Klingende Bücher – ein Praktikum im Musikverlag

Ein ganz normaler Morgen in meinem Studentenalltag, ich checke meine Mails und entdecke Praktikumsanzeigen, die von der HTWK verschickt wurden. Tatsächlich vergibt in einer dieser Anzeigen der C.F. Peters Musikverlag eine Praktikumsstelle in den Semesterferien im Marketing, und das für vier Wochen! Seit meinem Abitur an einem Musikgymnasium ist mit meinem Studium der Plan, im Musikverlag zu arbeiten immer konkreter geworden und die Marketingabteilung schien perfekt – also schnell beworben und tatsächlich, ich durfte vier Wochen lang Teil des Peters-Teams sein.

 

Diese vier Wochen waren unheimlich spannend, lehrreich und intensiv.

An meinem ersten Tag stand ich ziemlich aufgeregt vor dem großen Tor des Verlagshauses in der Talstraße in Leipzig und wusste nicht, was mich erwartet. Zuerst wurde ich allen Mitarbeitern vorgestellt, in die Kaffemaschine eingewiesen (an der ich nur für mich selbst gekocht habe) und mir wurde mein Arbeitsplatz gezeigt. Neben meinem eigenen Schreibtisch und einem eigenen Laptop bekam ich auch zu den wichtigsten Programmen und Dateien Zugriff. So fühlte ich mich gleich von Anfang an wie eine vollwertige Mitarbeiterin und spätestens beim ersten gemeinsamen Mittagessen am großen Tisch in der Küche des Verlags war das Eis gebrochen.

Die vielfältigen Aufgaben des Verlagsmarketings

So begann ich vier Wochen lang, in der Marketingabteilung an den unterschiedlichsten Aufgaben zu arbeiten. Ich durfte Kataloge korrigieren, nach Marketingmaterialien recherchieren, Anzeigen erstellen, den Facebook Auftritt und die Website pflegen, das Archiv sortieren und Biographien zu den Komponisten erarbeiten. Auch an Meetings durfte ich teilnehmen und so den Verlagsalltag ganz genau erleben. Am meisten Spaß hat mir die eigenständige Erstellung eines Klavier- und eines Weihnachtsnewsletters gemacht, die bei den Kunden sehr gut ankamen.

Die Zeit zur Bearbeitung dieser Aufgaben konnte ich mir selbst flexibel einteilen. Nebenbei hat mir meine Chefin viel über die Verlagsgeschichte und die Arbeit im Musikverlag sowie den Wandel der Musikverlage erzählt. An einem Tag habe ich dann mal die Abteilung gewechselt und in die Archiv- und Leihabteilung geschnuppert, was ich ebenfalls extrem spannend fand. Hier stapeln sich unendlich viele Partituren über zwei Büros bis an die Decke. Ich konnte bei der Bestellung von Leihnoten helfen und zurückgeschickte Noten entgegen nehmen. So hab ich tatsächlich Noten an ein Orchester in Jerusalem geschickt. Außerdem habe ich dort gemeinsam mit einer Angestellten Noten im Sonderformat für eine Uraufführung bei einer Messe hergestellt.

Gern mehr davon

Leider war die Zeit superschnell vorbei und an meinem letzten Tag war ich echt traurig, dass diese vier abwechslungsreichen Wochen so schnell rum waren. Ich kann jedem Studenten nur empfehlen, selbst Praktika zu machen und zu testen, ob der Job auch praktisch zu einem passt, vor allem wenn man sich bei seinem Studium so unsicher ist wie ich.

Ich möchte mich hiermit noch mal bei Annette, Thomas und dem ganzen Peters Team für die schöne Zeit bedanken und komme bald auf eine Pizza in der Mittagspause vorbei!

Autorin: Lina Al Ghori

Musikverlage auf dem Smartphone – wie soll das gehen?

Musikverlage auf dem Smartphone – wie soll das gehen?

Im deutschen Musikverlegerverband DMV sind am heutigen Tag 432 Verlage registriert, die mit dem Druck und Vertrieb von Noten ihre Brötchen verdienen. Leider machen dies klassischen Musikverlage wie Edition Peters oder Breitkopf & Härtel immer weniger Umsatz. Das liegt vor allem daran, dass ihnen die Lizenzen an klassischen Komponisten auslaufen und viele Musiker ihre Noten kostenlos von Online-Plattformen beziehen. Musikverlage müssen also ihre Produkte und Konzepte überdenken und mit dem digitalen Trend der Zeit gehen. Einige Verlage nutzen hier die Möglichkeit von eigenen Apps, die mit verschiedenen Funktionsweisen Umsätze generieren und die Musikverlage bekannter machen sollen.

 

Carus Music App

Carus App
© Carus-Verlag

Der Carus-Verlag aus Stuttgart hat sich in seinem Verlagsprogramm auf geistliche & weltliche Chormusik spezialisiert. Er bietet seit dem 15.04.2015 eine App im App- und Google-Play-Store an, mit der man seine Chorstimme mit oder ohne Notenkenntnisse lernen kann. Zurzeit sind etwa 50 bekanntere Werke erhältlich, die man im Verlag auch gedruckt erwerben kann, zum Beispiel das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Im Menü findet man Informationen zum Werk und zur Einspielung, welche von renommierten Chören eingesungen wurde. Hat der Sänger eine Ausgabe seiner Stimmgruppe für einen Preis zwischen 4,99€ und 14,99€ erworben, so kann er sich seine Stimme langsamer, lauter oder einzeln vorsingen lassen und einfach mit dem blauen Balken per drag-and-drop zu der Stelle springen, die er üben möchte. So geht kein Chorsänger mehr unvorbereitet in eine Chorprobe.

 

Musikverlag Richard Grünwald

Musikverlag Richard Grünwald App
© Tobit.Software

Auch über Neuigkeiten im Verlag kann über eine App informiert werden. Der Musikverlag Richard Grünwald bietet ausschließlich Noten, digitale Downloads, Workshops und Zubehör für alle Musiker an, die das Instrument Zither spielen. In seiner am 22.03.2016 auf den Markt gebrachten App informiert der Verlag alle Interessenten über aktuelle Projekte, Neuausgaben, die verlegten Komponisten, gibt über Bilder Einblick in den Verlagsalltag und bietet die Möglichkeit zur direkten Kommunikation mit dem aktuellen Verlagsinhaber. Leider ist die App durch ihre Neuheit noch sehr wenig bespielt und bis jetzt nur im App-Store erhältlich, doch auch Android soll bald nachziehen.

Artist Ahead Apps

Wieder etwas anders gestaltet der artist ahead Musikverlag aus Wiesloch bei Heidelberg seine App bzw. Apps. Dieser Verlag bietet nämlich nicht nur eine, sondern viele kleine Apps an, mit denen mal multimedial und innovativ ein Instrument lernen soll. Erhältlich sind hier nicht nur Apps für „normale“ Instrumente, sondern auch für Nischeninstrumente wie Blues-Harfe oder Rockabilly Gitarre. Ein Beispiel für eine weniger spezielle App ist „Weihnachtslieder in C“, welche im November 2014 passend zur Vorweihnachtszeit erschienen ist. In dieser App erhält man 1 Weihnachtslied gratis und 71 weitere, sobald man bei den In-App-Käufen 1,99€ bezahlt hat. Der Musiker kann hier ein- oder zweistimmig mit seinem in C gestimmten Instrument (zum Beispiel dem Klavier) bekannte Weihnachtslieder gemeinsam mit Metronom und wohlklingender Klavierbegleitung spielen. Leider gibt es noch keine Funktion, mit der man ein Feedback für seine vorgetragene Leistung erhält, aber auch das wird bei unserer fortschreitenden Technisierung sicherlich nicht mehr lange ein Problem sein. Bis jetzt sind die Apps allerdings nur für das iPad erhältlich.

 

Fazit

Apps sind auch für Musikverlage eine tolle Möglichkeit, um ein breiteres, internetbegeistertes Publikum zu erreichen und zu den klassischen Verlagen zurück zu holen. Leider wird diese Möglichkeit momentan noch zu selten oder nicht ganz durchdacht genutzt. Prinzipiell werden Musikverlage mit Apps, die ein gutes Design, eine einfache Bedienung, faire Preise und nützliche Nebenfunktionen (Hintergrundinformationen zum Stück, Videos, etc.) auszeichnen in ein sinnvolles Marketing-Mittel investieren.

 

Autorin: Lina Al Ghori