verlag haben zum Beispiel im letzten Jahr mit dem Publikum ein Literaturspiel gespielt, und für eine Lesung in der Moritzbastei haben sich alle Besucherinnen als Prinzessinnen gestylt. Unsere Rezensenten und Rezensentinnen sind in der Mission Leipzig lauscht auf der Messe unterwegs, aber natürlich ergeben sich automatisch im Messegeschehen interessante Begegnungen. Sie waren häufig begeistert, wenn sie ein Gespräch mit der Autorin oder dem Autor führen konnten.

 

Gibt es lustige Anekdoten aus den zwei Jahren Leipzig lauscht, die ihr mit uns teilen könnt?

Die Buchmesse ist immer ein Ort mit hoher Freak-Dichte, da kommt der Spaß nicht zu kurz. In die dazugehörige Vorlesung, mit der wir die Studierenden auf das Messegeschehen vorbereiten, kommen immer verschiedene Leute aus dem Literaturbetrieb, Verleger, Autoren, Mitarbeiter aus der Öffentlichkeitsarbeit. Denen fragen die Studierenden auch immer Löcher in den Bauch nach lustigen Anekdoten über die Feuilleton-Promis. Und sie plaudern gern etwas aus dem Nähkästchen. Aber da sind wir ja unter uns.

 

Wo findet man euch auf der Leipziger Buchmesse 2017? Kann man direkt mit euch in Kontakt kommen?

Tatsächlich sitzen wir nicht nur auf Lesungen oder dann hinterm Rechner, um darüber zu schreiben. Wir sind in diesem Jahr wieder am Stand der Uni Leipzig dabei. Dort machen wir jeden Tag um 17 Uhr ein kleines Finale, geben Empfehlungen und haben ein Quiz rund um Bücher vorbereitet. Vorbeikommen können alle Interessierten in Halle 3, Stand H 202! Es lohnt sich nicht nur wegen der Gewinne. Ansonsten kann man natürlich auch digital über diverse Kanäle Kontakt zu uns aufnehmen.

 

Was macht ihr, wenn grad keine Buchmesse stattfindet?

Die meisten aus dem „Leipzig lauscht“-Team sind ganz normale Studierende, wenn es das überhaupt gibt. Manche sind Booktuber oder Instagramer in Buchmission, schreiben für verschiedene Medien, sind im Kulturbereich unterwegs. Dadurch fällt das ganze Projekt auf sehr fruchtbaren Boden. Wir werden es jetzt nach unseren ersten drei Leipziger Buchmessen so machen, dass „Leipzig lauscht“ nicht bis zum nächsten Frühling schlummert. Stattdessen schreiben wir weiter für den Blog und bespielen unsere Social-Media-Kanäle mit Neuigkeiten. Also: Nach der Messe ist vor der Messe.

 

Gibt es die Möglichkeit, bei Leipzig lauscht mitzumachen?

Bei Leipzig lauscht kann jede/r mitmachen, die oder der Studierende/r der Uni Leipzig ist, Lust am Literaturbetrieb hat und am Schreiben. Immer im Wintersemester ist Leipzig lauscht ein – Achtung, langes Wort – Schlüsselqualifikationsmodul und steht uniweit offen. Ab diesem Sommersemester bleiben wir auch während des Sommersemesters „on air“. Dabei wird Leipzig lauscht das erste Seminar aus dem Angebot der Uni Leipzig sein, das Studierenden der HTWK offen steht. Der Hintergrund ist eine neue Kooperation des Studiengangs Verlags- und Handelsmanagement aufseiten der Hochschule und der Buchwissenschaft aufseiten der Uni.

 

 

 

Wir danken Patricia Blume für das spannende und aufschlussreiche Interview zu Leipzig lauscht!
Wenn ihr neugierig geworden seid, dann besucht die Website http://www.leipziglauscht.de
oder folgt dem Team auf FacebookTwitter oder Instagram.

 

Leipzig lauscht auf der Buchmesse:

Halle 3

Stand H 202

 

 

Das Interview führte Lina Al Ghori.

Wenn Bloggen, dann professionell.

Wenn Bloggen, dann professionell.

Am letzten Tag der Leipziger Buchmesse 2016 fand eine Premiere für die bloggenden Besucher statt: Die erste Konferenz buchmesse:blogger sessions. Auf dem Programm standen Themen, die Neuankömmlingen den Einstieg in die Blogosphäre erleichtern sollten und Diskussionen über Blogkonzepte sowie mögliche Professionalisierung. 

Regeln, Regeln, nichts als Regeln

Nach einer euphorisierenden Keynote, bei der es mir als Neulingsblogger sofort in den Fingern juckte gleich in die Tasten zu hauen, kam die Ernüchterung. Bloggen ist nicht nur Spiel, Spaß und freie Leseexemplare, denn es gibt jede Menge gesetzliche Vorschriften. Diese wurden von Dr. Stefan Haupt (Haupt Rechtsanwälte) und Rainer Dresen (Random House Bertelsmann) vorgestellt. Während mir das Urheberrecht bereits in Ausbildung und Studium begegnet war, hatte ich mir bis jetzt noch darüber Gedanken gemacht, ob ein Impressum überhaupt nötig ist. (Spoiler: Ist es. Und zwar vollständig mit Namen, Anschrift und Emailadresse.) Darüber hinaus bereitet vor allem die Nutzung von Bildern und Zitaten vielen Bloggern Kopfzerbrechen. Ähnlich wie das Zitatrecht ist das Gesetz für die Nutzung von Bildern schwammig und vielseitig auslegbar. Die Kurzfassung: Zitate nur verwenden, um einen Sachverhalt zu untermauern und auch dann nur im angemessenen Umfang. Cover von Büchern dürfen in der Regel genutzt werden, ansonsten hübsch mit Katze und Teetasse arrangieren. Im Zweifelsfall aber lieber den Verlag kontaktieren, denn bei Verstößen drohen Geldstrafen im vier- oder fünfstelligen Bereich.

© Beatrix Dombrowski
© Beatrix Dombrowski

Planet das Chaos

Nach einer kurzen Mittagspause mit Schnittchen, Kürbis-Ingwer-Süppchen und Teechen ging es weiter mit einer Einführung in die Kunst des Redaktionsplans. Tina Lurz (Lovelybooks.de) beantwortete uns in gemütlicher Runde zahlreiche Fragen. Gerade für blutige Anfänger wie mich ist ein Redaktionsplan eine große Hilfe. Sich zu visualisieren, wann welcher Content auf welchem Kanal geladen wird, bietet die Möglichkeit konstant Inhalte für Leser zu erstellen. Mittel um einen solchen Plan zu erstellen gibt es sowohl in digitaler Form als auch gedruckt. Ein umfangreiches Exemplar findet man zum Beispiel auf kreavida.de. Die Bloggerin Katja Frontzek bietet ihren Blogplaner in beiden Formen an. Hier finden sich neben Planungshilfen für Content auch Übersichten zur Blogpflege und Monetarisierung. Wichtig ist es aber laut der Referentin neben aller Planung und Organisation aber spontan zu bleiben und die eigene Persönlichkeit einfließen zu lassen.

Buchblogger vereinigt euch

Monetarisierung war auch im letzten Teil der Konferenz ein wichtiges Stichwort. Schon während ihrer Keynote hatte Karla Paul (edel ebooks) gefordet, dass Buchblogger endlich aus der „Flauschzone“ ausbrechen sollen. Bei der abschließenden Podiumsdiskussion fand dann ein hitziges Gespräch über die Professionalisierung von Buchblogs statt. Während vor allem Ute Nöth (Carlsen Verlag) zwar daran festhielt, dass Buchblogger für bloße Rezensionen nicht bezahlt werden sollen, war sie einer kreative Zusammenarbeit nicht abgeneigt. Auch Leander Wattig (Orbanism) und Susanne Kasper (Literaturschock) waren der Meinung, dass sich noch einiges tun muss in der Szene, denn Herzblut allein bezahlt die Rechnungen nicht. Professionalisierung in Form von juristischer Sicherheit und einer nachweisbaren Reichweite sollten Buchblogger, die für ihre Dienste entlohnt werden wollen, vorweisen können. An ihnen liegt es auch die Bezahlung einzufordern, die Fashionblogger bereits erhalten.

Mein Fazit

Auch wenn nach dem Verdauen all dieser Informationen, ein Buchblog eher nach einer Vollzeitstelle als nach einem Hobby klingt, lohnt sich die Arbeit. Die einheitliche Grundtenor bleibt: Bücher brauchen eine Lobby und die können wir Leser ihr in der Blogosphäre bieten. Auf diese Weise inspiriert, bereite ich mich auf eine Woche Buchmesse-Depression vor und freue mich bereits jetzt auf die buchmesse:blogger sessions 2017!

Autorin: Beatrix Dombrowski

Leipziger Buchmesse 2016 – Mehr als Lesebühnen

Leipziger Buchmesse 2016 – Mehr als Lesebühnen

Wenn Buchhändler im ganzen Land ungeduldig mit den Seiten rascheln, das aufgeregte Knistern der  Bücherwürmer nicht mehr zu überhören ist und die druckfrischen Leipziger Lerchen wieder ihren bundesweiten Frühlingsausflug antreten, dann besteht kein Zweifel: Es ruft die Leipziger Buchmesse!

Země potřebuje překladatele!

Während sich in ganz Deutschland CosplayerInnen für die kontemporär stattfindende Manga-Comic-Con rüsten und in die Schale ihre Helden und Idole werfen, bereiten sich auf die diesjährige Leipziger Buchmesse auch wahre Alltagshelden vor: Übersetzer. Wem nun nicht ganz klar ist, wo der alltägliche Heroismus im Übersetzertum verwurzelt sein soll, dem sei ein Besuch bei dem dieses Jahr auf der Messe vertretenem, südosteuropäischen Übersetzernetzwerk TRADUKI wärmstens empfohlen. Der Kern der translatorischen Kompetenz, lässt sich schon vom eigentlichen Terminus ableiten: Übersetzer. So wird die innerste Funktion, das Übersetzen, oft nicht als das Übersetzen von einem kulturellen Ufer zum nächsten, sondern lediglich als das Umsetzen einer codierten Information in eine differente Codierung verstanden. Doch jene Überbrückungsfunktion stiftet, vermittelt und verbreitet unterschiedlichste kulturelle Inhalte und schafft somit die Grundlage für gegenseitiges Kulturverständnis. Darum lohnt sich auch ein Besuch im dieses Jahr in Halle 4 beraumten Übersetzerzentrums.

© dpa
© dpa

Sonnig, mit Aussicht auf Belletristik

Wem dies noch nicht genug Sprachvielfalt war, der kann sich auf den ersten Internationalen Book Pitch zur Leipziger Buchmesse 2016 freuen. Dieser gibt ausländischen Autoren die Chance, ihre Machwerke den lokalen Agenten und Lektoren vorzustellen und somit neue Märkte zu erschließen und unentdecktes Potential zu verbreiten. Auch die längst etablieren Prosa Prognosen des  Literarischen Colloquiums Berlin, sollte man nicht verpassen. Ausgewählte Jungautoren können hier ihre, zuvor in der Autorenwerkstatt zu Berlin gefertigten, potentiellen Erstveröffentlichungen vorstellen. Die Lesungen finden am 18.03. um 15 Uhr in Halle 5 statt.

Die Start-Up Area der Buchmesse

Ganz im Zeichen der Innovation und Neuerung steht außerdem die Ausstellung Neuland 2.0, welche am 18. und 19. März in Halle 5 vertreten sein wird. Dort werden 14 verschiedene, bereits von einer Jury vorausgewählte, Start-Ups präsentiert, welche einen frischen Wind in die Verlags- und Medienbranche tragen sollen. Die aus aller Welt stammenden Newcomer-Projekte sind zumeist Apps, Medienserver oder und Online-Plattformen, welche zumeist unterstützende Funktionen für Autoren, Lektoren, Kleinverlage oder anderen Medienunternehmen bereitstellen. Der digitale Trend ist dabei nicht von der Hand zu weisen und erwünscht, so auch bei dem diesjährigen Fachprogramm für Blogger, den buchmesse: blogger sessions 2016. Die Fachkonferenz dieser jungen Zielgruppe der Verlagsbranche findet im Congress Center Leipzig statt, bedarf allerdings einer zusätzlichen Anmeldung.

Autor: Tankred Hielscher

Kurt Wolff: Ein Verleger-Prototyp

römische Wölfin-sw

„Warum studierst du Verlagswirtschaft? Mit Büchern verdient man doch heute kein Geld mehr.“ Eine Frage, die ich inzwischen zu gut kenne. Warum sollte man heute noch Bücher machen wollen? Meine Antwort darauf ist ganz einfach. Kurt Wolff. Verleger, unidealistischer Idealist und ein Mensch den ich – wie sicher auch viele andere – bewundere.

Der 1887 in Bonn geborenen Kurt Wolff entstammte einer Bildungsfamilie und verlebte eine recht unspektakuläre Jugend. Er studierte in mehreren deutschen Städten Germanistik und fasste schließlich (zumindest für einige Jahre) in Leipzig Fuß. Plötzlich ging alles ganz schnell. Mit Anfang 20 lernte er Ernst Rowohlt kennen und stieg kurz darauf zunächst als stiller Teilhaber, bald jedoch in aktiverer Rolle, in dessen neu gegründeten Verlag ein. Es kam zu Streitigkeiten zwischen den Beiden und sie gingen bald wieder getrennter Wege, doch Wolff beschloss dem Verlegerberuf treu zu bleiben. Er nutzte die neu gewonnene Freiheit und passte die Verlagsausrichtung stärker seinen eigenen Vorstellungen an.

Der Kurt Wolff Verlag veröffentlichte die frühen Werke einiger der wegweisendsten Autoren des 20. Jahrhunderts. Unter ihnen waren Hasenclever, Werfel, Kafka und Trakl, doch auch Else Lasker-Schüler und Karl Kraus.

1919 zieht der Verlag von Leipzig nach München. Mit den Jahren veränderte sich das Verlagsprogramm und fokussierte sich verstärkt auf internationale Literatur und Kunstpublikationen. Anfang der 20er Jahre gründete Wolff in Florenz einen Verlag rein für kunstwissenschaftliche Werke.

Einige Jahre später, kommt die Wirtschaftskrise und die Verlage geraten in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Wolff muss das Münchner Verlagshaus verkaufen. Er verlässt den Verlegerberuf und widmet sich anderen Dingen, doch nach seiner Flucht vor dem zweiten Weltkrieg in den frühen 40er Jahren gründet er in den USA ein weiteres Mal einen Verlag: Pantheon Books.

Bis zu seinem Tod 1963 unterhält Kurt Wolff Brieffreundschaften mit Autoren und Künstlern. Er lebte Literatur. Durch seine Briefe bekommt man einen Einblick, wer dieser Mensch war. Es ist anzunehmen, dass es sich bei ihm nicht immer um den einfachsten Zeitgenossen handelte, doch wahrscheinlich war es genau das, was ihn so erfolgreich machte.

Er veröffentlichte die Werke der ganz großen deutschen Expressionisten und zwar bevor sie zu den Großen gehörten. Er förderte Autoren, deren Werke Weltliteratur wurden. Ein solches Literaturverständnis zu besitzen und die Sicherheit bzw. auch den Willen zu haben, sich auf neue Wege zu begeben, ist meiner Meinung nach bewundernswert.

Die Kurt-Wolff-Stiftung vergibt auch dieses Jahr am Freitag, den 18. März 2016, um 13 Uhr auf der Leipziger Buchmesse ihre Preise an unabhängige deutsche Verlage, die sich auf besondere Weise hervorgetan haben.

 

Autorin: Amelie Müller