Reisen: Mit Pausanias nach Griechenland

Reisen: Mit Pausanias nach Griechenland

Griechenland ist derzeit in allen Medien. Sparkurse, Reformen und Ausschreitungen erschüttern das Land. Dieser Artikel aber beleuchtet eine Zeit, in der es noch Denaren und Sesterzen statt des Euros gab: das antike Griechenland.

Circa 115 bis 180 n. Chr. lebte der Perieget (Reiseführer) Pausanias. Im Gegensatz zu anderen Persönlichkeiten der Antike war ihm zu Lebzeiten kein sonderlicher Ruhm vergönnt. Erst Stephanos von Byzanz, ein Grammatiker im 6. Jahrhundert, erkannte den Wert von Pausanias‘ Arbeit.

Sein Werk

Pausanias Reiseziele © summagallicana.it
Pausanias Reiseziele © summagallicana.it

Pausanias schrieb zwischen 150 und 180 n. Chr. zehn Reisebücher über seine Wanderungen und Fahrten durch Griechenland. Jedes Buch beleuchtet dabei ein bestimmtes Gebiet, das er dem Leser in seiner Vielfältigkeit näher bringen möchte. Allerdings ließ er Orte seiner Reise, die ihm nicht so wichtig schienen, links liegen. Man müsse selektieren, soll er einmal gesagt haben. Innerhalb von Städten verlief seine Route immer gleich. Er ging von einer Seite durch das Zentrum zur gegenüberliegenden Seite, um dann wieder zurück zur Mitte zu kehren und so verfuhr er, bis er seiner Meinung nach alles Wichtige gesehen hatte. Sein Schreibstil zeichnet sich durch eine hohe Verständlichkeit und sehr viele emotionale Eindrücke aus. Viele Passagen sind sogar humoristisch. Beispielweise erklärte er die Tat eines olympischen Sportlers, der Selbstmord beging „für Wahnsinn als für Mannhaftigkeit“. Wie man bemerkt, kommen also historische Ereignisse aber auch Sagen und Bräuche einer Region in seinen Beschreibungen nie zu kurz. Leider erreichte er durch seine eigentümliche Art der Berichterstattung kein Publikum. Für die Gebildeten waren seine ausschweifenden Beschreibungen über die Landschaft zu viel und als ein Reiseführer taugten die Schriftrollen ebenso wenig, weil sie zu schwer und lang waren. Die Nachwelt aber ist denkbar froh über seine Ausführlichkeit, sowohl in der Beschreibung als auch in der Wiedergabe von Gehörtem.

Sein Vermächtnis

Viele bedeutende Ruinen und Plätze wären ohne Pausanias nie gefunden worden. Mithilfe seiner sehr detaillierten Beschreibungen konnte man ganze Dörfer und heilige Anlagen rekonstruieren. Außerdem hilft seine Wiedergabe von Inschriften auch heute noch die Bedeutung vieler Bauwerke zu identifizieren. So wird Pausanias mit seiner Beschreibung Griechenlands heute – zumindest unter Archäologen und Geschichtsbegeisterten – die Ehre zuteil, die ihm zu Lebzeiten verwehrt blieb. Und ich habe mir vorgenommen mich irgendwann auf die Spuren dieses sehr sympathischen Reiseführers zu begeben.

Autorin: Melanie Uhlig

Reisen: Hyggeliges Kopenhagen

Reisen: Hyggeliges Kopenhagen

Sommerzeit ist Reisezeit! Ich besuchte Ende Februar das schöne, wenn auch verregnete Kopenhagen. Schnell wurde mir klar: Die Stadt hat viel zu bieten. Nach meinem Besuch wundert es mich nicht, dass die Dänen zu den glücklichsten Menschen der Welt zählen. Neben den klassischen Touristenhotspots wollte ich mir natürlich auch ein paar Buchhandlungen anschauen.

Nyhavn © Maggy Kleinichen
Nyhavn © Maggy Kleinichen

Zuerst posierte ich jedoch mit Hans Christian Andersen und besuchte die kleine Meerjungfrau. Ich spazierte auf der Strøget, der längsten Fußgängerzone Europas, entlang. Außerdem bestaunte ich die Architektur eindrucksvoller Gebäude, wie dem Rathaus oder der Marmorkirken, und erlag dem Charme der kleinen Gässchen mit den hübschen Häusern. Einen ganzen Tag hätte ich am liebsten am Nyhavn mit seiner bunten Silhouette verbracht, in einem der vielen kleinen Cafés sitzend und das Menschengetummel beobachtend. Einen Gegenpol dazu stellte für mich das autonome Viertel Christiania dar (Fotos schießen ist hier verboten, das muss man selbst gesehen haben). Auch die Wachablöse am Schloss Amalienborg war interessant zu beobachten, wenngleich man für dieses Spektakel etwas Zeit mitbringen sollte, da jede einzelne der vielen Wachen zeremoniell abgelöst wird. Ich aß außerdem das berühmte Smørrebrød und stellte fest, dass auf jeden Fall ein voller Geldbeutel für den Besuch in Kopenhagen notwendig ist.

Wo sind die Buchhandlungen?

Café Paludan © Maggy Kleinichen
Café Paludan © Maggy Kleinichen

Buchhandlungen zu besuchen war für mich zunächst leichter gesagt als getan. Beim Bummeln durch die Straßen ward keine gesehen. Beim Blick durch die Fenster einiger Cafés fielen mir jedoch von Zeit zu Zeit Bücherregale an den Wänden auf. Zum Glück hatte ich mir bereits in Deutschland ein paar Adressen notiert. Da es in Kopenhagen an vielen Orten kostenloses WLAN gibt, war der Weg schnell gefunden. Das urgemütliche Paludan Bog & Café bestaunte ich nur von draußen. Die Wände waren voll mit Büchern; es ist in erster Linie ein Café, im Keller befindet sich jedoch ein Antiquariat. Die kleine Buchhandlung Atheneum Academic books befindet sich in unmittelbarer Nähe der Universität. Ein Buchregal, das vom Boden bis zur Decke reicht, jagt das nächste. Die Titel werden übersichtlich und vorwiegend Rücken an Rücken präsentiert. Überraschenderweise befindet sich eine weitere Buchhandlung direkt im Zentrum in unmittelbarer Nähe des Rathausplatzes, wegen einer Baustelle war diese auf den ersten Blick jedoch nicht zu sehen: Boghallen. Beim Eintreten lag eine moderne aber zugleich gemütliche Buchhandlung vor mir. Neben den Büchern, die einige wohlbekannte Titel aus deutschen Buchhandlungen zeigten, gab es unzählige schöne Non-Book-Artikel, die ich in Deutschland so noch nicht gesehen hatte. Besonders gefielen mir hochwertig bedruckte Beutel mit Moby Dick oder Tassen, auf denen Märchen mit Bildern und Textauszügen abgedruckt waren. An letzteren kam ich nicht vorbei, Rotkäppchen und Aschenputtel stehen nun in meinem Schrank. Eine besonders tolle Idee der Buchhandlung fand ich im Untergeschoss: ein auf dem Boden aufgezeichnetes Wegesystem. Die Warengruppen waren in unterschiedlichen Farben auf den Boden geschrieben worden, eine Linie in derselben Farbe führte zu den gewünschten Regalen. Verlaufen unmöglich!

Kopenhagen ist nicht nur für Bücherliebhaber eine Reise wert: Action, Gemütlichkeit und Metropolen-Feeling reichen sich hier die Hand. Ich werde diese wunderbare Stadt auf jeden Fall noch einmal im Sommer besuchen und mit dem Fahrrad bestimmt noch die ein oder andere kleine Buchhandlung entdecken.

Autorin: Maggy Kleinichen

Reisen: Auf den Spuren der Helden – Teil 2

Wenn in ein paar Wochen die Prüfungen endlich vorbei sind, geht für uns der Sommer los und damit das Reisen. Nicht nur zu den gängigen Urlaubsorten, sondern ebenso zu Locations, welche zwischen den Buchseiten liegen.

Der erste Teil Auf den Spuren der Helden war Harry Potter und somit Londons magischen Plätzen gewidmet, sowie der kleinen Chiyo, die im Kyôto des 20. Jahrhunderts zur meistgefeierten Geisha aufsteigt. Doch gibt es noch zahlreiche andere Titel, die Anregungen für eine Reise geben.

Mit Hohlbeins Unsterblichen in Rumänien

Varful Pietrosul Rodnei (Rodna-Gebirge) © Martin Kozák
Varful Pietrosul Rodnei (Rodna-Gebirge) © Martin Kozák

Andrej Delãny ist der Hauptcharakter von Wolfgang Hohlbeins 15 Bände umfassender Chronik der Unsterblichen. Auf der Suche nach dem Grund und dem Geheimnis seiner Existenz und seiner Artgenossen, lässt Hohlbein seinen Charakter quer durch das mittelalterliche Europa wandern. Unsere Reise startet im Transsilvanien des 15. Jahrhunderts, als Delãny nach dem Tod seiner Frau ins kleine Tal-Dorf Borsã zieht, um seine übrigen Verwandten und seinen Sohn Marius zu finden. Heute mittlerweile eine Stadt, liegt Borsã im Norden Rumäniens im Tal des Flusses Vișeu am Fuße des Rodna-Gebirges. Besonders stolz waren die Bewohner im ersten Band der Chroniken (Am Abgrund) auf ihre Holzkirche (zwar im Original erst 1718 erbaut), welche hier bewundert werden kann.

Die Idylle ist jedoch trügerisch, denn als Andrej in seinem Geburtsort ankommt sind seine Verwandten in einem blutigen Massaker umgekommen oder wurden verschleppt. Angezettelt hat dies ein Inquisitor der Heiligen Römischen Kirche, der nun plant die Überlebenden in die Sklaverei zu verkaufen. Delãny kann sich keinen Reim auf die Geschehnisse machen. Nur der kleine Frederic, welcher dem Massaker entkommen konnte, sowie eine seltsame (und höchst gefährliche) Begegnung mit zwei mysteriösen goldenen Rittern sind Andrejs einzige Anhaltspunkte …

Die Spur der Überlebenden führt Delãny in die Hafenstadt Constanta (Schwarzmeerküste, Rumänien). Es ist die erste große Stadt, die Andrej bis dato je zu Gesicht bekommen hat und vielleicht findet ihr hier zwischen griechischen und römischen Ruinen oder der Byzantinischen Basilika den riesigen Marktplatz, auf welchem Delãny sich so schrecklich verlief. Vielleicht aber auch den Palast des Herzogs, in dessen Kerker die Überlebenden aus Borsã ausharren.

Götter, Untote und andere Unannehmlichkeiten

Auf der Flucht vor einem osmanischen Heer und der römischen Kirche führt die Reise im 2. Band Der Vampyr weiter in die Walachei, wo Andrej Vlad III. Ţepeş‘ Verwandlung zum Vampir Dracula miterlebt. Wer mutig genug ist, kann durchaus Draculas Schloss – die Törzburg (Siebenbürgen) – oder seine Bergfestung Cetatea Poenari (nahe Arefu/Curtea de Arges) erkunden und eine Wanderung in die Karpaten unternehmen.

Die Chronik der Unsterblichen © Christin Fetzer
Die Chronik der Unsterblichen © Christin Fetzer

Wem nach Transsilvanien noch nicht genug gruselt, sollte es Andrej wie im 3. Band (Der Todesstoß) nur unter großer Vorsicht gleichtun, die heimischen Alpen (Bayern)auf den Verbleib der Werwölfe zu untersuchen. Wer auch diese Begegnung überlebt, kann Delãnys Spuren weiter durch die Bände 4 bis 15 zur Türkenbelagerung Wiens 1529 und der Belagerung Maltas, nach Konstantinopel und durch die lybische Wüste verfolgen. Oder ihr versucht es in der entgegengesetzten Richtung und befragt die Nordischen Götter nach dem gefallenen Gott Loki, den Andrej über Cádiz (Spanien) bis ins London des Jahres 1666 verfolgt, wo am 4. September des gleichen Jahres die ganze Stadt in Flammen aufgeht, als sich die Götter auf der London Bridge bekriegen. Vielleicht lüftet ihr auch das Geheimnis des Tower of London, denn etwas sehr Altes und Mächtiges lauert hier im Verborgenen …

Aufgrund von rätselhaften Propheten, verrückten Medizinern, wird von einem weiteren Besuch in Konstantinopel und ein Abstecher nach Venedig allerdings abgeraten. Habt ihr auf eurer Tour ebenfalls Andrejs bisher letzte Station (Nekropole, Band 15), die Ewige Stadt Rom, in euren Plänen bedacht: Vergesst den Petersdom, wenn ihr am Ende dieser gefährlichen Reise nicht doch noch euer Leben lassen wollt. Denn hier wimmelt es nur so von Untoten!

Wer nun immer noch der Geschichte eines Vampirs hinterherjagen, auf Spuren der Götter wandeln oder mit Werwölfen den Mond anheulen will, wäre gut beraten sich nicht unnötig mit Weihwasser, Kruzifixen, Silber oder Knoblauch zu belasten. Euch rettet im Notfall nur das vollständige Verbrennen, Köpfen, Vierteilen oder Holzpflöcke vor euren möglichen Angreifern!

In diesem Sinne: Gute Reise!

Autorin: Christin Fetzer

Reisen: Auf den Spuren der Helden – Teil 1

Reisen: Auf den Spuren der Helden – Teil 1

Sommer, Sonne, Freizeit. In wenigen Wochen beginnen die Prüfungen und wenn diese endlich vorüber sind, können wir verdient in die Semesterferien und damit in den Urlaub starten.

Einfach mit der Decke in den Park legen, mit dem Rucksack um die halbe Welt trampen oder den Hartschalenkoffer ins Flugzeug packen und sich an entfernte Sandstrände flüchten. Bücher dürfen aber im Urlaub nicht fehlen. Wir suchen die perfekte Strand- oder Parklektüre oder ein gutes Buch, was uns auf der Rucksackreise begleitet. Aber warum nur unsere Bücher als Begleiter mitnehmen? Warum nicht an die Orte reisen, die wir zwischen den Buchseiten längst schon erlebt und gesehen haben? Warum nicht den Reiserouten unserer einstigen Helden zu schicksalhaften Orten folgen?

Kyôto aus den Memoiren einer Geisha

Die Geisha © Christin Fetzer
Die Geisha © Christin Fetzer

Die einstige japanische Haupt- und Kaiserstadt Kyôto ist in jedem Fall eine Reise auf das ostasiatische Inselreich wert. Arthur Goldens Roman Memoirs of a Geisha beginnt im Japan des Jahres 1929 und erzählt die Geschichte der Fischerstochter Chiyo (später: Sayuri), die von ihrem Vater an eine Okiya – ein Geisha-Haus – in Kyôto verkauft wird. Trotz harter Arbeit, Erniedrigungen, etlichen Schicksalsschlägen und Intrigen der grausamen, aber äußerst erfolgreichen Geisha Hatsumomo durchläuft Chiyo die harte Ausbildung, wird selbst zu einer herausragenden Künstlerin und steigt zur meistgefeierten Geisha im Gion, dem Zentrum der Geisha-Kultur in Kyôto, auf. Auch heute ist Gion immer noch das Geisha-Viertel in der ehemaligen Hauptstadt und die Heimat von etwa 260 Geishas. Auf den gepflasterten, von kleinen Teehäusern gesäumten Straßen aus der Zeit des alten Japans, lassen wir uns in Chiyos Welt entführen.

In Rob Marshalls gleichnamiger Buchverfilmung sehen wir unsere junge Heldin zum Fushimi-Inari-Schrein laufen, um die Götter um ihre Gunst zu bitten. Dabei wählt sie einen von tausenden Torii (roten Torbögen) umgebenen Weg. Im Buch hingegen beschreibt Golden aus der Sicht der kleinen Chiyo jedoch einen anderen Weg: „Im Laufschritt eilte ich zur Shijo-Avenue und bis an den Ostrand von Gion, wo der Gion-Schrein stand.“ (S. 153) Der Gion-Schrein (heute: Yasaka Jinja) ist über 1 350 Jahre alt und der wohl bekannteste Shinto-Schrein in Kyôto. Nahe der Haupthalle befindet sich eine Bühne mit hunderten Laternen, die jeden Abend entzündet werden. Im Roman beschreibt Chiyo ihre Laufwege streckenweise sehr detailliert, was es leicht macht, ihr durch Kyôto zu folgen …

London mit unserem Kindheits- und Jugendheld Harry Potter

Harry Potter © Christin Fetzer
Harry Potter © Christin Fetzer

Mit unserem Kindheits- und Jugendhelden, dem Zauberlehrling Harry Potter, besuchen wir London. Etwas außerhalb starten wir in Picket Post Close, Berkshire, der Vorlage zu Ligusterweg Nummer 4 in Little Whinging, wo Harry seine weniger schönen Zeiten im Hause der Dursleys verbracht hatte. Einen weiteren Besuch ist der Londoner Zoo wert und hier ganz besonders das Reptilienhaus, wo Harry versehentlich eine Boa constrictor auf seinen Cousin Dudley loslässt. Im Hinterhof des Tropfenden Kessels (Leadenhall Market) liegt der Zugang zur Winkelgasse (Borough Market), der Shopping Area für Zauberer und Hexen. Zum Geldabheben müssen Zauberer zuvor aber natürlich noch zu Gringotts. Das Australia House stand in London Modell für die Zaubererbank. Zum Gleis 9 3⁄4 geht es am Bahnhof King’s Cross, wo der Hogwarts-Express stets am 1. September um genau 11 Uhr abfährt. Wer sich im Fach Zauberkunst unterrichten lässt, sollte sich in Filtwick’s Klassenzimmer in der Harrow School einfinden. Diejenigen mit einem Termin im Zaubereiministerium hingegen, sollten mal die Telefonzellen oder auch die öffentlichen Toiletten (ihr müsst euch runterspülen!) auf dem Great Scotland Yard, Scotland Place testen. Hingegen sollten die Millenium Bridge, St. Pauls und diverse Cafés in der Nähe vom Piccadilly Circus/Shaftesbury Avenue gemieden werden. Es kursieren beunruhigende Berichte, dass Todesser hier des Öfteren verkehren …

Weitere Anregungen folgen im Teil 2!

Autorin: Christin Fetzer