Name one hero who was happy

Achill war mehr als Muskeln und Heldentum

Ich bin durch und durch eine Coverkäuferin und als ich mich mitten in meinem wöchentlichen Thalia-Aufenthalt wiederfand, blitzte mir etwas aus einer Ecke ins Auge, blendete mich regelrecht. Als ich das gold-schimmernde Prachtstück schließlich in meinen Händen hielt, war ich enttäuscht, denn durch den Lateinunterricht wurden mir Übersetzungen und Sagen von Homer rätlich vermiest. Aber jeder hat eine zweite Chance verdient, so auch Achilles und seine Kampfkünste. Dieses Buch hat mich die lateinische Quälerei vergessen lassen und mich in den siebten Himmel katapultiert, denn, wie auch J.K. Rowling sagte – Ich liebe dieses Buch!

Pa-tro-klos

Doch worum geht es in Madeline Millers Roman „Das Lied des Achill“ überhaupt? Achills Muse waren weder er selbst, noch sein Ruhm. Es war Patroklos. Als Prinz geboren, wuchs der Junge, verstoßen von seinem Vater aufgrund eines unglücklichen Unfalls, im Palast von Prinz Achill auf. Ungeliebt, wie er es von zuhause gewohnt war, von allen mit niederträchtigen Seitenblicken gestraft oder gänzlich ignoriert. Nur ein Augenpaar zog Patroklos auf sich. Ein wunderschönes, blau leuchtendes. Achills Augen, Prinz des Hauses, Sohn des menschlichen Königs Peleus und der Meeresgöttin Thetis – zum Sterben schön, mit Kampfgenie gesegnet. Ihm war von Geburt an unfassbarer Ruhm versprochen worden und ausgerechnet er nahm sich des verstoßenen Jungen an. Sie begannen gemeinsam ihre Ausbildung, schliefen in einem Bett und waren unzertrennlich.

Von Frauenraub und einem Holzpferd

Helena, die schönste Frau der Welt, wurde entführt – zum Zorne ihres Mannes Menelaos, dem König von Sparta. Paris, der Übeltäter, hielt sie in Troja gefangen und Menelaos wollte seine Gemahlin selbstverständlich zurückgewinnen, mit Hilfe eines wahrhaft riesigen Heers. Wer einen Krieg gewinnen möchte, braucht herausragende Krieger. Aber aufgrund böser Prophezeiungen wollte die Mutter des herausragendsten aller Krieger tunlichst vermeiden, dass dieser teilnimmt. Trotz eines gut geplanten Versteckmanövers machten sich Achill und sein mittlerweile Freund-mit-gewissen-Vorzügen mit auf den Weg, um Troja zu belagern. Tagsüber wird gekämpft, des Nachtens lenken sich Patroklos und der „Beste aller Griechen“ von den Leiden des Krieges ab. Das Gemetzel dauerte ewig, das Leid stieg und die Hoffnung sank. Die einzige Hoffnung zum Sieg über die Trojaner hatte blonde Locken und versank zusehends im Ruhm, wurde blind für das, wofür er eigentlich kämpft. 

Eine wunderschöne Liebesgeschichte

Madeline Miller hat den Orange Prize for Fiction sicherlich nicht ohne Grund für dieses Werk erhalten. Es ist voller Gefühl, verstärkt wird das durch die Ich-Perspektive. Voller Intrigen, Spannung und Trauer. Und vor allem voller Fakten: Homers „alter Schinken“ wird komplett neu aufgezogen, aus einer völlig anderen Perspektive beleuchtet. Es ist nicht nur von außen ein echter Hingucker, sondern erobert auch von innen das Herz. Ein echter Glücksfang also, hübsch mit guten inneren Werten. Wer seine inneren Werte jedoch schonen will, sollte sich die ganze Sache zwei Mal überlegen, denn die ein oder andere Träne könnte durchaus fließen. Vielleicht auch ein ganzer Wasserfall, deswegen sollte sich mit Taschentüchern bewaffnet werden, bevor es ans Lesen geht. Wer überhaupt kein Interesse für historische Romane und griechische Mythologie mitbringt, wird entweder enttäuscht oder eines Besseren belehrt. 

Meine Deutschlehrerin hat gepredigt, dass eine Rezension keine „Lest-dieses-Buch!“-Propaganda werden darf, aber ich kann nicht anders, als eine Lobeshymne zu singen, denn Das Lied des Achill ist schlichtweg wunderbar.

Autorin: Freya Varga
Bildquelle: Privat

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