„Zeig Dich“ – Museumsnacht Halle/Leipzig mit Tipps für Büchernarren

„Zeig Dich“ – Museumsnacht Halle/Leipzig mit Tipps für Büchernarren

Unter dem Motto „Zeig Dich“ startete am 06. Mai die neunte Museumsnacht in Leipzig und Halle. Circa 20 000 interessierte Besucher und auch ich nahmen die Möglichkeit wahr, Ausstellungen und Museen der beiden Städte zu besichtigen. Hier kommen drei besonders buchaffine Tipps von mir, für unsere Erstis in den Buchstudiengängen, und für alle anderen Buchfreunde zum gemütlichen Wochenendbesuch!

 

Tipp 1: Das Museum für Druckkunst

Dieses traditionsreiche Haus eröffnet euch im Westen Leipzigs einen ebenso neuen wie geschichtsträchtigen Blick auf das Handwerk des Büchermachens. Hinter „Typezig“ verbergen sich nicht nur Leipziger Typen, die unsere Stadt lebenswert machen, sondern auch die Druck-Typen aus Blei. Schon im Eingangsbereich empfangen Kniehebel-, Kupferdruck- und Tiegeldruckpressen den Besucher. Das Museum erstreckt sich über 3 Etagen, es riecht nach alten aber noch laufenden Maschinen und regt an, kurz inne zu halten und sich gedanklich ein Stück in der Geschichte zurück zu bewegen. Roland Müller setzt heute die alten Maschinen des Museums in Stand, war aber früher Überschriftensetzer bei der LVZ. Er erklärt die Funktionsweise der Druckpressen und erzählt an diesem Abend seine Geschichte. Dadurch wird die Historie der Maschinen, die zum Teil bis heute in Betrieb sind, umso greifbarer.

 

Pic 2 Druckkunst Museum
© Melody Schieck

 

Tipp 2: Die Deutsche Zentralbücherei für Blinde

Seit 1894 werden Bibliothek, Verlag, Verkauf und die Herstellung von Literatur für sehbehinderte Menschen unter einem Dach vereint. Hier werden Bücher nicht im klassischen Sinne gelesen, sondern ertastet, gefühlt und gehört. Es öffnet sich die Welt der Literatur unter den Fingern und vielfältige Hörbücher schaffen ein Vergnügen für die Ohren. Als Besucher kann und sollte man die Augen schließen und versuchen sich voll und ganz auf die anderen Sinne zu konzentrieren. Tastbilder und Reliefs schaffen auch einen visuellen Zugang. Aber schon allein mit verbundenen Augen „Mensch ärgere dich nicht“ auf einem extra dafür konzipierten Brett zu spielen, fällt schwer. Spätestens wenn man die weißen Bögen betrachtet, die als ganz normale Zeitungen und Bücher in Blindenschrift gelesen werden, ist klar was für eine wichtige Funktion die Zentralbücherei erfüllt. An dieser Stelle, wird der Weg zu einer barrierefreien Kommunikation geebnet.

 

Pic 1 Druckkunst Museum
© Melody Schieck

 

Tipp 3: Die Deutsche Nationalbibliothek Leipzig

Der Gang durch die Drehtür der DNB  fühlt sich an wie das Überqueren einer Brücke. Das Zusammenspiel aus futuristischem Design, neuster Technik und alten Büchern lässt nur erahnen, welche Schätze hinter den Türen noch warten. Die Dauerausstellung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Nationalbibliothek spannt unter dem Titel „Zeichen – Bücher – Netze: Von der Keilschrift zum Binärcode“ einen historischern Bogen über 5.000 Jahre Mediengeschichte. Hier gehen Vergangenheit und Gegenwart Hand in Hand – von der Entstehung der Schrift und der Erfindung des Buchdrucks, bis hin zu den digitalen Netzwerken, die heute unzählige Möglichkeiten eröffnen. Im Gegensatz zu dem sich langsam etablierenden Gedanken „Bücher sterben aus“ wird hier klar, dass ein Buch mehr sein kann als gebundene, bedruckte Seiten, mehr sein kann als ein Kulturgut. Es ist auch eine Medienzukunft.

 

Autorin: Melody Schieck

Ausstellung: LEIPZIG beeinDRUCKT

Ausstellung: LEIPZIG beeinDRUCKT

Exponat der Ausstellung © Museum für Druckkunst Leipzig
Exponat der Ausstellung © Museum für Druckkunst Leipzig

Im Rahmen des 1 000-jährigen Jubiläums der Stadt Leipzig präsentiert das ansässige Museum für Druckkunst eine umfassende Ausstellung, welche die Industriekultur des historischen Druck- und Verlagsstandorts detailliert und beispiellos darstellt.

Im Jahre 1918 wurde etwa jedes zweite in Deutschland angebotene Buch in Leipzig gefertigt. Ein Fakt, der keineswegs spurenlos an der Großstadt an der Elster vorbeigegangen ist, denn 500 Jahre Druckgeschichte prägen diese bis heute. Doch wie kam es zu dieser Entwicklung, und welche Innovationen und Persönlichkeiten waren die treibenden Zahnräder im Gewerbe der Bütten und Lettern? Wen die Neugier gepackt hat, kann diese in der Ausstellung LEIPZIG beeinDRUCKT – 500 Jahre Druck- und Verlagsstandort stillen.

Industriekultur zum Anfassen

Das im populären Trendbezirk Plagwitz befindliche Museum dokumentiert auf vier Etagen zahlreiche Facetten der hiesigen Druckkultur. Den interessierten Besucher erwartet ein historischer Rundgang, der die wichtigsten Etappen der Leipziger Druckindustrie exemplarisch charakterisiert. Dabei haben die Aussteller keinesfalls mit Exponaten gegeizt: Vom einfachen Büttenpapier über wertvolle Drucke bis hin zu verschiedenen, voll funktionsfähigen Geräten und Maschinen der Buch- und Druckindustrie ist alles vorhanden. Durch tägliche Vorführungen von Fachpersonal sind Teilnehmer einer Führung dazu eingeladen, sich selbst von der Funktionalität der Geräte zu überzeugen – Industriegeschichte zum Anfassen in einer authentischen Atmosphäre. Diese wird über den, großteilig chronologischen, Leitfaden durch das Industriedenkmal erzeugt, welcher den Zeitraum von 1408 bis ins 19. Jahrhundert beleuchtet und ein nie dagewesenes Gesamtbild zur Entwicklung der Leipziger Druck- und Buchindustrie schafft.

Ausstellungsstücke aus Archieven und Sammlungen

Druckmaschine © Museum für Druckkunst Leipzig
Druckmaschine © Museum für Druckkunst Leipzig

Die Exposition besteht zu Teilen aus den jahrelangen Sammlungen des Druckmuseums, wurde allerdings durch zahlreiche Leihgaben aus dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum, sowie der Universitätsbibliothek Leipzig ergänzt. Auch das Sächsische Staatsarchiv und das Sächsische Wirtschaftsarchiv haben einige, bisher ungesehene Kostbarkeiten beigesteuert. Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann sich nun bis zum 4. Oktober diesen Jahres beeindrucken lassen. Weitere Informationen sowie Termine zu Vorträgen und Führungen finden Sie auf: www.druckkunst-museum.de.

Autor: Tankred Hielscher