Shoplifters – Was macht eine Familie aus?

Maya Angelou schrieb einmal: “Family isn’t always blood, it’s the people in your life who want you in theirs: the ones who accept you for who you are, the ones who would do anything to see you smile and who love you no matter what.”

Wenn man sich die Filme von Hirokazu Koreeda ansieht, werden zwei wichtige Dinge erkennbar. Einerseits fällt auf, dass er mit vielen unterschiedlichen Genres arbeitet, von Kinderfilmen bis hin zu Mysterien. Außerdem ist erkennbar, dass fast alle seine Filme etwas mit der Familienbeziehung zu tun haben.

Zudem hat der japanische Regisseur Vorstellungen von der Bedeutung des Wortes Familie, die denen von Maya Angelou ähneln. Dies wurde in seinem Film Shoplifters, der 2018 auf dem Filmfestival von Cannes die Goldene Palme gewann, dargestellt.

Die Shibatas

Am Rande Tokios lebt eine Gruppe von fünf Leuten in einem heruntergekommenen, beengten Haus: Osamu, ein Tagelöhner, der seinen Job aufgeben musste, nachdem er sich den Knöchel verdrehte; seine Frau Nobuyo, die für eine industrielle Wäscherei arbeitet; Aki, die in einer Peep-Show arbeitet; Shota, ein 12-jähriger Junge und Hatsue, eine ältere Frau, die das Haus besitzt und die Gruppe mit der Rente ihres verstorbenen Mannes unterstützt. Obwohl keiner von ihnen blutsverwandt ist, nennen sie sich gemeinsam die Shibatas.

Sie sind vielleicht keine Menschen, die man im Leben kennenlernen möchte – sie stehlen, lügen und betrügen. Gleich die erste Szene zeigt Osamu und seinen jungen “Sohn” Shota beim Ladendiebstahl in einem Supermarkt. Sie schirmen sich gegenseitig geschickt ab, kommunizieren in einer eigens einstudierten Zeichensprache, geben sich Hinweise und passen aufeinander auf. Dies scheint eine geübte Routine zu sein. Bald wird sogar die kaum fünfjährige Juri, das neue Mitglied der Familie, zum Komplizen. Als Osamu später im Film gefragt wird, warum er den Kindern das Stehlen beibrachte, antwortet er einfach, dass er nicht wüsste, was er ihnen sonst beibringen sollte.

Aber Koreeda verurteilt seine Charaktere nicht…

…, sondern präsentiert sie mit einem humanen Blick und einer ruhigen Zartheit. Koreeda hat eine Art, den Menschen und dem Leben zuzusehen, die zutiefst berührend ist. Aus den prekären Lebensverhältnissen seiner Protagonisten erschafft er eine kleine, sichere Festung gegen eine Welt, in der die Mitglieder dieser besonderen Familie hoffnungslos verlassen wurden.

Das sanfte Tempo, der Fokus auf die Nuancen familiärer Beziehungen und die Rücksicht auf die kleinen Freuden des Lebens sind immer das Herz und die Seele der Filme von Koreeda. Fast immer sind die Prämissen seiner Filme simpel, wie stets entwickelt sich die Handlung authentisch und ohne bemühte Konstruktionen. Einen Großteil des Films schauen wir dem Alltag der Familie Shibata zu, wie sie klauen, Nudeln schlürfen oder an den Strand gehen. Aber langsam entwickelt sich die Geschichte bis zu einem verzweifelt traurigen und ergreifenden Höhepunkt. So bleibt man am Ende trotz aller Fehler und Verfehlungen dieser Menschen mit einem gebrochenen Herzen zurück, wenn nichts mehr so ist, wie es zunächst schien.

Fazit

Shoplifters ist ein Film, den man sich nochmal ansehen möchte, nicht nur um die warme Atmosphäre mit den Charakteren noch einmal zu erleben, sondern auch, um die tiefe Verbindung zwischen ihnen im Laufe der Geschichte zu beobachten. Als die “Mutter” Nobuyo einer Polizistin in einer der letzten Szenen gegenübersitzt, fragt sie: „Macht eine Geburt einen schon zur Mutter?” Auf diese Frage hat der Film schon längst die passende Antwort gegeben: Liebe und Zuneigung sind dicker als Blut.

Autorin: Tram Anh Nguyen
Bildquelle: pexels.com

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