Aufgeschlagen: „Herzschlag der Gewalt“ von Matthias Soeder

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Als ich von einer ehemaligen Studentin der HTWK kontaktiert wurde und sie mir das Buch, den Inhalt und den Autor näher bringen wollte war ich anfangs sehr skeptisch. Der Klappentext wird dem Inhalt des Buches meiner Meinung nach nicht gerecht, denn der Leser erwartet schon fast einen 0815-Geheimagenten-Thriller mit etwas Action und Blut. Meine Kontaktperson beschrieb mir den Autor und die Hintergründe des Buches und letzten Endes bin ich neugierig geworden und wollte dem Buch eine Chance geben.

Zu dem Autor: Matthias Soeder hat die Schule des Schreibens absolviert und sein erstes großes Projekt „Herzschlag der Gewalt“ hat ihm keine Ruhe gelassen. Die Geschichte schlug Wurzeln in seinem Kopf, die so ein großes Durcheinander waren, dass der Autor die Handlungen erst einmal ordnen musste. Auch nach monatelangen Pausen und Rückschlägen, hat er sich nicht davon abbringen lassen, diesen Roman zu schreiben und dann selbst zu publizieren. Mein Interesse für das Buch läutete schlicht und einfach von der Person die dahinter steckt.

Worum geht es?

Das Buch steigt sofort brutal ein. Wir verfolgen einen Agenten in Kenia, 2010, dessen Tarnung ganz offensichtlich aufgeflogen ist. Er wird von seinen Peinigern in die Wüste gefahren, nachdem sie ihn übel zugerichtet haben und dort ausgesetzt. Der perfide Plan seiner Gegner geht auf: Ein Rudel Hyänen wittert seine Fährte, nimmt die Verfolgung auf und erledigt den Agenten schließlich, indem sie ihn bei lebendigem Leibe qualvoll auseinander reißen.

Danach springt die Handlung nach Deutschland und wir lernen eine der Hauptpersonen des Romans kennen: Alexander Hartmann. Sein Leben wird in allen Einzelheiten beschrieben und macht es dem Leser leicht, zu verstehen warum Alexander ist wie er ist. Er wird einige Umwege nehmen, bevor er seinen Job als Geheimagent annimmt. Alexander ist ein Charakter, der sein Wort hält und dem Gerechtigkeit sehr wichtig ist. Seine schwere Vergangenheit hat ihn sehr geprägt und er gehört der Sorte Mensch an, die lieber als Einzelgänger durch das Leben schreiten. Doch dann trifft er eine Frau, die sein Leben auf den Kopf stellt und für die er sein Leben ändern möchte. Doch bevor dies Wirklichkeit wird, zeigt das Schicksal sich von seiner grausamsten Seite.

Im weiteren Verlaufe des Buches wird eine zweite Person in den Mittelpunkt gerückt: Chibala. Auch ihn begleiten wir von Kindesbeinen an. Sein Leben beginnt in Mogadischu, Ostafrika. In einem Krisengebiet muss er täglich mit Tod und Leid umgehen und ein Schicksalsschlag zwingt ihn dazu die Stadt zu verlassen. Mit seinen letzten Kraftreserven flieht er in ein Flüchtlingslager. Dort angekommen lernt er Baakir kennen – die einzige Person, die ihm in seinem Leben etwas bedeuten wird.

Die Handlungsstränge springen zwischen Deutschland, Ostafrika, Kolumbien und dem arabischen Meer hin und her und der Roman spielt zwischen 1985 und 2010. Zwischendurch werden auch andere Personen die Geschichte aus ihrer Sicht mit Taten untermauern, aber Alexander und Chibala bleiben die wichtigsten Charaktere. Ihre Handlungen werden stetig spannend aufgebaut, bis sich überschneiden und aufeinander treffen. Was genau zwischen diesen beiden starken Männern, die einige Gemeinsamkeiten teilen, geschieht müsst ihr selber lesen.

Meine Meinung:

Mich hat das Buch definitiv überrascht. Die Handlung ist sehr gewaltig und wechselt häufig zwischen den Schauplätzen und Charakteren hin und her, aber dadurch bekommt der Leser einen besseren Draht zu Chibala, Alexander und den ganzen Machenschaften die sich abspielen. Das Buch sollte nicht nach seinem Klappentext beurteilt werden, denn dieser wird dem Buch bei Weitem nicht gerecht.

Matthias Soeder versteht es, den Leser mit einem guten Schreibstil zu unterhalten. Auch hat er ein Gespür dafür Spannung aufzubauen und Plot-Twists zu geeigneten, aber dennoch unerwarteten Zeitpunkten, einzuspeisen.

Natürlich gibt es hier und da Verbesserungsmöglichkeiten was den Schreibstil angeht, aber es ist ein Erstlingswerk und das sollte nicht vergessen werden. Auf einigen Blogs werden die romantischen Szenen kritisiert. Es sei offensichtlich, dass die Beschreibung dieser Szenen dem Autor unangenehm gewesen sei. Bedingt stimme ich dieser Meinung zu. Obwohl die Szenen handwerklich gut geschrieben sind, gehören sie nicht zu den Stärken Soeders, der sich besser darauf versteht Verschwörungen und brutale Szenen sehr bildlich und somit realistisch zu beschreiben. Ab den ersten 50 Seiten war ich in der Geschichte gefangen und konnte das Buch nur schwer zur Seite legen, daher ist dieses Erstlingswerk eine ausdrückliche Empfehlung. Zwar geht es des Öfteren sehr brutal zu, aber davon lebt der Roman auch zum Teil, denn meiner Meinung nach sollten solche Szenen, die in der Tat realen Bezug haben, nicht verharmlost werden.

© Matthias Soeder

 

 

Matthias Soeder: Herzschlag der Gewalt

ISBN 978-3-00-050876-9

TB, 430Seiten

13,90 €

 

 

 

Autorin: Jana Menke

Lerche Dialekt: heute Berlinerisch

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Wer kennt ihn nicht, den Berliner Dialekt. In Deutschland ist die Berliner Schnauze weit bekannt. Dabei ist vor allem der derbe, aber herzliche Humor der Hauptstädter gemeint. Mehrere hundert Jahre alt ist der Berliner Jargon und verändert sich dank seiner Bewohner stetig weiter.

Berlinerisch – eben nicht nur ein Dialekt

Dabei ist der Berliner Dialekt in Wahrheit kein Dialekt. Sprachwissenschaftlich gesehen handelt es sich nämlich um einen sogenannten „Metrolekt“, eine in großstädtischen Zentren aus einer Mischung vieler unterschiedlicher Mundarten entstehende Stadtsprache. Dadurch, dass Berlin schon recht früh eine bedeutende Handelsstadt war, siedelten sich viele verschiedene Bevölkerungsgruppen an – so auch unterschiedliche Nationalitäten, die ihre eigenen Worte und Redewendungen ins Deutsche mitbrachten.

So lassen sich dann auch verschiedenste sprachliche Einflüsse finden wie etwa Flämisch, Französisch, Polabisch (u.a. Polnisch sowie Tschechisch) und Jiddisch. Auch das Niederdeutsch der Mittelmark und das Osterländische fanden seinen Niederschlag in dem Metrolekt. Letzter Dialekt verbreitete sich in Berlin durch intensive Handelsbeziehungen mit der Stadt Leipzig.

Zwar existiert ein Brandenburg-Berlinisches Wörterbuch mit dem Wortschatz und der Grammatik der Berliner Mundart, doch gibt es keinen genauen Konsens zur schriftlichen Fixierung, da der Dialekt sehr individuell eingesetzt wird und oft stark variiert.

Berliner Lokalkolorit im Roman Alles außer irdisch von Horst Evers

Nicht nur in der Hauptstadt wird berlinert. Auch in dem Science-Fiction Roman von Horst Evers, seines Zeichens Kabarettist und Autor zahlreicher Berliner Geschichten, geht es nicht ohne die Mundart. Mit humoristischen Einlagen und großem sprachlichen Witz nähert sich Evers in seiner Gesellschaftssatire den großen und kleinen Themen Berlins und der Welt.

So wird in der Geschichte tatsächlich der Flughafen BER eröffnet. Unglaublich, aber wahr… allerdings nur für wenige Sekunden. Denn dann stürzt ein großes Raumschiff auf die Startbahnen und verhindert so das Abheben der ersten Maschine vom BER auf ihrem Jungfernflug nach New York. Und für Goiko Schulz, einem mehr oder minder erfolgreichen Mittdreißiger, beginnt die Reise seines Lebens. Zusammen mit der Fahrradkurierin Kira, einem alten russischen Zeitreiseforscher und zwei Außerirdischen sowie einem ausrangierten Raumschiff wird er zur letzten Hoffnung der Menschheit und soll mit einer Klage vor dem intergalaktischen Gerichtshof die Verschrottung der Erde verhindern.

Signora, das berlinernde Raumschiff

Hauptverkehrsmittel der ungleichen Truppe ist das verschlissene Nahverkehrsraumschiff „Signora“. Und die berlinert, was das Zeug hält und hört sich dabei an wie ein übellauniger Busfahrer der Berliner Verkehrsbetriebe.

Und das klingt dann so:

„So, die Herrschaftn, ick hoffe, ick störe jetze nich unjebührlich Ihre jepflegte Unterhaltung, aba ick hätte hier jetze denn doch mal ’n Problem, dit ooch für Sie vielleicht nich ohne Belang is.“

„Hier startet jar nüscht, solange die hintere Tür nich rischtisch zu is. (…) Und ick hab Zeit.“

Hat euch der Berliner Charme des Raumschiffs überzeugt? Dann wartet nicht auf die Eröffnung des BER. Schnappt euch stattdessen Evers komisch-satirischen Roman Alles außer irdisch (erschienen 2016 bei Rowohlt; ISBN: 978-3871348150).

Autorin: Saskia Liske

„Der Weihnachtshund“ von Daniel Glattauer

Viele lesen in der Adventszeit gern Bücher, die sie auf Weihnachten einstimmen oder davon ablenken. „Der Weihnachtshund“ kann beides. Seid gespannt auf unsere Buchvorstellung zum dritten Advent!

 

Der Autor des „Weihnachtshunds“

Daniel Glattauer ist ein österreichischer Schriftsteller. Er studierte Pädagogik und arbeitete später unter anderem als Liedermacher, Kellner, Journalist und Redakteur. Spätestens nach seinen beiden Bestsellerromanen „Gut gegen Nordwind“ (2006) und „Alle sieben Wellen“ (2009), erlangte er große Bekanntheit. Diese wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und waren außerdem als Theaterstück, Hörbuch und Hörspiel sehr erfolgreich. Im Jahr 2006 wurde Glattauer für den Deutschen Buchpreis nominiert. Sein neuester Roman „Geschenkt“ erschien 2014.

Die Handlung des „Weihnachtshunds“

Katrin ist fast dreißig und hat immer noch nicht den Mann fürs Leben gefunden. Im Gegensatz zu ihren Eltern ist sie mit der Situation aber zufrieden. Max (34) will auf die Malediven fliegen, um Weihnachten zu entfliehen. Er braucht jedoch einen Betreuer für seinen faulen Hund Kurt und schaltet deswegen eine Anzeige im Internet.

Katrin entdeckt den Suchaufruf und beschließt den Hund über die Festtage zu sich zu nehmen, um an Heiligabend, an dem gleichzeitig ihr Geburtstag ist, nicht zu ihren Eltern fahren zu müssen. Durch Kurt treffen die beiden aufeinander und kommen sich näher. Dies gestaltet sich jedoch schwieriger als gedacht, da Max seit einem traumatischen Ereignis seiner Kindheit, keine Frauen mehr küssen kann.

Unsere Empfehlung

„Der Weihnachtshund“ ist eine leichte Lektüre, die man sehr gut in der Vorweihnachtszeit lesen kann. Eine Romanze der etwas anderen Art wird durch sympathische Figuren und lustige Gespräche zur Medizin gegen jeden Weihnachtsfrust. Aufgrund der Kapiteleinteilung vom 1. bis zum 24. Dezember ist er außerdem als literarischer Adventskalender einsetzbar. Anders als der Titel vermutet, eignet sich der Roman jedoch nicht zum Vorlesen für Kinder, da der Kern des Werkes eine Liebesgeschichte darstellt und auch die Sprache für den Nachwuchs schwer verständlich ist.

Die Neuauflage des Romans kann bei Interesse, je nach Ausstattung, für 10 € oder 15,90 € bei der Verlagsgruppe Random House erworben werden.

Autorin: Janka Diettrich

Ein flirrender Traum von Lissabon – „Inquietudo“: Autor Alexander Suckel im Lerche-Interview

Ein flirrender Traum von Lissabon – „Inquietudo“: Autor Alexander Suckel im Lerche-Interview

Man muss es nicht unbedingt lesen, so vermessen bin ich nicht. Aber es lohnt sich, weil man sich darin verlieren kann. Und auch wieder hinausfindet. Hoffentlich.

 

Am ersten Juni 2017 erschien der Debütroman „Inquietudo“ von Alexander Suckel. Grund genug, um mit dem Autor ein Gespräch zu führen, in dem er Rede und Antwort steht.

 

Klappentext zu „Inquietudo“:

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Raffinierte Spiegelspiele als passendes Cover. © Ronny Wenzel

Am Anfang steht eine unerfüllte Liebesgeschichte. Kruse, Ende zwanzig, Pianist in einer Nachtbar, begegnet der TV-Moderatorin Marcenda. Kurz darauf stirbt sie bei einem mysteriösen Autounfall. Kruse flüchtet nach Lissabon, um mit seinem Schmerz allein zu sein. Die Stadt erscheint ihm wie ein Vexierspiegel. Tatsächliche Ereignisse überlagern sich mit sonderbaren und irrealen Vorkommnissen. Er trifft auf Menschen, die längst gestorben sein müssten, und schon bald verschwimmt die Gegenwart zu einer Unform aus Träumen, Phantasien und Realem.

 

 

 

 

Leipziger Lerche: Mit Inquietudo“ haben Sie Ihren Debütroman vorgelegt. Welche Intention bestand für Sie darin, einen Roman zu schreiben und wen möchten Sie mit diesem Buch ansprechen?

Alexander Suckel: Dass es ein Roman wird oder werden könnte, war beim Schreiben nicht abzusehen. Ich wollte ein paar Geschichten zu Papier bringen, die mich umgetrieben haben. Angesprochen könnte sich fühlen, wer von Literatur mehr als bloße Beschreibung des Alltags erwartet und wer – wie die Figuren des Buches – mitunter auch nicht immer zwischen Realität und Phantasie zu unterscheiden weiß.

 

Abseits des Klappentextes – könnten Sie für unsere Leser kurz umreißen, warum man Ihr Buch unbedingt lesen sollte?

Man muss es nicht unbedingt lesen, so vermessen bin ich nicht. Aber es lohnt sich, weil man sich darin verlieren kann. Und auch wieder hinausfindet. Hoffentlich.

 

Würden Sie sich selbst mit dem Pianisten Kruse identifizieren bzw. wie viel Alexander Suckel steckt in Kruse?

Ich identifiziere mich mit all meinen Figuren, vor allem mit den Weiblichen. Und also wohnt jeder Figur ein Teil des Autors inne.

 

Gibt oder gab es in Ihrem Leben auch eine Marcenda?

Sonst gäbe es das Buch nicht.

 

Lissabon ist der Haupthandlungsort Ihres Romans. Stehen Sie in einer besonderen Beziehung zu dieser Stadt?

Ich habe dort für ein paar Monate als junger Mensch gelebt. Es ist das Ende von Europa, den Atlantik im Rücken oder vor Augen. Beides schärft den Blick fürs Wesentliche. Der Fisch ist gut, der Wein ist billig, die Menschen friedlich, die Straßen unübersichtlich und meistens scheint die Sonne. Außer zu Weihnachten. Da regnet es. Was will man mehr vom Leben?

 

In einer Stelle des Buches schreiben Sie sinngemäß, dass sowieso niemand den Unterschied zwischen einem Boogie und einem Bepob kennt. Würden Sie unseren Lesern eventuell einen kleinen musikalischen Exkurs geben?

Einen Boogie können Sie auf der Weihnachtsfeier eines Versicherungsunternehmens spielen. Mit einem Bebop sprengen Sie die Veranstaltung.

 

Wie lange hat es gedauert, bis Ihr Roman von einem Verlag angenommen wurde, oder war der Mitteldeutsche Verlag Ihre erste Wahl?

Ich habe es nur dem Mitteldeutschen Verlag zu Lesen gegeben. Das war der Beginn einer hoffentlich langen und wunderbaren Freundschaft.

 

Planen Sie bereits einen neuen Roman?

Ja.

 

Aktuell Leben Sie in Halle und Leipzig. Wo lebt es sich für Sie am besten?

Im Stau auf der A14. Ansonsten in Lissabon.

 

Zum Schluss würde ich Sie bitten, unseren Lesern vielleicht noch einen kleinen Tipp für den nächsten Theaterbesuch zu geben.

„Piraten!“ und „Ewig Jung“, zwei Liederabende am neuen Theater Halle.

 

Herr Suckel, ich danke Ihnen für Ihre Zeit und das aufschlussreiche Gespräch.

 

Über Alexander Suckel:

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Alexander Suckel, Autor von „Inquietudo“. © Anna Kolata

Alexander Suckel wurde 1969 in Halle geboren, studierte Musikwissenschaften und Opernregie in Halle und Berlin und arbeitete als Moderator und Autor fürs Radio. Seit 1995 ist er als Musiker, Dramaturg, Autor und Regisseur an vielen deutschen Theatern tätig. Außerdem lehrt er als Dozent an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie der Hochschule für Musik und Theater, Leipzig und schreibt für verschiedene Tageszeitungen und Fachzeitschriften. Suckel lebt in Halle und Leipzig.

 

 

 

 

 

 

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© Ronny Wenzel

„Inquietudo“

mitteldeutscher verlag

ISBN: 978-3-95462-914-5

EUR 12,95 (D)

208 Seiten

www.mitteldeutscherverlag.de

  

 

 

 

Autor: Ronny Wenzel

Terry Pratchett: Einfach göttlicher Humor

Terry Pratchett: Einfach göttlicher Humor

Groß A’Tuin, die Riesenschildkröte, schwebt durch das Universum. Auf ihr stehen vier Elefanten und auf deren Rücken ruht die Scheibenwelt.
Viele Leser, Hörer und Zuschauer hat Sir Terry Pratchett mit dem Leben auf dieser kleinen Welt begeistert. Auch mich.

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© wikipedia

Im Alter von 17 Jahren veröffentlichte Pratchett sein erstes Buch, „Die Teppichvölker“. Damals war er als Journalist bei einer Lokalzeitung tätig. Schon in diesem Werk wird Pratchetts außergewöhnliche Fantasie deutlich. Es gibt keine Helden, die gegen Drachen kämpfen um eine Königin zu befreien. Pratchetts Figuren sind dicke Hexen, abgedrehte, aber liebenswerte Zauberer und viele andere Persönlichkeiten, die eins gemeinsam haben: sie sind überaus originell. Viele dieser Figuren treffen sich in Ankh Morpork, der größten Stadt der Scheibenwelt. Durch sie fließt der Fluss Ankh, der so verschmutzt ist, dass man beinahe auf ihm laufen kann.
Pratchett schafft es auf humorvolle und manchmal hintergründige Weise die Klischees des Fantasy-Genre gekonnt auf die Schippe zu nehmen.

 

Die flache Welt im Universum

Auch wenn seine Scheibenwelt komplex ist, verliert der Leser nie den Überblick. Jedes Buch zeigt nur einen Ausschnitt des geschaffenen Universums. In einem steht die Stadtwache im Vordergrund, in einem anderen die Hexen Nanny Ogg und Oma Wetterwachs oder Gevatter Tod. Keiner der Figuren ist wirklich böse. Selbst der Sensenmann hat eine Menge Humor, wenn auch meist ziemlich schwarzen.

Einige Romane von Pratchett wurden auch verfilmt. Wer also zu faul zum Lesen ist, kann sich mit „The Colour of Magic“, „Hogfather“ oder „Ab die Post“ einen Vorgeschmack auf die Scheibenwelt holen. Mehr als 60 Romane hat Terry Pratchett herausgebracht, davon satte 41 über die Scheibenwelt. Er gilt nach J.K. Rowling als einer der erfolgreichsten Autoren Großbritanniens.

Pratchett und sein Ableben

Am 12. März 2015 starb Sir Terence David John Pratchett, Order of the British Empire im Alter von 66 Jahren. Ursache war das Benson-Syndrom, das einer Demenz sehr ähnlich ist. Schon 2007 gab Pratchett seine Krankheit bekannt, in den folgenden Jahren spendete er eine Million Dollar für die Erforschung von Alzheimer. Seine letzten Bücher verfasste er mit einer Spracherkennungssoftware. Sein letzter Scheibenwelt-Roman „Die Krone des Schäfers“ erschien im November 2015.

Für all seine Fans und Bewunderer wird Sir Terry Pratchett für immer im Herzen und vor allem im Bücherregal bleiben.

Autor: Melanie Uhlig

Spezial: Coming up

Spezial: Coming up

Wir lieben Bücher und wir lieben Filme. Was liegt also näher als aus Büchern Filme zu machen? Dieses Jahr war ein gutes für Verfilmungen. Vom großen Finale der Hungerspiele, über die Suche nach Margos Spuren, bis zu den Abgründen Als wir träumten war alles dabei und wurde zu großen Teilen von Bücherfreunden positiv aufgenommen.

Doch weil Winterzeit Kinozeit ist, erwarten uns auch in nächster Zeit einige Verfilmungen auf die wir Lerchen uns besonders freuen.

Das dänische Mädchen

Am 7. Januar 2016 soll die Filmadaption von David Ebershoffs Biografie über Lili Elbe in die deutschen Kinos kommen. Mit Eddie Redmayne in der Hauptrolle und einem solchen Trailer kann man großes Kino erwarten. Der Film wurde bereits bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 2015 ausgezeichnet und startet pünktlich zur Oscar-Saison.

Das dänische Mädchen erzählte die Geschichte des dänischen Künstlerehepaars Wegener. Er stellt zentrale Frage nach sexueller Identität in den späten 20er/frühen 30er Jahren des 20. Jahrhunderts und beschreibt der Weg von Einar Wegener zu Lili Elbe.

Kill your Friends

Noch ohne Starttermin in Deutschland ist die Verfilmung von John Nivens Roman Kill Your Friends. Trotz der umstrittenen Besetzung von Nicholas Hoult als Steven Stelfox, ist der Film ein Muss für jeden Fan der Vorlage.

Buch und Film zeichnen ein rabenschwarzes Porträt der britischen Musikszene der späten 1990er Jahre. Steven ist A&R-Manager bei einem britischen Major-Label. Für ihn zählen Hits, Drogen und Sex. Als seine Karriere immer mehr ins Schwanken gerät, greift er zu radikalen Maßnahmen um seine Kollegen und Freunde loszuwerden und selbst an die Spitze zu kommen.

Im Herzen der See

Obwohl der Film bereits seit dem 3. Dezember auch hierzulande im Kino zu sehen ist, darf er in dieser kleinen Liste nicht fehlen. Die Kombination von Erfolgsregisseur Ron Howard und Chris Hemsworth in der Hauptrolle musste zu einem sehenswerten Film führen und hat nicht enttäuscht.

Der Film ist an das gleichnamige Buch von Nathaniel Philbrick angelehnt. Es erzählt die wahre Geschichte des Wahlfangschiffs Essex und dessen Untergang, den der Autor überlebte. Dieselbe Geschichte lag dem Roman Moby Dick zu Grunde. Schwerpunkt des Films liegt jedoch nicht der Wal. Es wird vielmehr die Geschiche des Überlebenskampfs der Seeleute erzählt.

Also kauft euch eine große Portion Popcorn und kuschelt euch in euren Sitz. Viel Spaß im Kino!

Autorin: Amelie Müller