Kilchurn Castle

Schottland, Corona und ich

Wir scheinen auf diesem Blog ein Faible für Schottland zu haben, ist dieser hier doch der zweite Post über das grüne Land auf der englischen Insel. Aber glaubt mir, auch dieser Post lohnt sich zu lesen. Besonders, wenn ihr mit dem Gedanken spielt, einen Auslandsaufenthalt zu machen.

Oh, bonnie bonnie Scotland

Schottische Landschaft

Schottland war schon immer ein Traumreiseziel von mir. Und nachdem ich dort Urlaub gemacht hatte, war für mich klar, dass ich dort über einen längeren Zeitraum leben möchte. Also habe ich mich Ende 2019 dazu entschlossen, meine Bewerbung als Au Pair bei einer Agentur einzureichen. Ich muss sagen, es hat nicht lange gedauert, bis die ersten Familienvorschläge dabei waren. Und als ich endlich die eine Bewerbung gelesen habe, war für mich sofort klar, dass es die Familie ist, zu der ich wollte. Für mich halt alles gepasst, das Alter der Kinder und – ein Bonus für mich – sie hatten einen Hund. Coco, einen schokoladenfarbenen Australian Labradoodle.

Anfang 2020, direkt nach Neujahr, ging es für mich los. Mit zwei Koffern und einem schweren Rucksack gerüstet mit allem, was man für das unberechenbare schottische Wetter braucht. Ich hatte ziemlich Herzflattern als ich das erste Mal meine Gastmutter und die beiden Mädels am Flughafen getroffen habe. Aber ich wurde sofort mit Umarmungen begrüßt. Im Auto konnten die beiden Kleinen dann gar nicht aufhören zu quasseln. Ich fand’s super.

Wir haben schnell in eine Routine gefunden. Die Kinder zur Schule bringen, abholen und zwischendrin mit dem Hund spazieren gehen – das brachte mir circa 20 000 Schritte am Tag ein. Das hört sich nach viel an, aber die schottische Landschaft war es wert immer draußen zu sein. Auch die Schotten, die ich traf, waren freundlich. Ich wurde immer mit einem ‘Hiya, how’re you doing?‘ und einem offenen Gesicht gegrüßt. Jedes Mal hieß es ‘Your spoken English is great!‘. Dazu kann ich nur sagen ‘Trust me, it wasn’t.‘.

Covid hits

Wir hatten gerade in einen guten Tagesablauf gefunden und lernten uns besser kennen als es im März dann hieß, wir müssen alle zu Hause bleiben. Der Lockdown und Homeschooling starteten und alles wurde anders. Alle waren zu Hause und hockten aufeinander – das war nicht immer einfach. Vor allem nicht, wenn du die Familie erst seit ein paar Wochen kennst.

Aber wir haben es geschafft. Wir waren viel spazieren (das war noch erlaubt) und spielten zu Hause Lego und Brett- oder Kartenspiele. Wir haben Experimente gemacht – jeder kennt doch diese Kinderexperimentiersets – und viel gebastelt. Puzzeln war auch ein großer Hit, besonders bei meiner Gastmutter und mir.

Im Sommer wurde es dann etwas besser, wir waren viel im Garten, die Kinder hatten eine Wasserrutsche aufgebaut und wir waren Fahrrad fahren. Ich konnte sogar für drei Wochen nach Hause fliegen. Um diese Zeit herum musste ich auch entscheiden, wie es bei mir weitergehen soll. Ich hatte eine Zusage für einen Studienplatz an der HTWK Leipzig, aber Corona zwang die Uni zum Online-Unterricht. Ich wollte nicht zu Hause sitzen und niemanden vor Ort in Leipzig kennenlernen können. Also sagte ich den Studienplatz ab und verlängerte meinen Aufenthalt in Schottland um ein Jahr.

Sligachan Bridge auf der Isle of Skye

Wir wachsen als Familie zusammen

Corona hatte für mich auch etwas Gutes. Ich wuchs sehr eng mit meiner Gastfamilie zusammen. Vielleicht auch, weil wir gemeinsam Schicksalsschläge durchleben mussten. Aber das schweißte uns nur noch mehr zusammen. Ohne Corona wäre ich immer unterwegs gewesen und hätte nicht so viel Zeit mit meiner Gastfamilie verbracht. Klar, Schottland und die Landschaft besser kennenlernen wäre auch großartig gewesen. Aber ich bereue bis heute nichts an der Entscheidung länger geblieben zu sein.

Im Winter wurde Corona wieder schlimmer und die Lockdown-Regeln strenger. Ich entschied mich dazu, Weihnachten mit meiner Gastfamilie zu verbringen. Ich weiß nicht, wie es bei euch an Weihnachten aussieht, aber meine schottische Gastfamilie hatte FÜNF Weihnachtsbäume aufgestellt und auch an anderer Dekoration und Lichterketten fehlte es nicht. Außerdem lernte ich Jack, den Elf on the Shelf kennen. Jack, der am 01. Dezember aus dem Nordpol anreist und am 25. Dezember wieder verschwindet. Jack ist ein Elf, wie der Name schon sagt, und macht um die Weihnachtszeit herum ganz große Faxen. Natürlich sind hinter den Kulissen die Erwachsenen für diese Faxen verantwortlich. Aber pssst, die Kinder wissen davon natürlich nichts und freuen sich jeden Tag darauf Jack zu finden. An einem Tag im Dezember hatte Jack den Staubsaugerroboter zu Rudolf (the red nose reindeer) umfunktioniert – mitsamt roter Nase, Lichterkette und Geweih – und fuhr auf ihm durchs Haus.

Von meiner Gastmutter bekam ich sogar einen kleinen Weihnachtsbaum im Topf für mein Zimmer geschenkt. Das war Weihnachtsbaum Nummer sechs. Weihnachten in Schottland zu verbringen – mit brennendem Kamin und Schnee – war ein großartiges Erlebnis. Was nicht so toll war: Im Januar hieß es, Homeschooling startet wieder. Aber wir haben auch das irgendwie überstanden.

Endlich darf ich das Land besser kennenlernen

Zwischendurch hatte ich glücklicherweise immer wieder die Chance zu reisen. Ich war viel in Edinburgh (besonders vor Corona Anfang 2020), in Glasgow und wir – damit meine ich zwei andere Au Pairs und ich – waren für ein Wochenende in Aberdeen. Ab und zu fuhr ich auch mit meiner Gastfamilie weg. Oder auch allein, wie zum Beispiel als ich nach Oban, der Isle of Mull und der Isle of Kerrera gefahren bin. Die Isle of Kerrera ist eine sehr kleine Insel, mit noch weniger Einwohnern, aber zum Wandern echt super!

Ich war auch auf zwei Roadtrips mit den anderen beiden Au Pair-Mädels, die ich dort kennenlernen durfte. Eine kam aus Argentinien, die andere aus Frankreich. Wir fuhren an der Five Coastal Route entlang und waren sogar für ein paar Tage auf der Isle of Skye. Auf der linken Seite Autofahren war sogar einfacher als gedacht. Na gut, nicht als ich das erste Mal gefahren bin – da hatte ich sehr große Angst – aber bald darauf ging es bergauf. Von unseren Trips seht ihr auch einige Bilder in diesem Blogpost, die allerdings nicht ich gemacht habe, sondern eins der Mädels. Wenn ihr Fotografie mögt, schaut doch gerne auf ihrem Instagram-Profil @emma.dlch vorbei.

Eine Erfahrung, an die ich mich immer erinnern werde

Ich habe noch immer sehr guten Kontakt zu meiner Gastfamilie und war sie seit Sommer 2021 bereits zwei Mal besuchen. Jedes Mal ist es schön zu sehen, wie sehr sich jeder freut, dass man sich endlich wiedersieht. Und wenn ich nicht da bin, erwärmt es mir immer wieder das Herz, wenn ich eine Nachricht von meinen Gastkindern bekomme, in der es heißt ‘I miss you soooooooooo so much!‘

Wenn ihr auch überlegt ins Ausland zu gehen, dann möchte ich euch sagen: Macht es auf jeden Fall! Diese Erfahrung kann euch niemand nehmen und wer weiß, wen und was ihr dort kennenlernt. Für mich steht fest: Nächstes Jahr geht es wieder nach Schottland!

Autorin: Lena Kornblum
Bilder: Emma Delouche / Instagram: @emma.dlch

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