Gut Leben ohne Werbung – das transform Magazin: fokussiert auf Inhalte

Gut Leben ohne Werbung – das transform Magazin: fokussiert auf Inhalte

Egal ob Print oder digital: wer gemütlich in Zeitschriften blättern will, den stört alle paar Seiten eine knallige Werbeanzeige. Überall blinkt und schreit es aufmerksamkeitsheischend. Dabei passt die Werbung häufig so gar nicht zum eigentlichen Heftinhalt. Entspannt und werbefrei Zeitung lesen – geht das überhaupt? Ja – wie das transform Magazin beweist, über das ich kürzlich gestolpert bin.

Das transform Magazin für das gute Leben versteht sich als werbefreie Zone. Auf seinen Seiten finden sich keinerlei Anzeigen. Auch wenn das für das Heft keine Werbe- und Anzeigeeinnahmen bedeutet. Viel wichtiger als Geld ist der Redaktion die Grundaussage des transform Magazins. Es geht um Entschleunigung, hinaus aus dem Hamsterrad und hinein in die genussvolle Lektüre. Da würde Werbung nur stören – zumal viele der Texte recht kritisch mit unserer heutigen Gesellschaft ins Gericht gehen.

 

Entspanntes Hipsterleben & moderne Übersichtlichkeit

pic transform 2 cover
Die aktuelle Ausgabe. © transform-magazin.de

Das transform Magazin für das Gute Leben ist ein seit Juli 2015 erscheinendes Printmagazin, welches sich – wie der Titel schon verrät – mit dem Guten Leben und all seinen Facetten beschäftigt. Auf 127 Seiten finden sich Texte und alltagstaugliche Inspirationen, wie es in Heft Nr. 1 bezeichnet wird. Die Redaktion möchte mit transform einen Beitrag zur Entschleunigung leisten und wendet sich offen gegen den Selbstoptimierungswahn.

 

In jeder Ausgabe des Magazins gibt es ein Schwerpunktthema. Die die erste Ausgabe drehte sich um das Thema Arbeit („Wir schmeißen hin“), die zweite um Empathie („Empathie da wo’s wehtut“), und die dritte Ausgabe beschäftigte sich mit den eigenen, menschlichen Widersprüchen („Wir widersprechen uns“). Zu diesen Schwerpunktthemen gibt es dann diverse Artikel, aber auch die wiederkehrenden Rubriken Sanftmütige Dissidenz im Alltag und Das gute Leben sind von dem Schwerpunkt geprägt.

Charmant an dem Magazin finde ich seine leichte wie beschwingte Sprache, die dennoch von einem ernsthaften Unterton begleitet wird. Die Artikel richten sich nie gegen etwas, sondern regen zum Nachdenken an. Die teils umfangreichen und komplexen Texte werden mit verschiedenen kleineren Artikeln, lustigen Beiträgen, praktischen Handlungsanweisungen, Mandalas sowie ironischen Zitaten und Anspielungen aufgelockert. Beispiele gefällig? „Anleitung zum Blaumachen. 10 praktische Tipps“, „Du kannst es auch! Diesmal: Die Mundharmonika“ oder „Pimp my Denkmal“ sind nur einige der aufheiternden Artikel, die sich im transform Magazin finden lassen.

pic transform 4 Logo
© transform-magazin.de

Sehr praktisch finde ich auch das Icon-System, welches die Redaktion für das Magazin erdacht hat. Dieses Bildsystem dient der Einordnung der Beiträge und zur schnellen Übersicht, wieviel Zeit das Lesen in Anspruch nimmt (Symbol: Armbanduhr bzw. Standwecker) oder ob es was fürs Herz (Symbol: Herz) oder für den Kopf (Symbol; Glühbirne) ist. So weiß man immer, woran man ist.

 

Ein werbefreies Bookazine

Mit seiner inhaltlichen wie formalen Ausgestaltung präsentiert sich das transform Magazin als hochwertiges Produkt. Auf 127 Seiten und recyceltem Papier kommt es nicht wie eine einfache Zeitschrift daher. In seiner Beschaffenheit ist es nicht nur Magazin, sondern auch Buch. transform weicht vom typischen A4-Format ab und orientiert sich eher an einem Standart-Fachbuch mit einer Breite von 23 Zentimetern. Im Englischen gibt es für diese in den letzten Jahren aufgekommene Hybridform die Bezeichnung „Booakzine“. In der Regel sind diese zwischen 116 und 132 Seiten stark, im A4-Format und auf hochwertigem Papier gedruckt, konzentrieren sie sich auf ein spezielles Thema und funktionieren häufig ohne oder mit nur wenigen Werbeanzeigen.

pic transform 1 contents
© transform-magazin.de

Diese No-Advertising Einstellung findet sich auch ganz explizit beim transform Magazin wieder. Das Magazin möchte dem Leser eine gute Zeit bieten, voller interessanter Artikel, Ideen und genussvoller Ästhetik. Der Verzicht auf Werbung erlaubt dem Magazin, unabhängig und frei agieren zu können.

Denn mit Werbung würde das Magazin zu einer wahllosen Plattform, auf der es nur um den Verkauf und monetäre Interessen ginge. Dies widerspricht aber dem Selbstverständnis der Redaktion, sodass einfach darauf verzichtet wird. Wenn sie immer wieder das Verhältnis von Werbung in Magazinen problematisiert, wird deutlich, dass es hier wirklich um ein Umdenken im Verhältnis von Werbung und Zeitungstext geht. Dies geschieht ernsthaft, aber dennoch leicht und witzig. Im transform Nr. 1 finden sich zum Beispiel zwei Seiten, die sich ganz darauf konzentrieren.  Dabei ziert die linke Heftseite auf weißen Grund nur ein überdimensional großes schwarzes X und darunter das Wort Werbung in schwarz, auf der rechten Seite findet sich der Buchstabe O in groß, darunter ein längerer Satz mit der Botschaft: „Wer seinen Leser‘innen hochwertige Inhalte anbietet, sollte nicht darauf achten müssen, ob Werbekunden ein gutes Umfeld für ihre Produkte finden. Wir sind werbefrei. Und ziemlich stolz darauf.“

 

Crossmedial: für jeden das passende

Ein weiterer Aspekt des Magazins: Die Redaktion konzentriert sich nicht nur auf Print, sondern auch auf digitale Inhalte. Wer sein Magazin lieber im PDF-Format auf einem mobilen Endgerät liest, der kann die digitale Vollversion erwerben. Interessant ist außerdem das Angebot, den reinen Textinhalt des Magazins kostenfrei lesen zu können. Wer also nur Interesse an den Texten der Redaktion und der Autoren hat, der ist bei der Open Source Variante (im RTF-Format) gut aufgehoben. Um die längere Wartezeit auf eine neue Ausgabe zu versüßen, komplettiert ein Blog mit neuen Beiträgen das Angebot. Hier kommen neben den transform Autoren auch diverse Gastschreibende in den Rubriken Gutes Leben, Dissidenz, Zeitgeist, Zukunft sowie Arbeit zu Wort.

pic transform 3 redaktion
Die Redaktion. © transform-magazin.de

Das Heft ist im Zeitungsladen des Vertrauens oder direkt beim Hersteller für zehn Euro in der Printversion oder fünf Euro in der digitalen Vollversion erwerbbar. Für einen ersten, unentgeltlichen Blick könnt ihr natürlich auch auf der Homepage des transform Magazin für das Gute Leben vorbeischauen und euch durch den Blog oder die Open Source Magazinvariante lesen.

Dann verpasst ihr allerdings die tollen Illustrationen und eine genussvolle Lektüre. Ich empfehle die Printvariante, da bietet sich was für Herz, Augen und Hirn!

Autorin: Saskia Liske