Gaumenschmaus zum Literaturgenuss – Eine kulinarische Reise durch Bücherwelten

Gaumenschmaus zum Literaturgenuss – Eine kulinarische Reise durch Bücherwelten

Lesen ist ein Genuss! Aber nicht nur für den Kopf, sondern auch für den Gaumen. Um die Lektüre noch köstlicher zu gestalten, findet ihr hier einige literarische Häppchen mit dem passenden Leckerbissen aus der Küche für einen gelungenen Literaturgenuss.

Viel Spaß beim Ausprobieren, Schmökern und Genießen!

 

Die Drachenwerft (Rainer Braune)

Darum geht es:

Gilles wächst zwischen enggestellten Häusern, dem abgründigen See und unheimlichen Apfelgärten auf. In seiner Nachbarschaft leben ein musikvernarrter Metzger, die rätselhafte Zettelheim und Mitschüler, die ihm nichts Gutes wollen. Immerhin glaubt er sich unsterblich. Vor allem aber sehnt er sich danach mit seiner Geige aus dem tristen Alltag auszubrechen und den pfeifenden Herzögen zu folgen.

Zum Literaturgenuss schmeckt:

Gedeckte Apfeltorte

Foto: CC Pixabay

Zutaten

Für den Teig:

  • 300g Mehl
  • ½ Päckchen Backpulver
  • 1 Ei
  • 100g Zucker
  • 125g Butter oder Margarine
  • 2EL Milch
  • 1 Prise Salz
  • 1 Päckchen Vanillezucker

Für die Füllung:

  • 1,5kg Äpfel
  • 50g Zucker
  • 1EL Zitronensaft
  • 25g zerlassene Butter
  • 1 Messerspitze Zimt
  • 50g gestiftete Mandeln
  • 2EL Weinbrand oder Rum
  • 2 Eigelb
  • Etwas Aprikosenmarmelade

Zubereitung

Teig:

Aus allen Zutaten zügig einen Mürbeteig kneten und 30 Minuten kaltstellen. Dann den Teig teilen und dreiviertel davon in eine gut gefettete Springform drücken. Das Ganze 15 Minuten bei 250°C vorbacken und dann die Apfelfüllung hineingeben.

Füllung:

Die geschälten Äpfel in nicht zu feine Spalten schneiden. Diese dann in einen Topf geben und mit Zucker, Zimt, Zitronensaft, Butter und Rum vermischen. Im eigenen Saft einige Minuten dämpfen und dann vom Herd nehmen. Als nächstes die Mandeln unterheben und dann in die vorgebackene Teigform geben.

Den übrig gebliebenen Teig ausrollen und ein Teiggitter über die Apfelfüllung ziehen. Das Gitter mit zwei Eigelb und etwas Aprikosenmarmelade bestreichen und die Torte bei 200°C backen, bis das Gitter goldbraun ist. Mit Vanilleeis beim Schmökern genießen!

 

Das Buch, in dem die Welt verschwand (Wolfram Fleischhauer)

Darum geht es:

Im Jahr 1780 geht der junge Nürnberger Arzt Nicolai Röschlaub einer Reihe merkwürdiger Todesfälle nach. Begleitet wird er von einer rätselhaften jungen Frau. Seine Suche nach Antworten führt ihn nicht nur an die äußersten Grenzen des Landes, sondern stellt auch seine Überzeugungen in Frage. Doch er muss sich beeilen, denn die Zeit drängt und das Geheimnis ist aus einem Stoff, der ganze Welten zerstören kann.

Zum Literaturgenuss schmeckt:

Balsamicobraten

Foto: CC Pixabay

Zutaten

  • 2EL Butter
  • 800g Rindfleisch (idealerweise aus der Schulter)
  • 1EL Mehl
  • 1 große Zwiebel, geviertelt
  • 100ml Balsamico-Essig
  • 200ml Fleischbrühe
  • 300ml Sahne
  • Salz und Pfeffer

Zubereitung

Zuerst das Fleisch mit Mehl bestäuben. Dann die Butter erhitzen und das Fleisch mit den Zwiebeln von allen Seiten gut anbraten. Dabei darauf achten, dass die Zwiebeln nicht zu dunkel werden. Den Essig dazu gießen und vollständig verdampfen lassen. Dann das Fleisch mit Salz und Pfeffer bestreuen und als nächstes die Fleischbrühe sowie die Sahne dazu geben. Anschließend einen gut schließenden Deckel aufsetzen, die Hitze reduzieren und etwa drei Stunden schmoren lassen. Nach dem Ende der Garzeit das Fleisch in Stücke schneiden und mit der gebundenen Soße zu Knödeln und Rotkohl vertilgen.

 

Elefant (Martin Suter)

Darum geht es:

Ein kleiner rosa Elefant, der in der Dunkelheit leuchtet, verzaubert die Menschen. Ganz plötzlich taucht er in der Schlafhöhle des Obdachlosen Schoch auf. Woher das seltsame kleine Tier kommt und wie es entstanden ist, weiß nur einer: der Genforscher Roux. Er will daraus eine weltweite Sensation machen und sein angegriffenes Ego wiederherstellen. Doch der burmesische Elefantenflüsterer Kaung, der die Geburt des Tieres begleitete, hat ihm den kleinen Elefanten gestohlen. Er ist der Meinung, dass so etwas Besonderes versteckt und beschützt werden muss als es weltweit zu präsentieren.

Zum Literaturgenuss schmeckt:

Waldbeeren-Tiramisu

Foto: CC Pixabay

 

Zutaten

  • 250g Waldbeeren
  • 600g Joghurt
  • 2EL Zitronensaft
  • 4EL Zucker
  • 125g Biskotten
  • 100ml Orangensaft

Zubereitung

Zuerst Joghurt, Zitronensaft und Zucker zu einer Creme vermengen. Dann die Hälfte der Biskotten in Orangensaft tauchen und den Boden einer Kastenform damit auslegen. Die Hälfte der Creme darauf verteilen und anschließend die Waldbeeren darauflegen. Eine zweite Lage Biskotten darüber schichten und mit dem übrigen Orangensaft beträufeln. Die restliche Creme darauf verteilen und zum Literaturgenuss vernaschen!

 Viel Spaß beim Ausprobieren und Schlemmen!

Autorin: Frances Liebau

La Belle Époque – Facettenreiche Zeit des Friedens

La Belle Époque – Facettenreiche Zeit des Friedens

Eine der wohl glanzvollsten Epochen Europas liegt nun mehr seit über 100 Jahren unter der Geschichte begraben und kaum einer weiß um die Bedeutung dieser Zeit.

La Belle Époque ist französisch und bedeutet so viel wie „die schöne Epoche“.Die circa 30 Jahre um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gelten heute als Sinnbild einer kollektiven Überzeugung von einer besseren Welt. Eine Welt frei von Hunger, Krieg und gewalttätigen Revolutionen. Wobei sich führende Historiker nach wie vor über die taggenaue Datierung dieser Epoche streiten. Doch nun erst einmal der Reihe nach. Der Deutsch-Französische Krieg war endlich vorbei und die Bevölkerung kehrte wieder zur Normalität zurück, nicht ahnend, welcher wirtschaftlichen und kulturellen Ereignissen sie noch Zeugen werden würden.

 

Mit dem Frieden kam der Aufschwung

Die Staaten Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Österreich-Ungarn zählten, zur damaligen Zeit, zu den Ländern, welche als erste die Lebensqualität ihrer Einwohner drastisch verbessern konnten. Durch die zweite Welle der Industriellen Revolution hielten nicht nur die Elektrizität und die Telefonie in den Haushalten Einzug, ebenso verbesserten sich die hygienischen Zustände, was die Lebenserwartung der Menschen von damals um ein Vielfaches ansteigen ließ. Auch die Stahl- und Chemieindustrie erlebte ein nie da gewesenes Hoch, was im Laufe der Geschichte nicht nur positive Auswirkungen auf die Menschen in Europa hatte. Riesige Ballungsräume wuchsen aus dem Boden, wie Pilze an einen regnerischen Septembertag. Überall wo man hinsah gab es Wachstum! Wachstum! Wachstum! Aber die wohl größte Erfindung dieser Tage war der Verbrennungsmotor. Menschen konnten nun völlig ohne Kraftanstrengung und ohne Hilfe eines tierischen Begleiters weite Strecken zurücklegen. Mit der Erprobung der ersten Flugapparate kam der Mensch nun auch endlich dem Traum des Ikarus ein Stück näher und war fortan mit dem Vogel auf einer Augenhöhe.

Bild Frauen Mann Belle Époque
Die Freuden der Belle Èpoque. © http://3.bp.blogspot.com/

Wissenschaftler wurden für ihre Erfindungen und Theorien gefeiert wie Könige, wenn nicht sogar wie Götter. Ernest Rutherford, Marie und Pierre Curie, Albert Einstein, Max Planck und Niels Bohr sind nur einige der Namen, welche mit ihren Arbeiten die Welt veränderten. Aber nicht nur die Wissenschaft hatte Großes hervorgebracht, sondern auch die Kunst, Musik und Architektur waren beeindruckender als je zuvor. Man denke dabei nur an Pablo Picasso oder Gustav Mahler. Die Literatur konnte sich ebenso neuer Strömungen erfreuen. So war zum Beispiel der Naturalismus, also die ausführliche Beobachtung der Natur, eine der führenden Stilrichtungen jener Zeit. Der bedeutendste deutsche Vertreter hierfür war Gerhardt Hauptmann. Der Schriftsteller bediente sich in seinen Werken nicht nur dem Naturalismus, sondern ließ sich auch von anderen Stilrichtungen inspirieren. Im Jahre 1912 erhielt er schließlich den Nobelpreis der Literatur für sein schaffen. Wobei diese kulturelle Welt keineswegs mehr der gut betuchten Oberklasse vorbehalten war. Erstmals war es auch möglich, die breite Arbeiterklasse an dieser Lebensweise teilhaben zu lassen, selbst wenn es nur der gelegentliche Besuch in einem der neu erbauten Lichtspielhäuser war. Alles in allem war das Leben dieser Tage für alle ein durchaus Gutes.

Doch der Wohlstand und Friede sollte nicht ewig andauern…

 

Bild Erster Weltkrieg
Weniger erfreulich: Moderne Kriegsführung. © https://www.dhm.de

 

Abschied einer erstaunlichen Epoche

Die Titanic war nicht nur ein Symbol für die menschliche Schaffenskraft, sie läutete tragischerweise auch das Ende einer aufgeschlossenen, friedliebenden und unbekümmerten Gesellschaft ein. Mit ihrem Sinken im Jahre 1912 verloren einige ihren Glauben an, die bis dato, makellose Allmacht der Technik.  Unmut über die Entwicklungen der letzten Jahre verbreitete sich und rief immer mehr Kritiker auf den Plan. Die Arbeiterschaft klagte nun kaum noch überhörbar über die unzumutbaren Zustände in ihren Unternehmen. Rationalisierung der Herstellungsprozesse durch Arbeitsteilung ließ die zu verrichtende Arbeit eintönig, aber nicht weniger kräftezehrend werden. So wundert es nicht, dass Gewerkschaften und die kommunistische Idee relativ schnell zu beachtlicher Größe und Ansehen wuchsen. In Deutschland hatte sich die SPD als eine der führenden Parteien der Arbeiterbewegung etabliert. Die Welt stand nun vor einem Aufbruch ins Ungewisse, aber keiner hätte damals geglaubt, was noch folgen sollte. Mit dem Jahr 1914 und dem folgenden Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde eins der wohl lebensbejahendsten Kapitels der europäischen Geschichte besiegelt. Folgen sollten wieder einmal Jahre der Zerstörung, des Hasses und  der Verzweiflung. Erstmals wurden einem auch die negativen Aspekte der Industriellen Revolution bewusst. Der Antrieb durch die massive militärische Aufrüstung aller Staaten zog buchstäbliche Gräben durch Europa und die Köpfe ihrer Bewohner. Dies alles gipfelte in menschenverachtenden Massenvernichtungen durch die moderne Kriegstechnik.

Man kann nur hoffen, dass Europa so etwas nie wieder erleben muss und wir weiterhin in unserer La Belle Époque 2.0 friedlich miteinander koexistieren können.

 

Autor: Ronny Wenzel

Veranstaltungsplaner für September

Der Sommer neigt sich langsam dem Ende, doch die Semesterferien dauern noch an. Das Wetter spielt nicht mehr mit, das Lieblingsbuch liest man lieber nicht mehr unter dem Baum im Park und die Bäume fangen bald an ihre Blätter zu verlieren.

Doch das alles ist kein Grund zum Trübsal blasen! Der September hat für Liebhaber von Buch, Literatur und Kultur schöne Veranstaltungen in Leipzig zu bieten, auch für die schmale Geldbörse. Hier ein kleiner Eventplaner für euch:

 

03.09.2016

Comicgarten 2016 – Comicfestival für Leipzig und Umgebung

Jedes Jahr begrüßt der Comicgarten 30-50 Künstler, Verlage und Comicfans.Highlights des Comicfestivals sind der Cosplaywettbewerb, Lesungen, Livemusik und die Preisverleihung des goldenen Gartenzwerges – ein Preis für den besten Comic des letzten Jahres. Außerdem kann man sich dort Autogramme, Sketches und zahlreiche Neuerscheinungen holen. Der Comicgarten 2016 hat also vieles zu bieten.

Monetos: Keine, ist kostenlos!

Spot: Gartengaststätte Siegismund, Philipp-Rosenthal-Str. 51b, 04103 Leipzig

Web: http://comicgarten-leipzig.de/

 

10.09.2016 – 11.09.2016

50 Jahre Academixer Festwochen

Das Leipziger Kabarett Academixer lädt am zweiten Septemberwochenende zum 50. Geburtstag ein und hat ein buntes Programm in petto. Es werden Lesungen gehalten, Kabaretts aufgeführt, Autogramme gegeben, zusammen gefeiert und etwas Leckeres zu Essen wird es auch geben. Hier wird einem alles geboten was das Herz begehrt. Also keine Gedanken verschwenden und einfach vorbeischnuppern.

Monetos: Straßenfest ist umsonst, der Rest variiert

Spot: Academixer Leipzig, Kupfergasse 2, 04109 Leipzig

Web: http://www.academixer.com/festwochen.html

         http://www.academixer.com/spielplan.html?date=2016-09

 

11.09.2016 – 18.09.2016

Festwoche 100 Jahre Stadtbad

Das Leipziger Stadtbad feiert 100 Jahre und gleichzeitig feiert die Förderstiftung Leipzig Stadtbad 10 Jahre. Ein Grund für eine Festwoche voller Ereignisse die sich sehen lassen können. Das erste Wellenbad Europas hat sein Programm mit Führungen, Lesungen, einer Burlesque Show, einem Kabarett und vielem mehr gespickt. Ein Blick lohnt sich in jedem Fall.

Monetos: Führungen kosten nichts, bei den Shows unterschiedlich.

Spot: Leipziger Stadtbad, Eutritzscher Str. 21, 04105 Leipzig

Web: http://www.herz-leipzig.de/news/doppeljubilaeum-100-jahre-leipziger-stadtbad-und-10-jahre-foerderstiftung-wird-mit-        festwoche-gefeiert/r-news-a-2792.html

 

19.09.2016

Hans Fallada „Kleiner Mann – was nun?“ mit ARTE Filmpremiere

Im Haus des Buches geht es, wer hätte es gedacht, um Bücher, aber auch Autoren, Geschichte und Interkulturelle Themen. Am 19. September dreht sich alles um Hans Fallada und seinen weltbekannten Roman „Kleiner Mann – was nun?“ Zuerst spricht Carsten Gansel vom Aufbau Verlag über die ungekürzte Neuauflage des Romans und im Anschluss gibt es die Premiere der ARTE Dokumentation „Fallada –  im Rausch des Schreibens“ zu sehen.

Monetos: Keine, ist kostenlos!

Spot: Haus des Buches, Literaturhaus Leipzig, Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig

Web: http://www.haus-des-buches-leipzig.de/Veranstaltungen.php?m2=9&j2=2016#

 

20.09.2016

Livelyrix Poetry Slam Battle: Leipzig vs. Frankfurt

Poeten und Poetinnen treten im Täubchenthal gegeneinander an, dabei geht es um die Wor(s)t. Das mit den Wortwitzen können Kaleb Erdmann und Marsha Richardz sicher besser, welche bei dem Lyrikwettkampf unteranderem auftreten werden. Die Besucher können sich ganz gemütlich die Veranstaltung im Sitzen ansehen, da sie bestuhlt ist.  Ein unterhaltsamer Abend ist garantiert!

Monetos: 10€ VVK

Einlass: 19 Uhr, Beginn: 20:00 Uhr

Spot: Täubchenthal, Markranstädter Strasse 1, Leipzig, 04229 Germany

Web: http://www.livelyrix.de/veranstaltung/livelyrix-poetry-slam-battle-leipzig-vs-frankfurt/

 

25.09.2016

15. Offene Ateliers Leipzig

Am 25. September finden bereits zum 15. mal die „Offenen Ateliers“ in ganz Leipzig statt. Als Besucher hat man von 14 – 19 Uhr die Möglichkeit Kunstwerke in ihrem Entstehungsprozess zu entdecken, zahlreiche bekannte aber auch neue Gesichter „hinter den Kulissen“ ihrer Kunstwerke kennenzulernen, sowie die kreative Atmosphäre der Ateliers in sämtlichen Stadtteilen Leipzigs zu erleben.

Monetos: Keine, ist kostenlos!

Beginn: 14.00 Uhr Ende: 19.00 Uhr

Spot: Ateliers in ganz Leipzig

Web: http://offene-ateliers-leipzig.blogspot.de/

 

28.09.2016

Coloured Gigs Vol. VIII

Das Coloured Gigs eine Ausstellung, welche im Zeichen der Kunst und der Musik steht, findet am 28. September im Werk II statt. Hierbei sind nationale sowie internationale Künstler vertreten. Es sind Künstler aus den USA, den Niederlanden, Frankreich, Spanien uvm. eingeladen um ihre Werke zu präsentieren. Untermalt wird die Veranstaltung mit Musik von eingeladenen Bands oder DJ’s, welche ihre Klänge parallel zum Besten geben werden.

Monetos: Keine, ist kostenlos!

Beginn: 19 Uhr

Spot:     Werk II, Kochstraße 132, 04277 Leipzig

Web: http://www.werk-2.de/programm/2016-09-28_colored_gigs_vol_viii-international_silkscreen_gigposter_exhibitions

Ganzer September

globaLE 2016 – globalisierungskritisches Filmfestival

Zum Schluss ein Tipp für den ganzen September: Das 12. globaLE Filmfestival hat bereits am 21.07. begonnen und geht noch bis zum 03.11.2016. Die globaLE ist ein politisches Filmfestival, welche in ihren Vorstellungen verschiedene Themen wie die Auswirkungen der kapitalistischen Ökonomie, Widerstand gegen Ausbeutung und Ausgrenzung und wie Menschen ihren Mut, ihre Würde und ihre Hoffnung nicht verlieren. Es wird herzlich dazu eingeladen sich eine andere Seite der globalen Lebenswirklichkeit anzusehen und an den Diskussionen teilzunehmen.

Monetos: Keine, ist kostenlos!

Spot: Unterschiedlich, je nach Tag und Programm

Web: http://www.globale-leipzig.de/

 

Autorin: Viktoria Gamagina

Der Kosmos eines Vorzeige-Intellektuellen

Der Kosmos eines Vorzeige-Intellektuellen

Der Fernsehmoderator und Publizist Roger Willemsen ist tot und hat damit bedauernswerterweise das letzte Ende seiner Welt gefunden. Mit gerade einmal 60 Jahren erlag er den Folgen seiner erst im August 2015 diagnostizierten Krebserkrankung. Er hinterlässt weder eine Frau noch Kinder, aber dafür ein beeindruckendes Lebenswerk.

Willemsen galt als einer der bekanntesten Intellektuellen in Deutschland. Er beschäftigte sich schon früh als Kind mit den Werken des Literaturnobelpreisträgers Samuel Beckett und studierte später dann Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte in Bonn, München, Wien und Florenz. Nach Abschluss seines Studiums promovierte er über die Literaturtheorie von Robert Musil. Anschließend arbeitete er ca. drei Jahre als Korrespondent für verschiedene Zeitungen und Rundfunkanstalten in London.
Mit seinem Ende der 80er erschienenen Buches „der Selbstmord“ wurde er zwar nicht zum Bestsellerautor, dafür jedoch mit Titeln wie „die Enden der Welt“ und „das hohe Haus“. Für Letzteren setzte er sich sogar ein Jahr auf die Zuschauertribüne des Deutschen Bundestages und beobachtete das Geschehe akribisch.

Roger Willemsen
Roger Willemsen (Quelle: Wikimedia/blu-news.org)

Er war aber bestimmt kein klassischer Stubenhocker, welcher das Gesicht nur in gehobener Literatur vergrub. Vielmehr konnte man ihn schon als Rebellen seiner Zeit bezeichnen. Von sich selbst sagte er, er hatte schon ziemlich früh all das, was wirklich alle haben sollten: Alkohol getrunken, gekifft und politische Parolen an Häuserwände gesprüht. Ebenso Partys im Bonner Maddox (eine Untergrunddisco) gehörten als Jugendlicher zu seiner Freizeitbeschäftigung, wie auch der ein oder andere Bordellbesuch. Einen dieser Besuche beschrieb er auch in seinem Buch „Momentum“, wo es heißt:“Als ich alt genug war, ging ich ins Bordell und stellte fest, dass ich nicht alt genug war, denn ich war zu nichts gut“.

1991 startete er seine Fernsehkarriere beim damaligen Bezahlsender Premiere. In seiner Show „0137“ interviewte er zwei Jahre im Wechsel mit Sandra Maischberger eine Vielzahl von Gästen. Darunter auch Assir Arafat, einen Mann der durch seine eigene Mutter vergewaltigt wurde und einen Kannibalen. Tabuisierte Themen gab es beim ihm nicht. So hat er z.B. auch einen Pornostar gefragt:“Ob die Pornodarstellerin wirklich im Kopf ihren Einkaufszettel schreibt, während sie von hinten durchbohrt wird“.
Für seine feine Balance zwischen Boulevard und Politik wurde er Unteranderem mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Dies sollte sein absoluter Durchbruch in der deutschen Medienbranche sein. Später wechselte er zum ZDF und moderierte nicht nur einige Talkshows, sondern auch Kunst- und Kulturveranstaltungen. Da aber die glücklichsten Entscheidungen in seinem Leben stets Kündigungen waren, entschloss er sich 2001, jedenfalls zum Teil, sich aus der Fernsehlandschaft zurückzuziehen.

Willemsen versuchte seinen Fokus von nun an mehr auf das Schreiben und Reisen zu legen. Für sein Buch „die Enden der Welt“ besuchte er die entlegensten Orte. Von Borneo über Patagonien, bis hin zum Nordpol und Kinshasa. Kein Weg auf seinen Reisen schien ihm zu beschwerlich. Auf seinen langen Wegen traf er dann auch mal den Dalai Lama. Dennoch behielt er das Geschehen der Medien hier zu Lande immer im Auge. Dann und wann kam er auch nicht umhin seine Meinung zu Personen oder Formaten im Fernsehen zu äußern. So bezeichnete er z. B. Das Format Germany’s Next Topmodel als eine moderne Art des „Mädchenhandels“ und sagte über Heidi Klum folgendes: „Da möchte man dann elegant und stilsicher, wie der Dichter sagt, sechs Sorten Scheiße aus ihr rausprügeln – wenn es bloß nicht so frauenfeindlich wäre.“

Sein soziales Engagement beschreibt seinen Charakter wohl am detailreichsten. Als Bürger des öffentlichen Lebens und mit einer beachtlichen Reichweite, empfand er es als seine Pflicht zu helfen wo er nur konnte. Er war nicht nur Mitglied bei Attac (ein globalisierungskritisches Netzwerk), sondern brachte sich auch bei Amnesty International, der UN-Flüchtlingshilfe, Terre des Femmes und „Deine Stimme gegen Armut“ ein. Seit 2005 half er in Afghanistan Schulen und Brunnen für die vom Krieg gebeutete Bevölkerung aufzubauen. Dabei traf er sich dann für Verhandlungen mit dem ein oder anderen Al-Qaida-Führer. Auch deshalb weil er Schirmherr des Afghanischen Frauenvereins e. V. war, welcher ihm sehr am Herzen lag. Genauso sprach er mit Ex-Insassen über die Haftbedingungen in Guantanamo und schrieb dies in einem weiteren Buch nieder. Für ein Kinderhospiz in Bielefeld war er Unteranderem auch noch Pate. In einem Interview erzählte er die herzergreifende Geschichte eines kleinen Jungen, der kurz nach dem er die Nachricht über seinen bevorstehenden Tod erhielt, zu ihm kam und sagte: „Mir ist langweilig“.

Roger Willemsen – Intellektueller, Weltbürger und Menschenfreund: Die Geschichte seines Lebens war beispiellos und man kann nur hoffen das es ihm noch viele mehr gleich tun werden. Denn mit ihm starb eine der wohl bemerkenswertesten Persönlichkeiten der Deutschen Medienlandschaft.

„Das Leben kann man nicht verlängern, aber wir können es verdichten“

Roger Willemsen spricht über sein Buch „die Enden der Welt“:
https://youtu.be/3JM19bhNl18

Autor: R.Wenzel

Literatur & Rock ’n’ Roll – Eine Playlist aus zwei Welten

Literatur & Rock ’n’ Roll – Eine Playlist aus zwei Welten

Musik und Lesen – auf den ersten Blick ein Gegensatz wie laut und leise. Unsere Playlist soll jedoch zeigen, dass sich viele Bands und Künstler des Rock von den großen Werken der Literatur inspirieren ließen und deren Inhalte für ihre Fans zugänglich machten.

Obwohl im Allgemeinen das Genre der Rockmusik nicht mit Eigenschaften wie Intellektualität, Anspruch und Komplexität assoziiert wird, findet sich gerade hier eine erstaunlich hohe Anzahl an Songs, die sich auf Bücher und Erzählungen beziehen und deren Geschichten musikalisch interpretieren. Zur groben Orientierung haben wir eine Playlist zusammengestellt, die euch einen Überblick über die Symbiose aus Literatur und Rock ’n’ Roll im Laufe der Jahrzehnte geben soll.

1967: Jefferson Airplane – White Rabbit

Im Kontext der aufblühenden Flower Power-Bewegung und der Verwendung in der Popkultur wird der Song oft als reine LSD-Hymne interpretiert. Sängerin Grace Slick ließ sich beim Schreiben des Liedes eigenen Angaben zufolge jedoch primär von den Kinderbüchern „Alice im Wunderland“ und „Alice hinter den Spiegeln“ des britischen Schriftstellers Lewis Carroll inspirieren und greift viele Figuren der Buchvorlage im Text auf.

1969: Led Zeppelin – Ramble On

Als eine der größten Hardrock-Bands aller Zeiten ließ sich auch Led Zeppelin von der Welt der Bücher inspirieren. Besonders die Fantasy-Geschichten von J. R. R. Tolkien hatten es Sänger und Texter Robert Plant angetan und somit finden sich gleich mehrere Stücke im Katalog der Band, die sich auf „Der Herr der Ringe“ beziehen. Im Text von „Ramble On“ vom Album „Led Zeppelin II“ werden mit „Mordor“ und „Gollum“ sowohl ein Schauplatz als auch eine Figur aus dem Mittelerde-Kosmos direkt benannt. Weitere Referenzen auf Tolkiens Werk finden sich in späteren Songs wie „Misty Mountain Hop“ und „The Battle of Evermore“.

1974: David Bowie – 1984

Der 1949 erschienene Dystopie-Roman „1984“ von George Orwell gilt als eines der wichtigsten Werke der modernen Literatur und hat nachhaltige Wirkung hinterlassen. So wird das Buch regelmäßig zitiert, wenn es um das Aufkommen eines Überwachungsstaates geht. Dies war bereits in den Siebziger Jahren ein besorgniserregendes Thema, weshalb sich David Bowie dazu entschloss, dem Titel ein Musical zu widmen. Jedoch stellte sich während des Schreibprozesses heraus, dass die Witwe Orwells die Rechte nicht einräumen würde und somit musste der Plan verworfen werden. Stattdessen finden sich die Songs auf dem 1974er Album „Diamond Dogs“.

1976: The Alan Parsons Project – The Raven

Edgar Allan Poe prägte mit seinen Erzählungen und Dichtungen gleich drei Genres der Literatur: Krimi, Science-Fiction und Horror. Andere berühmte Autoren geben ihn als Inspirationsquelle an, unter ihnen sind etwa Jules Verne, Arthur Conan Doyle oder H. P. Lovecraft. So ist es nicht verwunderlich, dass sich auch Musiker intensiv mit seinen Werken auseinandersetzten. Die 1975 gegründete Progressive-Rock-Band um den ehemaligen Toningenieur von Pink Floyd, Alan Parsons, konzipierte ihr Debütalbum um die schaurigen Erzählungen Poes. Die Songs auf „Tales of Mystery and Imagination“ beziehen sich inhaltlich auf Geschichten aus dem gleichnamigen Sammelband von 1908.

1984: Metallica – For Whom The Bell Tolls

Die Achtziger stehen nicht nur für den Siegeszug der Popmusik, sondern auch für das Aufkommen von Metal als härtere und schnellere Variante des Hard Rock. Doch trotz aller Aggressivität waren die Inhalte der Lieder oftmals nachdenklich, kritisch und intelligent. So nahmen sich Metallica für „For Whom The Bell Tolls“ vom Album „Ride The Lightning“ den Stoff von Ernest Hemingways Antikriegsroman „Wem die Stunde schlägt“ vor, welcher im Spanischen Bürgerkrieg angesiedelt ist und prangern die Sinnlosigkeit des Krieges an.

1993: Nirvana – Scentless Apprentice

Kreativer Genius und Einzelgängertum gehen in der Kunst oft Hand in Hand. So ist es nur passend das Kurt Cobain, Frontmann der Grunge-Band Nirvana und selbst geplagt von Selbstzweifeln, körperlichen Problemen und einer schwierigen Jugend, sich mit dem Protagonisten Jean-Baptiste Grenouille aus Patrick Süskinds Erfolgsroman „Das Parfüm“ identifizieren konnte. Der Song „Scentless Apprentice“ vom letzten Studioalbum der Band vor Cobains Suizid im Jahr 1994 beschreibt den Werdegang Jeans und untermalt diesen mit verstörenden Gitarrenklängen.

2004: Mastodon – Seabeast

Es gibt zeitlose Literaturklassiker, welche auch nach vielen Jahrzehnten nichts an ihrer Faszination eingebüßt haben. Herman Melvilles 1851 erstmals erschienenes Walfänger-Epos „Moby Dick“ zählt ohne Zweifel dazu. Die Geschichte von Kapitän Ahab und seiner Besatzung, die Jagd auf den legendären weißen Wal macht, wurde bereits mehrfach verfilmt, als Comic umgesetzt, zum Hörspiel gemacht und auch musikalisch vertont. Das Konzeptalbum „Leviathan“ der amerikanischen Metalband Mastodon basiert auf den Roman greift zentrale Motive in den Songs auf.

Anmerkung des Autors: Diese Playlist erhebt selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Dies ist im Rahmen des Blogs auch gar nicht möglich. Die Liste soll einen Startpunkt bieten und euch ermutigen, selbst zu entdecken. Natürlich auch gerne in anderen Musikgenres!

Autor: N. Zwanzig

Philip K. Dick – Nur weil ich paranoid bin, …

Philip K. Dick – Nur weil ich paranoid bin, …

… heißt das nicht, dass sie mich nicht verfolgen.

Dieser Spruch, der auf einem Plakat in Philip K. Dicks Wohnung zu finden war, ist bezeichnend für das Leben eines der größten Science Fiction Autoren der Welt. Getrieben von seinen eigenen Ängsten und wiederholten Panikattacken schuf Philip K. Dick (kurz PKD genannt) sich durch seine Bücher eine eigene Realität, die zunehmend mit seiner Wahrnehmung der Wirklichkeit verschmolz.

Bedeutung für das ganze Genre

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PKD als Siebdruck © Pete Welsch

Philip K. Dick half durch sein Schaffen mit, das Genre der Science Fiction aus der pulp era in das goldene Zeitalter zu führen. So wurden Science Fiction Geschichten davor eher als Schund (engl. pulp) betrachtet, was sich auch in der billigen Verarbeitung und den trashigen Covern bemerkbar machte.

Die Protagonisten in seinen Romanen sehen sich meist wandelnden Realitäten gegenüber, die nur schwer von der Wirklichkeit zu unterscheiden sind. So wissen sowohl die handelnden Personen als auch der Leser selbst am Schluss häufig nicht, ob er seiner Wahrnehmung, bzw. dem Gelesenen, trauen kann. Ebendiese Mehrschichtigkeit und die oftmals ungeklärten Enden seiner Geschichten machen für viele Leser den Reiz aus.

Das isolierte Leben des Philip K. Dick

PKD widmete sich nach einer Panikattacke komplett dem Schreiben und zog sich immer weiter aus der Gesellschaft zurück. So bereiteten ihm alltägliche Dinge, wie ein Essen in einem Restaurant oder die Fahrt mit dem Bus, zunehmend Probleme. Seine Wohnung wurde zu seinem Rückzugsort, den er zunehmend seltener verließ. Er sah sich von nun an eher als ein außenstehender Beobachter des Lebens als ein teilnehmender Akteur. So konzentrierte er all seine Energie, die vor allem durch die Einnahme von Medikamenten und Amphetaminen bedeutend verstärkt wurde, auf das Schreiben von Science Fiction Geschichten. Die Mischung aus verschriebenen Pharmazeutika und Drogen verursachte bei ihm zunehmend Halluzinationen, die er in seine Geschichten einflocht.

Der Drogenkonsum sowie die Überwachung durch CIA und FBI, ausgelöst durch ein Treffen mit Drogensüchtigen, Linken und Black Panther in seinem Haus, und ein Einbruch in seine Wohnung verstärkten seine Paranoia. Dies führte dazu, dass er sowohl der Regierung als auch allen Menschen in seinem Umfeld anfing zu misstrauen.

Orthogonaler Zeitstrom

PKD glaubte an die Existenz einer orthogonalen Zeitachse, die im rechten Winkel zu unserer horizontalen Zeitachse verläuft. Aus den Schnittpunkten dieser Zeitachsen, die Philip K. Dick glaubte wahrzunehmen, bezog er seine Informationen über die Zukunft. So meinte er seinen eigenen Tod bereits zu Lebzeiten deutlich vor sich sehen. In einem Brief an eine Freundin beschrieb er, dass er in einer Art traumartigen Zustand seine eigene Leiche zwischen Couchtisch und Sessel mit dem Gesicht zum Boden erblickt hatte. In ebendiesem Zustand fand man ihn acht Jahre nach dem Versenden des Briefes tot in seiner Wohnung.

Viele Fans sehen darin einen Beweis, dass Philip K. Dick zukünftige Dinge wahrnahm, die sonst niemand sehen konnte. Anderseits ist anzumerken, dass er den ganzen Tag in diesem Sessel an der Schreibmaschine verbrachte und somit sein Tod in dieser Position durchaus wahrscheinlich war.

Autor: Robert Rebbe

日本文学 – Nihon Bungaku – Japanische Literatur

日本文学 – Nihon Bungaku – Japanische Literatur

In Japan werden nicht nur Manga und Handy-Romane gelesen. Auch der Prosa fällt im Land der aufgehenden Sonne eine große Bedeutung zu. Mittlerweile umfasst Japanische Literatur einen Zeitraum von über 1300 Jahren mit Einflüssen aus Europa und China. Doch unterscheidet sich das japanische Verständnis den Begriff „Literatur“ betreffend, vom europäischen: Der ästhetische Gebrauch der Sprache als Gegenstand und Medium.

Was im Altertum mit gravierten Zeichen auf Bronzeschwertern aus dem 6. Jahrhundert begann, entwickelte sich im 7. Jahrhundert mit der Überlieferung der chinesischen Schrift zu verschiedenen Formen der lyrischen Dichtung: dem Kanshi (Gedichte in Chinesisch) und Waka (Gedichte in japanischer Sprache), aus welchen sich feste Formen der Zeilen mit fünf oder sieben Silben entwickelten. Hierbei wurden zwischen Chōka (langen Gedichten) und Tanka (kurzen Gedichten) unterschieden. Das bedeutendste Werk dieser Zeit bildet das 20 Bände umfassende Man’yōshū (Sammlung der 10 000 Blätter). Es ist die erste große japanische Anthologie von Waka, die um das Jahr 759 komplimentiert wurde und 4 496 Gedichte enthält, wovon das älteste bis ins 4. Jahrhundert zurückdatiert werden kann.

君が行き
日長くなりぬ
山尋ね
迎へか行かむ
待ちにか待たむ

Dein Fortgehen
ist schon lange geworden
Soll ich auf dem Berge suchend
[Ihm] entgegen gehen
Oder soll ich wartend auf ihn warten?

Man’yōshū, Buch II, Gedicht von Iwa no Hime

Frühe Prosa

© Christin FetzerDie Entstehung und Entwicklung von Prosa-Werken begann im 9. Jahrhundert. Als erstes Prosa-Werk ist hierbei das Tosa Nikki, eine Art Reisebericht, von Ki no Tsurayuki. Im 11. Jahrhundert folgten Makura no Soshi (Kopfkissenbuch) von der Autorin Sei Shonagon und das Genji Monogatari (Die Geschichte des Prinzen Genji), als dessen Verfasserin Murasaki Shikibu gilt und das heute als erster psychologischer und ältester, noch erhaltener Roman der Welt zählt.

Als Klassiker der Japanischen Literatur des Mittelalters wird das Heike Monogatari gesehen (etwa 1371): Der epische Kampf der Samurai-Clans Minamoto und Taika (Heike) um die Vorherrschaft im Japan des 12. Jahrhunderts. In dieser Zeit etablierte sich auch das japanische Schriftsystem, in dem Kana und Kanji gemischt werden. Die Werke in dieser Zeit befassten sich hauptsächlich mit den Motiven Leben und Tod, einem einfachen Lebensstil und der Erlösung. Währenddessen entwickelte sich in der Lyrik Renga, das japanische Liebesgedicht.

Prosa im 19. und 20. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert begann die Zeit der Aufklärung und damit die Konzentration auf westliches Gedankengut, wobei eine beträchtliche Zahl neuer Wörter geschaffen werden musste, um die westlichen Werke ins Japanische übersetzen zu können. Neben Übersetzungen von den Werken Shakespeares und Jules Vernes erschienen während dieser Zeit eine Reihe politscher Romane und Shōyō Tsubouchis Abhandlung Das Wesen des Romans, womit der moderne Roman in Japan seinen Anfang nahm. Zwei Strömungen bildeten sich dabei heraus: Der realistische Gegenwartsroman und der zugleich zunehmende Nationalsozialismus.

© Christin FetzerZu Hauptströmen des 20. Jahrhunderts wurden Naturalismus, der sich im Gegensatz zur deutschen Vererbungslehre mit der »Enthüllung und Bloßstellung der nackten Realität« befasste, und der japanische Ich-Roman. Gegenbewegungen bildeten die moderne Form des Haiku, Ästhetizismus und »Naturbeschreibungen«. Mit der Bewegung »Freies Theater« (1909-1919) erfreuten sich Bühnenwerke einer wachsenden Beliebtheit. Auch der Unterhaltungsroman feierte in Form von Sitten-, Historien-, Abenteuer- und Kriminalromanen seinen Aufstieg. Als vorherrschende Bewegungen wurden nach dem Ersten Weltkrieg Dadaismus, Futurismus und Expressionismus aus Europa übernommen, blieben jedoch mit der Kritik am Individualismus des literarischen Realismus und der Gründung des Neo-Sensualismus, der vor allem von traumgleichen Lebenswelten und Schönheitsempfinden geprägt ist, von europäischen Pendant entfernt.

Gegenwartsliteratur

1945 wird die Literaturgesellschaft Neues Japan gegründet, welche die Bewegung für »demokratische Literatur« ins Leben ruft und die Arbeiterliteratur für sich entdeckt. Zu einem der bekanntesten Schriftsteller der japanischen Nachkriegsliteratur zählt Dazai Osamu u.a. mit Werken wie Ningen Shikkaku (1948, dt. Gezeichnet) und Shayō (1947, dt. Die sinkende Sonne), die sich schnell zu Klassikern der Gegenwartsliteratur entwickelten.

Themen wie Kriegserfahrungen, Erfahrungen in der amerikanischen Kriegsgefangenschaft beherrschen die Literatur nach dem 2. Weltkrieg. Als Besonderheit zählt dabei die Atombombenliteratur und beschäftigt sich mit den Geschehnissen in Hiroshima und Nagasaki und deren Auswirkungen. Dem entgegen stand jedoch die Zensur durch die amerikanischen Besatzer (bis 1952) und das Schweigen der Menschen zu diesem Thema.

Japanische Literatur in Deutschland

Japan galt in den 80er Jahren als DAS Wirtschaftswunder. Zusammen mit Japan als Themenschwerpunkt der Frankfurter Buchmesse 1990 und mit Ōe Kenzaburō als Nobelpreisträger (1994), wurde japanische Literatur in Deutschland verstärkt nachgefragt. Während im Japan schon Ende der 80er vom Murakami-Haruki-Phänomen gesprochen wurde, gelangte der Autor in Deutschland erst 2000 durch Gefährliche Geliebte zu großer Bekanntheit. Heute ist er der berühmteste japanische Autor im deutschen Sprachraum.

Autorin: Christin Fetzer

J. F. Cotta: Der Napoleon des deutschen Buchhandels

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(c) wikipedia.de

Zwei der weltweit bekanntesten deutschen Schriftsteller, Goethe und Schiller, außerdem mit Wieland und Herder die beiden anderen Geistesgrößen des Weimarer Viergestirns. Jean Paul, Fichte, Hölderlin, Hegel, Pestalozzi und Alexander von Humboldt – alle hatten sie denselben Verleger. Im Vergleich zu seinen Autoren, ist sein Name jedoch weniger geläufig: Johann Friedrich Cotta. Wer war der Mann, der die aufklärerischen Ideale und Ideen, viele philosophischen und wissenschaftlichen Erkenntnisse einer ganzen Epoche unter seinem Haus vereinigte?

Geboren wurde Cotta 1764 in Stuttgart. Er studierte Mathematik, Geschichte, Jura, ehe er mit 23 Jahren die wenig glanzvolle, Cotta’sche Verlagsbuchhandlung seines Vaters in Tübingen übernahm. Obwohl er zunächst wenig Interesse an der Übernahme hatte, formte Cotta in wenigen Jahren aus dem provinziellen Kleinunternehmen den bedeutensten Universalverlag seiner Zeit. Er verlegte über 60 Zeitungen und Zeitschriften, u. a. Schillers Horen, wichtige wissenschaftliche Werke, betrieb einen Kunst- und Landkartenverlag und besonders die Klassiker von Goethe und Schiller hatten eine Strahlkraft über die Landesgrenzen hinaus.

Der Aufstieg der Cotta’schen Verlagsbuchhandlung

Wie war dieser Aufstieg in kurzer Zeit möglich? Es waren weniger glückliche Umstände als enormer Arbeitsdrang, feiner Charakter, unternehmerisches Genie und politisches Talent. Doch eine glückliche Vermittlung spielte gerade zu Beginn eine wichtige Rolle: 1793 traf Cotta in Tübingen durch Initiative des dortigen Philosophieprofessors und ehemaligen Lehrers von Schiller auf ebendiesen. Aus diesem Treffen entwickelte sich eine enge persönliche Verbindung und Zusammenarbeit mit dem zu diesem Zeitpunkt bereits weithin bekannten Dichter. Dieser war es dann auch, der den Kontakt zu Goethe und den anderen beiden Weimarern herstellte. Damit war der Grundstein für den Aufstieg der Verlagsbuchhandlung und weiterer Unternehmungen gelegt.

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Nachwirkungen

In seinem umtriebigen Leben, in dem er auch etliche Herausforderungen zu bewältigen hatte, brachte Johann Friedrich Cotta eine Vielzahl an ökonomischen, technischen, kulturellen und politischen Unternehmungen auf die Bahn. Beispiele: Revolutionierung der Drucktechnik durch den Einsatz von Dampfmaschinen, Beteiligungen an einer Papier- und Maschinenfabrik, Erwerb eines Landgutes zur modernen Schafszucht, Gründung einer gemeinnützigen Sparkasse, Beratung und diplomatische Hilfe für Fürsten und Regierende.

Doch besonders seine Leistungen für die deutsche Buchlandschaft sollen uns hier interessieren: Mit hohen Honoraren und zukunftsweisenden Verträgen war er ein Vorkämpfer der Autorenrechte. Das Urheberrecht des Autors und das Besitzrecht des Verlages wurden sorgsam getrennt, was der Kapitalisierung des Gewerbes dienlich war. Er wirkte für Reformen des Buchhandels und setzte sich gegen den Nachdruck und für die Pressefreiheit ein. 1832, im selben Jahr wie Goethe, mit dem er bezüglich den Honoraren auch schon mal aneinander geraten war, starb – inzwischen geadelt – Johann Friedrich Freiherr Cotta von Cottendorf.

Sein Wirken reicht bis in unsere Zeit: Die Cotta’sche Verlagsbuchhandlung wurde 1977 von der Klett-Gruppe übernommen und firmiert seitdem unter Klett-Cotta, wo u. a. die deutschen Übersetzungen der Werke von J. R. R. Tolkien erschienen sind.

 

Autor: Fabian Schwab

Weihnachten: 24 Tage Leserei

Weihnachten: 24 Tage Leserei

Schokolade über Schokolade, die Adventskalender im Supermarkt sind meist schnell verkauft. Nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene freuen sich darauf 24 Naschereien zu verdrücken. Wer dessen jedoch überdrüssig ist oder gern einen noch spannenderen Adventskalender haben möchte, der sollte sich mal genauer in einer Buchhandlung umsehen.

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© by Gina Uhlig

Geschichte des Adventskalenders

 

 Die Ursprünge des uns 24-mal beglückenden Produktes gehen zurück ins 19. Jahrhundert. Dort wurden in den protestantischen Familien im Dezember 24 kleine Bildchen an die Wand geheftet. Wer nicht so viel Platz an seiner Wand hatte, der malte 24 Kreidestriche an eine Wand oder Tür und jeden Tag durften die Kinder einen davon abwischen. So sollte die Vorfreude auf Weihnachten weiter gesteigert werden. Den ersten gedruckten Kalender gab es allerdings erst 1903. Dieser war mit 24 bunten Bildchen versehen, die ausgeschnitten und auf einem extra Bogen aufgeklebt wurden. Erst 17 Jahre später bekam der Adventskalender dann seine Türchen, hinter denen sich ein buntes Bild versteckte. Die schokoladene Variante wurde sogar erst in den 1950er Jahren populär. Doch der Zweite Weltkrieg blieb auch für den Adventskalender nicht ohne Folgen. Er wurde unter den Nationalsozialisten aufgrund von Papierknappheit verboten. Erst einige Jahre nach Kriegsende gab es wieder bunte Bildchen und leckere Schokolade hinter 24 Türchen zu entdecken.

 

Die literarische Variante

 

Auch diese Art des Adventskalenders gibt es mittlerweile seit circa 90 Jahren. Die Sankt Johannis Druckerei, ansässig in Baden, brachte damals Adventskalender mit Bibelversen heraus.

Heutzutage ist das Sortiment von literarischen Adventskalendern sehr vielfältig. Dabei werden zwei Arten unterschieden: Entweder der Kalender erzählt eine Geschichte in 24 Episoden oder es gibt 24 kleine Texte zu entdecken. Auch die Darstellungsform ist vielseitig. Sie reicht von kleinen Heftchen, über richtige Kalender, bis hin zu Büchern.

Für jeden ist etwas dabei. Ob kleines Kind, alter Mann, Krimifan oder jede andere Art von Leseratte: ein literarischer Adventskalender ist wirklich jedem zu empfehlen. Nebenbei kann man ja trotzdem die Schokovariante genießen.

 

Autorin: Melanie Uhlig

Eine kurze Geschichte der Horrorliteratur

Eine kurze Geschichte der Horrorliteratur

Wie jedem Gänsehautfan, Gruselspezialisten und Schauerliebhaber bekannt sein dürfte, stellt das 19. Jahrhundert eine Blütezeit der Horrorliteratur dar. Edgar Ellan Poe, Mary Shelley und andere Pioniere dieses Genres lassen bis heute weltweit das Blut in den Adern begeisterter Leser gefrieren. Doch wo liegen die Ursprünge der Schauerliteratur? 

Weird Ficiton, Gothic Novel, Gruselroman, wie man sie auch nennen mag, die Horrorliteratur ist aus dem modernen Sortimentsbuchhandel nicht mehr weg zu denken und füllt Regale, bisweilen sogar ganze Läden. Die Ursprünge für die Lust an der Angst liegen jedoch tief in den Kellern der historischen Anthropologie. Nicht ohne Grund leitet sich der Name dieser Literaturgattung von dem lateinischen horrere – die Haare hochstehen lassen – ab.

So legen Antike Mythen den Grundstein für viele heutige Schreckensgestalten. Denn schon im antiken Rom fürchtete man sich des Nachts vor den blutsaugenden Lamien, dem Ursprung für die Sagengestalt des Vampirs, Inkuben sorgen für Alpträume a la Freddy Krüger und in der griechischen Totenstadt von Kamarina fesselt man Leichen aus Angst vor Ihrer rachsüchtigen Wiederkehr. Die Motive für die heutigen Kassenschlager des Horrorgenres haben also schon damals in der Literatur Anwendung gefunden.

Im dunklen Mittelalter

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Verfolgte Unschuld © de.wikipedia.org

Auch im Mittelalter waren Schreckensvorstellungen zu Unterhaltungszwecken an der Tagesordnung. Obgleich dieses Zeitalter durch Hexenverbrennung, Inquisition und der Fülle an Gewalt für den zart besaiteten Rezipienten schon wie ein Gruselkabinett wirkt, ließen sich die Menschen auch damals von fantastisch-schaurigen Geschichten faszinieren. Mysterienspiele, kleine fürchterliche Szenerien, dargestellt von Wanderschauspielern, lagen hoch im Kurs.

Schriftlich festgehaltene Werke, wie die göttliche Komödie von Dante Alighieris, finden ebenfalls positive, wenn auch umstrittene Resonanz. Mit Shakespeares Hamlet werden Gruselstücke, wenn auch für die breite Masse verfasst, schlussendlich salonfähig.

Monster und Menschen

Im 18. Jahrhundert bildet sich schließlich durch den Rückenwind der Aufklärung ein breites Angebot an literarischen Erzeugnissen, denn Horace Walpoles The Castle of Otranto ebnet den Weg für den Gothic Novel. Auch deutsche Autoren wie Ludwig Tieck widmen das ein oder andere Werk dem noch jungen Genre. Die Themen gleichen dabei den heutigen: Gewalt, Mord, die Angst vor dem Unbekannten, fantastische Monstren – damals wie heute ein Erfolgsrezept.

Im 19. Jahrhundert ist die Horrorliteratur dann nicht mehr wegzudenken und nimmt immer vertracktere, teils philosophische oder psychologische Formen an. So schreckt Mary Shelleys Frankenstein oder Der moderne Prometheus doch gerade wegen der paranoiden, selbstzerstörerischen Psyche Viktor Frankensteins, weniger wegen des von ihm erschaffenen Monsters, welches zuletzt eher Mitleid als Angst erregt.

Siegeszug und Kommerzialisierung

Frankenstein © www.bl.uk
Frankenstein © www.bl.uk

Die Verfeinerung der Nuancen und Möglichkeiten des Genres, sowie der kommerzielle Siegeszug während des Viktorianischen Zeitalters führen im 20. Jahrhundert bereits zu einer Ubiquität des Genres. Die reiche Quellenlage von Mythen bis hin zu den zahlreichen Vorreitern des Genres, ermöglichen es Autoren wie H.P. Lovecraft sogar neue Mythenfiguren wie Cthulhu zu schaffen, sich wissenschaftlich mit dem Genre auseinanderzusetzen und kontemporär die Nerven eines breiten Publikums bis zum Zerreißen zu spannen.

Mit dem Beginn der Filmkunst, mit dem fast unmittelbar der erste Horrorfilm entsteht, steht dem Genre nun nichts mehr im Wege. Nichts lockt die Zuschauer mehr in die ersten sporadischen Kinos als der Nervenkitzel eines Gruselstreifens und so wandelt der erste Film-Frankenstein bereits 1910 über die Leinwand. Die nun folgende, fast erdrückende Welle von Autoren, Regisseuren und Künstlern, die Werke aus dem Horrorgenre fast wie am Fließband produzieren, ist nun nicht mehr aufzuhalten. Mit dem Erfolg wächst natürlich auch die Zahl der Kritiker, denn neben der Horrorliteratur entwickeln sich auch, vor allem in visuellen Medien, Subgenres wie Gore oder Splatter, welche eher die schonungslose Gewalt, als das Gruselerlebnis zum Mittelpunkt machen.

Allgemein lässt sich sagen, dass kaum ein anderes Genre der Literaturgeschichte so viel Begeisterung und gleichzeitig so viel Abneigung auf sich zieht. Dennoch ist es doch gerade dieser Zwiespalt, der der Horrorliteratur seiner Existenzberechtigung verleiht.

Autor: Tankred Hielscher