Ein flirrender Traum von Lissabon – „Inquietudo“: Autor Alexander Suckel im Lerche-Interview

Ein flirrender Traum von Lissabon – „Inquietudo“: Autor Alexander Suckel im Lerche-Interview

Man muss es nicht unbedingt lesen, so vermessen bin ich nicht. Aber es lohnt sich, weil man sich darin verlieren kann. Und auch wieder hinausfindet. Hoffentlich.

 

Am ersten Juni 2017 erschien der Debütroman „Inquietudo“ von Alexander Suckel. Grund genug, um mit dem Autor ein Gespräch zu führen, in dem er Rede und Antwort steht.

 

Klappentext zu „Inquietudo“:

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Raffinierte Spiegelspiele als passendes Cover. © Ronny Wenzel

Am Anfang steht eine unerfüllte Liebesgeschichte. Kruse, Ende zwanzig, Pianist in einer Nachtbar, begegnet der TV-Moderatorin Marcenda. Kurz darauf stirbt sie bei einem mysteriösen Autounfall. Kruse flüchtet nach Lissabon, um mit seinem Schmerz allein zu sein. Die Stadt erscheint ihm wie ein Vexierspiegel. Tatsächliche Ereignisse überlagern sich mit sonderbaren und irrealen Vorkommnissen. Er trifft auf Menschen, die längst gestorben sein müssten, und schon bald verschwimmt die Gegenwart zu einer Unform aus Träumen, Phantasien und Realem.

 

 

 

 

Leipziger Lerche: Mit Inquietudo“ haben Sie Ihren Debütroman vorgelegt. Welche Intention bestand für Sie darin, einen Roman zu schreiben und wen möchten Sie mit diesem Buch ansprechen?

Alexander Suckel: Dass es ein Roman wird oder werden könnte, war beim Schreiben nicht abzusehen. Ich wollte ein paar Geschichten zu Papier bringen, die mich umgetrieben haben. Angesprochen könnte sich fühlen, wer von Literatur mehr als bloße Beschreibung des Alltags erwartet und wer – wie die Figuren des Buches – mitunter auch nicht immer zwischen Realität und Phantasie zu unterscheiden weiß.

 

Abseits des Klappentextes – könnten Sie für unsere Leser kurz umreißen, warum man Ihr Buch unbedingt lesen sollte?

Man muss es nicht unbedingt lesen, so vermessen bin ich nicht. Aber es lohnt sich, weil man sich darin verlieren kann. Und auch wieder hinausfindet. Hoffentlich.

 

Würden Sie sich selbst mit dem Pianisten Kruse identifizieren bzw. wie viel Alexander Suckel steckt in Kruse?

Ich identifiziere mich mit all meinen Figuren, vor allem mit den Weiblichen. Und also wohnt jeder Figur ein Teil des Autors inne.

 

Gibt oder gab es in Ihrem Leben auch eine Marcenda?

Sonst gäbe es das Buch nicht.

 

Lissabon ist der Haupthandlungsort Ihres Romans. Stehen Sie in einer besonderen Beziehung zu dieser Stadt?

Ich habe dort für ein paar Monate als junger Mensch gelebt. Es ist das Ende von Europa, den Atlantik im Rücken oder vor Augen. Beides schärft den Blick fürs Wesentliche. Der Fisch ist gut, der Wein ist billig, die Menschen friedlich, die Straßen unübersichtlich und meistens scheint die Sonne. Außer zu Weihnachten. Da regnet es. Was will man mehr vom Leben?

 

In einer Stelle des Buches schreiben Sie sinngemäß, dass sowieso niemand den Unterschied zwischen einem Boogie und einem Bepob kennt. Würden Sie unseren Lesern eventuell einen kleinen musikalischen Exkurs geben?

Einen Boogie können Sie auf der Weihnachtsfeier eines Versicherungsunternehmens spielen. Mit einem Bebop sprengen Sie die Veranstaltung.

 

Wie lange hat es gedauert, bis Ihr Roman von einem Verlag angenommen wurde, oder war der Mitteldeutsche Verlag Ihre erste Wahl?

Ich habe es nur dem Mitteldeutschen Verlag zu Lesen gegeben. Das war der Beginn einer hoffentlich langen und wunderbaren Freundschaft.

 

Planen Sie bereits einen neuen Roman?

Ja.

 

Aktuell Leben Sie in Halle und Leipzig. Wo lebt es sich für Sie am besten?

Im Stau auf der A14. Ansonsten in Lissabon.

 

Zum Schluss würde ich Sie bitten, unseren Lesern vielleicht noch einen kleinen Tipp für den nächsten Theaterbesuch zu geben.

„Piraten!“ und „Ewig Jung“, zwei Liederabende am neuen Theater Halle.

 

Herr Suckel, ich danke Ihnen für Ihre Zeit und das aufschlussreiche Gespräch.

 

Über Alexander Suckel:

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Alexander Suckel, Autor von „Inquietudo“. © Anna Kolata

Alexander Suckel wurde 1969 in Halle geboren, studierte Musikwissenschaften und Opernregie in Halle und Berlin und arbeitete als Moderator und Autor fürs Radio. Seit 1995 ist er als Musiker, Dramaturg, Autor und Regisseur an vielen deutschen Theatern tätig. Außerdem lehrt er als Dozent an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie der Hochschule für Musik und Theater, Leipzig und schreibt für verschiedene Tageszeitungen und Fachzeitschriften. Suckel lebt in Halle und Leipzig.

 

 

 

 

 

 

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© Ronny Wenzel

„Inquietudo“

mitteldeutscher verlag

ISBN: 978-3-95462-914-5

EUR 12,95 (D)

208 Seiten

www.mitteldeutscherverlag.de

  

 

 

 

Autor: Ronny Wenzel

Terry Pratchett: Einfach göttlicher Humor

Terry Pratchett: Einfach göttlicher Humor

Groß A’Tuin, die Riesenschildkröte, schwebt durch das Universum. Auf ihr stehen vier Elefanten und auf deren Rücken ruht die Scheibenwelt.
Viele Leser, Hörer und Zuschauer hat Sir Terry Pratchett mit dem Leben auf dieser kleinen Welt begeistert. Auch mich.

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© wikipedia

Im Alter von 17 Jahren veröffentlichte Pratchett sein erstes Buch, „Die Teppichvölker“. Damals war er als Journalist bei einer Lokalzeitung tätig. Schon in diesem Werk wird Pratchetts außergewöhnliche Fantasie deutlich. Es gibt keine Helden, die gegen Drachen kämpfen um eine Königin zu befreien. Pratchetts Figuren sind dicke Hexen, abgedrehte, aber liebenswerte Zauberer und viele andere Persönlichkeiten, die eins gemeinsam haben: sie sind überaus originell. Viele dieser Figuren treffen sich in Ankh Morpork, der größten Stadt der Scheibenwelt. Durch sie fließt der Fluss Ankh, der so verschmutzt ist, dass man beinahe auf ihm laufen kann.
Pratchett schafft es auf humorvolle und manchmal hintergründige Weise die Klischees des Fantasy-Genre gekonnt auf die Schippe zu nehmen.

 

Die flache Welt im Universum

Auch wenn seine Scheibenwelt komplex ist, verliert der Leser nie den Überblick. Jedes Buch zeigt nur einen Ausschnitt des geschaffenen Universums. In einem steht die Stadtwache im Vordergrund, in einem anderen die Hexen Nanny Ogg und Oma Wetterwachs oder Gevatter Tod. Keiner der Figuren ist wirklich böse. Selbst der Sensenmann hat eine Menge Humor, wenn auch meist ziemlich schwarzen.

Einige Romane von Pratchett wurden auch verfilmt. Wer also zu faul zum Lesen ist, kann sich mit „The Colour of Magic“, „Hogfather“ oder „Ab die Post“ einen Vorgeschmack auf die Scheibenwelt holen. Mehr als 60 Romane hat Terry Pratchett herausgebracht, davon satte 41 über die Scheibenwelt. Er gilt nach J.K. Rowling als einer der erfolgreichsten Autoren Großbritanniens.

Pratchett und sein Ableben

Am 12. März 2015 starb Sir Terence David John Pratchett, Order of the British Empire im Alter von 66 Jahren. Ursache war das Benson-Syndrom, das einer Demenz sehr ähnlich ist. Schon 2007 gab Pratchett seine Krankheit bekannt, in den folgenden Jahren spendete er eine Million Dollar für die Erforschung von Alzheimer. Seine letzten Bücher verfasste er mit einer Spracherkennungssoftware. Sein letzter Scheibenwelt-Roman „Die Krone des Schäfers“ erschien im November 2015.

Für all seine Fans und Bewunderer wird Sir Terry Pratchett für immer im Herzen und vor allem im Bücherregal bleiben.

Autor: Melanie Uhlig

Spezial: Coming up

Spezial: Coming up

Wir lieben Bücher und wir lieben Filme. Was liegt also näher als aus Büchern Filme zu machen? Dieses Jahr war ein gutes für Verfilmungen. Vom großen Finale der Hungerspiele, über die Suche nach Margos Spuren, bis zu den Abgründen Als wir träumten war alles dabei und wurde zu großen Teilen von Bücherfreunden positiv aufgenommen.

Doch weil Winterzeit Kinozeit ist, erwarten uns auch in nächster Zeit einige Verfilmungen auf die wir Lerchen uns besonders freuen.

Das dänische Mädchen

Am 7. Januar 2016 soll die Filmadaption von David Ebershoffs Biografie über Lili Elbe in die deutschen Kinos kommen. Mit Eddie Redmayne in der Hauptrolle und einem solchen Trailer kann man großes Kino erwarten. Der Film wurde bereits bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 2015 ausgezeichnet und startet pünktlich zur Oscar-Saison.

Das dänische Mädchen erzählte die Geschichte des dänischen Künstlerehepaars Wegener. Er stellt zentrale Frage nach sexueller Identität in den späten 20er/frühen 30er Jahren des 20. Jahrhunderts und beschreibt der Weg von Einar Wegener zu Lili Elbe.

Kill your Friends

Noch ohne Starttermin in Deutschland ist die Verfilmung von John Nivens Roman Kill Your Friends. Trotz der umstrittenen Besetzung von Nicholas Hoult als Steven Stelfox, ist der Film ein Muss für jeden Fan der Vorlage.

Buch und Film zeichnen ein rabenschwarzes Porträt der britischen Musikszene der späten 1990er Jahre. Steven ist A&R-Manager bei einem britischen Major-Label. Für ihn zählen Hits, Drogen und Sex. Als seine Karriere immer mehr ins Schwanken gerät, greift er zu radikalen Maßnahmen um seine Kollegen und Freunde loszuwerden und selbst an die Spitze zu kommen.

Im Herzen der See

Obwohl der Film bereits seit dem 3. Dezember auch hierzulande im Kino zu sehen ist, darf er in dieser kleinen Liste nicht fehlen. Die Kombination von Erfolgsregisseur Ron Howard und Chris Hemsworth in der Hauptrolle musste zu einem sehenswerten Film führen und hat nicht enttäuscht.

Der Film ist an das gleichnamige Buch von Nathaniel Philbrick angelehnt. Es erzählt die wahre Geschichte des Wahlfangschiffs Essex und dessen Untergang, den der Autor überlebte. Dieselbe Geschichte lag dem Roman Moby Dick zu Grunde. Schwerpunkt des Films liegt jedoch nicht der Wal. Es wird vielmehr die Geschiche des Überlebenskampfs der Seeleute erzählt.

Also kauft euch eine große Portion Popcorn und kuschelt euch in euren Sitz. Viel Spaß im Kino!

Autorin: Amelie Müller