J.K. Rowling – Zauberhafte Funfacts

J.K. Rowling – Zauberhafte Funfacts

Sie teilt sich das Geburtsdatum mit ihrem Titelhelden Harry Potter und füllte 5 Seiten eines Notizbuches, bis das Wort Quidditch entstand. J.K. Rowling, bürgerlich einfach Joanne Rowling, umhüllte die Welt mit Magie und wurde dafür mit wahnsinnigen Verkaufs- und Fanzahlen belohnt. Dass die Idee zu Harry Potter auf einer Serviette in einem Zug auf dem Weg von Manchester nach London entstand und das Manuskript des ersten Buches von 12 Verlagen abgelehnt wurde, dürfte mittlerweile jeder schon einmal irgendwo gehört haben. Wir haben heute jedoch noch ein paar andere, vielleicht bisher eher unbekannte Fakten über die Erfolgsautorin.

© Daniel Ogren, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15164977
© Daniel Ogren, CC BY 2.0, wikipedia

Die 1965 geborene Joanne Rowling las und schrieb schon als Kind gern. So ist es nicht überraschend, dass sie bereits im zarten Alter von 6 Jahren ihre erste eigene Geschichte schrieb, die von einem Kaninchen mit Masern handelte. In der Schule war sie eine gute Schülerin, später sogar Schulsprecherin. Auf ihrem 11-jährigen Selbst basierend entstand später die Figur der Hermine Granger.

Nach ihrem Studium (Französisch und Klassische Altertumswissenschaften) arbeitete J.K. Rowling in mehreren Büros, unter anderem auch für Amnesty International in London. Dass sie 1990 den Einfall zu Harry Potter hatte, verdanken wir dem Fakt, dass sie 1989 zu ihrem Freund nach Manchester zog und so den Zug nach London nehmen musste.

Aus Joanne wird J.K.

Als während ihrer anschließenden Arbeitslosigkeit das Manuskript des ersten Buches vom Bloomsbury Verlag angenommen wurde, gab man Rowling noch den Rat, sich trotzdem weiterhin einen Job zu suchen, da man mit Kinderbüchern nicht viel Geld verdienen könne – die Startauflage von Harry Potter und der Stein der Weisen betrug auch gerade einmal 500 Exemplare. Außerdem wurde vermutet, dass Jungen ein von einer Frau geschriebenes Buch wohl eher nicht gern lesen würden. So kam es schließlich zu der Nutzung der Initialen J.K. Das K lieh sich Rowling dabei von ihrer Großmutter Kathleen.

© news.sina.com
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Als der Erfolg anstieg und Rowling die Vermarktungsrechte an Time Warner verkaufte, setzte sie sich stark dafür ein, dass Harry Potter kein Zeichentrickfilm wurde und die Hauptrollen nicht durch US-amerikanische Schauspieler besetzt wurden. Auch lehnte sie den Vorschlag Michael Jacksons ab, aus der Buchreihe ein Musical zu machen.

Außer den Harry Potter Büchern veröffentliche Rowling natürlich auch noch The Casual Vacancy, einen Roman für Erwachsene. Doch wusstet ihr schon, dass sie unter dem Pseudonym Robert Galbraith auch eine Kriminalreihe schrieb? Die beiden bisher erschienenen Titel heißen The Cuckoo’s Calling und The Silkworm.

Rowling und ihr Engagement 

J.K. Rowling gilt als eine der reichsten Frauen Großbritanniens und das sogar noch vor Queen Elisabeth II. Diesen Reichtum nutzt sie unter anderem als Präsidentin der schottischen Multiple-Sklerose-Gesellschaft. Mehrfach stiftete sie bisher große Summen, um so die Erforschung und Heilung dieser Krankheit zu unterstützen, nachdem sie ihre Mutter an die Krankheit verloren hat. Für dieses Engagement erhielt Rowling den Ehrendoktortitel der University of Aberdeen. Des Weiteren rief Rowling eine Kindergesundheitsorganisation namens Lumos ins Leben und ruft immer wieder für Spenden auf. Politisch engagiert sie sich beispielsweise gegen die Unabhängigkeit Schottlands, gegen Rassismus und für die Aufnahme von Flüchtlingen. Dies tut sie zum Beispiel verstärkt auf Twitter.

Weitere Funfacts rund um das Harry Potter Universum:

  • Habt ihr euch schon einmal gefragt, warum der Hogwarts Express gerade von der King’s Cross Station abfährt? Weil sich Rowlings Eltern dort kennengelernt haben!
  • Während der schweren Phase nach ihrer Scheidung und geplagt durch ihre Arbeitslosigkeit verfiel Joanne Rowling einer Depression, welche später als Inspiration für die Dementoren diente.
  • Quidditch basiert auf ihrer Lieblingssportart: Basketball!
  • Hagrid basiert auf einem Hells Angels Biker, den sie einmal traf.
  • Rowling würde sich für das Haus Gryffindor entscheiden, da sie Courage mehr schätzt als alles andere.
  • Der Tod Hedwigs sollte das Ende von Harrys Kindheit darstellen.

Wer übrigens mal in dem Hotelzimmer übernachten möchte, in dem J. K. Rowling das letzte Buch der Harry Potter Reihe beendet hat, sollte sich Zimmer 552 des Balmoral Hotels in Edinburgh mieten. Dort findet man eine Marmorbüste mit der Inschrift „JK Rowling finished writing Harry Potter and the Deathly Hallows in this room (552) on 11th Jan 2007.“ Dieser Spaß kostet auch nur circa schlappe 1000 Pfund.

Auch in einer Folge der Simpsons konnte man J. K. Rowling übrigens bereits sehen. Natürlich von ihr persönlich synchronisiert!

Zauberhaft!

 

Autorin: Cindy Schulze

Spezial: Black Beauty

Spezial: Black Beauty

„Menschen sind nicht nur Pferden gegenüber gedankenlos. Sie sind auch grausam zueinander.“ (Black Beauty, Verfilmung 1994)

Der schwarze Hengst mit dem weißen Stern ist das wohl bekannteste Pferd der Literatur und zählt zu den Klassikern der Jugendbücher. Dabei ist die Verfilmung der Geschichte von Black Beauty definitiv kein fröhliches Pony-Märchen für kleine Mädchen, sondern eine nachdenkliche Erzählung, deren Grausamkeit gerade in ihrer Schlichtheit liegt.

Die Verfilmung (1994)

Black Beauty wird von dem (erfolglosen) Rennpferd Docs Keepin Time dargestellt. © cinema.de
Black Beauty wird von dem (erfolglosen) Rennpferd Docs Keepin Time dargestellt. © cinema.de

Anna Sewells Klassiker Black Beauty – The Autobiography of a Horse inspirierte zu zahlreichen Filmen und Serien. Als am gelungensten gilt die Verfilmung aus dem Jahr 1994 unter der Leitung von Caroline Thompsen. Ihre Adaption ist eine der wenigen Pferdefilme, die nicht für kleine Mädchen gedreht wurde. Daher rutscht sie nicht ins Kitschige ab und kann so das hohe Niveau des Films über die vollen 88 Minuten halten. Wundervoll und schockierend zugleich, spiegelt Black Beauty die grausamen Zustände der (Arbeits-)Pferde im 19. Jahrhundert wieder.

Black Beauty erzählt seine Geschichte – sowohl im Roman, als auch im Film – von dem Moment seiner Geburt an in autobiografischer Form, was emotionale Nähe schafft. Der schwarze Hengst wächst wohlbehütet auf der Farm des Bauern Grey (Sean Bean) auf und verlebt hier eine unbeschwerte Jugend.

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Freunde fürs Leben: Black Beauty und Joe © cinema.de

Nach seiner Ausbildung zum Reitpferd wird der Rappe nach Birtwick Park, an Squire Gordon (Peter Davison) und seine Familie, verkauft. Schnell wird das Pferd durch seinen hervorragenden Charakter zum Liebling des Squires, seiner kränklichen Frau (Rosalyn Ayres) und des Stallmeisters John Manley (Jim Carter). Eine besondere Freundschaft entwickelt Black Beauty zu dem frechen Pony Merrylegs, der störrischen Fuchstute Ginger und dem Stallburschen Joe Green (Andrew Knott).

Die schöne Zeit in Birtwicks Park ist aber leider nur von kurzer Dauer. Die fortschreitende Krankheit von Mrs. Gordon zwingt die Familie England zu verlassen. Ginger und Black Beauty werden an Lord Wexmire (Peter Cook) und seine Frau verkauft. Beide Pferde leiden unter Mrs. Wexmires Faible für die damalige Mode (z. B. Aufsatzzügel) und werden zu Schande geritten, bis der schwarze Hengst schließlich von Ginger getrennt und weiterverkauft wird. Zunächst an einen Pferde-Vermieter. Später an einen Händler, der den Rappen auf einen Pferdemarkt bringt.

Hier erblickt Black Beauty seinen alten Freund, den nun älter gewordenen Stallburschen Joe (nun von Ian Kelsey gespielt), aus Birtwick Park, doch der junge Mann sieht den Rappen nicht und verlässt die Auktion. Black Beauty ist am Boden zerstört. Gekauft wird er letztendlich von dem Droschken-Fahrer Jerry Barker (David Thewlis). Dieser bringt den Hengst mit sich nach London, wo Black Beauty endlich Ginger wiederfindet. Doch währt die Wiedersehensfreude nicht lange. Ginger wurde sehr schlecht behandelt. Sie ist mager, schwach und hat jeglichen Lebensmut verloren. Black Beauty sieht seine Freundin nur noch ein einziges Mal: Tod auf einen Karren. Die Stute ist an Erschöpfung gestorben.

Die Arbeit als Droschken-Pferd nimmt Black Beauty arg mit. Nachdem er abermals verkauft wird, zieht er noch 2 Jahre die schweren Ladungen eines Getreidelieferanten, bevor er vollends zusammenbricht. Black Beautys letzte Station soll der Schlachter sein, aber selbst das ist dem schwarzen Hengst mittlerweile gleichgültig. Nur eine bekannte Stimme weckt noch einmal seine Lebensgeister: Die des einstigen Stallburschen der Gordons, Joe Green, der den Rappen trotz seines miserablen Zustandes wiedererkennt.

In Black Beauty (1994) paaren sich eindrucksvolle Naturaufnahmen mit liebevollen Details, authentischen Tieraufnahmen und sehr guten menschlichen Darstellern. Zusammen mit der Musik von Danny Elfman entstand so einer der wohl schönsten, rührendsten und zeitgleich traurigsten (Pferde-)Filme.

Das Buch (1877)

 

Der Aufsatzzügel - Das Pferd wird gezwungen, den Kopf unangenehm hochzutragen, damit es "ausdrucksvoll" aussieht. © bitlesshorse.blogspot.com
Der Aufsatzzügel – Das Pferd wird gezwungen, den Kopf unangenehm hochzutragen, damit es „ausdrucksvoll“ aussieht.
© bitlesshorse.blogspot.com

Die Autorin Anna Sewell war selbst durch eine Beinverletzung stets auf die schönen Tiere angewiesen und lernte sie so bereits in jungen Jahren zu schätzen. Doch die Umstände im 19. Jahrhundert waren katastrophal. Pferde wurden gar nicht als Lebewesen wahrgenommen und bis in den Tod ausgenutzt. Modische Erscheinungen, wie z. B. Aufsatzzügel oder das Kupieren, quälten sie, schadeten ihnen, nur um „ausdrucksvoll“ auszusehen.

Black Beauty – The Autobiography of a Horse wurde 1877 veröffentlicht und blieb Sewells einziger Roman. Der Verkauf des Buches brach sämtliche Rekorde und Black Beauty wurde zum “sixth best seller in the English language“.

Sewells Beschreibungen der Aufsatzzügel und der miserablen Pferdehaltung löste eine Welle Empörung in der Öffentlichkeit aus und mobilisierte Tierschutzorganisation in ganz England und den Vereinigten Staaten. In der Encyclopedia of Animal Rights and Animal Welfare nennt Bernard Unti Anna Sewells Black Beauty sogar„the most influential anticruelty novel of all time“.

 

„Wir können uns die Menschen in unseren Leben nicht aussuchen. Für uns ist alles Glückssache.“ (Black Beauty, Verfilmung 1994)

 

Sowohl im Buch, als auch in der Verfilmung von 1994 erzählt uns der schwarze Hengst eine leise Geschichte von Vertrauen, Vertrauensbruch und der Gedankenlosigkeit der Menschen.

Autorin: Christin Fetzer

Spezial: Sieben Jahre in Tibet

Spezial: Sieben Jahre in Tibet

Ein Film, der Aufsehen erregte. Mit der Buchverfilmung „Sieben Jahre in Tibet“ wurden Hintergründe zu dem Mann aufgedeckt, der als Dalai Lama- Lehrer in die Geschichte einging.

© images.google.com
© images.google.com

Schon im Jahre 1956 wurde die Geschichte von Heinrich Harrer in Form eines Dokumentarfilms beleuchtet. Dieser befasst sich allerdings mehr mit Tibet und seiner Kultur, als mit dem Menschen, der diese aufsuchte. Als Jean-Jacques Annaud, unter anderem bekannt durch „Der Name der Rose“, begann für seinen nächsten Film zu recherchieren, war ihm nicht klar, was er damit ans Tageslicht befördern würde.

Der Film beleuchtet die Geschichte des österreichischen Bergsteigers Heinrich Harrer, der, nach einer gescheiterten Expedition zum Nanga Parbat, auf abenteuerlichen Umwegen zum Lehrer und Freund des 14. Dalai Lama wurde.

Das wirkliche Sein

Annauds Inszenierung sollte allerdings kein Dokumentarfilm werden, sondern eine Autobiografie. Dazu suchte er sich hochrangige Schauspieler, zum Beispiel Brad Pitt als Heinrich Harrer. Dessen autobiografisches Buch war allerdings sehr sachlich geschrieben und ließ kaum hinter die Fassade des Mannes blicken. Also recherchierte das Filmteam zusammen mit ORF-Redakteur Gerald Lehner selbst und stieß auf Erstaunliches. Die Expedition zur Bezwingung des höchsten Berges im Westhimalaya, dem Nanga Parbat, wurde unter anderem von den Nationalsozialisten finanziert. Harrers Beitritt in die Sturmabteilung (SA) erfolgte schon im Oktober 1933, 1937 schloss er sich der SS und der NSDAP an. Er wurde Sportinstrukteur der SS und hatte damit den Titel des Oberscharführers inne. Außerdem bekamen er und seine Kameraden für das Bezwingen der Eiger-Nordwand in den Berner Alpen ein Foto von Adolf Hitler mit persönlicher Widmung. Diese Nähe zum NS-Regime verschwieg Harrer in seinem Buch. Auch im Film wird dieser Bezug kaum beleuchtet.

Der trügerische Schein

Der Filmanfang zeigt Harrer vor dem Zug, der ihn zum Himalaya bringen wird. Nur widerwillig zeigt er den Hitlergruß, es scheint, als wäre er dem NS-Regime abgeneigt. Auch seine Arbeit als Sportinstrukteur der SS wird nie erwähnt, ebenso sind die Szenen der sportlichen Ertüchtigung mit den Bewohnern Tibets im Film nicht gezeigt. Das wäre unter anderem eine Möglichkeit gewesen Harrers Beziehung zum Nationalsozialismus zu verdeutlichen. Allerdings wurden, nachdem Dokumente zur nationalsozialistischen Vergangenheit auftauchten, Filmausschnitte und Dialoge verändert, beispielsweise Hakenkreuzfahnen gezeigt. Weitere Funde Gerald Lehners brachten ebenso eine CIA-Mitarbeit Harrers zum Vorschein, in dem es um geheime Missionen im Zusammenhang mit dem Dalai Lama ging.

So viel Harrer auch, teilweise zufällig, geleistet hat, so viel hat er auch verschwiegen. Der Film von Jean-Jacques Annaud ist – mit den für die Traumfabrik Hollywood typischen Abstrichen – großartig, das Buch allerdings ist mit Vorsicht zu genießen. Denn so viel Held, wie man früher glaubte, war Harrer nicht.

Autorin: Melanie Uhlig

Spezial: Stolz und Vorurteil

Spezial: Stolz und Vorurteil

„Nur die tief empfundene Liebe wird mich vom Ehestand überzeugen und daher werde ich als alte Jungfer enden.“

Zu sagen, dass der Roman Stolz und Vorurteil von Jane Austen meine Vorstellung von starken weiblichen Hauptfiguren geprägt hat, ist eine regelrechte Untertreibung. Kratzbürste Frauen, die sich gegen widrige Lebensumstände auflehnen, haben mich seit meiner ersten Begegnung mit Elisabeth Bennet und Mr. Darcy begleitet. 

Während die Hollywood-Verfilmung sowie die BBC-Serie des Klassikers im Allgemeinen sehr bekannt sind, möchte ich mich einer Umsetzung widmen, die meine Liebe zum Stoff noch zusätzlich geschürt hat: The Lizzie Bennet Diaries.

„My name is Lizzie Bennet, I am single and that is perfectly okay.“

Das Buch zur Webserie © Touchstone
Das Buch zur Webserie © Touchstone

Im Rahmen ihres Studiums der Massenkommunikation startet Lizzie Bennet mithilfe ihrer besten Freundin Charlotte Lu einen Videoblog, in dem sie Absurditäten aus ihrem Familienleben zum Besten gibt und von den Anstrengungen des Lebens als Studentin erzählt. Nachdem der Zuschauer die gesamte Familie kennen gelernt hat, dauert es nicht lange bis der Wahnsinn – in Form von Lizzies Mutter und ihren Bemühungen, ihre Kinder möglichst reich (und bald!) zu verheiraten –  seinen Lauf nimmt.

Während sich Lizzies ältere Schwester Jane Hals über Kopf in den gut betuchten und frisch zugezogenen Nachbarn verliebt, kann Lizzie ihre Verachtung für dessen besten Freund und ständigen Begleiter Darcy nur schwer verbergen. Bereits ihr erstes Zusammentreffen steht unter einem schlechten Stern, welches Lizzie als „most awkward dance ever“ bezeichnet und so versucht sie ihr Bestes, ihre Schwester und deren Liebelei zu unterstützen, Darcy minder erfolgreich aus dem Weg zu gehen und gleichzeitig ihr Studium abzuschließen.

„What if he is gay? What if he is a serial killer? What if he is a gay serial killer?“

Mit The Lizzie Bennet Diaries haben Bernie Su und Hank Green eine Webserie geschaffen, die auf Youtube regelrecht wie eine Bombe eingeschlagen ist. Die Episoden erzielten Aufrufe in einer Höhe von 500.000 bis zwei Millionen Views. Auch jetzt kann man in den Kommentaren der einzelnen Episoden verfolgen, dass immer noch neue Zuschauer dazustoßen. Die erste Folge erschien am 9. April 2012 und mit dem Upload der 100. Folge am 28. März 2013 gilt die Serie als abgeschlossen. Doch durch Auskopplungen wie The epic adventures of Lydia Bennet und Welcome to Sanditon wird die Welt rund den klassischen Stoff immer wieder erweitert. Zudem wurden Kommentare der Zuschauer von den Charakteren in Q&A-Videos oder auf angeschlossenen Social Media Profilen beantwortet.

„I just can’t properly express what an infuriating douchebag that guy is.“

Was die Serie zu einem Erlebnis macht, ist ihre bis dahin unvergleichbare Umsetzung. Während die BBC-Serie und die Hollywood-Verfilmung in ihren Umsetzungen sehr nah am klassischen Stoff sind, interpretieren die Drehbuchautoren die Handlung des Buches in der Webserie völlig neu. Darcy ist nicht mehr der gut betuchte Landherr, bei dem keiner so richtig verstanden hat, woher sein Wohlstand kommt. Hier führt er erfolgreich das Medienunternehmen Pemberly Digital, bei dem seine Schwester Georgiana, „Gigi“ genannt, als Grafikdesignerin angestellt ist. Auch der Skandal um Lydia, Lizzies jüngere Schwester, findet ein Pendant des 21. Jahrhunderts und sorgt für eben so viel Trubel in der Familie Bennet. Zudem merkt man den Schauspielern an, dass sie die Freiheiten der Plattform genießen. Belohnt wurden sie mit zahlreichen Streamy Awards und einem Primetime Emmy Award.

Die Serie ist nach wie vor auf dem Youtube-Channel The Lizzie Bennet Diaries zu sehen.

Autorin: Beatrix Dombrowski

Gastbeitrag: Aus dem Alltag eines Foodbloggers

Kochen hat mich schon immer begeistert. Es hat mir stets Spaß gemacht mit meiner Mama oder Oma in der Küche zu stehen und später dann Freunde und Familie mit Selbstgekochtem zu verwöhnen. Als „Digital Native“ hab ich aber auch viel Spaß an „diesem Internet“, sodass es irgendwann recht nah lag, diese beiden Interessen zu verbinden und daraus einen Foodblog zu machen. So entstand mein Blog marsmaedchen.net, auf dem ich über gesunde Ernährung, Sport und Nachhaltigkeit blogge.

Anfangs gab es auf meinem Blog nur Rezepte, die aber nach und nach durch andere Themen ergänzt wurden. Mein Blog spiegelt meine Interessen und Leidenschaften wieder und dazu gehört mehr als nur Kochen. Die freie Themengestaltung ist gerade das Schöne an einem Blog.

© Melanie Fankhänel

Jede Woche erscheint mindestens ein neuer Beitrag – so zumindest die Theorie. Manchmal kommen mein Job, die Uni oder andere Projekte, wie das von mir organisierte FoodBloggerCamp, dazwischen. Ein Blog ist ein zeitintensives Hobby und bis ein fertiger Beitrag online geht, muss erst einmal eine Menge passieren: Zuerst erstelle ich mir eine Art „Redaktionsplan“ mit den Artikeln, die ich in den nächsten Wochen veröffentlichen möchte und versuche diese Themen dann zu ordnen und zu strukturieren, damit auf dem Blog Abwechslung herrscht.

Dann geht es ab in die Küche, denn ein Foodblog braucht entsprechende Rezepte. Meine Inspiration ziehe ich aus Kochbüchern oder anderen Blogs. Da ich aber oft vergesse, wo ich das entsprechende Rezept gesehen habe, muss ich fast immer experimentieren. Bis das Rezept „blogreif“ ist, braucht es manchmal zwei bis drei Versuche. Gerade bei Backwerken muss an den Rezepte gefeilt werden, bis mir alles gefällt, denn Rezepte, die nicht funktionieren oder schmecken, werden bei mir nicht veröffentlicht. Das fertige Gericht fotografiere ich dann. Manche Foodblogs sind super durchgestylt und die Bilder könnten so in jedem Kochbuch stehen. Ich mag es jedoch lieber puristisch und schlicht.

Anschließend muss der Blogpost noch verfasst werden. Hierfür suche ich erst einmal panisch nach meinen Notizen mit dem Rezept – die gehen nämlich auch gern einmal verloren.

Hummus mit Kräutern © Melanie Fankhänel
Hummus mit Kräutern © Melanie Fankhänel

Aber Bloggen ist nicht nur Arbeit. Ein Blog ist vor allem ein tolles Medium, um sich auszutauschen und der schönste Blogger-Moment ist, wenn man eine Nachricht von einem Leser bekommt, der von einem Rezept begeistert ist. Ein weiterer schöner Nebeneffekt sind Kooperationen mit Unternehmen. Fast täglich trudeln in der Marsmädchen-Zentrale Anfragen von Firmen ein, die sich auf meinem Blog präsentieren wollen. Die wenigsten passen aber wirklich zum Inhalt des Blogs, sodass ich im Schnitt mit nur etwa ein bis zwei Firmen pro Monat kooperiere. Dabei sind aber schon tolle Erlebnisse entstanden: Beispielsweise eine kulinarische Tour durch München mit einem Knödel-Hersteller.

Ich hoffe, ich konnte einen kleinen Einblick in das Leben als Foodblogger geben und vielleicht kocht der ein oder andere Lerchen-Leser ja eines meiner Rezepte nach.

Autorin: Melanie Fankhänel von marsmaedchen.net

Essen: Alternative Foodblogs

„Und was kann ich dann noch essen?“

Diese Frage habe ich mir gestellt, als ich erfuhr, dass ich an Fruktosemalabsorbtion erkrankt bin. Bei dieser Nahrungsmittelunverträglichkeit kann der Darm nur mit einer geringen Menge Fruktosezucker umgehen. Ein echtes Problem, denn in der deutschen Küche sind Äpfel und Tomaten omnipräsent, zwei fruktosereiche Nahrungsmittel.

KochTrotz

Foodblogs als Antwort! © Cindy Schulze
Foodblogs als Antwort! © Cindy Schulze
Während zur Zeit meiner Diagnose Foodblogs noch nicht in der Mitte der Internetcommunity angekommen waren, bieten sie heute eine einfache Möglichkeit, um Tipps rund um das Thema Nahrungsmittelunverträglichkeiten und -allergien zu finden.

Der wohl bekannteste Foodblog in dieser Kategorie heißt kochtrotz.de und wird seit September 2010 von Stefanie Grauer-Stojanovic betrieben. Mit einer Vielzahl an Intoleranzen und Allergien ausgestattet kreiert sie abwechslungsreiche Gerichte und legt Altbekanntes neu auf. Rezepte wie schwarzer Sesamkuchen und Kokosmuß helfen schnell über den Verlust von herkömmlichen Leckereien hinweg.

Seit die Autorin ihre Ernährung 2013 vegetarisch und vegan umgestellt hat, findet der Blog auch in dieser Zielgruppe großen Anklang. Laut eigener Aussage rangiert die Seite unter den 20 beliebtesten deutschen Foodblogs.

Im April 2015 erschien das erste Kochbuch zum Blog unter dem Namen „KochTrotz – Kreativ genießen trotz Einschränkungen, Intoleranzen und Allergien“ im foodhacker Verlag. Vorgestellt werden 70 Rezepte, welche je nach Bedarf variiert werden können.

Lecker Ohne

Mein erster Anlaufpunkt war jedoch lecker-ohne.de. Die Seite setzt sich aus einer Koch-Community im Stile von Chefkoch und einer Einführung in die Besonderheiten der Intoleranzen, Allergien und Einschränkungen zusammen. Auch Patientien mit Beschwerden wie Mukoviszidose, Rheuma und Mangelernährung finden hier Anregungen für ihren Ernährungsplan.

Gegründet wurde die Seite von Alexandra Hirschfelder und Sabine Offenborn, beide zertifizierte Diätassistentinnen.

Durch einerseits professionell untersuchte und mit Gütesiegel ausgestattete Rezepte, welche die Verträglichkeit garantieren, und anderseits abwechslungsreiche Beiträge von Nutzern, ist eine umfangreiche Datenbank für jegliche Einschränkung entstanden. Mein persönlicher Favorit ist der supercremige fruktosefreie Schokoaufstrich, der auch häufig von meiner gesunden Bekanntschaft nachgefragt wird.

Im Februar 2015 erschien das Buch „Lecker ohne… Fruktose: Genussvoll essen trotz Fruktoseunverträglichkeit.“ in der Schlüterschen Verlagsgesellschaft. Es gibt einen Überblick über die Beschwerden und zeigt die Verträglichkeit von Nahrungsmittel auf. Daneben werden die besten Rezepte für jede Mahlzeit vorgestellt.

Ein Leben ohne Rezepte aus dem Internet? Nein danke!

Fest steht: Ohne Projekte wie KochTrotz oder Lecker Ohne kann man als Betroffener ganz schön ratlos sein, wenn Allergien und Intoleranzen diagnostiziert werden. Viele Fachärzte können zwar eine Diagnose stellen, kennen sich aber mit der Umsetzung der nötigen Diät nicht aus. Helfen können Diätassistenten und Ernährungsberater, welche gerade im Zusammenhang mit Kreuzallergien (mehrere Einschränkungen treffen aufeinander) wichtig sind. Wohnt man aber weit ab vom Schuss, ist das Internet meist die einzige Informationsquelle. Foodblogs und Koch-Communities helfen den Betroffenen sich gegenseitig zu unterstützen, schüren die Kreativität und verhindern Verzagen, auch wenn die neuste Leckerei mal wieder auf den Magen schlägt.

Autorin: Beatrix Dombrowski

Essen: Die Geschichte des Kochbuchs

Essen: Die Geschichte des Kochbuchs

In den kommenden Wochen dreht es sich hier auf dem Blog um eine unserer Lieblingsbeschäftigungen schlechthin: das Essen. Im Zuge des Kochbuch-Booms der letzte Jahre gibt es bei der Vielzahl der Rezepte nichts, was es nicht gibt. Um den Einstieg in das Thema mit etwas Vorwissen zu bereichern, geht es diese Woche erst einmal auf eine Reise in die Geschichte des Kochbuchs in Deutschland.

Wir befinden uns im Mittelalter, im Jahr 1350, in dem das älteste erhaltene Kochbuch Deutschlands daz buch von guter spîze erschien, damals noch ganz typisch als Teil eines Medizinbuchs. Auf die erste eigenständige Rezeptsammlung hingegen wartete man bis ins Jahr 1485, wo Peter Wagner in Nürnberg die Küchenmaysterey herausgab. Die Rezepte, noch ohne jegliche Mengenangaben, richteten sich an Köche der feinen Küche, wie sie an Höfen von Grafen und dem gehobenen Bürgertum zu finden waren. Noch bis in das Jahr 1674 lassen sich Nachdrucke dieses Werkes nachverfolgen.

Von der Hausväter- zur Hausfrauenliteratur

Kochbücher für jeden Geschmack © Beatrix Dombrowski
Kochbücher für jeden Geschmack © Beatrix Dombrowski

Mit der Zeit entwickelte sich aus den bis dato eher anspruchsvollen Rezeptbüchern die sogenannte Hausväterliteratur. Da Kochbücher sich meist noch an Männer richteten und eben diese Haus und Hof verwalteten und lesen konnten, enthielt die Literatur neben Rezepten fortan auch Tipps und Tricks rund um das Anwesen, zum Beispiel die richtige Säzeit für das Gemüse im Garten.

Um so weiter wir uns in der Geschichte fortbewegen, desto mehr erstarkte auch das Bürgertum. Allgemeine Schulbildung ebnete nun auch Frauen den Weg zur Literatur und machte so im Einklang mit der bürgerlichen Küche immer mehr Hausfrauen zu Kochbuchautorinnen. Die Hauswirtschaft fand Einzug in ihre Werke und dank dem Kochbuch als beliebtes Hochzeitsgeschenk stiegen die Auflagen weiter. Ein Beispiel dafür ist das 1791 erschienene Neue Kochbuch von Luise Löffler, welches bis ins 20. Jahrhundert hinein 38 Auflagen hatte. Wohl auch dank der vereinheitlichten Maße und Gewichte, welche zusammen mit Umrechnungstabellen nach der Reichsgründung ein fester Bestandteil von Kochbüchern wurden.

Der größte Bestseller des 19. Jahrhunderts

Das praktische Kochbuch, erschienen 1845, war das erfolgreichste Rezeptbuch des 19. Jahrhunderts. Nach mehr als 8 Jahren des Kochens, Sammelns und Verfeinerns veröffentlichte der Bielefelder Verlag Velhagen & Klasing das Erstlingswerk von Henriette Davidis. Bis zu ihrem Tode im Jahr 1876 gab es 56 Auflagen mit bis zu 40.000 Exemplaren, sogar in Milwaukee (USA) erschien es 1879 in deutscher Sprache, mit angepassten amerikanischen Maßen und Zutaten.

Auch nach Ablauf der Schutzfrist im Jahr 1906 vermarkteten viele Verlage das Werk in bearbeiteten Versionen weiter.

Entwicklung bis ins 21. Jahrhundert

Noch bis in das 20. Jahrhundert hinein fehlten den Kochbüchern exakte Mengen- und Temperaturangaben. Doch mit der Entwicklung kamen eben diese hinzu, auch bildhafte Anweisungen hielten Einzug in die Rezepte. Durch Tourismus und Einwanderung entwickelte sich die internationale Küche, gefolgt durch Kochbücher mit den Speisen sämtlicher Nationen.

1911 erschien erstmal das Dr. Oetker Schulkochbuch, welches heute mit über 19 Millionen verkauften Exemplaren zu den meistverkauften Kochbüchern weltweit zählt. 1937 kam Der Junge Koch dazu und ist bis heute ein Standardwerk an Berufsschulen für Köche.

Im Laufe der Zeit sättigte sich der Markt der Kochbücher. Heute finden sich für jede Art von Küche mehrere verschiedene Ausgaben, Trends wie Veganismus mit seiner Welle an neuen Büchern schüren das Feuer der Sättigung weiter. Die Garzeit dieser Sparte ist längst vorüber, vor allem auch durch intermediale Konkurrenz wie chefkoch.de und diverse TV-Shows.

Und somit endet unser kleiner Ausflug in die Geschichte. Wem jetzt noch nicht der Kopf vor Zahlen schwirrt, darf auf die weitere Entwicklung des Kochbuchs gespannt sein!

Autorin: Cindy Schulze

Medienethik: Freiheiten durch Kartellverbot

Freiheit durch Verbote sichern? Auf den ersten Blick scheint dies nicht vereinbar. Verbote dienen dazu, Möglichkeiten einzuschränken, und nicht, um neue zu schaffen. Und dennoch ist das Kartellverbot ein wichtiges Werkzeug, um die Meinungs- und Medienfreiheit zu gewährleisten.

Für den Schutz des Wettbewerbs innerhalb der deutschen Wirtschaft ist das Bundeskartellamt zuständig. Diese Behörde prüft mithilfe von Verfahren, ob Handlungen von Unternehmen gegen das GWB (Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen) und somit geltendes Recht verstoßen. Darunter fällt beispielsweise die Absprache konkurrierender Marktteilnehmer in Fragen von Preisen oder Marktverhalten. Doch auch andere Regelungen beeinflussen den Alltag von Medienunternehmen.

So legt das GWB fest, zu welchen Bedingungen sich Unternehmen zusammenschließen dürfen. Beteiligte, die einen gewissen Umsatz im Vorjahr erzielt haben, müssen diese Verbindung melden und von der Behörde prüfen lassen. Sollte sich in diesem Verfahren herausstellen, dass durch die Verbindung eine zu starke Verzerrung des Wettbewerbs oder Verschiebung der Marktmacht entsteht, hat das Bundeskartellamt das Recht, diesen Vorgang zu untersagen. Dies konnte 2003 die Verlagsgruppe Random House am eigenen Leibe erfahren. Die Verlagsgruppe Ullstein Heyne List (UHL) sollte in diese integriert werden. Dieses Vorhaben wurde jedoch vom Bundeskartellamt unterbunden. Die Random House Gruppe würde durch den Gewinn der weiteren Marktanteile – besonders im Bereich Taschenbuch – zu einem marktbeherrschenden Unternehmen werden. Damit zumindest eine teilweise Zusammenführung von der Behörde gebilligt wurde, musste die UHL Gruppe aufgeteilt werden. Während Ratgeber- und Hörbuchverlage, sowie der Heyne Verlag in die Random House Gruppe integriert werden konnten, wurden die restlichen Teile der UHL an den Bonnier Konzern verkauft.

Doch nicht nur Verlage werden vom Bundeskartellamt überwacht. Auch Händler müssen sich mit der Marktordnung auseinandersetzen. Der Online-Riese Amazon kann hiervon ein Liedchen singen. 2013 wurde für eigenständige Händler europaweit die Preisparitätsklausel der Plattform abgeschafft, welche den Händlern untersagte, dieselben Waren – die sie auf dem Marketplace verkaufen – zu einem niedrigeren Preis auf anderen Plattformen anzubieten. Ein Jahr später folgte der nächste Konflikt. Der Börsenverein legte Beschwerde beim Bundeskartellamt ein. Amazon würde die eigene Marktmacht ausnutzen, um höhere Rabatte bei Verlagen zu erzwingen. Der unmittelbare Streit mit den betroffenen Verlagen wurde zwar beigelegt, aber ein Urteil der Behörden steht bisher noch aus. Der nächste Konflikt ist aber auch schon in Sicht: zwischen der Amazon-Tochter Audible und Hörbuchverlagen knistert es nämlich.

Aber was haben solche Verfahren nun mit Freiheit zu tun? Das Bundeskartellamt regelt den Wettbewerb, sichert diesen. Marktbeherrschende Unternehmen werden kaum geduldet, Monopole noch weniger. Niemand ist einem Marktteilnehmer vollständig ausgeliefert, kann stets zu einem anderen ausweichen oder ist zumindest vor Benachteiligungen geschützt. Genau dies bildet die Basis für die Freiheit von Presse und Meinungsäußerung. Verlage müssen sich nicht den Diktaten von einem einzelnen Drucker oder Händler fügen. Ein einzelner Marktteilnehmer kann nicht über den Inhalt oder die Machart der Produkte bestimmen und bei Missachtung mit wirtschaftlichen Beeinträchtigungen strafen. Die Verlage sind frei in ihrem Schaffen und bei Problemen steht ihnen mindestens eine weitere Alternative offen. Gleichermaßen sind eben jene Drucker und Händler nicht zwangsweise einem vorherrschendem Verlag untertan. Das Bundeskartellamt schafft somit die nötigen Freiheiten, die für die Medienbranche unabdingbar sind.

Autor: Jonas Jorek

Medienethik: Was schulden Bücher der Umwelt?

Die Abholzung von Bäumen, vor allem der des Regenwaldes, ist ein großes, globales Problem. Doch wie viel Schuld laden die jährlich produzierten Bücher auf sich? Dazu gibt es nun zwei Meinungen.

Contra Buch: Papier ist Holz. Aus einem durchschnittlichen Baum ist es möglich 6 000 A5-Seiten zu gewinnen. Das sind etwa 15 Bücher für einen Baum. Wenn wir die Drucke auf Altpapier außen vor lassen, wären das bei den um die 100 000 jährlich in Deutschland erscheinenden Novitäten rund 6 667 Bäume – bei nur einem angerechneten Buch pro Titel wohlgemerkt. 19 Prozent dieser Bäume sind illegal geschlagene Tropenhölzer. Keine schöne Aussicht. Hinzu kommen die bei der Buchproduktion entstehenden Treibhausgase. Zudem sind Bücher schwer und nehmen Zuhause Platz in Anspruch, der bestimmt auch anderweitig genutzt werden könnte. Dies allein sind zwei ausschlaggebende Gründe, wieso Wikipedia und Co. die Enzyklopädien mittlerweile fast vollständig ersetzt haben. Andere Bücher könnten ihnen folgen und demnächst ihre physische Substanz verlieren. Sind Printbücher heutzutage, wo Mobilität und Digitalisierung im Trend sind, überhaupt noch zeitgemäß? Nein. Und die Technisierung wird auch vor ihnen keinen Halt machen. Sie sind überholt und zu unhandlich für unsere globalisierte Welt. Denn können wir wirklich dieses Abholzen von Bäumen verantworten, wenn für den physische Druck von Büchern keine Notwendigkeit mehr besteht?

Pro Buch: Bücher sollen für das Verschwinden von Wald zuständig sein? Wenn ich mich in meinem Zimmer umschaue, sehe ich tausend andere Sachen, die für Holz draufgegangen sind. Ikea-Möbel, Holzarbeitsplatten und in der Küche stehen tausend Holzbrettchen, die noch nie ein Messer berührt hat. Bücher dagegen haben wenigstens noch einen wichtigeren Nutzen und helfen sogar, die Umwelt zu schonen. Wie bitteschön verbreiten sich denn die Tipps zu Umweltschutz und weiteren bewegenden Themen? Die ganzen Studien über das Waldsterben und wie man dem entgegenwirken kann? Klar, über das Internet, inmitten von tausenden Informationen, bei dem der User gar nicht mehr durchsieht und es letztendlich aufgibt. Hier sind Flyer, Anzeigenblätter und Zeitungen essentiell. Sie laufen weniger Gefahr übersehen zu werden oder im Spam-Ordner des Postfachs zu verenden, wenn sie schwarz auf weiß gedruckt sind. Im besten Fall natürlich auf Altpapier. Und wenn wir schon mal bei irgendwelchen Zahlen sind: Bier trinken, Regenwald retten! Mit nur 13 334 Kästen eines gewissen Bieres pro Jahr* kannst du den Regenwald vor den gefährlichen Büchern retten. Ich sag nur: Prost!

Autoren: Christin Fetzer und Melanie Uhlig

*2014 wurden von besagtem Bier umgerechnet 65 Mio. Kästen verkauft.

Reisen: Mit Pausanias nach Griechenland

Reisen: Mit Pausanias nach Griechenland

Griechenland ist derzeit in allen Medien. Sparkurse, Reformen und Ausschreitungen erschüttern das Land. Dieser Artikel aber beleuchtet eine Zeit, in der es noch Denaren und Sesterzen statt des Euros gab: das antike Griechenland.

Circa 115 bis 180 n. Chr. lebte der Perieget (Reiseführer) Pausanias. Im Gegensatz zu anderen Persönlichkeiten der Antike war ihm zu Lebzeiten kein sonderlicher Ruhm vergönnt. Erst Stephanos von Byzanz, ein Grammatiker im 6. Jahrhundert, erkannte den Wert von Pausanias‘ Arbeit.

Sein Werk

Pausanias Reiseziele © summagallicana.it
Pausanias Reiseziele © summagallicana.it

Pausanias schrieb zwischen 150 und 180 n. Chr. zehn Reisebücher über seine Wanderungen und Fahrten durch Griechenland. Jedes Buch beleuchtet dabei ein bestimmtes Gebiet, das er dem Leser in seiner Vielfältigkeit näher bringen möchte. Allerdings ließ er Orte seiner Reise, die ihm nicht so wichtig schienen, links liegen. Man müsse selektieren, soll er einmal gesagt haben. Innerhalb von Städten verlief seine Route immer gleich. Er ging von einer Seite durch das Zentrum zur gegenüberliegenden Seite, um dann wieder zurück zur Mitte zu kehren und so verfuhr er, bis er seiner Meinung nach alles Wichtige gesehen hatte. Sein Schreibstil zeichnet sich durch eine hohe Verständlichkeit und sehr viele emotionale Eindrücke aus. Viele Passagen sind sogar humoristisch. Beispielweise erklärte er die Tat eines olympischen Sportlers, der Selbstmord beging „für Wahnsinn als für Mannhaftigkeit“. Wie man bemerkt, kommen also historische Ereignisse aber auch Sagen und Bräuche einer Region in seinen Beschreibungen nie zu kurz. Leider erreichte er durch seine eigentümliche Art der Berichterstattung kein Publikum. Für die Gebildeten waren seine ausschweifenden Beschreibungen über die Landschaft zu viel und als ein Reiseführer taugten die Schriftrollen ebenso wenig, weil sie zu schwer und lang waren. Die Nachwelt aber ist denkbar froh über seine Ausführlichkeit, sowohl in der Beschreibung als auch in der Wiedergabe von Gehörtem.

Sein Vermächtnis

Viele bedeutende Ruinen und Plätze wären ohne Pausanias nie gefunden worden. Mithilfe seiner sehr detaillierten Beschreibungen konnte man ganze Dörfer und heilige Anlagen rekonstruieren. Außerdem hilft seine Wiedergabe von Inschriften auch heute noch die Bedeutung vieler Bauwerke zu identifizieren. So wird Pausanias mit seiner Beschreibung Griechenlands heute – zumindest unter Archäologen und Geschichtsbegeisterten – die Ehre zuteil, die ihm zu Lebzeiten verwehrt blieb. Und ich habe mir vorgenommen mich irgendwann auf die Spuren dieses sehr sympathischen Reiseführers zu begeben.

Autorin: Melanie Uhlig