Marc-Uwe Kling und die Kleinkunst

Er ist der Shooting-Star der Unterhaltungsbranche, er hat sich mit seinem vorlauten kommunistischen Känguru auf den deutschen Bestsellerlisten einen Namen gemacht und jetzt sogar die Kinoleinwand erobert. Marc-Uwe Kling ist wohl einer der unkonventionellsten und lässigsten Schriftsteller, die Deutschland zu bieten hat. Doch was macht ihn so erfolgreich? Und vor allem, was macht ihn anders als die anderen?

„Es geht nicht um Kleinkunst. Es geht um Theater! Um Hochkultur!“

Das Känguru | Die Känguru-Chroniken

Marc-Uwe möchte nicht als Kleinkünstler bezeichnet werden. Das Wort bereitet ihm physische Schmerzen, das macht er gleich am Anfang der Känguru-Chroniken klar. In Klings Werk, welches ihm zum Durchbruch verhalf, geht es im Wesentlichen um den erfolglosen und unmotivierten Kleinkünstler Marc-Uwe und seinen Mitbewohner, ein vorlautes kommunistisches Känguru. Marc-Uwe selbst ist Anarchist. Gemäßigter Anarchist.

Und obwohl er sich in seinem wohl bekanntesten Werk so vehement gegen diese Begrifflichkeit wehrt, war es tatsächlich auch die Kleinkunst, die Kling zu seiner steilen Karriere verhalf. Geboren und aufgewachsen in Stuttgart, zog er nach dem Abitur nach Berlin, um Philosophie und Theaterwissenschaften zu studieren. Beides brach er ab.  

Während des Studiums startete er seine Bühnenkarriere mit Poetry Slam, womit er zunächst auch außerordentlich erfolgreich war. Jedoch sind und waren Slams meist nur mit teuer gefüllten Whiskeyflaschen dotiert und davon lässt sich die Miete bekanntlich schlecht zahlen. So schrieb er weiterhin Kurzgeschichten über das Leben in Kreuzberg, teilte sie mit seinen Mitbewohnern und dem Publikum der Berliner Lesebühnen und gewann unzählige Auszeichnungen. Er mauserte sich zum Star einer pseudo-intellektuellen Generation, die Philosophie oder Ethnologie studiert und nachmittags noch im Pyjama übrig gebliebene Pizza im Toaster aufwärmt. Bis das Känguru in sein Leben trat.

Eine steile Karriere

Mittlerweile hat Kling eine ganze Reihe an Büchern veröffentlicht, darunter mehrere Fortsetzungen der Känguru-Chroniken, einen dystopischen Roman namens Quality Land und mehrere Kinderbücher. Besonders die Hörbuch-Versionen, die er selbst einspricht, sind äußerst beliebt und erfolgreich. Im Frühjahr 2020 brachte Regisseur Dani Levy das Känguru und Marc-Uwe schließlich auf die große Kinoleinwand. Obwohl die Känguru-Reihe größtenteils aus voneinander unabhängigen Kurzgeschichten besteht, zimmerte man eine Gentrifizierungs-Story ganz im Stile der Buchvorlage mit bekannten Figuren und ikonischen Gags zusammen. Marc-Uwe Kling lieh dem Känguru wieder seine Stimme, wie schon in den allseits beliebten Hörbuch-Versionen der Känguru-Reihe. Das Drehbuch verfasste er selbst.

Die Reaktionen auf das Kinoerlebnis waren durchwachsen, trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass negative Kritiken in den Feuilletons und Kulturspalten Marc-Uwe Kling absolut nichts anhaben können. Er ist wie ein Superheld der Kleinkunst – und mittlerweile auch der Hochkultur, wie das Känguru in einer seiner Geschichten feststellt. Doch was macht ihn so unverwundbar für Kritiker, so „anders erfolgreich“?

Der Herr der Selbstverständlichkeit

Kling ist kein hochstudierter Mensch. Er hat sein Studium abgebrochen, jahrelang in einer Kreuzberger Studenten-WG gelebt und ist mit Geschichten über ein kommunistisches Känguru berühmt geworden. Mit ihm kann man sich identifizieren. Er repräsentiert eine ganze Generation, er ist sympathisch. Er schreibt, er singt und spielt Gitarre und er veranstaltet immer noch Lesungen. Und das alles tut er mit einer Selbstverständlichkeit, mit einer Lässigkeit, die man kaum bei anderen Autoren beobachten kann. Und genau diese Haltung ist es, die ihn von anderen abhebt. Er macht einfach sein Ding, er gibt prinzipiell keine Interviews und wirkt chronisch genervt (aber trotzdem sympathisch). Und er ist damit sehr erfolgreich.

Kling hat etwas zu sagen. Seine Geschichten und Bücher sind nicht einfach nur witzig, nein, sie rügen die Gesellschaft, beanstanden Politiker und haben immer einen Hang zur Systemkritik. Darüber muss man einfach schmunzeln, egal welche politische Position man selbst einnimmt.

Autorin: Nikola Kraa
Bildquelle: pexels.com

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