Kurt Wolff: Ein Verleger-Prototyp

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„Warum studierst du Verlagswirtschaft? Mit Büchern verdient man doch heute kein Geld mehr.“ Eine Frage, die ich inzwischen zu gut kenne. Warum sollte man heute noch Bücher machen wollen? Meine Antwort darauf ist ganz einfach. Kurt Wolff. Verleger, unidealistischer Idealist und ein Mensch den ich – wie sicher auch viele andere – bewundere.

Der 1887 in Bonn geborenen Kurt Wolff entstammte einer Bildungsfamilie und verlebte eine recht unspektakuläre Jugend. Er studierte in mehreren deutschen Städten Germanistik und fasste schließlich (zumindest für einige Jahre) in Leipzig Fuß. Plötzlich ging alles ganz schnell. Mit Anfang 20 lernte er Ernst Rowohlt kennen und stieg kurz darauf zunächst als stiller Teilhaber, bald jedoch in aktiverer Rolle, in dessen neu gegründeten Verlag ein. Es kam zu Streitigkeiten zwischen den Beiden und sie gingen bald wieder getrennter Wege, doch Wolff beschloss dem Verlegerberuf treu zu bleiben. Er nutzte die neu gewonnene Freiheit und passte die Verlagsausrichtung stärker seinen eigenen Vorstellungen an.

Der Kurt Wolff Verlag veröffentlichte die frühen Werke einiger der wegweisendsten Autoren des 20. Jahrhunderts. Unter ihnen waren Hasenclever, Werfel, Kafka und Trakl, doch auch Else Lasker-Schüler und Karl Kraus.

1919 zieht der Verlag von Leipzig nach München. Mit den Jahren veränderte sich das Verlagsprogramm und fokussierte sich verstärkt auf internationale Literatur und Kunstpublikationen. Anfang der 20er Jahre gründete Wolff in Florenz einen Verlag rein für kunstwissenschaftliche Werke.

Einige Jahre später, kommt die Wirtschaftskrise und die Verlage geraten in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Wolff muss das Münchner Verlagshaus verkaufen. Er verlässt den Verlegerberuf und widmet sich anderen Dingen, doch nach seiner Flucht vor dem zweiten Weltkrieg in den frühen 40er Jahren gründet er in den USA ein weiteres Mal einen Verlag: Pantheon Books.

Bis zu seinem Tod 1963 unterhält Kurt Wolff Brieffreundschaften mit Autoren und Künstlern. Er lebte Literatur. Durch seine Briefe bekommt man einen Einblick, wer dieser Mensch war. Es ist anzunehmen, dass es sich bei ihm nicht immer um den einfachsten Zeitgenossen handelte, doch wahrscheinlich war es genau das, was ihn so erfolgreich machte.

Er veröffentlichte die Werke der ganz großen deutschen Expressionisten und zwar bevor sie zu den Großen gehörten. Er förderte Autoren, deren Werke Weltliteratur wurden. Ein solches Literaturverständnis zu besitzen und die Sicherheit bzw. auch den Willen zu haben, sich auf neue Wege zu begeben, ist meiner Meinung nach bewundernswert.

Die Kurt-Wolff-Stiftung vergibt auch dieses Jahr am Freitag, den 18. März 2016, um 13 Uhr auf der Leipziger Buchmesse ihre Preise an unabhängige deutsche Verlage, die sich auf besondere Weise hervorgetan haben.

 

Autorin: Amelie Müller