Spezial: Recycling – Auf den (Buch-)Leim gegangen 

Spezial: Recycling – Auf den (Buch-)Leim gegangen 

Während durch den fortwährend steigenden Papierkonsum der Ruf nach Ressourcenschonung und Recycling immer lauter wird, haben sich mehrere Methoden entwickelt um eine Zweitverwertung von Papier in unserer Überflussgesellschaft zu ermöglichen. Dabei treten jedoch vermehrt Hürden für die Branche auf, welche zum Teil noch ohne einen Lösungsansatz dastehen. 

Share Economy – Tauschen macht Spaß

Eine vor allem durch das WWW voran getriebene Entwicklung ist das zunehmende Aufkommen von Tausch- und Teilwirtschaft. Die Grundidee ist einfach: durch die Weitergabe eines ausgelesen Buches oder den Tausch dessen gegen ein anderes, soll eine Zweitverwertung stattfinden und eine unnötiger Konsum vermieden werden. Dies basiert natürlich auf den Grundlagen von Vermittlung und Vertrauen – ein Aspekt, welcher durch die mannigfaltige Auswahl von Online-Tauschbörsen gewährleistet wird.

Neben Tauschplattformen wie Bambali sind Social Media – Plattformen mit ihren lokalen Flohmarkt- sowie Verschenkgruppen durchaus geeignet ein solches Tauschgeschäft zu initiieren. Dabei spielen natürlich auch andere Medienformen wie Musik-CDs und DVDs eine Rolle, denn jeder getauschte Datenträger, der einen Neuerwerb verhindert, verhindert damit die Anschaffung weiterer nur schwer recyclebarer Ressourcen. Ein Paradebeispiel für Share Economy sind die öffentlichen Bücherschränke und eine Ausweitung dieses Netzwerkes wäre wünschenswert.

Buchherstellung in der Kreislaufwirtschaft

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© Verband Deutscher Papierfabriken e.V. 2016

Schon seit Jahren subventionieren UNO und EU Recycling-Methoden, um ein zirkulare Wirtschaft zu ermöglichen. Der angestrebte Zero Waste-Point bleibt dabei utopisch, dennoch sind Fortschritte in vielen Branchen zu erkennen. Doch in der Buchproduktion hapert es oft an durchsetzungsfähigen Methoden, die sowohl nachhaltig, als auch ökonomisch vertretbar sind. Neben der Nutzung von Altpapier oder der Entwicklung von alternativen Papiersorten (z.B. Steinpapier) kommt es bei einer „grünen“ Buchproduktion jedoch auf einige andere Faktoren an. So steigert sich zwar die Anzahl der Druckereien, welche durch erneuerbare Energien betrieben werden, doch in der Masse hat sich dies noch nicht durchgesetzt.

Auch die Verwendung von mineralölfreien Druckfarben und die Einbandgestaltung unter einer Green Chemistry-Maxime entsprechen keinesfalls der Regel. Problematisch ist auch nach wie vor das Recycling von Büchern; der Grund dafür liegt jedoch hinter dem Papier, nämlich im Buchleim. Die zumeist verwendeten Klebstoffe der konventionellen Bindearten erschweren einen abfallfreien Recyclingprozess nicht nur enorm, es gibt zudem bisher kaum Alternativmöglichkeiten, die eine entsprechende Durabilität des Druckerzeugnisses gewährleisten. Eine leimfreie Bindetechnik zu entwickeln, welche in der großindustriellen Produktion eine Alternativmöglichkeit bietet, wäre also nicht nur wünschenswert, sondern auch bitter nötig.

Autor: Tankred Hielscher

Spezial: Papierherstellung – gar nicht mal so grün

Spezial: Papierherstellung – gar nicht mal so grün

Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Kataloge, Prospekte, Werbebeilagen, Broschüren, Flyer, Kalender, Poster und Plakate – dies alles sind so alltägliche Gebrauchsgegenstände für uns, dass wir uns meist überhaupt keine Gedanken machen, wie das materielle Trägermedium, das Papier, produziert wird. Dabei ist die Papierherstellung ein spannendes Thema, besonders der Blick hinter die Kulissen beschert einige Augenöffner, denn dort ist nicht immer alles so blütenweiß wie das Endprodukt.

Steigender Papierkonsum

Seit den 70er Jahren hat sich der weltweite Papierkonsum verdoppelt – Tendenz weiter steigend. Der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland beträgt rund 250 kg pro Jahr. Damit liegen wir nur noch hinter den Finnen und Amerikaner, aber deutlich über dem weltweiten Durchschnittsverbrauch von 58 kg pro Kopf. Mit steigendem Papierverbrauch nimmt auch die ökologische Belastung weiter zu. Da die Deutschen neben dem hohen Verbrauch, zusätzlich einer der größten Papierproduzenten sind, haben wir an den Umweltbelastungen einen nicht geringen Anteil.

Papierherstellung ist ressourcen- und energieintensiv

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Papiermanufaktur. © B.Bussard, H.Dubois – Commons Wikimedia

Rohstoffe: Über 40% (2 von 5 Bäumen) des weltweiten kommerziellen Holzeinschlags gehen in die Papierherstellung. Deutschland muss diese Rohstoffe zum Großteil importieren, besonders den sogenannten Zellstoff. Woher diese im Einzelnen kommen, ist nicht immer ersichtlich. So gelangen letztlich Papiere, deren Holz zumindest zum Teil aus Raubbau und illegalen Einschlägen stammt, in den Handel. Damit ergibt sich das Hauptproblem: Überall auf der Welt, ob in Kanada, Russland, China, Indonesien und natürlich in Südamerika wurde und wird artenreicher Urwald flächenweise abgeholzt und in leblose Baum-Monokulturen umgewandelt. Eine Untersuchung vom WWF aus dem Jahr 2010 belegt den Zusammenhang: Tropenholz aus Urwäldern wurde in 19 von 51 untersuchten deutschen Kinderbüchern nachgewiesen. Die Bücher werden von deutschen Verlagen in Asien (hauptsächlich China) produziert und nach Deutschland importiert.

Energie: Die Papierherstellung ist sehr energieintensiv. Der Wasserverbrauch ist sogar so groß wie in keiner anderen Industrie. Für die Herstellung von einem Kilogramm Papier werden 100 Liter Wasser benötigt, von denen laut deutschen Herstellern bis zu 90 % wiederverwendbar sind. In den Entwicklungsländern wird dagegen das Abwasser meist ungeklärt in die Gewässer geleitet. Das ist deshalb ein großes Problem, da in diesen Ländern giftige Chemikalien eingesetzt werden.

Angesichts der Konsequenzen unseres Papierkonsums, von denen noch mehr zu nennen wären, stellt sich die Frage, was Unternehmen und jeder Einzelne dagegen unternehmen können. Verbesserungsansätze sind:

– Möglichst oft Recyclingpapier verwenden, da dieses deutlich umweltfreundlicher hergestellt wird.

– Bei Druckerzeugnissen auf Zertifizierungen wie den Blauen Engel achten.

– Konsequente Einschränkung unnötigen Papierkonsums.

Autor: Fabian Schwab