Apfel-, Gras- und Steinpapier? Die Zukunft?

Ein Bericht über alternative Papiersorten, für die kein Baum gefällt werden muss.

Warum eigentlich?

Vielen wird das ein oder andere Papier mit einer zuerst etwas absurd klingenden Wortbeigabe schon einmal über den Weg gelaufen sein. Im Gegensatz zu sogenanntem holzfreien Papier, welches einen etwas irreführenden Namen hat und in der Tat – genau wie holzhaltiges Papier – aus dem Rohstoff Holz besteht, wird für diese Alternativen kein Baum gefällt. In den letzten Jahren gewannen die unkonventionellen Papiere an Popularität und sie werden gerade bei unterschiedlichsten branchenspezifischen Medien immer wieder in den Fokus gerückt. Zuletzt erschien ein Interview bei dem Börsenblatt mit dem Titel „Steinpapier wird Papier aus Holzfasern bald ablösen“. Das alles ist ja schön und gut, aber nun stellt sich die Frage: Warum denn dieser ganze Trubel? Wir haben doch perfekt funktionierendes Papier, das auch noch aus einem Rohstoff besteht, der nachwachsen kann!

Soweit stimmt das auch, aber wie so oft ist die Menge entscheidend. Kaum ein Land verbraucht mehr Papier als Deutschland. Nicht umsonst werden wir für unsere Bürokratie belächelt. Vor allem große Unternehmen verantworten einen gewaltigen Anteil dieses Bedarfs. Ja, Bäume wachsen nach, aber drei entscheidende Faktoren verursachen Probleme. Zuerst der schon genannte Konsum, der viel zu hoch ist und sich mit dem zweiten Faktor verbinden lässt. Zeit. Ein Baum braucht mehrere Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, um auszuwachsen. Ihn zu fällen geschieht hingegen in wenigen Minuten. Zuletzt stellt sich die Frage, ob eine Wiederaufforstung überhaupt vorgesehen ist, sonst entfallen die ersten beiden Punkte natürlich komplett. Soweit nur zu dem Rohstoff, jetzt muss das Papier noch hergestellt werden. Die Produktion von Papier ist sehr wasser- und energieaufwendig und kombiniert mit unserem heutigen Verbrauch alles andere als nachhaltig. Und genau dieses Stichwort beantwortet das Warum. Die Nachhaltigkeit.

Ein Trendthema, das in den letzten Jahren ausgiebig besprochen wurde und stets aktuell zu bleiben scheint. Die aufgezählten Probleme sind nur ein Bruchteil des gesamten Bildes und die genaue Beschreibung der langen Transportwege, der benutzen Hilfsstoffen und der Überproduktion würden den Rahmen sprengen. Neben Recycling-Papieren gibt es nun auch andere Alternativen, von denen ich heute zwei vorstellen möchte.

Graspapier

Über alternative Rohstoffe für die Papierherstellung wurde schon in vergangenen Jahrhunderten geforscht. Wirklich interessant wurde es jedoch durch die Firma Creapaper aus Hennef. 2014 wurde ein Forschungsprojekt in die Wege geleitet, welches ganz offiziell feststellen sollte, ob Gras die Bedingungen zur Papierherstellung erfüllt. Das Ergebnis sah man im darauffolgenden Jahr, in dem die ersten Verpackungsprodukte aus Graspapier auf den Markt kamen. Die Produktion soll im Vergleich zur klassischen Papierherstellung 75 % weniger CO²-Emissionen verantworten. Statt 6.000 Litern Wasser und 5.000 Kilowatt Strom, die für eine Tonne Zellfaserstoff gebraucht werden, ist eine Tonne der Gras-Pellets schon mit zwei Litern Wasser und 112 Kilowatt Strom zufrieden. Gerade in der Verpackungsindustrie sind Großkunden wie OTTO, Rewe, Penny, DM und auch Coca-Cola bereits mit dabei. 

In Deutschland hat sich außerdem der kleine Verlag Matabooks aus Dresden mit der Produktion von veganen Büchern aus Graspapier einen Namen gemacht. Eine Eigenschaft des Graspapiers, auf die potenzielle Kunden gemischt reagieren, sticht recht schnell heraus. Die Farbpalette reicht von sehr hellen bis recht dunklen Beigetönen, jedoch ist Graspapier nie reinweiß. Während das für manche Menschen kein Problem ist, vielleicht sogar als etwas Positives angesehen wird, ist es für andere ein Grund, nicht nach diesen Produkten zu greifen, gerade wenn es um Gebrauchsgegenstände wie Notizbücher geht. Hier kommt die zweite Alternative wie gerufen, da sie in strahlendem Weiß zur Verfügung steht.

Steinpapier

Die Optik und Haptik von Steinpapier erinnern an qualitativ hochwertiges Papier. Es ist weiß, recht schwer und fühlt sich glatt und weich an. Es ist reißfester als gewöhnliches Papier und dazu noch wasserabweisend. Wie bei Graspapier muss auch für diese Alternative kein Baum gefällt werden. Es besteht zu 80 % aus Kalkstein und 20 % aus dem Kunststoff HDPE. Deswegen darf es auch am Ende der Nutzung nicht in die Biotonne wandern!

Die Verwendung von Plastik verunsichert viele Menschen und lässt sie an der Nachhaltigkeit von Steinpapier zweifeln. Tatsächlich schneidet es nicht so gut wie Graspapier ab, jedoch besser als klassisches Papier. Für eine Tonne sollen 700 Kilowatt Strom gebraucht werden und der Wasserverbrauch vergleichsweise um rund 99 % eingespart werden. Das schon erwähnte Interview wurde mit dem Gründer der Pebble Printing Group geführt, der sich für die weitere Verbreitung von Informationen über Steinpapier einsetzt. In Deutschland ist der Bedruckstoff noch recht unbekannt. Das kann sich schnell ändern, gerade wenn weiter daran geforscht wird und mögliche Nachteile immer geringer werden.


Autorin: Senta Keller
Bildquelle: Pixabay.com

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