“The only way to learn is to live.”

Kaum ein Buch ist letztes Jahr so viral gegangen, wie „Die Mitternachtsbibliothek“ von Matt Haig. Mir zumindest wurde dieses Buch jedes Mal regelrecht entgegengeschmissen, wenn ich Instagram oder TikTok öffnete. Als dann auch mehrere Personen aus meinem Freundeskreis anfingen, dieses Buch zu loben und zu empfehlen, war mir klar: Das musst du auch lesen.

Darum geht’s

[TW: Tod, Selbstmord]

Das Leben ist nicht leicht für Nora Seed. Seit Jahren kämpft sie mit Depressionen, ihre Karriere ist praktisch non-existent, ihren Ex-Freund hat sie kurz vor der Hochzeit verlassen und ihren Bruder und beste Freund:innen hat sie so enttäuscht, dass sie keinen Kontakt mehr zu ihnen hat. 
Als sie schließlich beschließt, ihr Leben mit einer Überdosis an Tabletten zu beenden, findet sie sich in einer Bibliothek wieder. Einer Bibliothek, die keinen Anfang und kein Ende zu haben scheint, und die bis zur Decke mit Büchern verschiedenster Größe gefüllt ist. Sie trifft dort auf ihre alte Schulbibliothekarin Mrs. Elm, von der Nora erfährt, dass die sogenannte „Mitternachtsbibliothek“ eine Zwischendimension binnen Leben und Tod ist. Die Bücher repräsentieren die Leben, die sie hätte führen können, wäre sie an verschiedenen Stellen ihres Weges anders abgebogen. Und sie hat sogar die Möglichkeit, diese „Was wäre wenn’s“ auszuprobieren. Für Nora beginnt eine Reise, auf der sie sich und ihre Reue über vertane Chancen besser kennenlernt. Und am Ende ist eben doch nicht alles Gold, was glänzt.

Kritik

Als ich das Buch zum ersten Mal aufschlug, wusste ich nicht, was mich erwartet. Ich hatte lediglich den Klappentext gelesen, der mir eine grobe Richtung vorgab. Meine Erwartungen waren zu dem Zeitpunkt leider durch die vielen Lobgesänge utopisch hoch, was definitiv kontraproduktiv war, denn Spoiler: Sie wurden nicht erfüllt. Leser:innen wird nämlich schon relativ früh klar, welches der vielen Leben am passendsten für Nora ist, was die Spannung und damit die Lust zum Weiterlesen ein klein bisschen mindert. Das hat mich persönlich aber ehrlich gesagt nicht so gestört. Vielmehr, dass die Charaktere, vor allem Nora, sehr „einfach“ geschrieben waren, man sich oft nicht in sie hineinfühlen konnte und somit die emotionale Bindung, die sonst zu Charakteren in ähnlichen Geschichten herrscht, etwas fehlte.

Warum ich dir dieses Buch trotzdem ans Herz legen möchte

Ich überlege oft, wie mein Leben gelaufen wäre, wenn ich mich an einem Punkt in meinem Leben anders entschieden hätte. Dabei träume ich meistens von vermeintlich perfekten Leben, die ich hätte haben können. „Die Mitternachtsbibliothek“ hat mir tatsächlich ein bisschen dabei geholfen zu erkennen, dass Reue über „falsche“ Entscheidungen häufig nur Ballast ist. Wenn man gerade vor großen (oder kleinen) Änderungen im Leben steht, kann diese Sichtweise hilfreich sein.

Zusammenfassend kann ich sagen: Matt Haigs Buch „liest sich gut weg“ und lässt ein gutes, aber auch ein bisschen unvollständiges Gefühl zurück. Man kommt als Leser:in nicht drumherum, auch über den eigenen Lebensweg nachzudenken und lässt sich mit diesem Buch auf ein Gedankenexperiment der besonderen Art ein.

Autorin: Anjes Dachner
Bild: privat

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