Lerche liest: Körpertauschgeschichten

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Haben wir nicht alle einmal das Gefühl, gern eine andere Person sein zu wollen? Aber was wäre, wenn genau das passieren würde? Jemand anderes sein, einen anderen Körper zu haben. Dieser Frage gehen einige Bücher nach, die hier nachfolgend vorgestellt werden.

Für Romantiker: Letztendlich sind wir dem Universum egal von David Levithan

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A ist ein ganz besonderer Mensch. Denn jeden Morgen wacht er in einem anderen Körper und in einem anderen Leben auf. Um zu überleben, hat er einen Grundsatz: Lass dich nicht zu sehr auf dieses Leben ein. Dann macht ihm das Leben einen Strich durch die Rechnung: er verliebt sich in Rhiannon. Doch wie kann Rhiannon A lieben, wenn dieser täglich ein anderer Mensch ist?

Dieses vielschichtige Buch erzählt tiefgründig von den ganz großen Themen des Lebens mit all seinen Facetten. Mit klarer, einfühlsamer Sprache nähert sich der Autor seinen Protagonisten und fragt dabei eindringlich, wie lieben und leben Menschen und welche hat das Geschlecht in der Gesellschaft.

 

 

David Levithan: Letztendlich sind wir dem Universum egal

Fischer Verlag

Taschenbuch, 416 Seiten, 9,99 Euro

ISBN: 9783596811564

Mehr Informationen unter:

https://www.fischerverlage.de/buch/letztendlich_sind_wir_dem_universum_egal/9783596811564

 

Für Literaturliebhaber: Plötzlich Shakespeare von David Safier

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Rosa ist ein Klischee, wie es im Buche steht. Als sie der Liebeskummer nicht mehr loslassen will, will sie sich per Hypnose helfen lassen. Allerdings rechnet sie nicht mit einer speziellen Nebenwirkung. Zwar befindet sich Rosa in der Vergangenheit, in einem früheren Leben, aber das ist kein Geringerer als William Shakespeare. Und erst, wenn sie herausgefunden hat, was die wahre Liebe ist, darf sie zurück in die Gegenwart.

Mit viel Humor beschreibt Safier in seinem Buch die Suche nach Liebe und dem eigenen Selbst. Besonders unterhaltsam sind die Streitgespräche, die Shakespeare in Gedanken mit Rosa führt. Mit ironischen Untertönen und einem treffsicheren Gespür für Situationskomik und menschliche Schwächen ist dies eine spannende Körpertauschgeschichte.

 

David Safier: Plötzlich Shakespeare

Rowohlt Verlag

Taschenbuch, 320 Seiten, 8,99 Euro

ISBN: 9783499268274

Mehr Informationen unter:

https://www.rowohlt.de/taschenbuch/david-safier-ploetzlich-shakespeare.html

 

Für Fantasten: Die Masken des Morpheus von Ralf Isau

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Arian, der Hauptprotagonist des Romans und von Beruf Gaukler, wird unfreiwillig zum Körpertauscher, als er in London einem alten Mann begegnet. Kurz darauf findet er sich im Körper eben jenes Alten wieder. Um in seinen Körper wieder zurückkehren zu können, muss er ihm quer durch Europa folgen. Dabei begegnet Arian eine Verbündete, die ihn aufklärt, dass ihn Morpheus, ein sehr mächtiger Körpertauscher, hereingelegt hat.

Spannend und abenteuerlich geht es bei Isau zu. Die Handlung führt von London nach Frankreich, wo die Französische Revolution im Gange ist. Gekonnt verbindet Isau belegte historische Figuren mit deiner phantastischen Erzählung. Die magischen Elemente kommen hier nicht zu kurz und fügen sich dabei aber nahtlos in die historische Szenerie ein.

 

Ralf Isau: Die Masken des Morpheus

Cbj Verlag

Hardcover, 500 Seiten, 17,99 Euro

ISBN: 9783570138359

 

Für SciFi-Fans: Das Unsterblichkeitsprogramm von Richard Morgan

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Was momentan als Netflix-Serie läuft, gibt es auch als Buch. Die Geschichte um den ehemaligen Elitesoldat und Söldner Takeshi Kovacs, dessen Geist nach einer Gefängnisstrafe mit Einlagerung fünfhundert Jahre wieder in einen neuen Körper heruntergeladen wird, fesselt nicht nur Sciene-Fiction Freunde. Denn Kovacs wird von Bancroft, einem reichen und jahrhundertealten Meth, einem Methusalem, beauftragt, dessen eigenen Tod zu untersuchen.

Während der zynische Anti-Held auf Kriminalsuche geht, spricht der Autor in seinem Buch so wichtige Themen wie Identität und Persönlichkeit, Verantwortung und Sühne, Vergänglichkeit und Ewigkeit an. Sciene-Fiction wie Krimi Elemente zeichnen ein interessantes Bild von einer Gesellschaft, die nie genug bekommen kann und deren Antwort auf das Leben konsequent Exzesse sind.

 

Richard Morgan: Das Unsterblichkeitsprogramm

Heyne Verlag

Taschenbuch, 608 Seiten, 9,99 Euro

ISBN: 9783453318656

Mehr Informationen unter:

https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Altered-Carbon-Das-Unsterblichkeitsprogramm/Richard-Morgan/Heyne/e518489.rhd#biblios

Autorin: Saskia Liske

Der Werther-Effekt und das Drama mit den Suizid-Dramen

 

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Im März 2017 erschien auf Netflix die Serie „Tote Mädchen lügen nicht“, welche den Suizid einer High-School-Schülerin thematisiert. Nach der Veröffentlichung entstand eine Diskussion darüber, ob die Thematik und Darstellung der Serie den sogenannten Werther-Effekt hervorrufen kann.

In der Serie nimmt sich die 16-jährige Hannah Baker das Leben. Nach ihrem Suizid erhält ihr Mitschüler Clay ein Packet mit Kassetten, auf denen Hannah die Gründe für Ihr Handeln erklärt. Die erste Staffel wurde von Kulturkritikern für die Thematisierung von u.a. Mobbing und Suizid gelobt. Gleichzeitig wird sie für die Darstellung von Hannah Baker und Ihren Taten scharf kritisiert, da diese zu Nachahmungen führen können.

Was ist der Werther-Effekt?

Der Werther-Effekt beschreibt einen Anstieg an Suiziden, bzw. Suiziden auf eine bestimmte Art, nachdem diese in den Medien viel Aufmerksamkeit bekommen haben. Daher wird dieses Phänomen auch als Nachahmungs- oder Imitationseffekt genannt. Der Name Werther-Effekt geht auf das Jahr 1774 zurück, als mit dem Erscheinen von Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ eine Suizidwelle, vor allem bei jungen Männern, auftrat. Das Buch wurde damals sogar zeitweise verboten.

Ein weiteres Beispiel für diesen Effekt sind die hohen Zahlen der Selbstmorde in der, damals neugebauten, Wiener U-Bahn in den achtziger Jahren. Durch die hohe Suizidrate war die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit sehr hoch, was zu häufigen und detailreichen Berichten führte, welche dann wiederum weitere Nachahmer verursachten. Um dem ein Ende zu setzten, wurde 1987 ein Leitfaden vom Kriseninterventionszentrum veröffentlicht. Der „Leitfaden über Berichterstattung von Suizid“ zeigt die Risiken von zu detailreichen Berichten auf und nennt Möglichkeiten, wie mit verringerten Gefahr berichtet werden kann. In den letzten 30 Jahren wurde der Leitfaden stetig aktualisiert und überarbeitet. Die neueste Version erschien im Mai 2017.

Berichterstattung bei Suizden

Auch in Deutschland gibt es Hinweise für die Berichterstattung bei Suiziden. Das Nationale Suizidpräventionsprogramm stellt auf seiner Webseite Informationsmaterialien zur Verfügung.  Inhaltliche stimmen diese Richtlinien mit den österreichischen weitgehend überein. Einige wichtige Punkte sind:

  • Keine Beschreibung von Tatort- und Hergang
  • Keine persönlichen Details über das Opfer nennen
  • Keine Interviews mit Angehörigen kurz nach der Tat
  • Keine Abschiedsbriefe o.ä. abdrucken
  • Keine Romantisierung oder Verurteilung der Tat

Es ist wichtig, dass suizidgefährdete Menschen sich nicht mit den Opfern identifizieren oder ein Gefühl der Verbundenheit entwickeln. Wenn z.B. der Ort und Hergang genau beschrieben wurden, könnte jemand sich auf die selbe Art das Leben zu nehmen umso im Tod nicht alleine zu sein.

Das Thema nicht totschweigen

Bei der Veröffentlichung der Leitfäden kam die Kritik auf, dass diese die Pressefreiheit einschränken. Ziel ist es jedoch nicht, die Berichterstattung zu behindern, sondern Menschen zu schützen. Nach der Einführung des Leitfadens in Österreich sind die Suizide in der Wiener U-Bahn zurückgegangen und seit damals auf einem konstanten Level. Eine weitere Möglichkeit die Suizidgefahr zu senken, ist der Papageno-Effekt. Berichte über Menschen, die Krisensituationen bewältigt haben, Lösungsansätze und professionelle Hilfsangebote können Suizide verhindern.

Seit Erscheinen der Netflix-Show sind bereits Fälle aufgetreten, die auf Nachahmung schließen lassen, was die Diskussionen über die Serie nur verstärkt hat. Aber Verteidiger der Serie sehen in den angesprochenen Themen einen wichtigen Beitrag zur Enttabuisierung. Denn es ist wichtig, über Suizid zu sprechen. Doch das bringt die Serie selbst und die Macher der Serie in einen ähnlichen Konflikt wie ihn Journalisten bei Suizidmeldungen gegenüberstehen.

Autorin: Annekatrin Franke